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| Zitat:
Und eben diese Intelligenz macht es aus, daß der Großteil der Kaninchen bei so engem Kontakt, wie ich ihn zu ihnen halte, dermaßen zutraulich und anhänglich werden wie von mir beschrieben. Hierbei von einer Fehlprägung auszugehen, nachdem man den Faktor Glück zuerst angesprochen hat, welcher vielleicht bei zwei oder drei Kaninchen mal zutreffen mag, nicht aber bei durchgehend jedem meiner Kaninchen, ist schon arg weit daneben gelandet; dann hätten alle Karnickel, die ich bisher hatte und gekannt habe (also nicht nur meine eigenen) eine Verhaltensstörung gehabt, trotz fast perfekter Haltung, also überaus viel Platz, Artgenossen, gesunde Ernährung, viel Beschäftigung. Ebenso sind meine Erfahrungen unabhängig von dem Alter, Geschlecht und der Vorgeschichte des Kaninchen. Ich hatte sowohl Kaninchen, welche erst in hohem Alter zu mir kamen als auch ganz junge und mittlere; ich hatte Kaninchen aus guter und schlechter sowie ganz miserabler, quälender Haltung; und ich hatte Männchen und Weibchen, kastriert und nicht kastriert. Nur, weil man selbst Kaninchen (noch) nicht von dieser Seite kennenlernen konnte, heißt das nicht, daß sie verhaltensgestört sind, wenn sie sich anders verhalten als von den meisten, selbst jahrelangen Kaninchenhaltern, erwartet. Hier im Forum hat erst neulich in einem anderen Bereich eine Nutzerin davon berichtet, wie sehr ihre Kaninchen plötzlich aufleben, mutiger und zutraulicher werden, seitdem sie öfter zuhause ist und sie frei in der Wohnung laufen läßt. Dabei hat doch auch keiner von einer Verhaltensstörung gesprochen, obwohl solch ein Verhalten genau der Anfang zu dem innigen Verhältnis ist, wie ich es beschrieben habe. Nochmal zum Verständnis: ich bin fast ständig bei meinen Kaninchen. Ich geh erst ins Bett, wenn meine Karnickel ihre Schlafenszeit halten; ihr Hauptmittelpunkt ist bei uns neben Sofa und unterm Wohnzimmertisch. Der Käfig steht auf der einen Seite vom Sofa, Faxes Versteck auf der anderen Seite, nebst Klo und "Ferienhaus" (ein Weidenkorb, welcher ebenfalls als Klo und Buddelecke benutzt wird). Meine gesamte Wohnung gleicht eher einem Hasenbau als einer Menschenwohnung, meine Kaninchen und ihr ganzes Gerümpel (mehrere Häuser, Tunnel etc) nehmen den meisten Platz in jedem Zimmer außer der Küche und dem Bad ein. Aber auch in diese Räume dürfen sie jederzeit. Sie können aufs Bett, sie können aufs Sofa. Ich liege oft stundenlang bei ihnen auf dem Boden, hab dort sogar schon geschlafen; ich beobachte sie automatisch ständig. Erst, wenn das jemand ebenso macht wie ich, inklusive dem, wie er auf die Kaninchen zugeht etc, und dessen Kaninchen dann immer noch scheu bleiben, kann derjenige behaupten, daß Kaninchen ihre Menschen nur als Futtergeber sehen würden.
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| Ich möchte da zustimmen, ich denke auch, die Bindung ist (natürlich) durch den Charakter geprägt, aber auch massiv durch die Zeit, die man mit den Ninchen verbringt. Die zutraulichste Hasendame, die wir jemals hatten, war mit fünfzehn Wochen bei der VG so stark verletzt worden, dass wir ihr eine große Wunde im Bauchraum täglich mehrmals spülen mussten und sehr oft Medikamente verabreichen mussten,sie musste während dieser Zeit im Zimmer meiner Tochter wohnen... Trotz (oder gerade?) wegen dieser Erfahrungen war sie immer sehr auf uns fixiert, kam immer angehoppelt wenn man kam und hat Streicheleinheiten regelrecht eingefordert. Nebenbei gesagt kenne ich diese Diskussion auch bei Pferden, kenne aber einen Fall, dass das Pferd im Offenstall (fast ohne Menschenkontakt, nicht mal beim Füttern) dann regelrecht "verwildert" ist. Da frage ich mich schon, warum halte ich diese Tiere dann? Ich persönlich denke, es heißt "Haus"tiere, weil sie eben gewöhnlich im oder zumindest am Haus leben...und wenn jemand eine nähere Beziehung zu seinen Tieren möchte, muss er auch entsprechend viel Zeit mit ihnen verbringen, was in Außenhaltung eben manchmal schwierig ist... ![]() PS: Unsere Kaninchen leben übrigens auch "draußen", im Sommer im Außengehege, im Winter im Gartenhaus...da heißt es, sich zum Kuscheln manchmal warm anzuziehen... Geändert von flyrider (01.11.2017 um 08:09 Uhr).
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| Nochmal zum besseren Verständnis ganz klar und deutlich: ich habe nicht von normaler Zutraulichkeit gesprochen. Es ist klar, dass diese zunimmt, je intensiver ein unaufdringliches Kontaktangebot seitens des Menschen besteht, was jedoch nicht zwangsläufig zu Streichelkaninchen führen muss (bei entsprechendem geduldigem Umgang aber durchaus kann ). Ein Kaninchen jedoch was trotz der Anwesenheit von Artgenossen "seinen" Menschen mit großem Aufwand sucht bis es ihn gefunden hat (so wie beschrieben) halte ich für fehlgeprägt. Ein solches Verhalten wird üblicherweise bei Paarhaltung oder besonders enger Beziehung unter zwei Kaninchen Artgenossen gegenüber gezeigt, während Menschen mit freundlichem Interesse und Forderungen bezüglich Futter oder Streicheleinheiten konfrontiert werden sobald sie anwesend sind und dem Kaninchen gerade nach Aktivität zumute ist, jedoch bei Abwesenheit nicht verzweifelt gesucht werden. Üblicherweise wird sich ein Kaninchen, sobald der Mensch sich entfernt, umgehend wieder seinen Artgenossen bzw. der vorherigen Tätigkeit zuwenden.
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| Lupine, ich habe nichts von verzweifeltem Suchen gesagt. Es wird gesucht, wie zB auch das Partnertier gesucht wird, dabei ist keine Spur von Verzweiflung. Ich hatte sogar mal ein Kaninchen, welches tatsächlich auf Kommando gesucht hat. Eigentlich bestätigt Deine Antwort nur das, was ich zuvor geschildert habe: jemand, der seine Kaninchen nicht so hält wie ich es tue, wird niemals alle Aspekte dieser Tierchen kennenlernen können und erleben dürfen, weil einfach diese enge Nähe fehlt. Kaninchen können ohne weiteres trotz Partnertier auf ihren Menschen geprägt sein; daran ist nichts fehlgeprägt, das ist nun mal das Wesen von Karnickel. Würde das eine Fehlprägung darstellen und wäre dies etwas schlechtes, da widernatürlich, dürfte man sich nur eigentlich nur noch Fische halten, reine Beobachtungstiere, da man zu allen anderen intelligenten Tierarten eine Bindung aufbauen kann, welche dann ja wiederum zu einer Fehlprägung führen könnte. Die Intelligenz ist da auch so ein Knackpunkt; nur intelligente Tiere sind zu solch einer engen Bindung, wie ich sie von Anfang an bei Kaninchen erleben konnte, überhaupt fähig. Wenn man von der Annahme ausgeht, daß Kaninchen Menschen gegenüber zu solcherlei Bindungen eigentlich nicht neigen bzw nur dann, wenn sie zB durch Einzelhaltung etc fehlgeprägt sind, spricht man den Kleinen ein ganzes Stück Intelligenz ab, welches bei so engem Kontakt zutage tritt. Ich nehme Haustiere als Familienmitglieder auf und möchte keine Beobachtungstiere, die neben mir her leben, aber ansonsten keine Bindung außer der Verknüpfung des Fressens zu mir haben. Und ich bin sehr froh, daß mir bisher jedes Kaninchen, welches ich kennenlernen konnte, gezeigt hat, daß sie Familienmitglieder und eben gerade keine Beobachtungstiere sind.
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| Wir haben offenbar sehr unterschiedliche Sichtweisen. Ich setze voraus, dass für eine Aktion grundsätzlich ein Antrieb vorhanden sein muss. Je aufwändiger die Aktion, desto stärker der Antrieb. Wenn ein Kaninchen gezielt und ohne sich zwischenzeitlich anderweitig zu beschäftigen eine komplette Wohnung nach einem Menschen absucht sobald dieser sich entfernt, sehe ich eine sehr aufwändige Aktion und suche entsprechend nach dem zugrunde liegenden Antrieb. Möglicherweise habe ich deine Schilderung aber auch missinterpretiert, und es handelt sich nicht um ein gezieltes suchen was vor dem Erfolg der Suche nicht abgebrochen oder unterbrochen wird, sondern eher um eine beiläufige Suche, die nur mäßig zielgerichtet und eher von Neugier geprägt ist und von der sich das Kaninchen durch interessante Zwischenfunde auch ablenken lassen würde? Das würde ich anders bewerten als den ersten Fall, und von rein natürlicher Neugier ausgehen. Ich hatte aber anhand deiner Schilderung den Eindruck gewonnen, dass es sich um eine ausgesprochen zielgerichtete Aktion handelt, der eben ein äußerst starker Antrieb zugrunde liegen würde.
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| Stichworte |
| haltung, sozialisierung, winter, wohnungshaltung |
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