| "Es ist doch nur ein Mensch!" Mal ein paar Gedanken von mir welche mir kamen, als ich sehr sehr viele Threads hier durchgelesen habe. Ich hoffe es ist zumindest ansatzweise im richtigen Threat gelandet, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin. <~<
Mühsam mache ich meine Augen auf. Nur schwer ist das gleißende Licht zu ertragen. Wo bin ich hier? Was mache ich hier? Wo ist meine Mutter? Und mein Vater, wo ist der? Verwirrt blicke ich mich um. Überall um mich herum sehe ich Gitter. Mit mir in diesem Gitter sind andere Menschen, Menschen wie du und ich. Viele sind so jung wie ich, andere sogar noch jünger. Und doch ist der Platz so eng. Zu acht sind wir hier eingepfercht, keiner von uns weiß, was wir hier überhaupt zu suchen haben. Das sieht man an ihren verwirrten Gesichtern. Blicke ich nach draußen, so sehe ich große, mir unbekannte Wesen. Sie sind rießig und machen mir Angst. Die Laute die sie von sich geben verstehe ich nicht. Ab und zu drückt sich ein riesiger Tentakel in unser Gitter und wirft uns trockenes Brot hin. Wenn wir ganz viel Glück haben bekommen wir auch ein wenig Wasser aus einer Flasche. Ja genau - eine Flasche für 8 Menschen. Und sie ist so riesig, dass man sie nicht mal aufnehmen kann. Ans Gitter wird sie geklemmt und unten ist nur ein kleines Loch aus dem man ein wenig Wasser saugen kann - wenn man Glück hat. Wenn sich nicht die anderen Menschen um das Wasser schlagen. Wenn nicht irgendetwas im Inneren der Flasche den Durchgang verstopft. Und nicht allzu oft wird das Wasser gewechselt, so schmeckt es ganz oft abgestanden. Aber immerhin besser als gar nichts oder?
Das Brot quillt in unseren Mägen auf. Es tut uns weh, es schädigt uns. Aber wir müssen doch etwas essen oder? Also essen wir das während die Wesen vor dem Gitter weiterhin diese seltsamen Laute machen.
Mit der Zeit stinkt es, denn wer etwas isst und trinkt muss dies auch wieder los werden. Einen gesonderten Platz dafür haben wir nicht, nein. Wir müssen unser Geschäft in unserem Gefängnis verrichten und da die Wesen nur selten Zeit finden es zu putzen laufen wir oft hindurch oder müssen sogar darin schlafen.
Einige von uns sind krank, haben Husten oder Schnupfen....oder sogar schlimmeres, doch keinen interessiert es. Keiner lässt uns zu einem Arzt gehen, gibt uns Medikamente und kümmert sich um uns. Nicht selten sterben dabei welche und werden ohne Gefühl aus dem Gefängnis geholt. Wo sie hinkommen? Das weiß leider keiner. Hoffentlich geht es ihnen dort jedoch besser.
Ab und zu greifen immer wieder diese Tentakel in unseren Bereich. Wir drängen uns an die Wände und haben Angst. Manchmal nehmen sie einen von uns mit der noch lebt, doch wo er hinkommt weiß auch keiner. Und die Angst wächst. Und mit der Angst die Aggressivität. Auch wir wachsen. Das Gefängnis wird immer enger, denn wenn die Tentakel oft genug kamen so werden neue Menschen in unser Gefängnis geworfen. Auch diese wissen nicht, was sie hier sollen, wo sie hier sind. Ein immerwährendes Geheimnis welches sich wohl nicht lüften sollte.
Heute Morgen bin ich aufgewacht. Meine Angst wird größer. Die die mit mir hier reinkamen schlagen sich, kratzen sich, beißen sich. Sie schreien und jagen sich. Es ist Wahnsinn. Die Männer gehen auf die Frauen los, wirken wie von Trieben gesteuert. Was tun sie nur?
Auch ich komme nicht ganz ungeschoren weg, trage Wunden davon. Nicht nur Wunden auf der Haut, nein, auch Wunden auf der Seele. Ich verstehe nicht, was hier vor sich geht und das macht mir Angst. Dass sich plötzlich alle die Köpfe einschlagen und angreifen.....und es scheint keine Besserung in Sicht. Mit Angst im ganzen Körper gleite ich in einen dösenden Zustand, doch wirklich Ruhe finde ich keine.
Am nächsten Tag dringen die Tentakel wieder in unser Gefängnis ein. Ich schreie auf, als sie mich packen. Ich trete um mich, kratze, beiße, doch nichts hilft......und dann wird alles dunkel.
Ich spüre wie sich der Boden und die Wände um mich herum bewegen, doch sehen kann ich nichts. Vor Angst piesel ich mich ein, doch es sollte noch einige Zeit vergehen bis sich die Dunkelheit um mich lichtet und erneut grelles Licht in meine Augen sticht.
Erneut befinde ich mich in einem Gefängnis, doch dieses ist noch viel viel kleiner als vorher. Und ich bin alleine. Meine Angst vor meinen Mitmenschen lichtet sich nun, doch dafür macht sie etwas anderem Platz - Einsamkeit.
Und dann ist da noch das problem mit dem Platz......Laufen kann ich hier vollständig vergessen, nicht einmal wirklich ausgestreckt liegen kann ich. Panisch beginne ich zu hecheln, doch helfen tut mir auch dies nicht. Mein Gefühl spielt mir Streiche, sagt mir, dass die Wände immer näher zu mir rücken, auch wenn dies nicht stimmt.
Immer wieder greifen die Tentakel in mein Gefängnis, neue Tentakel. Zu Beginn versuchte ich auszuweichen, denn diese Tentakel fühlen sich nicht gut auf meiner Haut an. Ich mag es nicht, wenn sie mich berühren und doch versuchen sie es immer wieder. Manchmal ziehen sie mich aus meinem Gefängnis raus und drücken mich an ihren wabbeligen, schleimigen Körper. Manchmal setzen sie mich mit mir unbekannten Wesen zusammen. Sie machen mir Angst, ich versuche ihnen aus dem Weg zu gehen. Manchmal stecken sie mich in seltsame Stoffe und machen Bilder davon. Wenn ich nicht das mache was sie wollen iehen sie an meinen Gliedern oder an meinen Haaren - das tut weh. Schon oft habe ich versucht zu flüchten, doch niemals will es mir gelingen, sind sie doch so viel stärker als ich. Panisch beginne ich zu kratzen und zu beißen, ich höre ein Jaulen, war es Schmerz? Ich habe keine Möglichkeit mehr mich mit diesem unbekannten Laut auseinanderzusetzen, denn ich werde wieder in mein Gefängnis geschleudert.
Alles tut mir weh und ich fange an zu weinen. Denke an meine Eltern, an meine Geschwister....wie es ihnen nun wohl geht? Denke sogar an jene Menschen mit denen ich in meinem letzten Gefängnis war. Mit manchen von ihnen konnte man sich wenigstens unterhalten, doch hier bin ich alleine.....alleine......
Ein dunkles Loch tut sich im innersten meiner Seele auf, die Einsamkeit zerfrisst mich innerlich regelrecht und lässt mich resignieren.
Sogar die Tentakel sehe ich kaum noch in meinem Gefängnis. Alles ist duster, grau und ich habe hunger....so großen Hunger dass es mir ein weiteres Loch in meinen Magen schlägt. Hat man mich vergessen? Bin ich uninteressant?
Immer wieder drücke ich mich gegen das Gitter, sehe die Besitzer der Tentakel doch diese scheinen mich gar nicht mehr wahrzunehmen. Nur ab und zu bekomme ich noch ein Stückchen trockenes Brot in mein Gefängnis geworfen, das war es dann.
Bitte.....bitte liebe Tentakel, kommt zu mir. Bleibt bei mir. Ich halte diese Einsamkeit nicht mehr aus! Ich mache alles was ihr wollt, ich werde euch nicht mehr beißen. Ich werde so brav sein, dass ihr eure wahre Freude an mir haben werdet, doch bitte lasst mich an eurem Leben teil haben.....
Doch weiter bleibe ich alleine. Ich spüre, wie mein Körper auf Grund der wenigen Bewegung immer schwächer wird. Alle Gliedmaßen tun mir weh. Doch meine Seele.....meine Seele schmerzt noch um so vieles mehr. Pure Einsamkeit.
Nachts wache ich schweißgebadet auf. Mein ganzer Körper ist versifft von Urin und Kot. Schon lange haben sie meine Hinterlassenschaften nicht mehr weg gemacht. Alles ist voll davon - und ich liege mittendrin. Mein Atem rasselt, mein Körper zittert und krampft und er wird immer heißer. Ich huste, ich niese, ich übergebe mich, doch keinen interessiert es. Und ich spüre, wie mein Körper immer schwächer wird ehe mich erneut die Dunkelheit umhüllt und sämtlichen Schmerz von meinem Körper nimmt.
Ein gleisendes Licht umhüllt mich, als ich meine Augen wieder öffne. Es kitzelt meine Seele, legt sich wie Balsam auf deren offenen Wunden und lässt mich atmen, lässt mich vergessen. Eine Gestalt aus purem Licht schwebt auf mich zu, lächelnd, mit einer glockenhellen Stimme.
"Folge mir über die Regenbogenbrücke. Dein bisheriges Leben sei vergessen, fange hier von vorne an und lebe dein Leben."
Und ich folge ihr ohne lange zu überlegen. Ich folge ihr ins bunte Paradies - jenen Ort an denen die Menschen in Frieden und mit viel Platz und Möglichkeiten leben. Es geht mir so gut wie noch nie und ich spüre - ich bin angekommen. Ich bin endlich Zuhause.
__________________ Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist.
Es wäre nur deine Schuld wenn sie so bleibt!
~ Die Ärzte - Deine Schuld
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