 | Kaninchen | | Registriert seit: 09.08.2009
Beiträge: 19.399
| |
|
Geschrieben am
22.01.2014, 16:40
| | | | Hallo Inez, und herzlich willkommen!
Um dir weiterhelfen zu können, brauchen wir noch die Antworten auf einige weitere Fragen.
Zunächst einmal das Allgemeine: - Wie schwer ist der Rammler? Kaninchen aus Zoohandlungen sind oft leider weit jünger als angegeben, damit sie besonders klein und niedlich wirken.
- Wie groß ist der Käfig den er bewohnt?
- Was fütterst du? Bitte alles aufzählen was er bei dir bekommt, komplett inclusive Leckerchen. Hat er vorher das gleiche Futter bekommen?
Nun zur Kastration: - Die Kastra ist jetzt eine Woche her, richtig?
- Wie wurde die Kastra-Wunde vom Tierarzt versorgt (gar nicht, einfache Naht, spezielle Naht)?
- Bekam er vorsorglich ein Antibiotikum?
- Bekam er Schmerzmittel bzw. hast du für den Bedarfsfall Schmerzmittel samt Dosierungsanleitung mitbekommen? Falls ja, welches? Und wann hast du es letztmalig eingesetzt? Hat er sich gegebenenfalls mit Schmerzmittel anders verhalten als ohne?
- Hat der Tierarzt irgendetwas über die Kastra berichtet (ungewöhnliche Vorkommnisse)?
- Gab es Wundheilungsstörungen? Wie sieht die Wunde jetzt aus?
- Müssen evtl. noch Fäden gezogen werden? Wenn ja wann?
- War es lt. dem Tierarzt eine Frühkastration?
Dann noch folgende Hinweise:
Du bist in der Zoohandlung - wie leider viele vor dir und sicher noch viele nach dir - bezüglich der Fütterung falsch beraten worden. Überlege bitte einmal: Wildkaninchenjunge fressen von Anfang an NUR frisches Futter. Hauskaninchen sind erst seit relativ kurzer Zeit domestiziert und unterscheiden sich nicht allzu sehr von den wilden Verwandten. Auch gibt es in anderen Ländern ganz andere Haltungsformen für Nutzkaninchen (z. B. in ländlichen Regionen Polens großräumige Freilandhaltung in der Großgruppe, die Jungtiere werden dort in Erdbauten geboren wie bei den Wildkaninchen und ernähren sich von dem was die Natur bietet). Die Zoohandlungen behaupten das leider sehr gerne mit dem Futter, um zumindest noch ein halbes Jahr an dir zu verdienen. Und das nicht zu knapp... viele Futtersorten sind nämlich teuer für den Verbraucher, werden aber aus Abfallprodukten der menschlichen Nahrungsmittelindustrie hergestellt, die Ausgangsprodukte sind entsprechend billig.
Allerdings sind Äpfel und Karotten nur Leckerlis für Kaninchen, und keinesfalls Hauptfutter. Das Hauptfutter sollte grün und blättrig sein, idealerweise Wiese und (Un-)Kräuter sowie Blattgemüse. Dazu Äste mit Blättern (z. B. Haselnuss). Obst ist grundsätzlich IMMER nur Leckerchen, und Karotten haben einen sehr hohen Zuckergehalt, auch sie sind in größerer Menge nur in der Winter-Außenhaltung angebracht.
Zu seinem Verhalten: - Zerreißt er Papier, solltest du es keinesfalls weiterhin im Käfig verwenden wenn du nicht sicher ausschließen kannst dass er es wirklich nicht frisst. Größere Mengen Papier, besonders Zeitungspapier mit seinen Druckfarben, kann schädlich sein und die Verdauung massiv stören.
- Das herumschmeißen von Futter- und Wasserschale rührt entweder von Platzmangel her (erste Verhaltensstörungen!) oder von Schmerzen oder Stress. Der Tierarzt sollte ihn noch einmal untersuchen, um die Schmerzen auszuschließen. Wie groß der Käfig ist habe ich weiter oben ja schon gefragt, danach richtet sich wie viel Platz zusätzlich mindestens her muss für den kleinen Mann.
- In den Futternapf kötteln ist durchaus keine Seltenheit. Hat er ausreichend Platz, ist die Gefahr geringer dass Kot im Napf landet weil dann der Napf besser außerhalb der Toilettenecke zu platzieren ist.
- Das Angreifen des Futternapfes und die Panik können verschiedene Ursachen haben. Greifst du von oben in den Käfig? Falls ja, bitte die vordere Klappe benutzen. Greifvögel kämen von oben, hat er Angst vor etwas was von oben kommt, ist das also nur natürlich und ein angeborener Instinkt. Greifst du von vorne in den Käfig hat er möglicherweise Angst dass du ihn hochheben willst - dazu gleich mehr. Ein Angriff kann auch Revierverteidigung sein, er will das winzige Revier dass ihm zur Verfügung steht nicht auch noch verlieren. Ein ausreichend großes Revier löst dieses Problem.
- Hochheben solltest du ihn nur dann wenn es absolut unumgänglich ist. Also zur Kontrolle der Kastra-Wunde oder zum Gesundheitscheck. Willst du den Käfig säubern, solltest du ihn selbst aussteigen lassen. Die meisten Kaninchen haben Panik wenn man sie hochhebt, vor allem wenn man dabei falsch vorgeht und sie den Boden unter den Pfoten verlieren. Viele Kaninchen fallen dabei in Schreckstarre, andere wehren sich nach Kräften.
Sorgen macht mir das wenige Fressen und viele Trinken. Kannst du das genauer beziffern? Es kann auf eine ernsthafte Gesundheitsstörung hinweisen. |