Hallo zusammen,
ich wollte mich mal absichern, ob ich alles richtig mache bzw. machen werde und dachte deshalb, ich meld mich einfach hier an und frage Kaninchenexperten
Ich hatte als Kind/ Jugendliche schon mal Kaninchen, aber damals hat man irgendwie alles noch anders gemacht, als es heute emfpohlen wird (Trockenfutter, Plastikhäuser, eine Karotte und 1/4 Apfel am Tag und stundenweiser Auslauf bei einem Halbquadratmeterställchen *schäm* Ich war halt jung und wusste es nicht besser), deswegen kann ich nicht gerade davon sprechen, dass ich ein Experte bin.
Also ich glieder das ganze mal thematisch, weil es bestimmt etwas länger wird:
Haltung
Wir haben seit drei Tagen Kaninchenjunge - einen Rammler und eine Häsin - beide etwa sieben Wochen alt. Wir halten sie auf dem Balkon (ca. 6m²) mit einem Käfig, der nur als Toilette und Rückzugsort dient und ständig geöffnet ist, einer Schutzhütte und diversen Versteckmöglichkeiten auf dem Balkon (Rascheltunnel, Kuschelhöhle für Katzen, Häuschen (Flachdach), Unterstände und gleichzeitig Etagen und eine große Wurzel, die als Aufgang zu einer Etage dient). Ich möchte so nach und nach
weitere Einrichtungsgegenstände besorgen, aber ich bin etwas unkreativ. Ich dachte auf jeden Fall noch an Weidenbrücken und vielleicht einen kleinen Kratzbaum mit Höhle und eine Buddelkiste.
Habt ihr sonst noch Ideen oder Vorschläge?
Zähmung
Außerdem wollte ich mich absichern, dass ich folgendes nicht verkehrt mache: Ich habe nach eineinhalb Tagen Eingesperrtsein im kleinen Käfig Mitleid bekommen und die zwei einfach rausgelassen.
Die Züchterin hatte mir jedoch geraten, die zwei vier Wochen lang nicht rauszulassen, sondern sie immer wieder nur aus der Hand zu füttern und auf den Schoß zu nehmen, um sie zu zähmen. Ich muss dazu sagen, dass sie schon sehr zutraulich sind. Finchen (die weiße mit den grauen Flecken) ist sogar extrem zutraulich. Sobald ich und meine Kinder auf den Balkon kommen, kommt sie angehoppelt und hüpft sofort auf den Schoß und klettert auf uns rum, um sich all die Leckerchen abzuholen, die sie bei uns vermutet. Sie lässt sich auch ohne Futter in der Hand ganz viel streicheln (auch von den Kindern) und ist überhaupt nicht schreckhaft. Jonas (der Graue) ist noch etwas skeptisch. Er holt sich zwar auch alles Futter aus der Hand und hüpft auch auf den Schoß und ist neugierig, aber er lässt sich nur streicheln, wenn er etwas dafür kriegt und auch dabei ist er skeptisch, er wird wohl nicht so schmusig werden, aber ich denke, wir kriegen es noch hin, dass er noch zutraulicher wird. Er war wohl der Liebling der Züchterin und sie hat ihn dadurch relativ häufig hochgenommen, ich denke, er hat das nicht gemocht und hat Angst, dass wir ihn auch ständig hochnehmen, was wir aber nicht vorhaben, nur streicheln wäre schon ganz nett, wenn er es zulassen würde.
Also ich wollte euch nur fragen, ob ihr meint, dass meine Zähmungsmethode auf Dauer mehr Erfolg haben wird als die Methode, die die Züchterin vorgeschlagen hat. Meine Methode: Auf den Balkon gehen (mit und ohne Kinder, mehrmals am Tag (ca. fünf Mal) für mindestens 15 Minuten), ruhig hinsetzen, mit den Tieren leise sprechen und dabei sämtliches Grün- und Frischfutter aus der Hand füttern - Heu und Wasser haben sie jedoch ständig zur freien Verfügung. Die Kinder werden von mir ebenfalls angewiesen, sich hinzusetzen und ruhig zu verhalten, die Tiere nicht unvermittelt anzufassen und sie auf gar keinen Fall hochzunehmen. Bis jetzt funktioniert es ganz gut, aber ich hoffe, es ist nicht verkehrt, ihnen so früh den ganzen Balkon zur Verfügung zu stellen. Mein Mann ist auch skeptisch und meinte, sie würden dadurch vielleicht scheuer, aber in ihrem Käfig finde ich sie viel zu eingesperrt und es war so schön, ihnen bei ihren übermütigen Luftsprüngen heute zuzuschauen, dass ich sie ungern die nächsten Wochen nur im Käfig halten würde. Ich vermute, sie hatten das erste Mal so viel Platz zum Rennen und Springen, denn bei der Züchterin lebten sie in einem zwar geräumigen aber wegen der Anzahl der Tiere doch recht kleinen Außenstall und ich habe kein Außengehege gesehen.
Was meint ihr, sollte ich die Tiere vielleicht zum Zähmen doch besser erstmal im Käfig lassen? Auslauf in der Wohnung
Ich habe vor, den Tieren, wenn sie ganz ganz zahm sind und ich mich ihnen problemlos nähern kann, um sie hochzunehmen (damit ich sie wieder auf den Balkon setzen kann), Auslauf in der Wohnung zu gewähren. Wir haben so eine tolle Wohnungsaufteilung, dass es überhaupt kein Problem wäre, die Balkontür einfach aufzumachen, um den Kaninchen stundenweise einen großen kaninchensicheren Bereich als Auslauf zu gewähren, das wäre dann nämlich, insofern ich alle anderen Türen schließe und Hund und Katzen wegsperre, nur der Esszimmerbereich, dort gibt es keine erreichbaren Kabel, keine Zimmerpflanzen und zum Drunterkriechen nur die Eckbank, Tisch und Stühle, von daher überhaupt kein Problem.
Ab wann kann ich den Kaninchen den Auslauf geben, reicht es zu warten, bis sie ganz zahm sind oder sollten sie dafür älter sein? Überfordert so viel Platz die Jungtiere vielleicht? Was mache ich im Winter?
Wie kann ich da den Auslauf gestalten? Ich habe gelesen, man soll die Tiere nicht reinholen, wenn es so starke Temperaturunterschiede zwischen draußen und drinnen gibt, außerdem wollen wir unser Esszimmer ja auch nicht unbedingt in einen Kühlschrank verwandeln, reichen in den kalten Wintermonaten denn die 6m² Balkon oder sollte ich sie im Winter lieber in einem Innengehege halten, um ihnen regelmäßigen Auslauf gewähren zu können?
Außerdem wollte ich fragen, ob meine Schutzhütte im Winter für beide Tiere ausreicht? Ich habe das Trixie Kleintierhaus Natura mit den Maßen L 42 x B 51 x H 43 cm. Momentan passen die Zwerge natürlich gut rein, aber wer weiß, wie es ist, wenn sie ausgewachsene Zwergwidder sind. Ich habe auch schon gelesen, man könne kleine Hundehütten nehmen. Das Kleintierhaus Natura gibt es aber auch noch eine Nummer größer.
Wie löst ihr das im Winter mit der Außenhaltung? Ich hatte vor, die Schutzhütte im Winter gut mit Stroh und eventuell ein paar Handtüchern auszupolstern, aber ich weiß nicht, ob das vielleicht doch zu kalt ist. Außerdem, habe ich gelesen, sollen beide Tiere gut reinpassen, vielleicht ist das Kleintierhaus also zu klein. Andererseits steht auch überall geschrieben, jedes Tier braucht seinen eigenen Rückzugsbereich. (Ich habe ja viele Versteckmöglichkeiten, aber die sind nicht alle winterfest)
Was stimmt denn nun? Über ein paar Tipps wäre ich sehr dankbar!
Was mache ich bei Hitze?
Unser Balkon ist ein Westbalkon. Die Sonne scheint von Juni bis August von 16 bis 20 Uhr auf den Balkon. Auch von März bis Mai und von September bis Oktober scheint nachmittags ein wenig Sonne drauf, aber es wird meist nicht sonderlich heiß. Wir haben eine Markise, die schon sehr viel abhält, aber ab 26/27 Grad wird es schon sehr heiß, aber in der ganzen Wohnung. Ich hab gedacht, ich hole die Tiere bei sengender Hitze rein und stelle sie an einen schattigen Ort in unserer Wohnung, auf dem Balkon ist trotzdem für viel Schatten gesorgt und ich würde immer die Markise bei Hitze runterlassen, aber
reicht das aus oder soll ich die Tiere an heißen Tagen lieber gleich am frühen Nachmittag reinholen? Wie kann ich ihnen sonst noch Kühlung verschaffen? Frühkastration
Ich will natürlich keinen Nachwuchs, reicht die
Kastration mit 12 Wochen oder kann/ muss ich das schon früher machen? Er hat die Kleine heut schon berammelt, aber ich vermute, das war nur eine Dominanzgeste oder muss ich mir Sorgen machen? Laut der Züchterin ist er jetzt etwa sieben Wochen alt. Gibt es höhere Risiken für die Gesundheit des Tieres als bei einer Kastration im Erwachsenenalter?
Ernährung
Bis jetzt gedeihen die zwei
prächtig, aber ich hab sie ja erst drei Tage. Sie bekamen bei der Züchterin vor allem Trockenfutter, Heu und Wasser, wenig Gemüse und Grünzeug.
Ich gebe ihnen kein Trockenfutter und steigere derzeit die Menge des Grün- und Frischfutters. Zur Zeit bekommen sie jeder zusätzlich zu Heu und Wasser, was ständig zur Verfügung steht, zweimal täglich etwa zwei Hände voll Wiese pro Nase (Löwenzahn und Co.), und ich will auf fünf verschiedene Gemüse- /Obstsorten pro Tag steigern. Wir haben angefangen mit Karotte und Gurke, heute habe ich dazu noch Apfel und Kopfsalat gegeben. Morgen kommen Kohlrabi und Broccoli dazu, dann später Tomaten, Paprika, Birne, Beeren, andere Salate, Fenchel, Chinakohl und was es sonst noch so verträgliches gibt. Außerdem werde ich ihnen wöchentlich ein paar Zweige geben. Bis jetzt haben sie keinen Durchfall bekommen, aber
ich frag mich, ob ich ihnen zu wenig gebe - das Grünfutter ist immer ratzfatz weggeputzt.
Wie viel frische Wiese darf ich Jungtieren geben? Ich hab nur Angst, dass sie Durchfall bekommen, denn sie kannten es bei der Züchterin nicht.
Wie viel soll ich ihnen geben, wenn sie ausgewachsen sind?
Außerdem trinken die zwei sehr viel, ich habe zwei Katzennäpfe als Wasserschälchen auf dem Balkon und ich muss zweimal täglich auffüllen.
Ist das normal? Wäre eine Wasserflasche vielleicht doch besser?
Impfung Ab wann sollte ich die Tiere impfen? Reicht
RHD und Myxomatose oder noch irgendwas anderes? Ist das
überhaupt sinnvoll? Ich habe hier bei uns in Köln mitten in der Stadt noch nicht eine Mücke gesehen und Fliegen haben wir auch nur Fruchtfliegen im Sommer. Aber ich mach es natürlich, wenn es trotzdem ein zu hohes Risiko ist, ich wollte nur mal eure Meinung wissen.
So ich glaube, das war's erstmal mit all meinen Fragen. Ich hab mir schon alles mögliche durchgelesen, aber ich will, dass es die Tiere möglichst gut bei uns haben und deswegen danke ich schon mal allen, die tatsächlich den ganzen langen Text von mir gelesen haben und allen, die sich dann noch die Mühe machen, mir auf meine Fragen zu antworten oder die mir sonstiges Feedback geben! Danke!
Viele Grüße,
Juliane