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E. C. auf Kaninchen Forum

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  • 6 Post By Tinachen

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Benutzerbild von Tinachen
Kaninchen
 
Registriert seit: 26.09.2010
Beiträge: 11.072
Tinachen befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 10.09.2015, 21:35

E. C.


Encephalitozoon cuniculi



Hinter diesem schwierig klingenden medizinischen Namen verbirgt sich eine sehr ernste Krankheit die unsere Kaninchen befallen kann. Es handelt sich bei diesem Erreger um einen, vereinfacht ausgedrückt, parasitären Einzeller, der oft schon latent im Kaninchen lebt. Die Ansteckung kann bereits im Mutterleib erfolgt sein oder aber über ein infiziertes Tier erfolgen. Infizierte Tiere können ihr ganzes Leben lang symptomfrei bleiben. Bei einem geschwächten Immunsystem, ausgelöst durch Krankheiten,Tod des Partnertieres, Stress, usw., kann die Krankheit ausbrechen. Der Erreger kann sich durch die geschwächten Abwehrkräfte über Blutstrom und Nervenbahnen schnell ausbreiten. Besonders Niere, Leber, zentrales Nervensystem, Gehirn und Augen können betroffen sein. Durch das Absterben „befallener" Zellen treten Entzündungen auf, die dann auch für die Ausfallerscheinungen verantwortlich sind.

Beobachtet man bei seinem Tier Auffälligkeiten, wie vermehrtes Trinken, teilnahmsloses vor sich hinstarren, ausgeschlossen werden aus der Gruppe, Angriffe/verjagen durch das Partnertier, Lähmungserscheinungen, unkontrolliertes Umfallen, im Kreis laufen, Kopfschiefhaltung, schnelle Augenbewegungen, Krämpfe oder weitere unklare Symptome, muss sofort ein Kaninchenerfahrener Tierarzt zu Rate gezogen werden. Der Tierarzt wird im Ausschlussverfahren und gegebenenfalls einem Bluttest, alle Krankheiten die ebenfalls zu den oben beschriebenen Symptomen führen können, ausschließen und die Behandlung einleiten.

Bei Encephalitozoon cuniculi, abgekürzt E. c., hat sich die Behandlung, aus drei Komponenten bewährt: Fenbendazol (z. B. Panacur o,2ml je kg Körpergewicht, je nach Verlauf, 28 Tage), ein geeignetes Antibiotikum (z. B. Baytril, 14 Tage), hochdosiertes Vitamin B (z. B. als Depotspritze vom Tierarzt). Je nach Krankheitsverlauf kann die Behandlung mit den jeweiligen Medikamenten weitergeführt werden. Panacur kann man bei einem besonders gefährdeten Tier in Intervallen (nach Bedarf z. B. alle drei bis sechs Monate oder in kritischen Stressfördernden Situationen) als "Kur" von sieben Tagen geben.

Unterstützend könnte man im täglichen Wechsel Cerebrum 1ml und Solidago 1ml (Ampullen von der Fa Heel, einfach mit der Spritze abfüllen und ohne Kanüle eingeben) geben. Ein Mittel für den Darmaufbau (z. B. ProPrebac) ist empfehlenswert. Unbedingt Dimeticon bereit halten und dies ggfl. auch vorbeugend geben um durch das veränderte Futterverhalten/und-oder evtl päppeln eine Aufgasung zu vermeiden.

So weit zur Theorie…..
Es muss ganz klar gesagt werden. Wenn E. C. das eigene Kaninchen trifft, befindet sich auch der Halter in einem absoluten Ausnahmezustand. Das geliebte Tier so zu erleben ist ein großer Schock. Man fühlt sich völlig überfordert, hilflos und der Situation nicht gewachsen. Ein Wechselbad der Gefühle. Der Krankheitsverlauf ist geprägt von Hoffnungslosigkeit, Bangen, hoffen und wieder Hoffnungslosigkeit, Glücksgefühlen über winzig kleine Fortschritte.

Trotzdem, es lohnt sich mit dem Kaninchen zu kämpfen. Es kann lange dauern bis sich ein stabiler Zustand einstellt. Oft bewegt man sich über Wochen einen Schritt vorwärts um dann gefühlte drei Schritte zurück zu machen. Diese Krankheit erfordert Geduld. Die Genesungszeit kann Wochen und Monate dauern. Nicht aufgeben auch wenn es oft schwer und hoffnungslos erscheint. Leider sind bei dieser Krankheit auch viele Tierärzte viel zu vorschnell und raten zum einschläfern. Es ist euer Tier sagt nein dazu und kämpft mit eurem Liebling. Leider hat man oftmals auch aus dem Umfeld mit Unverständniss zu rechnen. Zugegebenermaßen ist der Anblick eines E. c. Tieres manchmal schwer auszuhalten.

Das führen eines Tagebuches ist sehr sinnvoll. In Momenten der Hoffnungslosigkeit, z. B. bei einem Rückfall, kann man darin nachlesen. Meist stellt sich dabei heraus das es sehr wohl Fortschritte gibt. Nicht zuletzt hilft es auch sehr nachzulesen wann, wie und welche Medikamente gegeben wurden, wie Diese gewirkt haben, usw..
Man selbst und auch das kranke Kaninchen fühlt sich zuerst von der Situation überfordert, Unruhe und Angst machen sich breit.

Deshalb möchte ich betroffenen und interessierten Haltern Folgendes ans Herz legen:
Das erkrankte Tier ist auf liebevolle Fürsorge, Hilfe, Zuwendung, regelmäßige Medikamentengabe, umsichtigen Umgang angewiesen. Die Situation ist fast mit der Zuwendung und der Vorsicht die man einem Neugeborenen angedeihen lässt vergleichbar.
Man muss sich täglich neu der sich immer wieder veränderten Situation stellen und nach Lösungen suchen, flexibel sein.
Viel Ruhe. Geduld, Geduld, Geduld. Stress unbedingt vermeiden. (Wenn möglich den TA um Hausbesuche bitten, bzw. Medikamente nur abholen). Auch sich selbst Auszeiten gönnen, eventuell Hilfe bei der Pflege und Medikamentengabe suchen.

Bitte immer sehr vorausschauend und vorsichtig mit dem Patienten umgehen. Auch bei kleinen Handhabungen, wie Futter nachlegen oder Sonstigem, auch nur kurzem wegdrehen, das Tier immer schützen oder in eine gesicherte Position bringen. Das Drehen, Umkippen oder Rollen kann schnell gehen und das Tier in eine gefährliche Situation, wie herunterfallen oder Ähnliches bringen.

Es empfiehlt sich die Medikamente immer zum gleichen Zeitpunkt zu geben, der auch im eigenen Tagesablauf praktikabel erscheint. AB wird zeitversetzt zum Mittel für den Darmaufbau gegeben.

Wenn das Kaninchen die Medikamente selbstständig aufnehmen kann umso besser. Vielleicht klappt es gemischt mit Apfelmus, Karotten aus dem Babygläschen, in Schmelzflocken, auf dem Lieblingsleckerchen. Oder mit der Einmalspritze, natürlich ohne Kanüle, seitlich ins Mäulchen geben. Natürlich muss gewährleistet sein das die Medikamente vollständig aufgenommen werden. Meist haben die Tiere Hunger und sind falls das eigenständige Fressen nicht so gut klappt, dankbar einfach nur von der Einmalspritze abschlecken zu können. Das Eingeben erfordert anfangs Geduld und Übung von beiden Seiten … und kann am nächsten Tag schon wieder ganz andere Taktiken und Techniken erfordern. Immer aufpassen das Päppelbrei und Flüssigkeiten langsam gegeben werden. Es darf keinesfalls etwas in die Lunge geraten.
Es wird Tage geben an denen das Kaninchen gepäppelt werden muß weil es nichts frisst. Am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders aussehen und das Kaninchen frisst selbsständig. Erstaunlich wie man mit so einem schrägen Köpfchen überhaupt fressen kann. Bevorzugt wird viel Frisches: Giersch, Bärenklau, Löwenzahn, frische Haselnussblätter, Karottengrün, Kohlrabiblätter, die gewohnte "Wiese". Aber auch Paprika, Kiwi, Haferflocken (mit Wasser befeuchten, wird besser genommen), Saaten, Nüsse. Gerne werden in Wasser aufgelöste Schmelzflocken , z. B. auch gemischt mit Sanddornmus (sehr Vitamin C haltig) über eine Einmalspritze genommen. Die Krankheit ist sehr kräftezehrend. Der Energiebedarf ist wirklich riesengroß und die Tiere sollten immer wieder zum Fressen animiert werden. Falls nötig immer wieder andere Zubereitungsarten probieren. Die Petersilienwurzel geraspelt, die Karotten in kleine Würfel geschnitten, mit dem Sparschäler gehobelt und umgekehrt. Man muss immer flexibel bleiben und ausprobieren.

Der für die Darmflora wichtige Blinddarmkot kann oft nicht selbst aufgenommen werden. Einfach vor die Nase halten so wird er dann gerne gefressen. (Manchmal wird der Blinddarmkot unter der Antibiotikabehandlung verweigert).

Ganz wichtig ist auch viel trinken weil sehr oft die Nieren betroffen sind. Immer wieder anbieten. Zusätzlich zum Wasser z. B. Kräutertees ausprobieren, mit Apfelsaft verdünntes Wasser anbieten, usw.. Grünfutter befeuchten. Falls das Tier nicht trinkt, sollten besonders anfangs,täglich Infusionen gelegt werden (Tierarzt kommen lassen oder vom TA zeigen lassen) um die gefährdeten Nieren zu schützen und zu stärken.

Es kann sein das sich das Kaninchen nicht richtig putzen kann. Dann ist tägliche Hilfe bei der Pflege nötig. Bei Bedarf das Fell täglich mit einem gut ausgewrungenen Waschlappen sanft feucht abreiben. Das fühlt sich für die reinlichen Tiere wie putzen an und bringt vielleich auch etwas den Kreislauf in Schwung. Urin und Kotreste ebenfalls entfernen. Aus hygienischen Gründen alles frisch gewaschen verwenden oder Einmalwaschlappen benutzen. Es empfiehlt sich eine geeignete Wundsalbe im Haus zu haben um die durch das Liegen gereizte Haut zu schützen. Vorsicht auch in der Fliegenzeit. Hier besonders auf Sauberkeit achten.

Das Gehege muss für das kranke Tier gesichert sein und jede Gefahrenquelle ausgeschlossen werden. Man kann das Gehege mit Decken auslegen. Dies nicht zuletzt um das durch die Kopfschiefhaltung untenliegende sowieso stark in Mitleidenschaft gezogene Auge zu schützen (tägliche Kontrolle und schleimhautregenerierende Augensalbe!). Darüber z. B. Handtücher. Wichtig ist, dass die Tiere auch beim Rollen oder Verkrampfen geschützt sind. Auf die Handtücher/Decken (bei der Materialwahl unbedingt darauf achten das die Tiere nicht hängenbleiben) kann man saugende Einmalbetteinlagen aus dem Kranken/Altenpflegebedarf (Apotheke/Sanitätshaus) legen. Diese im Wechsel einfach trocknen und je nach Zustand noch einmal benutzen. Die Decken und Handtücher sind auch schnell gewaschen und getrocknet und so ganz hygienisch.

Durch Lähmungserscheinungen und Kopfschiefhaltung und dadurch evtl. schlechteres Fressen, sollte man nach einer Weile oder bei Anzeichen, das Zahn- und Krallenwachstum im Auge behalten.

Die meisten Tiere empfinden es als angenehm wenn man vorsichtig, seitlich vom Kopf angefangen, mit beiden Händen mit sanftem Druck über den Körper streicht. Das tut den verkrampften Muskeln gut. Wenn das Kaninchen es toleriert kann man es, besonders auch bei akuten Anfällen, mit beiden Händen beschützt halten. Bei Lähmungserscheinungen der Hinterbeine könnte, vorsichtshalber nach Rücksprache mit dem TA (z. B. Wirbelsäulenschaden ausschließen) Krankengymnastik zur Aktivierung gemacht werden. Hier ein Link dazu: Link für KG http://m.youtube.com/watch?v=7An-gB6Pir4
Leises beruhigendes sprechen kann hilfreich sein. Das kann dem Kaninchen Sicherheit und Schutz vermitteln. Die Krankheit ist ja auch für das Tier eine beängstigende Erfahrung. Keinesfalls versuchen das Köpfchen gerade zu drücken. Als Unterstützung zum Anlehnen kann man versuchen ein zusammen gerolltes Handtuch, eine Toilettenpapierrolle oder Ähnliches anzubieten. Besonders anfangs für einen abgedunkelten Rückzugsort sorgen (z. B. ein Karton mit Ausgang).
Ein gepolsterter Transportkorb mit Fliegenschutz, ein kleines Außengehege mit Karton zum Verstecken und teilweise mit Decken ausgelegt, hilft gegen Langeweile wenn es dem Tier bereits besser geht. Auf Sonnenschutz achten. Die Augen sind durch die Kopfstellung und die verminderte Reaktion (Augenschluss) empfindlich. Auch hier immer wieder Trinken und Futter anbieten, verschmutze Handtücher stressfrei wechseln.

Sozialer Kontakt ist besonders wichtig für die Genesung. Deshalb sollte das Partnertier nach Möglichkeit unbedingt beim Patienten bleiben. (Eine Mitbehandlung ist nicht nötig). Natürlich muss man gut auf die Reaktionen des Partnertiers achten. Unterstützend kann man ein Stofftier ins Gehege legen.



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Geändert von Tinachen (01.05.2016 um 15:54 Uhr). Grund: Nachtrag KG Link
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