Ich habe diesen Artikel ebenfalls schon 2013 geschrieben und wurde bisher leider nicht veröffentlicht.

Deshalb stelle ich ihn hier ein, um gegebenfalls verlinken zu können, wenn Fragen dazu gestellt werden.
Für jedes Kaninchen ist es ein Traum, frei im Garten laufen zu dürfen. Sie lieben es über die Wiese zu hoppeln, Haken zu schlagen, buddeln, grasen, alles was ein Kaninchenherz begehrt. Gartenfreilauf ist die artgerechteste Haltung, die man seinen Hauskaninchen bieten kann!
Um seinen Kaninchen dieses Vergnügen zu ermöglichen, sollten vorher einige wichtige Punkte beachtet werden:
Sicherung des Gartens 1. Der Zaun
Bevor man Kaninchen im Garten laufen lässt, muss man sicherstellen, dass sie das Grundstück nicht verlassen können! Zu viele Gefahren lauern außerhalb des Gartens, die den kleinen Rackern schnell das Leben kosten können! Damit das nicht passiert, sollte der Garten sicher eingezäunt sein. Der Zaun muss dicht sein, sodass kein Kaninchen raus kann. Dabei muss man bedenken, dass Kaninchen wahre Ausbruchskünstler sind und jede kleine Lücke mit Sicherheit finden werden. Bei sehr kleinen Kaninchen kann ein gängiger Maschendrahtzaun schon zu große Lücken haben, wo der Kopf durchpasst, passt auch der Körper durch.
Auch ist zu beachten, dass Kaninchen gerne buddeln und sich leicht unter dem Zaun durchgraben können. Deshalb ist es ratsam, den Zaun auch nach unten abzusichern, sofern dieser nicht durch ein Betonfundament gesichert ist.
Eine Möglichkeit der Sicherung nach unten wäre z.B. das Eingraben eines Volierendrahtes senkrecht in den Boden, dieser sollte mind. 30-40cm tief sein.
Der Gartenzaun sollte auch eine gewisse Höhe haben, um einerseits zu verhindern, dass die Kaninchen drüber springen, andererseits auch, um sicher zu stellen, das keine fremden Hunde oder Füchse in den Garten können. Deshalb sollte der Zaun 1,50-2 Meter hoch sein. Grenzt der Zaun an eine Straße ist es ratsam, einen Sichtschutz in Form einer Hecke oder Sichtschutzmatten, anzubringen. Einerseits, um den Straßenlärm zu verringern, andererseits, um neugierige Blicke, bspw. auch von Hunden, zu unterbinden.
Sicherung vor Raubvögeln
Je nachdem, wie groß oder klein die Kaninchen sind, können Raubvögel für Kaninchen gefährlich werden!
Für große oder mittelgroße Kaninchen (ab etwa 4-5kg) stellen Raubvögel keine Gefahr dar, für kleine Kaninchen können sie gefährlich werden!
Einen ganzen Garten kann man natürlich sehr schlecht nach oben hin absichern, ein sehr guter Schutz sind aber Sträucher, Bäume oder selbstgebaute Unterschlüpfe, unter die die Kaninchen flüchten können, wenn Gefahr von oben droht. Deshalb sollte der Garten gut bepflanzt sein, um seinen Kaninchen diesen Schutz zu bieten, auch fühlen sie sich deutlich wohler als auf einer großen, unbepflanzten Fläche ohne Unterschlüpfe.
Eine weitere Möglichkeit der Sicherung nach oben wäre die Bespannung mit Bändern über den Garten, wie auf dem Bild ersichtlich. Hier wurde eine Fläche von knapp 500m² durch Bänder nach oben hin gesichert. Die Bänder irritieren die Augen der Raubvögel und erschweren die Landung, sind also ein sehr wirkungsvoller Schutz.
Buddeln
Kaninchen graben für ihr Leben gerne, sie sind wahre Buddelmeister und diesem Trieb sollten sie auch nachgehen dürfen. Wichtig ist, dass man ihre "Bauwerke" regelmäßig kontrolliert, denn Vorsicht, Kaninchen graben in einem immensen Tempo und so manch kleines Loch wird schnell zum tiefen Bau. Deshalb ist es ratsam, den Kaninchen keine Baue graben zu lassen, sondern diese rechtzeitig wieder zu zuschaufeln, man verliert sonst schnell die Kontrolle über die Tiere! Sitzen sie im Bau, hat man keine Chance an sie ranzukommen.
Pflanzen
Haben Kaninchen uneingeschränkten Freilauf im Garten, genug Auswahl an verschiedenen Pflanzen und werden naturnah ernährt (siehe Artikel Ernährung), muss man sich keine Gedanken machen, das sie im Garten Pflanzen fressen könnten, die ihnen schaden. Eher sollte man sich Sorgen um die Pflanzen machen und diese, wenn sie keinen Schaden nehmen sollen, durch ein Gitter schützen. Dafür reicht normaler Kaninchen-Sechseckdraht, den man einmal um den Stamm wickelt und befestigt.
Freilaufzeiten
Dürfen die Kaninchen nur stundenweise im Garten laufen, wäre es am sinnvollsten, sie in den Morgen- und Abendstunden raus zu lassen da sie dämmerungsaktiv sind und den Rest des Tages meist verschlafen. Generell ist es immer besser und kaninchengerechter, wenn die Tiere selbst entscheiden können, wann und wie lange sie raus möchten, falls möglich, und auch alleine laufen können, ohne getragen zu werden. Transporte wie hochnehmen oder mit der Transportbox tragen, bedeuten immer Stress für Kaninchen. Auch ist es einfacher, sie, wenn gewünscht, wieder ins sichere Gehege zu bringen, wenn sie von selbst reinlaufen können. Mit etwas Routine, Leckerlies und, falls machbar, festen Auslaufzeiten, klappt das sehr gut und die Kaninchen laufen freiwillig wieder ins Gehege.
Leben die Kaninchen im Haus, wäre es auch hier besser, wenn sie, durch einfaches Öffnen der Tür, selbst rauslaufen können.
Nachts sollten sie unbedingt in ein gesichertes Gehege oder ins Haus gebracht werden, die Gefahr durch Raubtiere (Marder, Fuchs, usw.) ist in der Nacht am Größten!
Freilauf im Sommer
Kaninchen sind sehr hitzeempfindlich, deshalb ist es wichtig, dass sie schattige, kühle Plätze aufsuchen können, wenn es ihnen zu warm wird. Dafür sind Sträucher, Bäume oder Unterstände gut geeignet. Können die Tiere nicht frei entscheiden, ob sie im Garten laufen wollen oder nicht, ist es im Sommer ratsam, sie nur in den frühen Morgen- und Abendstunden rauszusetzen und während der Mittagshitze im kühlen Haus/Gehege zu lassen.
Können sie selbst wählen, werden sie das ohnehin tun und die Mittagszeit lieber verschlafen.
Freilauf im Winter
Auch im Winter dürfen Kaninchen im Garten rumlaufen, sie vertragen Kälte besser als Hitze, und auch Schnee macht ihnen nichts. Viele Kaninchen lieben Schnee und buddeln gerne darin.
Leben die Kaninchen das ganze Jahr draußen, ist Freilauf im Garten kein Problem da sie durch die Außenhaltung dichtes Winterfell gebildet haben.
Bei Kaninchen, die in der Wohnung oder im Haus leben, muss man beachten, dass sie kein sehr dichtes Winterfell haben und sich dadurch erkälten können. In den Garten kann man sie trotzdem lassen, wichtig ist aber, dass sie frei entscheiden können, ob sie in die Kälte möchten oder lieber drinnen bleiben. Auch sollten sie jederzeit wieder ins Haus können, wenn ihnen kalt wird. Ist das gegeben, dürfen auch Innenkaninchen im Winter einen Ausflug in den Garten machen.
Werden all diese Punkte berücksichtigt, steht einem Ausflug in den Garten nichts mehr im Wege. Viel Spaß beim Beobachten der kleinen Racker in ihrer natürlichen Umgebung, es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie sie aufblühen und ihre natürlichen Triebe ausleben!