Ja, eine ganze Menge Ideen sogar.
Erst einmal: keine Sorge, das mit der Entzündung hört sich nicht nach Kaninchenquäler an. Jeder, der ein Zahnkaninchen hat oder hatte, kann nachvollziehen wie leicht man etwas übersieht, vor allem wenn man nicht darauf gefasst ist. Und Kaninchen sind Meister im Verstecken von Erkrankungen - leider.
Vorab noch ein Wort zur Einzelhaltung: Gerade weil Kaninchen ihr Unwohlsein so sehr verstecken, merkt der Einzelhalter nicht wie sehr sein Tier leidet. Das Verhalten was du beschreibst, ist aber bereits als Verhaltensstörung einzustufen. Allerdings ist er in diesem Zustand nicht vergesellschaftungsfähig, so dass wir das Thema erst einmal aufschieben müssen.
Nun zu deinem eigentlichen Problem, mir fällt da eine ganze Menge auf.
Fangen wir mit der (fehlenden?) Diagnostik an, du schreibst nichts von
- Röntgenaufnahmen des Schädels
- Kotuntersuchung (Sammelkotprobe - auf Kokzidien, Hefen und Würmer)
- Kontrolle der Zähne in Kurznarkose
Das sollte als erstes gemacht werden.
Die Röntgenaufnahme ist wichtig um zu sehen, ob es zu einem sogenannten retrograden Wurzelwachstum gekommen ist, und auch einige Abszess-Ereignisse können hier ihre Schatten werfen, buchstäblich.
Die Kotuntersuchung ist deshalb wichtig, weil Würmer und auch Kokzidien zu einer Gewichtsabnahme führen können, und weil Hefenbefall bei Zahnkaninchen sehr häufig vorkommt - auch der kann zur Gewichtsabnahme führen.
Die Kontrolle der Zähne in Kurznarkose sollte deshalb erfolgen, weil man erst dann weit genug in den Mundraum hineinsehen kann wenn das Tier durch die Narkotisierung erschlaffte Muskeln hat. Bei meinem Zahnkaninchen Leo war es mehrfach so, dass der Tierarzt im Wachzustand mit dem Othoskop kaum Probleme sah, Leo aber auf meinen Wunsch hin (Auffälligkeiten in der Kaubewegung) trotzdem in Gasnarkose legte. Ich hatte in allen Fällen Recht, weit hinten an den Backenzähnen fanden sich jeweils tatsächlich erhebliche Probleme.
Weitere Diagnostik, die in eine andere Richtung zielt, und unternommen werden sollte wenn die Ursache bei den ersten Untersuchungen nicht gefunden wird:
- Kontrolle der Nieren- und Leberwerte
- Check auf die Krankheit Encephalitozoon Cuniculi
Probleme mit Leber oder Nieren können ebenfalls zum abnehmen führen, hier kann man gegebenenfalls behandeln.
Der Herzfehler, wurde der durch einen Herzultraschall nachgewiesen? Oder rein durch abhören?
E. Cuniculi erkennen leider immer noch viele Tierärzte nicht, wenn das angebliche Leitsymptom, die schiefe Kopfhaltung, fehlt. Es gibt aber durchaus E. Cuniculi-Patienten die lediglich durch eine Gewichtsabnahme auffallen, andere durch Gleichgewichtsstörungen, wieder andere durch eine Hinterhandlähmung, und weitere nur durch Erblindung. Die Krankheit ist extrem vielseitig, erkennt man sie aber, kann man sie auch behandeln.
Weiterhin fällt mir eine kritisch zu sehende Behandlungsmethode auf:
Das sogenannte Pitschen ist extrem kritisch zu sehen, da es eine Belastung von mehreren Tonnen auf den Zahn bringen kann, wenn das Werkzeug auch nur einen Millimeter falsch gehalten wird. Im Extremfall können Zahnverlust, Splittern des Zahnes bis in die Wurzel hinein mit darauf folgendem Wurzelabszess oder - bei schlechter Knochensubstanz - sogar ein Kieferbruch die Folge sein.
Besser ist es, die Zähne zu feilen!
Dann kommt der nächste Themenkomplex, die Fütterung.
Die ist leider grundfalsch und fördert die Zahnprobleme so massiv, dass ihr immer schneller und schneller zur Korrektur müsst. Banane und Haferflocken sollten nur ganz wenig gegeben werden, er muss ja gar nicht mehr kauen wenn er so viel davon bekommt. Dazu noch Trockenfutter. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn wenn er kaum kaut werden die Zähne noch viel schlechter! Richtig wäre eine Ernährung, die das Kauverhalten fördert. Handelsübliches Trockenfutter wird durch Trockenkräuter ersetzt, Banane und Haferflocken werden langsam durch blättrige Futtermittel ersetzt.
So wie du jetzt fütterst, machst du ihm leider obendrein noch die Darmflora kaputt. Hat er noch keinen Durchfall, oder zumindest Matschkot? Die Darmflora ist bei Zahnkaninchen ohnehin sehr gefährdet, da ist ein Ernährungsfehler besonders stark in seiner Auswirkung.
Bitte schreibe einmal noch genauer, wie viel er in welcher Zeit abgenommen hat und was genau du jeden Tag fütterst.
By the way: die Knabbersteine taugen ohnehin nichts! Sie können dem Kaninchen eher schaden als dass sie nützen. Besser wäre es, du holst vom nächsten Haselnussstrauch einen Ast samt Blättern. Das kommt auch deutlich günstiger als das gekaufte Zeug.