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Auch ich habe die Diskussion zum Thema Inklusion gestern sehr gespannt verfolgt. Das Schöngerede der Mutter ging mir gestern mehr als nur auf die Nerven. Die packt ihren Sohn in eine Wattewolke und meint die Welt besteht nur aus Friede, Freundschaft und Eierkuchen. Was in der Grundschule funktioniert hat, kann nicht für den Rest des Lebens gelten!! Ich weiß ja nicht, mit welchen Kindern die Mutter bis jetzt im Leben Kontakt hatte - aber Kinder können tierisch grausam sein. Gerade wenn sie in die Pubertät kommen. Es bilden sich feste Cliquen, wer anders ist, wird oft ausgegrenzt! Man bekommt in der Welt nicht überall einen Behinderten-Bonus. Die Mutter sollte froh und dankbar sein, dass es Einrichtungen gibt, in denen Kinder und Jugendliche in beschütztem Rahmen nach ihren Möglichkeiten gefordert und gefördert werden und - das ist in meinen Augen das Wichtigste - dass sie mit allen Stärken und Schwächen akzeptiert werden! Das kann auf einem Gymnasium nicht funktionieren. Mein Bruder lebt von Geburt an mit einer geistigen Behinderung. Heute ist er 33 Jahre alt. Ich liebe ihn über alles und habe ihn nie spüren lassen, dass er anders ist. Aber es tut mir im Herzen weh, wenn andere Menschen ihm das zeigen. Leider ließ sich das nicht immer verhindern. Und diese Kränkungen hat er immer erlebt, wenn er mit Nichtbehinderten zusammen war. Ganz besonders im Alter von 10 - 18 Jahren. Heute lebt er seit 14 Jahren fest in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Mit dem Rückhalt seiner Familie hat er immer - von klein auf - am Weltgeschehen teilgenommen. Und er tut das noch heute. Er hatte dabei immer jemanden, der ihn führt, für ihn da ist und ihm zeigt, wie die Welt funktioniert. Er ist integriert ins Alltagsgeschehen - auch in das von Nichtbehinderten. Und er wäre heute nicht der Mensch, der er ist, hätte er die gezielte Förderung in einer Schule für geistig Behinderte nicht erfahren. Er hätte gelernt, dass die Welt grausam ist und er einfach nicht dazu gehört. Davon bin ich überzeugt! So hat er gelernt, dass die Welt gemein sein kann, aber er hat einen Bereich in dem er sich sicher und geborgen fühlen kann. Und die Einrichtung, in der er heute lebt, ist nicht umsonst der Ort, den er Zuhause nennt. Ich bin die letzte, die sagen würde, Behinderte soll man von der Gesellschaft fernhalten. Das wird mein Bruder auch nicht. Aber man muss sie vor der Gesellschaft schützen, denn diese Menschen haben oft nicht die Möglichkeiten, sich gegen die Ellbogengesellschaft zur Wehr zur setzen, wie andere Menschen es können. Damit sind sie schlicht und einfach überfordert oder gar nicht dazu in der Lage. Es mag Beispiele geben, die zeigen, dass es funktionieren kann. Aber das sind in meinen Augen ganz große Ausnahmen! |
@jinro so wurde das natürlich nicht erklärt. Aber das ist auch mal wieder so Typisch Deutsch.... man führt irgendetwas ein aber klärt die Finanzierung vorher nicht ab... Das wurde gestern auch angesprochen... |
Nicht typisch deutsch, typisch grün.:D |
Zitat:
Ist ein sehr schwieriges Thama. Aber ich finde dass Inklusion nicht heißen sollte das wir alle in einen Pott stopfen und dann alle benachteiligt sind. Und den eindruck hab ich im moment etwas. Und der lehrer gestern der von den Klassen mit verhaltensauffälligen Kindern erzählt hat hat den eindruck nur verstäkt. |
Zitat:
Wenn keine Haupt- oder Gesamtschule vor Ort ist, kommt meiner Ansicht nach wirklich nur die Sonderschule in Betracht, wenn man zugrunde legt dass ihm die Möglichkeit gegeben werden sollte dem Unterricht auch längerfristig zu folgen und kleine Erfolgserlebnisse einzustecken. Es kann ja nicht Sinn der Inklusion sein, eine "Mini-Sonderschule" in einer Regelschule anzustreben, indem der Inklusionsschüler gesonderten Unterricht erhält. Das wäre in meinen Augen keine echte Teilhabe, sondern nur eine räumliche Verlagerung. |
Wie heißt das Zauberwort nochmal? Ach ja: Einzelfallprüfung. Jemanden wegen einer Erkrankung in eine Kategorie zu packen und pauschal abzuurteilen bringt nichts und wird keinem Individuum gerecht. Nicht jeder, der ein Chromosom zu viel hat, ist deswegen zwangsweise ungeeignet zB. eine Werkrealschule zu besuchen. Könnte hier auch Erfahrungsberichte meiner Freundin mit Abläufen an Sonder/Förderschulen zum Besten geben, da schlackern einem die Ohren. Ernsthaft, da würde ich nicht mal als Komapatient hin wollen. Komischerweise diskutieren wir hier und in anderen Ländern wird einfach alles und jeder gleich beschult und keiner stört sich dran. In Spanien zB gibts keine Sonderschulen. e: Zitat:
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In diesem Einzelfall ist, wenn man der Berichterstattung folgt, doch aber klar dass der Junge niemals auf einem Gymnasium dem Unterricht längerfristig folgen können wird, oder? Es geht ja hier nicht um Schulformen wie Haupt-, Gesamt- oder Werkrealschule, sondern explizit ums Gymnasium, wo die Mutter partout ihren Sohnemann hin haben will. Ich musste übrigens gerade erst einmal nachschauen was Werkrealschulen sind, denn die gibt es in NRW nicht. Klar kann man sich vieles wünschen - aber spazierst du wegen deines Wunsches nach einem Ferrari deshalb vor Gericht und versuchst einen Rechtsanspruch einzuklagen den es (noch) nicht gibt? Was die Sonderschulen bzw. Förderschulen betrifft - klar, da gibt es mit Sicherheit welche wo man nicht tot überm Zaun hängen will. Aber das muss ja nicht zwangsläufig auf jede dieser Schulen zutreffen, und hier gibt es auch Haupt- und Realschulen wo ich mein Kind nicht sehen wollen würde. Und es ging ja nicht darum dass die Mutter sagte: diese Förderschule ist für mein Kind potenziell der Horror, die Zustände sind schlimm - deshalb will ich es dort nicht hingeben. Sie hat ja ganz andere Gründe angegeben. |
Ich hab den Jauch nicht gesehen (wertloses Format), nur eine Reihe Artikel in FAZ, Spiegel, etc. Der Junge soll irgendwohin, wo er schon Kinder kennt. Erste Wahl war das Gymnasium, wurde nix. Dann Realschule, wurde auch nichts. Förderschule lehnen die Eltern ab. Was es da sonst noch so gibt weiß ich nicht. Eigentlich ist das ja der Wert von Inklusion, normale Sozialbeziehungen pflegen. Nur ist unser Schulsystem auf Leistung ausgelegt, nicht auf Beziehungen. |
Ich kenn mich nicht mit dem Spanischen Schulsystem aus. Ich weiß auch nicht wie gut dieses ist. Aber ich halte Förderschulen definitiv für sinnvoll. Natürlich nicht für jeden. Aber ich glaube einige Kinder sind da besser aufgehoben. Ich sehe hier in Deutschland leider auch überhauptnicht dass die Vorraussetzungen für Inklusion vorhanden sind. Wir hatten z.b. letztens eine Integrative Klasse da. Da war eine Sonderpädagogin und eine Normale Lehrerin bi. Die Klasse bestand aus gut 20-25 Schülern und wir konnten ehrlich gesagt nicht erkennen welches dieser Kinder "normal" war... |
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Nicht nur der Sozialumgang. AUch die allgemeine Leistung der Kinder war nicht auf normalem Niveau. Wir hatten das Gefühl dass immer jemand untergehen wird in so einem System (wobei das nun bezogen auf diese Klasse war). |
Verstehe ich noch immer nicht. |
Ich bekomme über meine Mutter, die an verschiedenen Förderschulen Projekte betreut, selbst mit, wie unterschiedlich da die Zustände sind. Da rangiert alles zwischen wirklich tollen Einrichtungen mit motivierten, kompetenten Betreuern und Lehrkräften und eben diesen reinen "Verwahranstalten", deren Betreuung chronisch unterbesetzt und zur Hälfte aus stundenweise die Betreuung übernehmenden Hausfrauen besteht. In einer Schule, die dem ersten Typ entspricht, haben sie innerhalb des letzten Schuljahres ein Musicalprojekt auf die Beine gestelle. Die Kinder (1.-6. Klasse) hatten Gesangs- und Schauspielunterricht, haben Instrumente gelernt und Kostüme, Bühnenbilder etc. selbst hergestellt. Das Ergebnis war wirklich beeindruckend. Die Kinder waren toll und man merkte, dass sie an der Schule glücklich sind und viel lernen. Hätte ich nicht gewusst, dass es sich um eine Förderschule handelt, mir wäre nichts aufgefallen. Ich verstehe diese ganze Diskussion kaum. Wenn ich weiß, dass mein Kind in der Schule aufgrund seiner geistigen Behinderung besondere Betreuung brauchen wird, dann schicke ich es doch dorthin, wo es bestmöglich betreut und gefördert werden kann - das ist meiner Meinung nach momentan immernoch eine gute Förderschule mit kleinen Klassen und kompetenter Betreuung. Und nicht die mir per Rechtsanspruch vielleicht zustehende Gymnasialklasse mit 29 Schülern und einem überforderten Lehrer, ohne besondere Ausbildung zur Betreuung behinderter Kinder, der dann für ein paar Stunden die Woche -wenn er Glück hat- einen Sozialpädagogen dabei hat. Da sind hier in Deutschland einfach die Vorraussetzungen noch nicht geschaffen. |
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@ Jinro: Inwiefern kennt sich Deine Freundin mit Förderschulen aus? |
Wusaaaa! Hab grade Eugen, Ninja und Pepper gebadet! - Ganz alleine :) Das Bad ist nun auch sauber :rolleyes: War gestern richtig geschockt - hatte gestern um ca 16 Uhr die Katzen gefüttert (Dosenfutter), um 21 Uhr waren in den Resten Fliegeneier :willy_nilly: Jetzt gibt es für die Katzen mehrere kleine Portionen am Tag und alle Nins mussten sich einer Unterbodenkontrolle unterziehen. Eugen hat eh immer einen dreckigen Hintern da er den BDK platt sitzt, aber ich schieb das Baden immer vor mir her da es ihn (und mich) sehr stresst. Pepper hatte nur etwas dreckige Füße da er durch BDK gelatscht ist und Ninja hatte eklig stinkende Geschlechtsecken ... Jetzt sind die drei sauber und gleichzeitig abgekühlt... - die anderen waren vorbildlich sauber, die bekommen gleich gefrorene Wasserflaschen ... Es ist mega heiß heute :willy_nilly: |
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Selkies Beispiel oben mit der Klasse ist da genauso unrepräsentativ wie ihre Einzelerfahrung. Hier haben zB. alle Grundschulen von der Stadt geförderte (und bezahlte) Schulsozialarbeiter. Die wiederum können aus freiem Budget eine schulbegleitende Agenda bestreiten. Integrationskurse, Selbstbehauptung für Mädchen, betreute Elterngesprächsrunden, Kreativangebote, Antimobbingkurse, Streitschlichterprogramme, etc. Natürlich nicht alles in jeder Schule, aber jede einzelne hat eben auch Schwerpunkte auf die man einen Fokus setzt. In so einem Umfeld ist die Einführung von Inklusion viel einfacher. |
Das sind bei euch an den Grundschulen paradiesische Zustände, Jinro. Schulsozialarbeiter wären hier auch nötig, sind aber wenn überhaupt nur an Schulen in absoluten Brennpunktbezirken zu finden. Angebote "außerhalb" des Unterrichts beschränken sich grundschulseitig fast immer auf das Jeki-Projekt und wenns hoch kommt mal eine oder zwei Sport-AGs. Das sieht erst an den weiterführenden Schulen anders aus, an unserem Gymnasium gibt es in einigen Jahrgangsstufen zum Beispiel Projektwochen zum Thema "Lernen lernen" oder auch über Probleme im Umgang miteinander, abgesehen von musikalischen, sportlichen, sprachlichen und künstlerischen AGs in Hülle und Fülle. Das müsste hier alles viel früher einsetzen, aber die Grundschullehrer machen fast immer Dienst nach Plan, setzen sich mit den individuellen Problemen ihrer Schüler nur dann auseinander wenn sie dazu gezwungen werden, und haben eben keine Unterstützung. |
Lernen lernen gibts hier schon für Grundschüler. Aber Lehrer haben mit den Angeboten nichts zu tun, das erfolgt über externe Dienstleister wie zB. meine Freundin.;) |
Hier bei uns (Ruhrgebiet) sieht es leider so aus, dass Schulsozialarbeiter hauptsächlich Hausaufgabenbetreuung und Betreuung von Schülern die aus dem Unterricht geflogen sind übernehmen. Zudem müssen sie oft im Unttericht aufgrund Lehrermangel einspringen. Zeit für Elternarbeit, Integrationskurse, Selbstbehauptungskurse, AG's etc. bleibt ihnen da nicht. Daher ist dieser Bereich der sozialen Arbeit für mich im Moment auch total uninteressant. |
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