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Zitat von Lilith Hallo, ich bin zu diesem Thema ein wenig zwiegespalten. Einerseits finde ich es schon wichtig, dass es gute Züchter gibt. Klar sind die TH voll mit ungewollten Kaninchen, die großteils aus unsachgemäßen Verpaarungen entstanden sind. Aber wenn man jetzt nur noch den Vermehrern das Feld überlässt, geht das auf Dauer zu Lasten der Gesundheit der Tiere. Ich bin der Meinung, dass gute Züchter ihre Existenzberechtigung haben, um gesunde Tiere ohne Zahnfehler und andere Erbkrankheiten zu ziehen. Quasi als Gegengewicht zu den vielen vermehrten Tieren, die ja gesundheitlich nicht immer so ganz auf der Höhe sind… sonst haben wir bald nur noch kranke bzw. kränkelnde Kaninchen und das kann es ja auch nicht sein. Dabei fände ich es aber wichtig, nicht in erster Linie auf optische Merkmale abzuzielen, sondern auf gesundheitliche. Und das geht mir bei der Rassekaninchenzucht bei vielen Rassen leider ab. |
Bei diesem Absatz bin ich ganz und gar deiner Meinung.
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Zitat von Lilith Die Angoras im Speziellen sehe ich ebenfalls sehr kritisch und bin der Meinung, dass andere, alte Haustier- bzw. Kaninchenrassen erhaltungswürdiger wären. Ich sehe auch eine eingeschränkte Lebensqualität bei den Tieren durch die starke und lange Behaarung. Wenn ich mir z.B. vorstelle, dass ich jetzt, bei dem Starkregen, ein langhaariges Kaninchen im Freigehege herumlaufen gehabt hätte, dann kann ich mir an meinen zehn Fingern ausrechnen, dass das Fell ein einziges Gesiff gewesen wäre, egal, ob reinrassig oder nicht, ob Angora oder Teddy oderoderoder…  |
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Zitat von Lilith Abgesehen davon, dass ich ebenfalls der Meinung bin, dass synthetische Materialien heutzutage die Wollproduktion aus Tierhaaren im Grunde überflüssig machen bzw. eben sogar ein Argument sein könn(t)en, die fragwürdige Haltung dieser „Nutztiere“ einzustellen. |
Welche Rasse(n) wären das denn, die erhaltenswürdiger wären als die einzige Doppelnutzungsrasse überhaupt?
Welche Synthetikfaser kann die Eigenschaften von Naturfasern im Allgemeinen und Angorawolle im Besonderen ersetzen? Schonmal eine Mütze aus Angoragestrick aufgehabt?
Angora sind freilich nicht für die ungeschützte Freilandhaltung geeignet, das gebe ich zu. Meine Tiere leben in einem halboffenen Stall, also eine feste Scheune mit Gitterfront. Auf die Wiese dürfen sie bei trockenem Wetter. Das ist meiner Meinung nach immer noch eine artgerechtere Haltung als in der Wohnung.
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Zitat von Lilith @ AngoraAngy |
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Zitat von Lilith Ich frage mich ehrlich gesagt auch, warum es unbedingt Angorakaninchen sein müssen? Ich meine, wenn es sich jemand zum Hobby gemacht hat, Tierhaare zu verspinnen und dann etwas draus zu stricken, wären andere Tierarten doch viel „ergiebiger“, ohne gleichzeitig eine Qualzüchtung zu sein (Schafe, Alpakas). AngoraAngy, den Platz für diese größeren Tierarten hättest du doch auf dem Bauernhof deines Freundes. Warum muss es also unbedingt eine derart umstrittene Tierart/Rasse wie das Angorakaninchen sein? |
Ja, ich verspinne die Wolle selber und nein, weder habe ich Platz für größere Tiere wie Schafe oder Alpakas (so groß ist der Hof auch wieder nicht) noch Interesse an deren Wolle, weil das ein ganz anderes Material ist. Darfst gern mal kommen und die unterschiedlichen Wollsorten durchfühlen. Übrigens ist in Relation auf die Körpergröße ein Angorakaninchen wesentlich ertragreicher als ein Schaf oder Alpaka. Warum soll eigentlich ein Schaf oder Alpaka weniger unter seiner Wolle und der Schur "leiden" als ein Kaninchen?
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Zitat von Lilith Wenn du deine Jungtiere selbst behälst, dann kommst du dem Tierschutz damit nicht ins Gehege. In dem Moment, wo du aber eines deiner Tiere abgibst, verlierst du die Kontrolle über dessen weiteren Werdegang und kannst einfach nicht ausschließen, dass es nicht doch eines Tages im TH landet. Das zum einen. Zum anderen weckst du durch die optische Schönheit resp. Besonderheit deiner Tiere in potenziellen Interessenten Bedürfnisse, die sie gar nicht entwickelt hätten, wenn sie diese Tiere niemals gesehen hätten. Diese Leute (ich rede jetzt nicht von Hobby-Spinnern, die diese Tiere der Wolle wegen halten, sondern von den Liebhaber-Heimtier-Haltern) hätten sich andernfalls vielleicht im TH umgesehen und dort ihr Traumkaninchen gefunden. Insofern wird die Zukunft erst zeigen, ob du durch deine Zucht nicht doch dem Tierschutz ein Ei legst…  |
Das Risiko besteht immer, das Problem hat auch der Tierschutz, Schutzverträge hin oder her. Ich habe schon etliche Anfragen von Kollegen, die meine "Karnickelmacke" natürlich mitkriegen. Die eine möchte ein "wuscheliges" Kaninchen zu ihren Kurzhaarkaninchen dazu, die Wolle interessiert sie nicht. Sie hat ein klares Nein bekommen. Der andere Kollege möchte auch niedliche Kuschelkaninchen und gedenkt sie dann regelmäßig zum Scheren zu mir zu bringen. Schon das hätte ihm ein Nein eingebracht, aber da er mir vor einigen Monaten schonmal von seinen Zwergkaninchen erzählt hat, die er in Käfigen im Keller gehalten hatte und ab und an zum Schmusen rausgeholt hat, habe ich ihm gesagt, dass er auf keinen Fall von mir ein Tier bekommen wird. WENN ich Tiere abgebe, dann in die Hände von Leuten, die entweder Ahnung haben oder bereit und willens sind, sich das von mir erklären, zeigen und beibringen zu lassen. Selbstverständlich gibt es auch dann keine Garantie, dass mit diesen Tieren kein Blödsinn passiert oder dass sie nachgezogen und die Jungen einfach unkontrolliert abgegeben werden. Weiß ich, kann ich nur versuchen mittels Beratung und Aufklärung zu beeinflussen.
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Zitat von Lilith Du schreibst, dass du die zukünftigen Besitzer deiner Jungtiere über die richtige Haltung und Pflege dieser Rasse aufklären willst/wirst. Ich wünsche dir dabei viel Glück und vor allem auch deinen Tieren!! Allein, die Erfahrung zeigt, dass manch ein Zeitgenosse die Fellpflege eines Langhaartieres unterschätzt. Ich kannte mal (virtuell) eine Teddyzüchterin, die nach einigen Jahren der Zucht völlig entnervt aufgegeben hat, weil ihr ihre Tiere teilweise nach Jahren in völlig verwahrlostem Zustand zurückgegeben wurden. Sie konnte das irgendwann einfach nicht mehr ansehen und wollte sich an diesem Elend nicht auch noch mitschuldig machen. Auch viele Vertreter langhaariger Hunde- und Katzenrassen sind regelmäßig beim TA zum Scheren „zu Gast“. Die Leute unterschätzen m.M.n. oft – trotz vorheriger Aufklärung – den großen Mehraufwand bei der Fellpflege. |
Eben, Langhaartiere gehören in erfahrene Hände oder wenn Anfänger, dann mit fachkundiger Beratung und Betreuung. Zum TA zu gehen und die Tiere möglichst noch unter Narkose scheren zu lassen, halte ich für einen großen Frevel und reine Faulheit. Jeder kann scheren lernen, wenn er gewillt ist. Jedes Tier kann lernen, dass scheren nichts schlimmes ist, wenn man genug GEduld aufbringt. Eine Kollegin von mir hatte einen Angoramix (und zwar ziemlich lange, bis er mit 11 Jahren starb), der freudig angerannt kam und sich lang hinlegte, wenn sie mit der Schere klapperte.
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Zitat von Lilith Last but not least: Ich weiß, es hört niemand gern. Aber: Deine Beziehung ist noch ziemlich frisch. Ich wünsche dir von Herzen, dass es hält und du dein Glück gefunden hast. Ich bin wohl wesentlich weniger „risikofreudig“, verglichen mit dir. Denn ich staune, in welchem „Schweinsgalopp“ du das alles aufziehst: Im März kennen gelernt, im April die Kaninchen umgesiedelt (wobei aus deinen Beiträgen so zwischen den Zeilen rauszulesen war, dass dein Freund dein Hobby nicht teilt, sondern dir zu liebe duldet), im Juni wird der Bestand verdoppelt und erste, handfeste Zuchtpläne sind auch schon gemacht. Ich hoffe einfach, du hast trotz aller Verliebtheit und trotz optimistischer Zukunftsaussichten einen Plan B in der Hinterhand, wo du mit deiner Kaninchenschar hinkönntest im Fall der Fälle… |
Dieses Thema ist dann doch meine Privatangelegenheit und ich gedenke nicht, das in einem Tierforum öffentlich zu diskutieren. Zumal ich mich mit 30 dann doch für lebenserfahren genug halte, um meine Entscheidungen selbst treffen zu können.
Typischer Fall von alles falsch gemacht. Nur im Verein zu sein macht einen noch lange nicht zu einem guten Züchter und tätowierte Kaninchen sind nicht automatisch von hoher Qualität. Die Haltung zu gestalten ist nicht Sache des Tieres, sondern des Halters. Die Gitterroste sind also kein Fehler der Rasse, sondern Bequemlichkeit und möglicherweise Falschinformation der unbedarften Halter. Ich selbst schere meine Tiere auch mit der Schere, wenn auch eine äußerst gute mit Sägezahnschliff statt einer gewöhnlichen Küchenschere. Mit genug Übung geht das auch schnell. Wenn man Angoras falsch hält und behandelt und letztlich dann die Geduld verliert, ist auch nicht das Tier schuld, schon gar nicht, wenn ein Hochleistungsnutztier als "Kinderspielzeug" missbraucht wird (was ja nunmal kein noch so pflegeleichtes Kaninchen jemals sein wird).
Gegessen wurden Kaninchen, inkl. Angora, auch seit jeher und ich finde da eigentlich auch nichts falsches dran. Ich selbst könnte zwar nie ein Tier töten, schon gar nicht, wenn ich es selber aufgezogen habe, aber eigentlich mag ich den Gedanken, zu wissen, wie das Schnitzel gelebt hat, bevor es auf meinem Teller gelandet ist. Bei dem Fleisch, das ich im Laden kaufe, möchte ich da gar nicht drüber nachdenken...