| AW: gebe ich meinen ninchen zu wenig futter ?? EDIT by lolo: abgetrennt aus kaninchenforum.de/kaninchenhaltung-allgemeines/1803-gebe-meinen-ninchen-zu-wenig-futter.html
Hallo,
die Fähigkeit aus einer Vielzahl von möglichen Nährstoffquellen eine den Bedarf deckende Ration zusammenzustellen sowie giftige bzw. verdorbene Futtermittel zu meiden ist eine überlebenswichtige Verhaltensweise in freier Natur.
Dieses Verhalten beruht nicht ausschließlich auf angeborenen Instinkten, sondern zum Großteil auf einem Lernprozess. Dies ermöglicht den Tieren neue Habitate zu erobern, in denen unbekannte Nahrungsquellen zu finden sind.
Nicht nur Wildtiere, sondern auch domestizierte Haustiere zeigen dieses Verhalten. Selbst Arten, die weitaus länger domestiziert sind als das Kaninchen (z.B. Hausschwein) oder Arten, die unter ganz anderen Umständen selektiert werden (z.B. Farbratten) sind in der Lage, ihren Nährstoffbedarf selbst zu decken und toxische Futtermittel zu meiden. Farbratten leisten mit dieser Fähigkeit sogar der Wissenschaft ihren Dienst.
Kaninchen wurden im Gegensatz zu Farbratten hauptsächlich als Fleischlieferanten gehalten und gezüchtet. Bis vor wenigen Jahren war es üblich, Hauskaninchen mit frischer Wiese und Küchenabfällen zu ernähren. Diese Praktiken haben sich in ländlichen Gegenden teilweise sogar bis heute gehalten. Fertigfutter ist eine recht neumodische Erscheinung. Die Fähigkeit zur Selektion wurde also weiterhin gefordert und gefördert.
Dass Hauskaninchen dieses Verhalten bis heute behalten haben zeigen nicht nur die zahlreichen Tiere, die inzwischen mit einem freien Angebot an Frischfutter ernährt werden. Bis heute verwildern Hauskaninchen immer wieder und siedeln sich erfolgreich an. Ohne die Fähigkeit der Futterwahl wäre ihnen das nicht möglich.
Der Nährstoffbedarf eines Tieres ist individuell. Weiterhin gibt es nicht nur Nährstoffe, die zum Leben benötigt werden sondern auch solche, die Gesundheit und Robustheit fördern, aber nicht lebensnotwendig sind. Letztendlich bedeutet dies, dass der Halter nicht wissen kann, was das Kaninchen an Nährstoffen benötigt.
Wird ein Futtermittel getrocknet, verliert es einen Großteil seiner Nährstoffe. Bis zu 50% sind es allein bei der Trocknung, 6-8% bei jedem weiteren Monat Lagerung. Ein zusätzliches Problem ist, dass dem Halter i.d.R. nicht bekannt ist, welche Nährstoffe in welchem Maß im Heu enthalten sind. Daher ist auch nicht bekannt, welche Menge an Frischfutter zugefüttert werden muss, um diesen Verlust auszugleichen.
Die Gefahr einer Mangelernährung ist dadurch bei einer Heu + rationiertes Frischfutter weitaus höher als bei einem Ad Libitum Angebot von vielfältigem Frischfutter.
Gleiches gilt für toxische Pflanzen oder verdorbene Futtermittel. Durch die Fähigkeit der Selektion wird solche Nahrung i.d.R. von Kaninchen gemieden, die entsprechend ernährt werden. Hingegen kommen Vergiftungen bei Kaninchen, welche keine Auswahlmöglichkeit haben bzw. eingeschränkt sind häufig vor. Zudem kann es passieren, dass der Mensch nicht erkennt, dass ein Futtermittel ungeeignet ist. Z.B. vermehrt Schimmelsporen im Heu, für den Mensch nicht immer zu erkennen, für das Kaninchen schon. Bleibt keine Ausweichmöglichkeit, ist das Kaninchen gezwungen, ein solches Futter aufzunehmen, selbst wenn es sich damit schadet.
Da das Selektionsverhalten auf einem Lernprozess beruht und ermöglich, neue Angebote an Nahrung passend einzuordnen ist es auch nicht nötig, sich auf Futtermittel zu beschränken, welche unter natürlichen Umständen zu bestimmten Jahreszeiten zu finden sind. Allerdings kann ein saisonales Angebot sinnvoll sein, nicht nur bei ad libitum Fütterung.
Einschränkung gibt es hinsichtlich verarbeiteter Futtermittel, insbesondere Fertigfutter, welche mit Aromastoffen versetzt werden, um die Tiere zu täuschen. Weizen sollte gar nicht gefüttert werden. Beides kann die Selektionsfähigkeit der Tiere stark einschränken.
Eine gewisse tägliche Beobachtungszeit sollte unabhängig von der Fütterungsweise für jeden Halter selbstverständlich sein, genauso wie die regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustandes inklusive des Körpergewichts.
@ kaninchen2000
Wie du anhand dieser Diskussion erkennen solltest, gibt es unterschiedliche Meinung zu dem Thema.
Kaninchen sind Frischköstler, welche sich unter natürlichen Umständen von einem vielfältigen Angebot verschiedener Pflanzen ernähren. Das Hauptfutter sollte m.E. immer Frischfutter sein, d.h. mind. 50% der gesamten Futtermenge. Idealerweise ein großes Angebot an verschiedenen Sorten zur freien Aufnahme. Dies ist aber nicht für jeden immer machbar. Wird die Frischfuttermenge eingeschränkt, sollten mind. ½ bis 2/3 der Menge strukturiertes Grünfutter (Gräser, Kräuter, Kraut und Blätter von Kulturpflanzen etc.) sein, der Rest andere Gemüsesorten, Obst in geringeren Mengen. Ab dem Spätherbst sollte die Menge an zuckerhaltigen Futtermitteln (d.h. Wurzel und Knollengemüse, Obst (weniger)) bei Kaninchen in Außenhaltung erhöht werden.
Zudem sollten auch solche Kaninchen stets die Möglichkeit haben zu wählen, d.h. es sollte Heu verschiedener Herkunft angeboten werden. Zusätzlich können ca. 20g/kg Körpergewicht Kräuter pro Woche pro Kaninchen gefüttert werden. Kraftfutter nur für Kaninchen, die es nötig haben.
Du musst selbst herausfinden, welche Menge für deine Tiere nötig ist. Wenn ein Tier gierig auf Frischfutter ist, ist es wie beschrieben zu wenig. Ansonsten musst du beobachten, wie viel deine Kaninchen insgesamt fressen und dann abschätzen, welchen Anteil davon bei dir Frischfutter ausmacht.
Gruß
Ithilion
Geändert von lolo (09.09.2009 um 15:16 Uhr).
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