Hallo!
Mich beschäftigt gerade die Kastration eines Rammlers. Damit habe ich bisher keine Erfahrungen gemacht. Außer eine ganz schlimme vor 20 Jahren. Da hatte ich eine Häsin, die plötzlich doch ein Rammler war und musste ihn kastrieren lassen. Also ab zum TA. Der nahm ihn mit rein, keine 5min später war er wieder mit ihm draußen. Ich war total sprachlos und fragte, ob er schon fertig ist. Er bejahte meine Frage und ich war verblüfft, da das Kaninchen wach war. Also erkundigte ich mich, ob er denn keine Narkose hatte. TA so: „Nö.“ Ich meinte dann, dass das dem armen Kerl sicherlich weh getan haben muss. Darauf der TA: „Wieso? Haben Sie ihn schreien hören?“.

Das hat mich damals komplett fertig gemacht. Hatte man Kaninchen früher so kastriert? Ohne Narkose? Seitdem hatte ich nie wieder einen unkastrierten Rammler gehabt.
Warum ich mich aber jetzt wieder damit beschäftige ist folgendes (könnte wieder ein Roman werden): In der Nachbarschaft leb(t)en 4 Kaninchen. Alles unkastrierte Rammler und in Einzelhaft. All mein Reden hatte keinen Sinn. Im Laufe der Zeit starben so nach und nach die Tiere weg. Vor paar Tagen dann Kaninchen Nr. 3. Aber für ihn war es wohl eine Erlösung, da er, seit er vor 5 Jahren aus der Zoohandlung kam, nur verrotzt war und die Augen oft zugeschwollen waren. Jetzt sitzt der letzte Kandidat noch da. Er bekommt ab und zu Freilauf auf dem großen Grundstück und hockt dann meistens bei uns am Zaun, um Kontakt mit einem unserer Ninchen aufzunehmen. Erstaunt hat mich, dass Diavolo ihn scheinbar mag. Keine Beißerei oder Aggression, obwohl ja beide Zaun an Zaun sitzen.
Vor paar Tagen war ich wegen einer anderen Sache bei unseren Nachbarn und sprach sie nochmal auf den Rammler an und fragte, warum er nicht kastriert wird. Die Antwort war, man müsse es nicht, er ist ja alleine. Ich sagte dann, dass das ja das Problem ist und man ihm doch eine Partnerin geben könnte. Aber davon wollte man nichts hören, da die Kinder kein Interesse mehr an ihm haben und man sie jedes Mal nötigen müsse, das Tier zu füttern und zu säubern. Und dann meinte meine Nachbarin, ich könne ihn haben – sie schenkt ihn mir. Ich war erstmal verdattert, aber nun geht mir das Hasi nicht mehr aus dem Kopf. Und natürlich auch die Kastration…
Wer macht das? Ein normaler Tierarzt (kann der das?) oder besser ein Heimtierarzt? Wenn ich mich dazu entschließe, ihn zu nehmen, was muss man nach einer Kastra beachten? Der Kleine lebt ja in Außenhaltung (Buchte) und hat dort vermutlich nur Stroh und Heu drin. Ob anderes Einstreu drin ist, weiß ich nicht. Aber muss er nach so einer Kastra auf einem Handtuch sitzen? Müssen irgendwann Fäden gezogen werden?
Ich weiß noch nicht, ob ich ihn nehmen werde, da ich momentan 2 Gehege habe (wovon das eine nicht geplant war – da eine VG schief ging). In jedem Gehege lebt ein Pärchen. In dem einen unser jetzt 3jähriger Diavolo mit der 1jährigen Lucyfer. Im anderen die bald 9jährige Nele und unser Handicap-Ninchen Romeo (mindestens 10 Jahre alt). Eigentlich wollte ich die beiden Pärchen gerne vergesellschaften, da aber Romeo dem ganzen körperlich nicht gewachsen ist, bleiben sie so lange getrennt, bis Romeo mal nicht mehr ist.
Und nun sitzt bei Nachbars der kleine Karamell und hätte vielleicht auch gerne ein schönes Leben in Gesellschaft von Artgenossen.
Ich bin am überlegen, und fühle mich echt wie ein Schwein dabei, Karamell kastrieren zu lassen und ihn so lange bei den Nachbarn noch wohnen zu lassen, bis Romeo mal nicht mehr ist. Dabei drehen sich meine Gedanken im Kreis. Romeo macht mir an manchen Tagen Sorgen. Da denke ich, lange hält er nicht mehr aus. Dann ist er wieder fitter… Also Romeo beschert mir oft ein Hin und Her der Gefühle. Manchmal habe ich Angst, ich lasse Karamell die nächsten Tage kastrieren und Romeo geht über die Regenbogenbrücke noch bevor die Kastrafrist abgelaufen ist. Kann ich Nele dann überhaupt die vielen Wochen alleine lassen?
Wenn ich das so schreibe und lese… es klingt gruselig und irgendwie gemein. Als wenn man einen Nietnagel sucht, der die Lücke schließen soll und Angst hat, der „Plan“ geht schief. Bitte versteht das nicht falsch. Aber das Nachbarkaninchen könnte nur zu uns, wenn Romeo mal nicht mehr sein sollte. Wann das ist, weiß ich nicht. Romeo kann nicht mehr alleine aufstehen und ich helfe ihm tagsüber alle 2h auf die Beine. Und wenn er möchte, halte ich ihn und wir laufen gemeinsam durch das Gehege. Manchmal ist er gut drauf und möchte ganz raus, also aufs Grundstück. Dann freut mich das, aber es gibt die vielen Tage, wo er bisschen frisst und ab in sein Erdreich verschwindet. Ich frage mich oft, ob er mit diesem Leben klar kommt. Ob ich es richtig mache. Mal denke ich nein, dann sehe ich wie er sein Weibchen putzt, Leckerchen gierig annimmt und aufmerksam ist, dann bin ich der Meinung, alles richtig zu machen. Ach menno…, momentan stressen mich meine Gedanken und die vielen Sorgen um Romeo und der Nachbarhasi geht mir auch nicht aus dem Kopf. Daher wollte ich hier mal um Rat bitten, vielleicht sortiert dies meine Gedanken.