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Erlösungs-Dilemma auf Kaninchen Forum

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Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 03.09.2022
Beiträge: 73
widdermoehrchen befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.07.2024, 22:56

Erlösungs-Dilemma


Hallo erfahrene KaninchenhalterInnen!
Ich wende mich an euch aus nicht so schönem Anlass und brauche etwas Rat. Ich hoffe das ist nicht zu heavy.
Hier gehts um nichts per se medizinisches, der Teil ist abgeklärt, sondern wirklich um eine erfahrene, nüchterne, außenstehende Meinung zum Thema Einschläferung und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Alles Medizinische hier dient nur zur Erläuterung der Situation, wir wollen keine Ferndiagnosen oder "Ich hab mal gelesen, dass bei der Diagnose---"- unsere Tierärztin ist auf Kaninchen und Meeris spezialisiert und leitet dazu Seminare/Tagungen, besser hätte es uns nicht treffen können. Wir vertrauen ihr voll und ganz.

Vorgeschichte:
Ich habe einen kleinen Qualzucht-Widder, 5 1/2, der seit 3 1/2 Jahren mit Endstage-Gebiss in Palliativpflege ist (habe ihn so übernommen mit 2 Jahren.. leider war die Vorbesitzerin nie mit ihm beim Tierarzt als man noch was hätte machen können). Sein Kiefer ist komplett kaputt und er bekommt täglich Schmerzmittel- die Tierärztin ist sehr Kaninchenerfahren aber auch keine Wunderheilerin. Daran ist nichts zu rütteln und es wird nur noch palliativ behandelt, dass er es noch so angenehm wie möglich hat. Angemerkt hat man ihm das aber noch nie. Er ist der aktivste in der Gruppe, extrovertiert, entspannt, schlägt Haken und sucht immer Hasen/Menschenkontakt. Das Feedback bekomme ich auch oft von Außenstehenden. Immer wenn ich sage, dass eins meiner Hasis in Palliativpflege ist, hat bisher noch niemand zuerst an ihn gedacht, da er so aufgeweckt ist.

Vor Kurzem hat er sich bei seinen abendlichen Energieschüben 2 Vorderzähne rausgehauen (Tischbein + zu spät bremsen = aua). Er hat bisher noch Frischfutter gegessen aber durch den Vorfall konnte lange nichts abbeißen und hat deshalb nun 4 Wochen Futterbrei/ Frischfutter-Smoothie bekommen, bis die Zähnchen wieder nachgewachsen sind. Seit 3 Wochen versuche ich ihn nun wieder an Festes zu gewöhnen.


Lage jetzt:

Beim festen Futter geht nichts mehr. Selbst wenn er länger nichts zu essen hatte, isst er lieber gar nichts als Festes. Es ist im Mundraum alles unter Narkose eingeschliffen worden, aber er scheint einfach keine Kraft mehr im Kiefer zu haben. Er versucht es, aber selbst mit all seiner Kraft, schafft er es nur kleine Fitzelchen zu essen und ist dann total fertig. Noch kleiner schneiden ist auch keine Option, da er dann nicht versteht, dass es Futter ist, Gott weiß warum, war aber schon immer so. Pellets (nicht optimal aber besser als nichts) gehen auch nicht, da er sich daran schon ein paar Mal verschluckt hat. Arbeiten geht mittlerweile nur noch im Homeoffice oder für 6 Stunden am Stück, da man den Brei ja nicht lange stehen lassen kann und wegen Stopfmagen wohl 6 Stunden ohne Futter die Grenze sind. Frischfutter leg ich immer noch hin, wenn ich los zur Arbeit mach, aber er schafft gar nichts bis wenige Bissen, was nicht reicht, um den Darm in Bewegung zu halten. Maximal geht getrockneter Löwenzahn, den ich dann aber mit einer Schere nochmal extra klein schneiden muss, den frisst er- die sind aber auf Dauer eine Belastung für die Harnblase und die kann ich auch nicht jeden Tag füttern.


Das Dilemma:
Ich werde es momentan noch weiter versuchen, ich hänge sehr an ihm und würde für den kleinen Mann durch die Hölle gehen. Allerdings glaube ich, dass alles außer Breifutter abgehakt werden kann. Meine Frage ist halt, ob ich ihn an diesem Punkt lieber erlösen sollte, da er wirklich nur noch Brei fressen kann und ich nicht einschätzen kann, wie hoch sein Schmerzpegel ist.
Meine Tierärztin meint, medizinisch hätte sie einer Erlösung nichts entgegenzusprechen. Allerdings muss ich als Besitzerin letztendlich selbst einschätzen, ob er noch Lebensqualität hat, jedes Tier steckt Dinge unterschiedlich weg. Ich habe jahrelang in einer Tierarztpraxis gearbeitet und damals haben wir teilweise schon Häschen an einem schlechten Zahn verloren (aufgegeben, sich zurückgezogen, Zahn wurde nicht besser, keine Nahrungsaufnahme mehr etc etc), der kleine Mann machts aber schon über drei Jahre mit einem komplett kaputten Gebiss..
Auch habe ich Tiere gesehen, die kurz vor der Erlösung standen. Die waren zurückgezogen oder aggressiv, schlapp, und sahen auch sehr mitgenommen aus, da es ihnen wirklich nicht gut ging.
Das sehe ich bei meinem Häschen aber weiterhin nicht. In gewisserweise wird er es überspielen, da bei ihm medizinisch wirklich nichts mehr geht und die Röntgenbilder sind wirklich jenseits von Gut und Böse. Aber er ist auch im Moment unverändert mega aktiv, extrovertiert, verkuschelt und macht Unfug. Den Futterbrei frisst er auch selbst aufgeregt vom Tellerchen- füttern mit Spritze ist nicht nötig.

Dennoch- Frischfutter bzw. alles außer Breifutter wird denke ich nichts mehr. Ich weiß auch letztendlich nicht, wie viel Schmerzen er hat. Laut Röntgenbildern müssen es einige sein- sein Verhalten sagt aber etwas anderes. Meine Gedanken pendeln immer wieder hin und her. Wenn ich daran denke, wie schlimm die Röntgenbilder aussehen, denke ich "Erlösen". Dann seh ich ihn buddeln, Haken schlagen und nach Kopfkraulen betteln und denke "Nein.. der will noch". Andererseits ist er auch ein Fluchttier und die Verstecken gerne Schmerzen... und Fressen geht ja auch nur Brei... aber dann klettert er wieder auf den Möbeln, verlangt nach Kuscheleinheiten oder macht Unfug... er frisst zwar nichts Festes aber den Brei frisst er selbstständig.... aber dann denk ich wieder an die Röntgenbilder. Versteht ihr, was ich meine.

Ich bin komplett hin und hergerissen, und, dass die Tierärztin die Entscheidung für eine Erlösung in meine Hand legt, machts auch nicht besser. Ich will auch nicht selbstsüchtig sein, weil ich ihn so sehr lieb hab und ihn am liebsten immer um mich rum haben möchte. Bisher dachte ich "ach, aber er frisst ja auch noch Salat. Solange unterstütz ich ihn noch, wir erlösen ihn nicht". Jetzt, wo das mit dem Frischfutter dazugekommen ist, bin ich zusätzlich verunsichert bezüglich seiner Lebensqualität und weiß gar nicht mehr wo oben und unten ist.

Wie würdet ihr die Lebensqualität einschätzen, soll ich weiter versuchen oder wäre eine Erlösung in euren Augen besser...was würdet ihr vielleicht tun, wenn ihr so einen Fall bei euren Hasen hättet?
Ich brauche echt mal nüchternes Input von anderen, außenstehenden KaninchenhalterInnen.
Keine Angst, ich werd jetzt hier nicht losrennen und blind irgendwas machen, was mir vorgeschlagen wird, ich brauche einfach andere Meinungen, um das selbst für mich auszuwerten. Es dient einfach als Reflexionshilfe, die ich gerade echt brauche. Mein Umfeld kann mir da auch bedingt weiterhelfen, da die meisten Reaktionen das Wort "Eintopf" oder "Grill" beinhaltet haben und ja... muss ich nichts zu sagen. Andere Meinungen würden mir da glaube ich echt helfen.

Bei Fragen, fragt gerne.



 

Stichworte
chronische krankheit, erlösung, zahnprobleme



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