Hallo ihr Lieben,
da hier ja doch unterschiedliche Meinungen zur Ad Libitum Ernährung existrieren und in einem anderen Thema bereits darauf angesprochen wurde und mich die Meinung der restlichen doch sehr interessieren würde, zitiere ich mal zwei Beiträge von dort
Zitat:
Zitat von saloiv Ich habe iegntlich auch keine Lust (momentan) auf Diskussionen aber zu einem deiner Punkte habe ich eine Frage:
Warum fütterst du dann Heu? Und das auch noch als Hauptnahrung. Heu ist nichts anderes als reiner Wiesenschnitt, meist auch mit allerlei Giftpflanzen. Und gerade weil Heu getrocknet wurde sind die Signale sehr schwach und die Kaninchen können schwer selektieren. Nicht alle Pflanzen verlieren ihre Giftwirkung durch die Trocknung, die meisten behalten sie bei.
Ich habe zwar (bisher) nicht Tiermedizin studiert und bin auch nicht in Lebensmittelchemie ausgebildet, aber immerhin habe ich fünf Jahre lang hauptberuflich mit Kaninchen gearbeitet und dabei hunderte von Kaninchen kennen gelernt. Hast du dich mal über mehrere Jahre von morgens bis abends mit Kaninchen aueeinandergesetzt? Hinzu kommen diverse Pflegetiere und meine eigenen Hüpfer. Es gibt immer mehr Tierärzte, welche die Ad libitum-Ernährung empfehlen weil sie damit gute Erfahrungen gemacht haben. Kein Wunder wenn sie erleben, was bei kranken Tieren für extreme Fortschritte zu verzeichnen sind. Wenn Tiere die von Diabetes betroffen sind alleine durch die Umstellung von rationierter auf die Ad libitum-Ernährung den Blutzuckerspiegel halbieren, wenn chronisch kranke, abgemagerte Kaninchen plötzlich Normalgewicht haben, wenn chronische Bläher plötzlich keine Blähungen mehr bekommen. Wenn Verstopfungen sich lösen und Kaninchen die jahrelang Verstopfung hatten plötzlich wieder fit sind.
Die rationierte Heu-Gemüse-Ernährung ist übrigens extrem jung und wird erst seit wenigen Jahren praktiziert. Hast du miterlebt als der Umbruch von der Trockenfutter-Ernährung zur Heu-Gemüse-Ernährung kam? Das ist noch nicht lange her. Es gab noch nie eine Zeit in der Kaninchen mit Heu und Gemüse ernährt wurden. Bevor das Trockenfutter Deutschland eroberte wurden Kaninchen mit Mischnahrung ernährt, das Heu galt immerschon als Beilage die immer vorhanden sein sollte um Verdauungsproblemen vorzubeugen (wegen Pellet-Ernährung etc.), als Diätfutter, nicht als Hauptnahrung. Wann hat sich deiner Meinung nach denn die Heu-Gemüse-Ernährung bewehrt? In den letzten 10 Jahren (älter ist sie nicht, das ist schon gut gerechnet!)?
Eine Heuernährung kann bedarfsdeckend sein, wie Studien bestätigen. Allerdings nur wenn das richtige Heu gefüttert wird und es Kaninchen mit reinen Erhaltungsbedarf sind (keine Außenhaltung im Winter, kein Wachstum etc.). Allerdings reichen die Nährstoffe nur fürs reine Überleben. Deshalb führe ich sie ja auch auf.
Eine rationierte Ernährung kann in allen Fällen bedarfsdeckend sein (auch während der Laktation etc.), sofern sie richtig zusammengestellt wird. Leider ist das aber nicht immer der Fall und dann kann sie richtig schief gehen.
Achja: Beim gesunden Kaninchen wird Kalziumoxalat einfach mit dem Urin ausgeschieden. Das ist nur eine Frage der Flüssigkeitszufuhr. Es sammelt sich nur an und bleibt in den Organen wenn nicht geung Wasser aufgenommen wird um es herauszuspülen. Zum Beispiel wenn man vorallem Trockenkost verfüttert (Trockenfutter, Heu...). |
Zitat:
Zitat von Uschi79 Das hat zwar jetzt nichts mit dem eigentlichen Thema "Rote Beete und Fenchel" zu tun, aber zur ad-lib-Fütterung würde ich auch gerne noch was schreiben.
Ich habe bis vor kurzem auch rationiert gefüttert. Ich habe meinen Kanichen Heu als Hauptnahrungsmittel aufgedrückt. Frischfutter bekamen sie nur sehr wenig. Und ich hielt mich daran...Möhrengrün nicht zuviel, denn es enthält viel Kalzium, Kohl nicht zuviel, denn es bläht...
Lilly war da nicht das Problem, denn sie fraß und frißt immer noch sehr gerne Heu. Betty hingegen wollte nie wirklich gerne Heu mümmeln, aber ihm blieb ja nichts anderes übrig. Er war einfach der Meinung, daß Heu nicht "sein Ding" ist. Seine Köttel waren sehr winzig, sehr hart und hatten komische Formen. Er hatte auch Probleme mit Verstopfung.
Lilly's Köttel sahen groß und rund aus, allerding (durch das Heu) hellbrau und sehr trocken.
So, dann kam der Moment, als Betty seine Zähne verlor und er plötzlich ohne störende Zähne alles futtern konnte. Und er wollte wirklich alles fressen, auch das Frischfutter, welches er früher hat liegen lassen. Er fraß mit solcher Hektik und röchelte dabei so stark, daß ich Angst hatte, daß er beim fressen erstickt. Dann stieg ich von rationiert um auf ad-lib und sein Fressverhalten änderte sich - er ist total entspannt. Er kann futtern wann er will und brauch sich nicht mehr abhetzen dabei und ich muß keine Angst mehr haben, daß er sich verschluckt vor Hast. Seine Köttel sehen wunderschön aus...genauso, wie sie sein sollten und ich freue mich jeden Tag daran (auch wenn sich das komisch anhört  ). Auch Lilly's Köttel sehen endlich optimal und gesund aus.
Beide Kaninchen haben schönes, weiches und glänzendes Fell und besonders bei Betty bin ich froh und dankbar für die Aufklärung der Ad-Lib-Fütterung. |
Ich möchte dann auch meine eigene Meinung mal zu dem Thema sagen:
Zeitweise habe ich im Sommer immer mal wieder Ad Libitum-Fütterungen ausprobiert und immer mal wieder versucht und getahn. Jedoch nie wirklich unter dem Begriff der Ad Libitum Ernährung, sondern eher unter dem Gedanken "Die werden ja grundsätzlich mit Wiese ernährt in freier Wildbahn, dann schadet das hier auch nicht". Leider hatte ich damals immer wieder falsch angefüttert, was ich persönlich mir jedoch nicht eingestehen wollte und somit habe ich einige Darmerkrankungen meiner Aussengruppe kurzer Hand auf zu viel Wiese und Gemüse geschoben, was wohl der größte Fehler meiner bisherigen Kaninchenhaltung war, denn durch die Heuernährung mit minimal Gemüse, habe ich dem Darm von einem meiner sehr empfinglichen Kaninchen wohl noch mehr geschadet.
Wie dem auch sei: Im August dürfte es gewesen sein, brach in einem anderen Forum eine Diskussion zu diesem Thema aus, die ich selber verfolgte und wo ich jedoch auf die 100gramm Regelung beharrte. Trotz Allem fand ich die Diskussion sehr interessant, auch wenn ich da von den Ad Libitum-Ernährern massiv genervt war, einfach weil die Meinungen sich so unterschieden. Aber an sich ist das auch neben Sache. Jeden Falls habe ich mir dann mal ein paar genauere Gedanken darüber gemacht und letzten Endes hatte mich die Kaninchenwiese, wovon ich wohl jeden Artikel gelesen haben dürfte, dann davon überzeugt es nochmals, mit der diesmal richtigen Umstellung, zu versuchen. Und siehe da: Alle fünfzehn Kaninchen die ich nun hier ad Libitum Ernähre vertragen diese Ernährung super, sind ausgeglichener, haben einen top Gesundheitszustand und sind wohl um einiges vitaler als vorher. Während der Umstellung habe ich jeden einzelnen Tag dokumentiert, wenn auch nur in Stichworten und jedes Mal wenn ich es lese bin ich erstaunt, wie sehr sich durch die Fütterung das Verhalten ändern kann.
In den letzten Monaten hab ich mich immer weiter informiert und auch das Buch "Kaninchen würden Wiese kaufen" hat dabei einen sehr großen Teil eingenommen, worüber ich sehr froh bin.
Und obwohl sich meine Meinung mittlerweile so verändert hat und sich teils wohl auch selbst neu gebildet hat, denn die Meinung von Saloiv und anderen Ad Libitum Fütterern teile ich nicht vollständig, bin ich doch der Meinung, dass auf den Seiten genau das richtige steht. Einfach aus eigenen Erfahrungen hinaus.
Persönlich finde ich, dass jemand, der noch nie Ad Libitum über einen etwas längeren Zeitraum gefüttert hat, darüber nicht urteilen kann, da er nicht mit angesehen hat, wie sich das Verhalten der Tiere geändert hat.
Nun würde mich eure Meinung mal interessieren,
Kim