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Jinro 14.03.2011 22:42

AW: Japan
 
Ich bin Ingenieur, technisch interessiert wäre untertrieben. Zwar ist Energietechnik nicht mein Fachgebiet, aber man nimmt in dem Umfeld ja genug mit, um sich ein klares und neutrales Bild machen zu können. Welche Form der Energiegewinnung schwebt dir denn vor? Sowas wie das Geothermiekraftwerk Landau? 3 MW, 10% Energieeffizienz, ursächlich für kleine Erdbeben.

e:@Yuna: Für ein Endlager muss man prüfen dürfen. Seit Gorleben hat kein Bürgermeister oder Gemeinderat einer Prüfung seines Bezirks mehr zugestimmt.

e²: 20% Nutzung? Wäre mir neu. Müsste ich erst nachlesen.

Schokohase 14.03.2011 22:52

AW: Japan
 
Na, das ist ja mal richtig interessant hier! ;-) Jinro hat doch schon ganz wichtige Zusammenhänge erklärt.

Ich sehe keinen Bedarf für eine Verschwörungstheorie gegen neue Energietechniken. Kernkraft ist heute noch ein Bestandteil unseres Energiemix, aber ich glaube, das wird nicht für immer so sein. Aber wenn heute jemand vorschlägt, die CO2 Emissionen zu vervielfachen, um Kernkraft auszuschalten, dann würden ihm auch einige 'Grüne' aufs Dach steigen.

Die Regenerativen Energien sind voll im Kommen und eine riesige Zukunftchance- auch und gerade wirtschaftlich. Aber man darf nicht nur in soundsoviel kWh denken, sondern auch an die Infrastruktur. Also wann und wo habe ich Strom? Und da sind Sonne und Wind launisch, lassen uns gerne mal im Stich und es fehlt bisher an Speichertechniken für den Kapazitätsausgleich. Aber, wie gesagt, auf Hochtouren... ;-)

Für die Jüngeren unter uns und die nicht naturwissenschaftlich Ambitionierten: bisher ist die ÄUSSERE HÜLLE in zwei Blöcken von Fukushima explodiert, nicht der Reaktorkern. Die äußere Hülle ist erstmal nicht so wichtig und die entwichene Strahlung (z.B. 400x Normalbelastung) halte ich für verhältnismäßig unkritisch. Natürlich evakuieren usw, aber keine weltweite Panik. Etwas schockiert bin ich doch, dass die Siedewasserreaktoren trotz des fehlenden Wassers fast am Durchgehen sind, denn eigentlich brauchen sie das Wasser zur 'Modulation', also für ihren Betrieb. Ebenfalls schockiert bin ich über die Fragilität der Notstromversorgung. - dennoch, wenn ich es einem Land zutraue, diese Situation unter Kontrolle zu bekommen, dann Japan.

Aber der Rest, die apokalyptische Zerstörung und das unvorstellbare Leid der Menschen raubt mir die Worte...

:-(
Schokohase

Jinro 14.03.2011 22:59

AW: Japan
 
Dem kann ich mich so anschließen.

Vielleicht eine Ergänzung zur Notstromversorgung, dazu kann man zur Zeit an verschiedenen Quellen unterschiedliche Infos bekommen. Zum einen soll durch die dezentrale Ausrichtung der Sicherungssysteme ein Teil der Anlage nicht ausreichend gegen den Tsunami gesichert gewesen sein. Lagen wohl baulich zu tief und wurden weggespühlt. Zum anderen gab es wohl Inkompatibilitäten zwischen Anschlussmöglichkeiten für externe Generatoren und den angelieferten Hilfsgeneratoren. Das ist halt wirklich blöd, wenn der Stecker nicht passt.

Tinachen 14.03.2011 23:04

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Jinro (Beitrag 142949)
Ich bin Ingenieur, technisch interessiert wäre untertrieben. Zwar ist Energietechnik nicht mein Fachgebiet, aber man nimmt in dem Umfeld ja genug mit, um sich ein klares und neutrales Bild machen zu können. Welche Form der Energiegewinnung schwebt dir denn vor? Sowas wie das Geothermiekraftwerk Landau? 3 MW, 10% Energieeffizienz, ursächlich für kleine Erdbeben.

e:@Yuna: Für ein Endlager muss man prüfen dürfen. Seit Gorleben hat kein Bürgermeister oder Gemeinderat einer Prüfung seines Bezirks mehr zugestimmt.

e²: 20% Nutzung? Wäre mir neu. Müsste ich erst nachlesen.

Im Jahr 2009 22,7 % (als Beispiel)
Landau ist nicht aussagekräftig, da sind Fehler passiert, es muss selbstverständlich mit größter Sorgfalt an den geplanten Standorten gemessen werden, bzw Probebohrungen gemacht werden. Geothermie ist nur eines von vielen Beispielen. Ich spreche von einer auf die jeweiligen Regionen bezogene Energiemischung.

Jinro 14.03.2011 23:18

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Tinachen (Beitrag 142960)
Im Jahr 2009 22,7 % (als Beispiel)
Landau ist nicht aussagekräftig, da sind Fehler passiert, es muss selbstverständlich mit größter Sorgfalt an den geplanten Standorten gemessen werden, bzw Probebohrungen gemacht werden. Geothermie ist nur eines von vielen Beispielen. Ich spreche von einer auf die jeweiligen Regionen bezogene Energiemischung.

Die 22,7% finde ich wenn ich nach dem Anteil an der gesamtdeutschen Stromerzeugung suche. Da ein Energiebetrieb aber nicht mal nachweisen kann, ob man den gebuchten Biostrom auch wirklich erhält (technisch nicht möglich) zweifele ich massiv an der Aussage, dass 20% des in Deutschland erzeugten Atomstromes ungenutzt versiegen soll. Da fehlt mir der technische Nachweis, wie man das messen wollte.

haru haru 14.03.2011 23:19

AW: Japan
 
Das ist jetzt wirklich off topic und ich will auch niemanden angreifen, das ist mir nur in letzter Zeit bei der deutschen Berichterstattung aufgefallen: Was mich an allen Diskussionen nervt ist, dass nur noch über die Reaktoren berichtet wird und das zum Politikum in Deutschland gemacht wird. Ein Land hat gerade ein wahnsinniges Leid erfahren, tausende von Menschen stehen vor dem Nichts und wir können im Angesicht dieses unfassbaren Elends nicht mal kurz innehalten und den Toten und Leidenden Respekt zollen.

Jinro 14.03.2011 23:27

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von haru haru (Beitrag 142970)
Das ist jetzt wirklich off topic und ich will auch niemanden angreifen, das ist mir nur in letzter Zeit bei der deutschen Berichterstattung aufgefallen: Was mich an allen Diskussionen nervt ist, dass nur noch über die Reaktoren berichtet wird und das zum Politikum in Deutschland gemacht wird. Ein Land hat gerade ein wahnsinniges Leid erfahren, tausende von Menschen stehen vor dem Nichts und wir können im Angesicht dieses unfassbaren Elends nicht mal kurz innehalten und den Toten und Leidenden Respekt zollen.

Frag doch mal einen durchschnittlichen Rebellen in Libyen, wie er sich gerade fühlt von einem Erdbeben in der top 10 der Wirtschaftsnationen der Welt aus den Medien verdrängt zu werden. Ich stimme dir vollkommen zu, aber so funktionieren nun mal Medien.

haru haru 14.03.2011 23:34

AW: Japan
 
ja das mit den lybischen Rebellen hab ich mir auch schon gedacht.
Denkbar ungünstige Zeit...
Normal bin ich Medien gegenüber nicht so kritisch eingestellt, aber bei solchen 'Großereignissen' muss ich öfter mal tief durchatmen.

Tinachen 14.03.2011 23:40

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Jinro (Beitrag 142969)
Die 22,7% finde ich wenn ich nach dem Anteil an der gesamtdeutschen Stromerzeugung suche. Da ein Energiebetrieb aber nicht mal nachweisen kann, ob man den gebuchten Biostrom auch wirklich erhält (technisch nicht möglich) zweifele ich massiv an der Aussage, dass 20% des in Deutschland erzeugten Atomstromes ungenutzt versiegen soll. Da fehlt mir der technische Nachweis, wie man das messen wollte.

Die Frage war nach dem Gesamtverbrauch der in Prozent von Atomkraftwerken abgedeckt wird. 22,7% für 2009 war das herausgesuchte Beispiel.

Jinro 14.03.2011 23:44

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Tinachen (Beitrag 142983)
Die Frage war nach dem Gesamtverbrauch der in Prozent von Atomkraftwerken abgedeckt wird. 22,7% für 2009 war das herausgesuchte Beispiel.

Dann setzt deine Antwort Verbrauch mit Produktion gleich.

Tinachen 14.03.2011 23:46

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Jinro (Beitrag 142973)
Frag doch mal einen durchschnittlichen Rebellen in Libyen, wie er sich gerade fühlt von einem Erdbeben in der top 10 der Wirtschaftsnationen der Welt aus den Medien verdrängt zu werden. Ich stimme dir vollkommen zu, aber so funktionieren nun mal Medien.

Da stimme ich völlig zu. Da sind wir Zeitzeugen von gewaltigen Umbrüchen, soviel gebe es darüber zu berichten und wird so überschattet, zwar von zugegebenermassen dramatischen Dingen. Trotzdem hätte ich eigentlich auch gerne eine ausgewogenere Berichterstattung.

Tinachen 14.03.2011 23:52

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Jinro (Beitrag 142984)
Dann setzt deine Antwort Verbrauch mit Produktion gleich.

Die Frage kam nicht von mir. Ich habe lediglich google bemüht und die gefundene Zahl eingesetzt, die überhaupt keinen Vergleich von Verbrauch zu Produktion zulässt.

Jinro 15.03.2011 00:09

AW: Japan
 
ich komme nicht mehr ganz mit. Könntest du vielleicht mal dein google Ergebnis posten?

Ich kenne zB Listen der Bruttostromerzeugung. Diese Listen findet man zB auch bei Wikipedia und sie geben an, wieviel Stromleistung in Deutschland durch Kraftwerke bereitgestellt wird. Die Nettostromerzeugung gibt an wieviel Strom nach Abzug des Eigenverbrauchs der Kraftwerke erzeugt wurde.

ich schätze also einfach mal, das Yuno Stromerzeugung und verbrauch verwechselt hat bei ihrer Frage. Denn den Verbrauch kann man nicht direkt nach Stromsorte aufschlüsseln.

Beispiel Solarstrom. Ich bestelle bei Anbieter X meinen Solarstrom. Ich zahle dann für meine 3.500 KW/h den Preis X und stelle damit sicher, dass mein Anbieter 3.500 KW/h einspeist in das Stromnetz. Bekommen tue ich allerdings nicht die 3.500 von mir bezahlten Kilowattstunden, sondern den vom Kohlkraftwerk nebenan eingespeisten Strom. Ganz einfach weil es nicht möglich ist einmal eingespeisten Strom irgendwie zu leiten.

Wie soll man also mehr messen als die pure Einleitung, also die pure Stromerzeugung? Geht nicht. Ob wir den Strom jetzt aber selbst verbrauchen, oder wegen eines Engpasses mal eben nach Italien umleiten lässt sich nur in der Finanzbilanzierung nachweisen, nicht nach Sorte rein nach Menge.

Tinachen 15.03.2011 00:23

AW: Japan
 
Würd ich Dir ja gerne posten wenn ichs wiederfinden würde... Ich arbeite daran, schweife aber immer wieder ab weil ich dabei soviel Interessantes lese.

Tinachen 15.03.2011 00:35

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Tinachen (Beitrag 143000)
Würd ich Dir ja gerne posten wenn ichs wiederfinden würde... Ich arbeite daran, schweife aber immer wieder ab weil ich dabei soviel Interessantes lese.

Ein Stichwort nach dem anderen bringt keinen Erfolg, sorry.

Jinro 15.03.2011 00:44

AW: Japan
 
Schade, die Messtechnik hätte mich wirklich interessiert. Käme einer on-demand Lösung sehr nahe, die neben einer flexiblen, dezentralen Energieerzeugung wohl die Zukunftstechnologie darstellt.

Tinachen 15.03.2011 01:11

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Jinro (Beitrag 143007)
Schade, die Messtechnik hätte mich wirklich interessiert. Käme einer on-demand Lösung sehr nahe, die neben einer flexiblen, dezentralen Energieerzeugung wohl die Zukunftstechnologie darstellt.

Na wenigstens darüber sind wir uns einig, nichts Anderes als flexibel, nach regionalem Angebot und dezentral meinte ich. On demand Lösungen werden, nicht nur im kleineren Rahmen, z. B. Hausintern, erreichbarer wenn man ein geeignetes Speichermedium entwickelt hat. Dazu gibt es leider noch nichts wirklich Ausgereiftes, bzw im Moment alles noch zu teuer. Wenn die Autoindustrie einsteigt und es um große Stückzahlen geht, wird sich das ändern.

Jinro 15.03.2011 09:55

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Tinachen (Beitrag 143011)
Na wenigstens darüber sind wir uns einig, nichts Anderes als flexibel, nach regionalem Angebot und dezentral meinte ich. On demand Lösungen werden, nicht nur im kleineren Rahmen, z. B. Hausintern, erreichbarer wenn man ein geeignetes Speichermedium entwickelt hat. Dazu gibt es leider noch nichts wirklich Ausgereiftes, bzw im Moment alles noch zu teuer. Wenn die Autoindustrie einsteigt und es um große Stückzahlen geht, wird sich das ändern.

Solche Lösungen laufen aber auch zZ. auf die Verbrennung fossiler Energieträger hinaus und sind daher nur eine Übergangslösung wie Atomenergie. Für eine konstante Grundlast wäre zB eine häusliche Gasturbine sehr gut. Wird ja auch von VW entwickelt. Brennstoffzellen scheitern an der Membrantechnologie und ich sehe nicht, wie sich das jemals ändern sollte. Sonne/Wind sind extrem speicherabhängig. Da jede Speicherung einen Energieverlust darstellt ist auch das keine Endlösung.

Tinachen 15.03.2011 11:39

AW: Japan
 
Zitat:

Zitat von Jinro (Beitrag 143018)
Solche Lösungen laufen aber auch zZ. auf die Verbrennung fossiler Energieträger hinaus und sind daher nur eine Übergangslösung wie Atomenergie. Für eine konstante Grundlast wäre zB eine häusliche Gasturbine sehr gut. Wird ja auch von VW entwickelt. Brennstoffzellen scheitern an der Membrantechnologie und ich sehe nicht, wie sich das jemals ändern sollte. Sonne/Wind sind extrem speicherabhängig. Da jede Speicherung einen Energieverlust darstellt ist auch das keine Endlösung.

Natürlich darf man bei der Forschung nicht zurückbleiben und natürlich werden diverse Fortschritte auch Brückenlösungen sein. Um unserer eigenen Sicherheit Willen sollten diese Übergangslösungen, jedoch nicht so (end)bedrohlich sein, wie Atomkraft, einschliesslich der Endlagerungsproblematik eben sind. Da sehe ich in der nicht ganz so guten Nutzungseffizienz von z. B. Sonne oder Wind im Moment doch das kleinere Übel.

Jinro 15.03.2011 12:02

AW: Japan
 
Die Bewertung Atomkraft sei die gefährlichste Energieform ist Ansichtssache und kann wissenschaftlich nicht belegt werden. Es ist eine politische Entscheidung Atomkraft so zu kennzeichnen, denn in die Bewertung geht zwangsläufig der Wert eines Menschenlebens ein. Das kann Wissenschaft nicht leisten, es ist eine Abwägung einer potentiellen Gefahr gegen tatsächlichen Nutzen. Es liegt also ein Bewertungsschlüssel darin, wie sehr man auf technische Richtlinien vertraut. Die Standards zur Absicherung von Stromkreisläufen in Deutschland ist zB. höher als in Japan. Druckwasserreaktoren sind durch den geschlossenen Kreislauf wesentlich sicherer als Siedewasserreaktoren usw.

Schon aus dem Grund würde ich Atomkraft als Ganzes nicht ächten oder verurteilen. Man kann keine Sicherheit durch wissenschaftliche Erkenntnisse verlangen, wenn man sich wie auch immer geartete Denkverbote auferlegt. Neutral oder positiv bewertete Projekte werden erfahrungsgemäß wesentlich schneller weiterentwickelt.

Die Endlagerproblematik ist dazu relativ unabhängig von der Laufzeit der Atomkraftwerke. Selbst mit einer sofortigen Abschaltung haben wir schon Müll produziert, der gelagert werden muss. Es dürfen also auch mal süddeutsche Ministerpräsidenten ihren Hintern bewegen und Prüfungen in ihren "Territorien" zulassen. Hat man ein passendes Endlager ist die Müllmenge nachrangig. Man muss eh mehr Platz vorsehen als benötigt wird.


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