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Fliegenmadenbefall (Myiasis) auf Kaninchen Forum

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  • 3 Post By Tinachen

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Kaninchen
 
Registriert seit: 26.09.2010
Beiträge: 11.073
Tinachen befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 04.10.2015, 14:43

Fliegenmadenbefall (Myiasis)


Nachdem das seit jetzt seit zwei Jahren im Redaktionsteil "schlummert" und vom Admin leider nie wieder etwas zu hören war, kopiere ich es jetzt mal rüber.

Madenbefall


Madenbefall (Myiasis)

kann für ein betroffenes Tier nach kürzester Zeit (binnen Stunden) lebensbedrohlich sein, deshalb sofort handeln:

• Alle sichtbaren Eier/Maden sofort mit einem weichen Tuch oder Gummihandschuhen, evtl. Pinzette entfernen. Dabei nicht im (z. B. künstlichen) hellen Licht arbeiten. Die Maden sind lichtscheu und verstecken sich. Von Wärme dagegen werden sie angezogen.

• Nicht wie manchmal empfohlen Penatenbabycreme auftragen. Das verschmiert nur und bringt nichts.

• Danach sofort zum Tierarzt oder Tierklinik. Keine Zeit verlieren.
Dort wird großzügig das Fell an den betroffenen Stellen entfernt und die Maden mit speziellen Mitteln z. B. Sebacil, Rivanollösung, Betaisadona oder auch Goldschmierseife abgewaschen, bzw. gebadet. Zusätzlich kommt ein Antiparasitikum zum Einsatz.

• Z. B. Capstar Dosierung 0.1mg/je kg Tier.
Sehr gut bewährt hat sich Capstar. Dieses Mittel bewirkt, dass sich Maden die sich bereits in die Haut/Muskeln gefressen haben binnen kurzer Zeit (etwa eine halbe Stunde) an die Hautoberfläche zurück flüchten und dort abgesammelt werden können.

• Z. B. Ivomec oder Dectomax 0.2mg/je kg Tier.
Diese Mittel unterbrechen das Wachstum der Maden.

• Je nach Schwere des Befalls und dem Gesundheitszustand des Tieres sind weitere Maßnahmen erforderlich, die der Tierarzt genauso wie die Medikamentenwahl, individuell abstimmt. Hier sind unter anderem Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Antibiotika, Infusionen zu nennen.
Durch Fraß- und Nervengifte, die die Maden abgeben kann es beispielsweise zu einem Schockzustand, Untertemperatur, Entzündungen, Nekrosen usw. kommen.

• Auch nach dem Tierarztbesuch mit Baden, abwaschen, Medikamentengabe, usw. engmaschig nach verbleibenden Maden sehen und diese sofort entfernen, evtl. nochmals Baden.

Hier noch einmal die eindringliche Warnung sofort einen Tierarzt aufzusuchen. Binnen weniger Stunden können sich die geschlüpften Fliegenmaden durch das Gewebe, Muskulatur in die inneren Organe fressen. Dann kommt für das Tier jede Hilfe zu spät. Man mag sich die Qualen gar nicht vorstellen die das Tier erleidet.

Die bevorzugten Opfer einiger Fliegenarten wie z. B. der grün-blaülich schimmernden Schmeißfliegen, Goldfliegen, Fleischfliegen sind:

1. Kranke und geschwächte Tiere

Durchfall durch z. B. Kokzidien, falsche Ernährung, Nahrungsunverträglichkeiten. Zahn- und Kieferprobleme.
Harnwegsinfekten, Harnschlamm/Gries/Steine,
E.c., Abszesse.

2. Tiere mit einem Handicap

Wirbelsäulenverletzung, Verletzungen des Bewegungsapparates, zu dicke Tiere, die sich deshalb nicht überall sauber halten können.

3. Ältere Tiere

Arthrose, geringere Beweglichkeit - Sauberkeit.

4. Tiere mit Wunden

Bisswunden, Verletzungen, Operationswunden (Operationen wenn medizinisch vertretbar auf Fliegenarme Zeiten verschieben).

Fliegen brauchen zur Eiablage ein feuchtes Milieu. Die Eiablage erfolgt bevorzugt im Afterbereich (durch z. B. Durchfall verklebtes Fell) oder auch in der Nähe von Wunden.

Die winzigen, in Stäbchenform, länglichen, gelb cremeweißlichen ca. Stecknadelkopf kleinen Eier werden mit einem „Kleber“ meistens in „Nestern“ am Genitalbereich, in den Geschlechtsecken, in der Nähe von Wunden abgelegt.
Je nach Temperatur können die winzigen Maden innerhalb weniger Stunden schlüpfen und beginnen ihr zerstörerisches Werk. Die gefräßigen Tiere entwickeln sich schnell von winzigen nur Millimeter großen Würmchen zu Maden, die sich in Fraßgängen in das Innere bohren.

Anfällige Tiere engmaschig auf Fliegeneier/Madenbefall kontrollieren. (mindestens ein mal täglich gründlich).
In der Fliegenzeit vorsichtshalber auch gesund erscheinende Tiere gut beobachten und vermehrt kontrollieren. Geschlechtsecken mit weichem Tuch, Wattestäbchen oder Ähnlichem sauber halten.
Beim Kontrollieren bitte auf die zarten Knochen (auch Wirbelsäule) achten.

Wenn möglich kranke, alte, gefährdete Tiere ins Haus holen. Immer versuchen die Primärerkrankungen wie z. B. Blasenentzündungen, Durchfall, usw. siehe oben, die einen Fliegenmadenbefall erst ermöglichen zu behandeln.

Dafür Sorge tragen das es im Gehege nicht zu Gerüchen kommt von denen die Fliegen angelockt werden.

• Auf Sauberkeit und Hygiene achten.
Besonders in der Fliegenzeit täglich zumindest die Toiletten/Ecken reinigen. Das Gehege öfter reinigen.

• Keine Mülltonnen, Komposthäufen oder Ähnliches in Gehege/Stallnähe.

• Bei gefährdeten Tieren das Fell in der Afterregion kürzen oder abrasieren.
Vorsicht vor Schnittwunden, die Haut und überhaupt die Region sind sehr empfindlich. Am Besten vom Tierarzt machen lassen.

• Fliegengitter, Moskitonetze anbringen.

• Evtl. UV Lampen.

• Fliegenklebefallen.

• Klinofix.
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Klinofix (über Internethandel) gemacht.

Evtl. Duftpflanzen wie Lavendel aufhängen (Wirkung sicher nur schwach).
Der Einsatz von Fliegensprays ist durch die Giftigkeit der Inhaltsstoffe als sehr kritisch einzustufen.


Es empfiehlt sich vorsorglich mit dem Tierarzt/Tierklinik/Notdienst über dessen Kenntnisstand, bzw. Vorgehensweise bei einem Madenbefall zu sprechen.


Ein Erfahrungsbericht

Achtung Fliegenmaden.
Mir ist die Gefahr bewusst. Ich habe davor gewarnt aber mir als langjähriger Kaninchenhalterin kann doch so was nicht passieren.....
Gestern ist es passiert.
Ich merkte das Issy alleine im Stall saß. Issy ist eigentlich die "Mama" und kümmert sich um ihre Gruppe. Issy sitzt niemals alleine. Ständig wird ein anderes Ninchen aus der Gruppe geputzt oder sie sitzen eng aneinander gekuschelt bei ihr.
Ich war tagsüber nicht zu Hause und weiß deshalb auch nicht seit wann sie sich zurück gezogen hatte. Ich bemerkte, dass ihr Bäuchlein etwas gebläht zu sein schien und holte vorsichtshalber gleich Dimeticon. Als ich sie zur Medikamentengabe etwas anhob, traf mich fast der Schlag. Ein riesen gewurle um ihren Afterbereich. Maden!
Bitte nicht schoss es mir durch den Kopf. Es fiel mir nicht leicht einigermaßen ruhig zu bleiben.
Ich wischte alle Maden die ich erwischen konnte mit weichen Tüchern ab und fuhr dann sofort in die Tierklinik.
Es war bereits 20Uhr30 und in der Klinik war nur noch die Nachtbesetzung. Leider keiner der kompetenten Tierärzte zu denen ich Vertrauen hatte. Die junge Tierärztin bemühte sich wirklich sehr aber ich erkannte schnell, dass sie nicht besonders Kaninchen erfahren war. Issy wurde genau angeschaut und auf Station gebracht wo sie mit einem speziellen Mittel gebadet wurde. Ich durfte leider nicht mit in den sterilen Raum. Bange Minuten! Nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Tierärztin mit der Helferin wieder und meinte es wäre nur noch eine Made zu sehen gewesen und die Haut nur sehr oberflächlich verletzt. Ich solle morgen wiederkommen. Dann würde Issy nochmal gebadet. Ich hatte den Eindruck als ob sie den Madenbefall eher als undramatisch empfand. Ich fragte nach einer Madenabtötenden Spritze. Davon hatte sie aber noch nie etwas gehört und verneinte dies. Mit einem Termin für den nächsten Tag wurde ich nach Hause geschickt. Was blieb mir übrig als zu fahren und ihrer Aussage zu vertrauen und zu hoffen, dass das Bademittel ausreichen würde und alle Maden entfernt waren.......
In meinem Kopf spulte sich das volle Programm ab. Waren wirklich alle Maden entfernt, was passiert wenn sie welche übersehen hatten und die sich jetzt gerade ins Innere von meiner kleinen Maus fressen. Horrorbilder vor meinem geistigen Auge. Blühende Phantasie die man in solchen Situationen gerne ausschalten würde.
In der Nacht verbrachte ich mehr Zeit im Kaninchenstall als in meinem Bett um immer wieder zu kontrollieren wie es Issy geht. Sie machte Gott sei Dank einen einigermaßen guten Eindruck und hat auch gefressen. Das sah ich als gutes Zeichen an.
Trotzdem war ich entschlossen am nächsten Tag zu meiner anderen sehr Kaninchen erfahrenen Tierärztin zu gehen. In der Früh sagte ich den Termin in der Tierklinik ab und fuhr zu meiner Tierärztin. Sie ließ sich alles erklären und untersuchte Issy genau. Diagnose: Blasenentzündung. In der Folge hatte sich dadurch natürlich ein prima feuchtes Klima für Fliegeneier gebildet. Im wahrsten, makabren Sinne ein gefundenes Fressen.
Die Tierärztin bestätigte das die Fraßstellen wirklich nur sehr oberflächlich waren, trotzdem bekam Issy ein Maden abtötendes Mittel gespritzt. Ich war so erleichtert. Issy wird jetzt gegen die Blasenntzündung/Blasenschlamm behandelt. Im Moment habe ich ihr im Haus ein Behelfsgehege gebaut. Dort muss sie jetzt erst mal bleiben bis sie keine Symptome mehr hat. Denn nochmal möchte ich das so nicht erleben. Wir haben durch das gerade noch rechtzeitige erkennen das Schlimmste verhindern können.

by Tinachen



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