| Angora-Angy | 05.01.2015 20:22 | Ja, das macht der Nachbar. Ich kann das (noch?) nicht selbst machen. Es war schon schwer genug, mich zu überwinden, meine Kaninchen zum Essen freizugeben. Es ist auch nicht der Hauptzweck meiner Zucht und die meisten gebe ich tatsächlich ab. Seit meiner gesamten Zuchtzeit habe ich ganze 4 Kaninchen schlachten lassen, hingegen habe ich mind. viermal so viele in (hoffentlich gute Hände) verkauft. Schlachten ist also mehr die Ausnahme, wenn es sonst keine vernünftige Lösung gibt. Züchten bedeutet nunmal, dass es auch Tiere gibt, die nicht für die Weiterzucht hergenommen werden können, aber es ist auch keine Möglichkeit, dann nur alle paar Jahre einen Wurf zu setzen, das wäre schlecht für die Häsinnen. SIe sollten weder zu jung noch zu alt sein und auch keine zu großen Abstände zwischen zwei Würfen haben. Um ein Zuchtziel zu erreichen, muss man aus einer gewissen Anzahl Tiere auswählen können und die restlichen müssen dann auch irgendwo hin. Meine Ställe sind auch nicht unendlich groß. Ich habe es natürlich lieber, wenn sie zu netten Leuten kommen, die sich gut um sie kümmern, aber es ist nicht leicht, solche zu finden. Das wisst ihr alle sehr gut. Andersrum halte ich es nicht für vertretbar, Leuten ein Tier zu geben, von dem ich weiß, dass es sich nicht vernünftig benimmt, sondern ständig für Theater sorgt und die Stallgenossen übel zurichtet. Zur Zucht geht sowas natürlich auch nicht, wie hasis2011 schon richtig anmerkte.
Ich selbst vertrete in dieser Hinsicht auch die AUffassung, dass ich ein Kaninchen lieber aufesse, als dass es sein Leben in einem Kinderzimmerkäfig oder einer Einzelknastbucht versauern muss. Ich bin kein Vegetarier und möchte auch keiner werden. Tiere zu essen, von denen ich weiß dass sie ein gutes Leben hatten, macht mir nicht so ein schlechtes Gewissen wie Fleisch im Supermarkt zu kaufen, von denen ich zu 99% davon ausgehen muss, dass sie eben kein (halbwegs) artgerechtes Leben hatten. Ich weiß, was meine Kaninchen zu futtern bekommen, welche Medikamente sie bekommen haben, dass sie genug Platz und Gesellschaft hatten. Ich vermeide mehr oder weniger bewusst, allzu sehr auf sie einzugehen und eine emotionale Bindung zu einem Einzeltier aufzubauen. Sie sind keine Streicheltiere, was aber nicht heißt, dass ich sie missachte oder geringschätze. Wer dann doch einen Namen bekommt, der ist der Pfanne endgültig entronnen (es sei denn es gibt drängende Gründe, wie z.B. eine schwere Verletzung oder sowas, was eine Heilung aussichtslos macht, ein solches Tier würde ich dann schon schnell erlösen lassen. Der Fall ist aber noch nicht aufgetreten). Meine Tiere werden zur Schlachtung nicht stundenlang durch die Gegend karjuckelt, sondern nur in den Nachbargarten. Eine Viertelstunde vom Stall in den Kühlschrank ist für mich gelebter Tierschutz. Auch wenn das andere hier anders sehen mögen. Es wird auch nichts weggeworfen, wie es in der kommerziellen Kaninchenerzeugung passiert. Die Felle sind aufgespannt und im Sommer werde ich mich am Gerben versuchen. Die Innereien und alles sonst, was wir nicht essen, landet im Hundenapf. Somit wird nichts verschwendet.
Jeder kann da natürlich seine eigenen Gedanken haben und ich finde es gut, wenn jeder die Einstellung des anderen akzeptieren kann. Solange keiner missionieren geht und andere verteufelt, weil sie dies und jenes tun, kann ich gut damit leben. Nur Doppelzüngigkeit kann ich nicht vertragen, also Leute, die mich beschimpfen, weil ich meine Kaninchen esse, aber selbst Fleisch essen. Es ist ja schließlich eine rein willkürliche Einteilung in "Tiere zum Essen" und "Tiere zum Streicheln", die in andere Kulturen schon wieder ganz anders aussieht. Ich persönlich gehe eben den Mittelweg: Ich respektiere die Bedürfnisse meiner Tiere, gleichwohl nutze ich sie. Leute, die Nutztiere als was Niederes ansehen und wie Gegenstände behandeln, kann ich nicht leiden, aber auch Leute, die ihre TIere überverhätscheln und wie Kinder behandeln (und damit auch ihrer Art nicht gerecht werden) finde ich unmöglich. Der Mittelweg ist halt leider einer, der von beiden Seiten mit Steinen gesäumt ist. Die reinen "Nutzviehnutzer" feinden mich an, weil ich mein "Zuchtmaterial" so betüddle. Hier krieg ich Kritik, weil ich meine Kaninchen auch nutze. Ich möchte mir aber nunmal von beiden Lagern das Beste, für mich Passende zusammensuchen und meine Zucht so artgerecht wie irgend möglich gestalten. The best of both worlds halt ;) Die "alteingesessenen" Züchter irgendwie zum Umdenken zu bewegen hab ich versucht, vergeblich. Die Hoffnung bleibt, dass nachkommende Züchter sich vielleicht auch auf diesen Weg bringen lassen und ihre Kaninchen nicht in "Schrankwänden" aufbewahren. Hier sind Erfahrungen nötig, die ich eben selbst sammeln muss und gern an Interessierte weitergebe. Ich halte Zucht für den richtigen Weg, sofern man die richtigen Zuchtziele verfolgt. Gesundheit und auch Sozialverhalten sind wichtige Auswahlkriterien. Rassestandards sind eine willkürliche Sache und eher nebensächlich für mich. MIr ist es schnuppe, ob meine Tiere ein schönes rundes Hinterteil haben oder ihre Ohren vorschriftsmäßig tragen. Wichtig ist Robustheit, die Wollqualität, die Aufzuchtsleistung der Häsinnen (also dass sie ihre Jungen ohne Hilfe großziehen können) und eben das Verhalten den anderen gegenüber. Im Übrigen halte ich das für die "Streichelrassen", also Zwerge, Löwenköpfchen und so, auch für wichtig. Tierschutz ist gut und richtig, auch dass ungewollte Tiere versorgt und vermittelt werden, aber es kann nicht der richtige Weg sein, sämtliche Zucht komplett einzustampfen und nur noch Tierschutzkaninchen zuzulassen. Denn es wird bei ungeplanten Würfen, Kinderzimmerzuchten und sowas keine durchdachte Auslese nach Gesundheit und Verhalten geben. Was dann im letzten Schluss bedeutet, dass die gesunden, unkomplizierten und verträglichen Tiere verschwinden und nur noch Problemfälle verfügbar sind (überspitzt gesagt). Das ist weder für den Tierschutz noch für den einzelnen Halter tragbar. Bei manchen Tierschutzkandidaten wäre ich persönlich für eine andere Lösung als alle paar Tage zum Tierarzt zu rennen und tausende Euros zu investieren. Das Geld wäre für andere, weniger aussichtslose Fälle wesentlich besser angelegt. Nur meine eigene Meinung.
So, nun hab ich mein eigenes Thema gesprengt :D Ich finde Diskussionen, sofern sie sachlich bleiben, sehr interessant und es gefällt mir, sowohl meinen eigenen Standpunkt darlegen zu dürfen wie auch die Standpunkte anderer nachvollziehen zu können. |