Kaninchenforum - Das Kaninchen Forum Online

Kaninchenforum - Das Kaninchen Forum Online (https://www.kaninchenforum.de/)
-   Small-Talk (https://www.kaninchenforum.de/small-talk/)
-   -   Zum Nachdenken (https://www.kaninchenforum.de/small-talk/9017-zum-nachdenken.html)

Daisy & Joy 16.12.2010 00:24

Zum Nachdenken
 
ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin.
Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns.
Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell,
aber sie war oft krank und sehr dünn.
Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern.
Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben.
Als sie mich von meiner Mutter wegnahmen, hatte ich furchtbare Angst und war so traurig.
Meine Milchzähne waren kaum durchgestossen und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht.
Arme Mama, es ging ihr so schlecht.
Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich
Geld wollten und dass das Geschrei meiner Schwester und mir ihnen auf die Nerven gingen.
So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht.
Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten, ohnmächtig vor Angst.
Niemand kam, um uns zu trösten.
All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche - wir sind in einem "Petshop",
einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere gibt.
Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen.
Wir hören auch das Wimmern von andern Welpen.
Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig.
Manchmal kommen Menschen uns anschauen, oft ganz kleine Menschen, die sehr fröhlich aussehen, als wollten sie mit uns spielen.
Tag um Tag verbringen wir in unserem kleinen Käfig.
Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch um uns zu begutachten.
Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh.
Oft hören wir sagen oh, sind die süß, ich will eines", aber dann gehen die Leute wieder fort.
Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben.
Ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt, wie das Leben aus dem dünnen Körperchen gewichen ist.
Als sie sie am Morgen aus dem Käfig nehmen sagen sie, sie sei krank gewesen und ich sollte verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme.
Niemand beachtet mein leises Weinen, als mein kleines Schwesterchen weggeworfen wird.
Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft!
Jetzt wird alles gut!
Es sind sehr nette Leute, die sich tatsächlich für MICH entschieden haben.
Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen.
Ihr Vater und Mutter sagen, ich sei ein ganz süsses und braves Hundchen.
Ich heisse jetzt Lea.
Ich darf meine neue Familie sogar abschlabbern, das ist wunderbar.
Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht, passen gut auf mich auf,
geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe.
Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und nichts ist schöner
als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen.
Erster Besuch beim Tierarzt.
Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte.
Ich bekam einige Spritzen.
Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft und sagte, es wäre ok, dann entspannte ich mich.
Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen, sie sahen ganz bestürzt aus.
Ich hörte etwas von schweren Mängeln und von Dysplasie E und von zwei Herzen.
Er sprach von wilden Züchtern und dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien.
Ich habe nichts von alledem begriffen aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen.
Jetzt bin ich sechs Monate alt.
Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark, aber mir tut jede Bewegung schrecklich weh.
Die Schmerzen gehen nie weg.
Außerdem kriege ich gleich Atemnot, wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will.
Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht.
Vater und Mutter sprechen über mich.
Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen.
In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es "genetisch" und "nichts zu machen".
Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen, möchte rennen und hüpfen.
Es geht nicht.
Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je.
Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken und nur noch schreien vor Schmerzen.
Sie tragen mich ins Auto.
Alle weinen.
Sie sind so seltsam, was ist los ?
War ich böse?
Sind sie am Ende böse auf mich?
Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich.
Ach wenn nur diese Schmerzen aufhörten!
Ich kann nicht mal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchen ablecken aber wenigstens erreiche ich seine Hand.
Der Tisch beim Tierarzt ist kalt.
Ich habe Angst.
Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben.
Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken.
Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich, und ich empfinde etwas weniger Schmerzen.
Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft, ein kleiner Stich...
Gott sei Dank, der Schmerz geht zurück.
Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit.
Ein Traum: ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese.
Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Friede und Glück.
So sage ich meiner Menschenfamilie Aufwidersehen auf die einzige mir mögliche Weise:
mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln.
Viele glückliche Jahre wollte ich mit Euch verbringen, es hat nicht sein sollen.
Statt dessen habe ich Euch so viel Kummer gemacht.
Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware.

Mica 16.12.2010 00:30

AW: Zum Nachdenken
 
Wow.. ich bin sprachlos.. sehr ergreifende Geschichte

Danke

Daisy & Joy 16.12.2010 01:15

AW: Zum Nachdenken
 
Ich musste echt heulen als ich das las.

Muschu 16.12.2010 08:33

AW: Zum Nachdenken
 
...ich sitz hier und heul vor mich hin:(.
Es ist eine schöne aber gleichzeitig sehr traurige Geschichte. Eine echte Geschichte wie sie so oft im Leben passiert ohne dass wir es jedes Mal mitkriegen. Leider können wir nicht viel dagegen tun...leider:(

Mastergamer 16.12.2010 09:57

AW: Zum Nachdenken
 
wow einfach nur wow, wie sehr man sich doch in peronen/tiere reinversetzen kann ... wow

elfzemeier 16.12.2010 10:37

AW: Zum Nachdenken
 
Entweder man liebt Tiere oder nicht. Habe Tränen in den Augen, wollte teilweise fast gar nicht zu Ende lesen. Jetzt bin ich schon so lange erwachsen und fühl mich durch so etwas klein und hilflos. Wie so häufig, wenn Tieren übel mitgespielt wird, sie krank werden, sterben oder was auch immer und ich kann nichts tun.

Daisy & Joy 16.12.2010 12:30

AW: Zum Nachdenken
 
Mir ist es genau gleich ergangen. Ich finde so was einfach nur schrecklich, da man ja weis das dies täglich passiert.

Lillybee 16.12.2010 14:09

AW: Zum Nachdenken
 
Ich finde die Geschichte schrecklich und das schlimmste ist das sie auch noch wirklich wahr ist. :(

Daisy & Joy 16.12.2010 17:02

AW: Zum Nachdenken
 
Es ist schrecklich, aber viele verschliessen Ihre Augen vor solchen Geschäften. Es sit genau wie bei den Nins. Es sit einfach nur Traurig und gemein

morle und bobby FAN 16.12.2010 17:37

AW: Zum Nachdenken
 
wow... ich musst mich zusammenreißen um nicht loßzu heulen :(
sher ergreifende geschicht !
DICKES LOB

samynicky 19.12.2010 18:08

AW: Zum Nachdenken
 
mir kullern die tränen runter.....
sowas von traurig und wahr :(

ANNISTAR 19.12.2010 18:37

AW: Zum Nachdenken
 
**heul**das ich echt eine traurige geschichte.......:( :(

*Lulu 19.12.2010 19:33

AW: Zum Nachdenken
 
ich bin sprachlos....
diese geschichte berührt einen total :(


Lg luisa

SchnuffeLeia 19.12.2010 22:30

AW: Zum Nachdenken
 
Ich wein gleich los. Ich muss mich voll zusammenreißen nicht loszuweinen.
*tränen zurückhalt*fast wein*
Lara

Elvis und Krümel 19.12.2010 22:33

AW: Zum Nachdenken
 
Ich musste nach den ersten 3 sätzen schon heulen....echt schlimm! :-(

Daisy & Joy 19.12.2010 23:30

AW: Zum Nachdenken
 
JA fragt mich mal, ich bin so nahe am Wasser gebaut ich darf nicht mal dran denken =(

ANNISTAR 20.12.2010 10:31

AW: Zum Nachdenken
 
ich finde der letzte satz ist am traurigsten:Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware. :(

Daisy & Joy 20.12.2010 12:06

AW: Zum Nachdenken
 
Das finde ich auch am schlimmsten, es gibt so viele Tiere die So behandelt werden. Was ich sehr schlimm finde. Ist ja in den Zoohandlungen nicht viel anders leider

Fyrelia 20.12.2010 12:10

AW: Zum Nachdenken
 
Oh man, ich sollte es wissen und trotzdem lese ich mir immer diese Texte durch *tränen weg wisch*

Menolli 20.12.2010 12:12

AW: Zum Nachdenken
 
Darf ich auch?

Man hat mich gesehen und kaufte mich prompt,

denn ich bin ein Hund, der vom Züchter kommt. Und wird es nicht allenthalben empfohlen,

man soll gute Hunde beim Züchter holen? Und alle Erwartungen trafen ein:

Ich bin hübsch, lieb und kann auch folgsam sein.

Mich hat man am Strand draußen aufgelesen,

da bin ich seit Monaten schon gewesen. Man hat mich getreten, es gab nichts zu fressen,

dann stieß man mich weg und hat mich vergessen. Bin alt nun und krank, mein Herz tut mir weh.

Hab nur gelernt, dass ich gar nichts versteh.

Ich wurde in einer Tonne geboren,

meine Finder gaben mich schon verloren.

Meine rechtes Ohr hängt, das linke blieb stehen,

und auf einem Auge kann ich nicht sehen.

Ich liebe die Menschen und weiß nicht warum. Sie finden mich häßlich, mickrig und dumm.

Ihr seht, ich bin schön und mein Fell ist glatt.

Man pflegte mich gut in der großen Stadt. Sie haben mich sogar angezogen,

operiert und die Ohren hochgebogen. Dann wurde ich an einen Baum gebunden,

dort hat mich nach Tagen jemand gefunden.

Und du? Wer bist du? Hast noch nicht gesprochen. Hast bis jetzt mit der Nase am Gitter gerochen. Wenn sie kommen um einen auszusuchen,

verschmähst du all ihre Hundekuchen.


Siehst niemanden an und willst dich nicht binden. Möchtest du keine neue Familie finden? Eine Pause tritt ein. Niemand sagt ein Wort.

Der Blick des Gefragten driftet weit fort. Sein Kopf ist erhoben, die Schultern gestrafft,

der Körper ist mager und doch voller Kraft. Dann dreht er sich um, sein Schwanz fächelt leicht,

der Wind, der von Norden her streicht.

Der Blick seiner blauen Huskyaugen

scheint sich am Fragenden festzusaugen. Versteht Ihr nicht, flüstert er in den Wind,

dass wir nur eine Laune der Menschen sind?


Sie wollen uns schaffen nach ihrem Gefallen

und wissen doch nicht wohin mit uns allen. In dieser Sekunde sind wir schon verloren,

denn es werden tausend Welpen geboren.


Wir sind viel zu viele, das ist der Betrug,

denn Menschen bekommen niemals genug. Sie wissen es alle, doch die endlose Flut,

immer neuer Hunde gefällt ihnen gut.



Die endlosen Züge der Überschussfracht

sind im Tierheim ja wunderbar untergebracht.

Sanft hebt er die Schnauze, setzt an zum Gesang.

Ein klagender Ton zieht die Gitter entlang.



Eine Tür schlägt zu, und dann schweigt er still,

weil das, was er weiß niemand wissen will.

Er legt sich nieder, bettet ruhig sein Haupt.

Oh ja, es sind Viele, viel mehr als man Glaubt…



I. Winniawsky


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 10:32 Uhr.



Search Engine Friendly URLs by vBSEO 3.6.0 PL2 ©2011, Crawlability, Inc.