@ Everon: da du mich so direkt angesprochen hast, habe ich mir mal die Mühe gemacht zu antworten obwohl Diabi und Teekannenloser bereits alles wichtige geschrieben hatten:
Zitat:
Zitat von Everon
(Beitrag 1192369)
@Lupine
Das Beispiel von mir mit den Erkältungsmittelchen war natürlich ziemlich simpel, um zu sehen, wie weit andere User über den eigenen Tellerrand schauen können. |
Ein denkbar schlechtes Beispiel um deine Einstellung zu untermauern finde ich, da gerade die gängigen Erkältungsmedikamente im Verdacht stehen, gegenüber den Hausmitteln keinen Mehrwert zu bieten, dafür aber eine ganze Liste an Nebenwirkungen. Es gibt nicht umsonst den Spruch: "Ohne Medikamente dauert eine Erkältung eine ganze Woche, mit nur 7 Tage..."
Die angesprochenen Schleimlöser sind für diejenigen, die sie wirklich benötigen (Mukoviszidose-Patienten zum Beispiel) verordnungsfähig und werden selbstverständlich bezahlt.
Zitat:
Andere Beispiele: Verschreibungspflichtiges Antihistamin bei allergischem Asthma, 20 Tabletten kosten 35 Euro. Kann ich mir als Rentner nicht kaufen.
|
Ein Antihistaminikum wird zur Behandlung einer allergischen Rhinitis eingesetzt, nicht zur Behandlung des daraus resultierenden Asthmas. Das Asthma selbst wird mit einer Mischung aus sogenannten Controllern (meist Glukokortikoide) und Bedarfsmedikamenten (Bronchiendilatatoren) behandelt.
Bei einer allergischen Rhinitis können verschreibungspflichtige Antihistaminika unter bestimmten Voraussetzungen eine Kassenleistung sein. Dafür muss man aber brav zunächst mit den lokalen Medikamenten wie kortisonhaltigem Nasenspray und Mastzellstabilisatoren wie Cromoglicinsäure anfangen, und wenn die nicht ausreichen, kommen die altbewährten Antihistaminika Cetirizin oder Loratadin zum Einsatz. Kosten für eine Tagesdosis belaufen sich bei beiden Varianten auf ganze 10 Cent. Keiner kann mir erzählen, dass er keine 3 Euro pro Monat übrig hat. Nur wenn diese Medikation nicht wirkt oder nicht vertragen wird, darf der Arzt auf Kassenkosten eines der teureren Medikamente verordnen. Allerdings scheitert die eigentliche Therapie oft an der Compliance des Patienten, der nicht einsieht dass er Nasensprays brav regelmäßig verwenden soll die ihre volle Wirkung erst in 3 - 4 Tagen entfalten, wenn er doch bei Bedarf auch ganz einfach eine Tablette einschmeißen kann, die dann innerhalb einer Stunde die Beschwerden verschwinden lässt. Und das ohne "Schlauchbotgeruch" in der Nase und ohne kurzfristiges Brennen auf der Nasenschleimhaut.
Den Preis von 20 - 35 Euro für 20 Tabletten kann ich absolut nicht nachvollziehen. Fexofenadin kostet als Generikum 44 Cent pro Tag. Ebastin liegt bei 42 Cent pro Tag.
Zitat:
Beispiel: Nach der Einführung von Hartz4 klagten Menschen mit Neurodermitis vor Gericht, weil die Kassen nur noch Kortison bezahlen. Von den Cremes die gut helfen dürfen die Hautkranken träumen.
|
Körperpflegeprodukte sind nun einmal keine Medikamente, so leid mir das für die Betroffenen tut. Weicht man die Regelungen auf, macht man ein Fass ohne Boden auf.
Zitat:
Beispiel drei: Eine Oma muss eine Magensonde bekommen, weil die Kasse so ein Pulver nicht bezahlt, damit wäre ihr die Sonde erspart geblieben und sie hatte weiter essen können.
|
Das kann so nicht stimmen. Trinknahrung ist verordnungsfähig, wenn sichergestellt wurde dass Hindernisse wie Schluckstörungen nicht beseitigt werden können und wenn sämtliche pflegerischen und ernährungsseitigen Maßnahmen ausgeschöpft wurden.
Allerdings: gerade das ist oft nicht der Fall, vor allem letzteres. Und man will unter anderem verhindern, dass Ömchen und Öppaken auf ihre Kartoffeln mit Soße verzichten müssen, weil es für den Versorgenden natürlich viel bequemer ist einfach ein Pulver anzurühren.
Zitat:
Brillen sind nicht notwendig. Ein armer Mensch braucht keine.
|
Nicht alle Menschen gehen leer aus, ab 6,25 Dioptrien oder ab 4,25 Dioptrien mit Hornhautverkrümmung gibt es Zuschüsse auch für Erwachsene. Allerdings nur für die Gläser, das Gestell muss man selbst zahlen. Und die Zuschüsse sind äußerst gering.
Insofern stimme ich dir zu, dass das ein Punkt ist wo Verbesserungsbedarf besteht.
Aber: auch ein armer Mensch kann sich mit einer Sehhilfe ausstatten lassen. Ohne jeglichen Komfort zwar, ohne Verspiegelung etc. - aber bei einer großen Optikerkette gibt es sogar Nulltarifgestelle. Das kann man sich dann schon leisten, auch wenn man wenig Geld hat.
Zitat:
Wer nach diesem massiven Abbau des Gesundheitssystem sich hinstellt und sagt man müsse es ja nur so machen wie die Frau von Bingen im Mittelalter ist meiner Meinung nach beschränkt.
|
Braucht man nicht.
Medizinisch notwendige Behandlung wird bezahlt - nur halt nicht immer in der Form, die der Patient gerne hätte.
Zitat:
Für mich ist die Verweigerung von medizinischer Versorgung eine Form von Euthanasie.
|
Du rückst das allen Ernsten in die Nähe des Begriffs Euthanasie, wenn die Kasse dir keinen Hustensaft bezahlt? Sorry, aber du solltest wirklich dringend mal deine Wortwahl überdenken. Das geht gar nicht. Das disqualifiziert dich als ernstzunehmenden Diskussionsparter auf ganzer Linie.
Zitat:
Wenn jemand am Straßenverkehr teilnimmt und durch seine Brille kaum noch was sieht, ist das für mich versuchter Mord oder Totschlag an der Person.
|
Wenn jemand mit einer nicht passenden Brille am Straßenverkehr in der Form teilnimmt dass er ein Fahrzeug führt, dann tut er etwas verbotenes. Und er ist derjenige, der andere gefährdet - und zwar wissentlich! Man gehört nicht hinters Steuer wenn man nicht ordentlich sehen kann.
Was Fußgänger betrifft, verweise ich dich an dieser Stelle mal auf die Blinden, die ja nun bekannterweise weit weniger sehen als Leute mit ungeeigneter Brille - gar nichts nämlich. Und die kommen auch nicht unter die Räder, weil sie sich entsprechend verhalten. Ich bin auch schon mit weitgetropften Augen zur nächsten Bushaltestelle getappt und heim gefahren. Das war völlig gefahrlos möglich, obwohl ich ausgesprochen verschwommen gesehen habe.
Zitat:
Ja, dann soll die faule Sau doch mehr Pfandflaschen sammeln, ist ja auch selbst schuld, wenn sie alt, krank, berentet, alleinerziehend oder Geringverdiener ist. Das ist der Tenor der Gesellschaft.
|
Bevor jemand Pfandflaschen sammelt, würde ich ihm dringend ans Herz legen sich seinen Rentenbescheid oder seine Gehaltsabrechnung zu schnappen, dazu noch seinen Mietvertrag, eventuell auch noch eine Bescheinigung vom Arzt über Mehrbedarf wegen chronischer Erkrankung, und einen Antrag auf ergänzende Sozialleistungen zu stellen. Wohngeld zum Beispiel.
Zitat:
In den USA kostet eine Ampulle Insulin ca. 700 Dollar. Es sterben alle naslang Leute dort, weil die sich das nicht kaufen können. Tja, kommt dann ein weiser Mensch daher und sagt, dann hör doch auf Zucker zu essen. Es ist doch sooooooo einfach.
|
In den USA haben die Leute Trump gewählt, der Obamacare gleich wieder an den Kragen wollte. Das war eines seiner Wahlversprechen.
Zitat:
Deutschland wird ein Gesundheitssystem wie die USA bekommen.
|
:rofl: Deshalb haben wir auch seit 2007 die Krankenversicherungs
pflicht für alle, die keine anderweitigen Leistungen wie Beihilfe beziehen.
Zitat:
Demnächst wird die Anzahl der Krankenhäuser etc.. halbiert.
|
Möglicherweise. Allerdings sagt das nichts über die Anzahl der Betten aus. In unserer Stadt wird demnächst ein Krankenhaus geschlossen werden. Ein anderes baut dafür gerade einen riesigen Anbau und erhöht seine Bettenkapazität dadurch massiv.
Zitat:
Kapitalismus im Endstadium bedeutet: Die Schwachen sind da, um die Starken zu rechtfertigen.
|
Ich empfehle eine Reise nach Väterchen Russland, um sich das dortige Gesundheitssystem anzuschauen :cool: