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Alben von Lynn
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Bild Mino und Pauline
22 27.02.2010 01:13
Bild Mein Engel
Meinem geliebten Engel "Blümchen" wurde im Mai 2001 das Leben geschenkt.
Ihre ersten 6 Lebensmonate erlebte sie in einem jener dunklen und engen Ställe - wohin sie auch schaute, blickten ihr andere, traurige Augen entgegen.
Sie würde als Unikat niemals registriert werden, sodass ihre Persönlichkeit unter all den vielen, anderen Tieren verschwinden würde.

Doch - sie unterschied sich von all den anderen Kaninchen - denn ihr Äußeres entsprach nicht dem, was erwartet wurde, sodass sie für die Zucht nicht geeigenet wäre.
Was geschieht also mit solch einem Individuum?
- Es wird eliminert.
Doch Blümchen sollte nicht auf tödliche Weise "beseitigt" werden - denn wir würden ihr ein neues Zuhause schenken.
Vielleicht waren wir ihre "Rettung", vielleicht aber sollte sie ohnehin nicht auf solch brutale Weise eliminiert werden - doch wir wissen, dass jenen besonderen Individuen, welche doch eigentlich dadurch, DASS sie sich eben z.B. durch ihr Äußeres von anderen unterscheiden, einzigartig wirken, ein schlimmes Schicksal widerfahren kann - denn viele dieser Unikate werden auf brutale Weise beseitigt - durch den Tod.

Doch nicht nur Blümchens "Hülle" war der Grund der Vermittlung - das zu Beginn vollkommen verängstigte und scheue Tier offenbarte sich schließlich als völlig überzüchtet.
Dies nahm Konsequenzen, welche Blümchens Gesundheitszustand stark beeinträchtigte - so litt sie Zeit ihres Lebens an chronischem Schnupfen und chronischer Zahnfehlstellung.
Außerdem enthüllte sie sich als ausgesprochen kleiner "Farbenzwerg" - mit exakt einem Kilogramm gehörte sie wohl zu den zierlichen Kaninchen.

Als sie bei uns "einzog", schien ihr außerdem Obst und Gemüse fremd zu sein - Apfel, Karotte etc... wurden während der ersten Tage nicht angerührt.
Doch ihr Wesen erfuhr rasch eine Wendung - nur weinige Wochen nach ihrem "Einzug" war sie schon meine treue Begleitern, was bis zu ihrem jähen Tod keine Veränderung nehmen sollte...
Das kleine Blümchen hatte rasch Vertrauen gefasst, sodass auf dem anfangs scheuen und zurückhaltendem Tier ein von Neugierde geprägtes geworden ist.
Als sie sich schließlich vollkommen eingelebt hatte, folgte sie mir unentwegt, sodass ich aufpassen musste, wohin ich meine Füße setzte.
Nun gehörten auch die abendlichen, ausgiebigen Schmusestunden schon zu einem Ritual, auf welches das liebenswerte Seelchen auch stets bestand.
Jeden Abend sprang sie auf mein Bett und legte sich in meine Arme - wenig später schon war sie in einen tiefen Schlaf gefallen.
So manches Mal schlummerte noch am folgenden Morgen ein graues, friedliches Bündel in meinem Arm und grunzte vorworfsvoll, wenn ich es zurück in den Stall setzte.
Mein geliebtes Seelchen wollte immer "dabei" sein - Blümchens Verhalten entsprach somit keineswegs dem eines Kaninchens - ihr Wesen erinnerte vielmehr an das eines Hundes.
Sie war keinenfalls schreckhaft, noch lehnte sie ausgiebige Streicheleinheiten ab und ausgiebige Bewegung nahm sie auch nicht in Anspruch - sie bevorzugte vielmehr, "ihren" Menschen zu folgen und achtete scheinbar stets darauf, sie nicht aus den Augen zu verlieren.
Es existierten Tage, an welchen sie unentwegt in meinen Armen schlummerte, mir folgte und stets um Aufmerksamkeit rang.
Alles schien ihr umgehend vertraut - sogar vor fremden Hunden entwickelte sie keinerlei Angst und bemühte sich erst recht nicht, die Flucht zu ergreifen - stattdessen beschnupperte sie interessiert die neugierige, große Nase des unbekannten Tieres und fraß danach wieder genüsslich Gras, was während der Sommermonate zu ihren Lieblingsbeschäftiungen im Garten gehörte.
Sie hätte sicherlich keien einzigen Tag in der Natur überlebt - allein schon ihre Furchtlosigkeit und ihr Vertrauen, das allen Lebewesen galt, hätte sich sicherlich rasch als ihr Todesurteil enthüllt.
Außerdem erkältete sich das kleine Engelchen rasch, sodass ich sie sogar während des Lüftens aus ihrem Zimmer nehmen musste, da sie ansonsten später unter starken Schnupfen und Augenentzündungen gelitten hätte.
Während der ersten Jahre galt sie zudem beim Tierarzt als regelmäßiger und somit vertrauter Patient - mehrmals jährlich wurde sie narkotisiert, damit ihre Zähne "geschliffen" werden konnten - während der ersten dieser Operationen wurden ihr sogar alle Schneidezähne entfernt, da die unteren über die oberen gewachsen waren - diese erste OP fand nur wenige Wochen nach ihrem "Einzug" statt - vielleicht hatte sie auch deshalb das Obst und Gemüse ignoriert.

Wenn sie an Zahnproblemen und Schnupfen litt, verschmähte sie grobes Futter, sodass ich ihr stets einen Obst- und Gemüsebrei zubereitete, welcher dankbar angenommen wurde - sie liebte es, gefüttert zu werden - während dessen trug sie ein winziges Lätzchen und befand sich stets auf meinem Arm - sie schleckte gierig den Brei von einem Löffel und nach jener Prozedur musste stets ihr etwas verklebtes Kinn gesäubert werden.

Daher wurde sie rasch nur noch "Baby" gerufen - und diesem Titel machte sie alle Ehre...

Als bei uns noch Meerschweinchen lebten, waren diese ihre "besten Freunde" - an so manchem Sommertag hoppelte Blümchen, verfolgt von ihren treuen Begleitern, durch unseren großen Garten - und als ein ganz treues, besonderes Meerschweinchen noch lebte, wurde Blümchen auch von diesem "verfolgt".
Dies nahm schließlich die Folge, dass ich mit meinem "Baby" und "Knuffel" spazieren ging.
Das schwarze Meerschweinchen folgte mir auch, wenn Blümchen auf meinem Arm getragen wurde - der kleine Mann war wirklich etwas ganz Besonderes!

Mein kleiner Engel besaß keinerlei Aggressionspotenzial und sogar als ihr eigener, zarter, zerbrechlicher Körper entsetzliches Leid erfuhr, setzte sie sich nicht zur Wehr - nein, sie ließ es über sich ergehen und nur durch ihre schrillen Schreie, die Todesangst verrieten, wurde ich auf die lebensbedrohliche Situation aufmerksam.
Ihr Ohr war von "Josephine", einem anderen Kaninchen, welches wir allerdings aufgrund des aggressiven Verhaltens rasch vermittelten, vollkommen gespalten worden, sodass auf dem Dach ihres Häuschens Blut von der furchtbaren Tat zeugte.
Niemals hätte Blümchen irgendeinem Lebewesen Schmerz zugefügt - sogar, wenn ihr eigenes, wertvolles Leben von jenem erfasst worden war - sie war viel zu gut für diese oftmals recht ungerechte Welt.
- Und dennoch musste sie so viel Leid erfahren -warum?
Warum müssen diese engelsgleichen Wesen mit so viel Leid konfrontiert werden?!
Warum müssen sie stetig um ihr Leben kämpfen?

Zeit ihres Lebens kämpfte Blümchen mit Erkrankungen - der chronische Schnupfen zählte zu einem jener stetigen Qualen.
Manchmal war dieser stäker - und manchmal eben schwächer ausgeprägt.

Wenn sie wieder unter einer schlimmen Phase litt, war sie anhänglicher denn je - dann wollte sie, wenn möglich, von morgens bis abends geschmust werden, sodass ich mich während jener Zeit intensiver denn je um das arme Bündel sorgte - manchmal wollte sie nur noch wenig essen, sodass ich ihr einen Obstbrei zubereitete oder aber (zuckerfreie!!!) Babygläschen gab (die sie "zum Fressen gern" hatte ;)).

Doch auch, wenn der Schnupfen nahezu verschwunden schien, zeugte ihr Verhalten von Dankbarkeit und tiefem Vertrauen - sie war IMMER anhänglich, verschmust und menschenbezogen.
Rasch wurde sie deshalb als "kleiner Hund in Kaninchengestalt" beschrieben - und sie machte diesem Titel alle Ehre!

Als mein kleiner Engel älter wurde, wollte er schließlich kaum noch in meinem Zimmer herumhoppeln und suchte stattdessen umso intensiver die Nähe zum Menschen - jeden Abend steuerte sie zielstrebig die Couch an, auf welcher ich saß, und landete direkt auf meinem Schoß.
Dann lag sie einfach nur, vollkommen zufrieden, neben mir und genoss die Streicheleinheiten.

Im Sommer lief sie frei in unserem Garten umher - nur ein kleines Halsband hatte sie getragen, an welchem sich unsere Adresse befand..

Jedoch hat sie (natürlich) nie unseren Garten verlassen - und wenn wir sie nicht auf Anhieb erblicken konnten, wussten wir stets, wo sie sich aufhalten würde- an ihrem geliebten, schattigen Platz unter einem Baum - dort buddelte sie fleißig eine Mulde.
Es ereignete sich jedoch nur sehr selten, dass wir sie aus den Augen ließen - etwa, wenn wir schnell ins Haus eilten, um etwas zu holen etc.
Niemals hätte ich meine treue Maus über einen längeren Zeitraum aus den Augen gelassen!

Wenn wir meine Großeltern besuchten, durfte natürlich auch nicht das kleine Blümchen fehlen - während der langen Fahrt (5-7 Std) lag sie auf meinem Schoß- entweder schlafend oder fressend ;).
Und wenn wir uns für eine Rast entschieden hatten, blieb sie natürlich nicht alleine im Auto!
Sie wollte immer "dabei" sein - wenn sie allein war, saß sie gekrümmt da und "ließ den Kopf hängen" - wenn wir sie dann doch mal im Auto ließen, stellte sie sich unentwegt auf ihre Läufen, sodass ich sie schließlich auf den Arm nahm und sie an der Rast auch teilhaben durfte - nicht selten wurde sie dabei von anderen Kindern gestreichelt, sodass ich darauf Acht geben musste, dass sie nicht entführt werden würde ;).

Mir galt ihr vollkommenes Vertrauen und auch, als wir ihr einen Kameraden (Mino) schenkten, hatte dies keine Änderung des Verhaltens uns gegenüber zur Folge.
Wenn der Käfig offen stand, wurden stets wir aufgesucht, sodass Mino alleine das Zimmer erkundete.

Besonders anhänglich war Blümchen jedoch auch, wenn mich Melancholie erfasste - dann hoppelte sie geschwind auf mich zu und setzte sich schließlich auf meinen Schoß.
Doch auch, wenn ich während einer jener "Phasen" auf dem Bett lag und weinte, erschien wenig später ein graues, niedliches Köpfchen, welches sich schließlich vertraut an mein tränenüberströmtes Gesicht schmiegte.
Geduldig lag sie manchmal stundenlag da und nahm mir somit unbemerkt den Kummer.

Doch als Herbst im Jahre 2006 eingekehrt war, bedeutete dies für Blümchen, einmal mehr ihren Lebenswillen zu beweisen;
der Tod beschattete ihr wertvolles Leben, was durch einen furchtbaren Befund offenbart wurde:
Gebärmutterkrebs.
Umgehend wurde das kleine Seelchen operiert, doch benötigte sie einen ausgedehnten Zeitraum, um wieder vollkommen zu Bewusstein zu kommen, sodass ich schon mit dem Schlimmsten rechnete.
Als nervenzerreißende Stunden verstrichen waren, ertönte endlich das erlösende, vertraute Grunzen Blümchens, welches bedeutete, dass sie aufgewacht war.
Dennoch wachte ich die gesamte Nacht hindurch über mein Baby - am nächsten Morgen fraß sie bereits wieder genüsslich, sodass die erste Hürde genommen war.
Wenn der Krebs nicht entdeckt worden wäre, hätte ein schleichender Tod das kleine Blümchen rasch aus meinem Leben gerissen.
Der Krebs füllte nahezu das gesamte Bauchinnere und war somit schon weit vorangeschritten.
Doch einmal mehr bewies Blümchen ihren Kampfgeist und wie sehr sie das Leben liebte - trotz des chronischen Schnupfens.

7 1/2 Jahre erfüllte und bereicherte eben dieser besondere Engel mein Leben - sie war wertvoller Bestandteil dieses Lebens - und sie war meine wertvolle Aufgabe.

Als das ihre Leben dann jedoch intensiver denn je von der Macht der Zeit regiert wurde, hieß es schließlich, Abschied zu nehmen...

Und ich schäme mich dafür, dass ich gestehen muss, dass dieses engelsgleiche Wesen auf schleichende, qualvolle Weise gestorben ist.

Während nahezu einer Woche kämpfte ich um ihr Leben und schloss dabei die Augen vor der Realität, welche die aussichtslose Situation offenbarte.
Das kleine Blümchen starb vermutlich aufgrund von Metastasen, die sich wahrscheinlich in ihrem Kopf "eingenistet" hatten - doch auch ihr Bauchraum schien zerfressen gewesen zu sein.
Hinzu kam noch ein furchtbarer Schnupfen - der entsetzlichste, unter welchem sie je zu leiden hatte.
Das Leid nahm in raschen Zügen seinen jähen Lauf - dem aggressiven Schnupfen folgte eine Augenentzündung, welche schließlich das rechte Auge erblinden ließ.
Dann wurde das Schlucken nahezu unmöglich - man musste ihren Hals massieren, damit der Brei nicht wieder aus dem Mund lief.

Doch dann, als ich all die Hoffnungen erwachen lassen wollte, geschah ein Wunder:
Es war der 10. Juni 2009 und doch nur wenige Tage vor ihrem Tod - an jenem Abend, den 10. Juni, fraß das geschwächte Seelchen wieder von allein!
Und sogar Möhren, Äpfel und hartes Brot wurden nicht ausgelassen - schließlich hoppelte sie wieder geschwind durch mein Zimmer und sprang schließlich auf meinen Schoß.
Ich glaubte tatsächlich, dass dies das Ende der nervenzerreißenden Zeit bedeuten würde- wie sehr sollte ich mich täuschen!
Denn bis zum Freitag, den 12. Juni, wurde Blümchens ohnehin schon stark geschwächter Körper noch einmal von Leid erfasst.
Und dieses sollte mit dem Tod enden.

Die kleine Maus hatte über Nacht damit begonnen, ihren Kopf weit in den Nacken zu strecken und stieß dabei schrille Laute aus.
Als ich sie am Freitagmorgen dann so erblickte, erstarb alle Hoffnung in mir - doch ich wollte sie noch nicht der Ewigkeit hergeben - ich wollte noch um sie kämpfen - sie war doch mein "Baby"!
Ich pflückte Heilkräuter aus unserem Garten, versuchte, sie zu füttern - vergeblich.
Am Abend schließlich hatte mich die Realität vollkommen ergriffen, sodass wir entschieden hatten, nun den Tierarzt zu konsultieren.
Doch dann, kurz bevor wir die Fahrt begonnen konnten, welche für mein geliebtes Baby die endlose Reise bedeuten würde, erlitt dieses einen epileptisch-ähnlichen Anfall - sie sprang auf einmal aus meinen Armen, und als sie davonhoppelte, konnte sie sich kaum noch auf ihren zarten, schwachen Beinen halten - immer wieder fiel sie auf die Seite und verfügte über keinerlei Gleichgewicht mehr.
Schließlich endete der zweite "Anfall" mit Bewusstlosigkeit - sie lag auf einmal, vollkommen friedlich, auf der Seite, sodass ich galubte, sie hätte soeben die Ewigkeit betreten- aber nein, ihr kämpfendes Herz quälte noch den schwachen Geist, die Seele, welche scheinbar schon nach Erlösung schrie.

Schließlich schlief sie den gesamten Abend über, bis hin in die frühesten Morgenstunden des 13. Junis, in den Armen meiner Mutter.
Dann, als der neue "Tag" (es war kurz nach ein Uhr) hereingebrochen war, schien sie wieder zu erwachen - schwach öffnete sie ihre Augen und ließ einen Laut ertönen - in mir wurden wieder neue Hoffnungen geschaffen - denn Blümchen legte ihren Kopf nicht wieder in den Nacken.
Vielleicht, so glaubte ich schon, figurierten die entsetzlichen Ereignisse den Kampf, der über Leben und Tid richten sollte.
Und scheinbar hatte Blümchen jenen Kampf gewonnen.
Doch sank das schwache Bündel rasch wieder in den Tiefschlaf, sodass mein geliebter Engel schließlich in den frühesten Morgenstunden des 13. Junis 2009, um halb zwei, diese Erde so still verlassen hatte, dass wir dies erst gar nicht bemerkt hatten.

Als sie dann so friedlich vor mir lag und kein Herzschlag mehr den zarten Körper beben ließ, zerbrach in mir alles.
Mit ihr ist ein Teil von mir gegangen - sie hatte mich während meiner gesamten Jugend begleitet, sie war aber auch noch Teil meiner Kindheit und als sich meine Eltern trennten, figurierte sie meinen Halt - sie war immer für mich da - gleichzeitig aber agierte ihr Leben auch als wertvolle Aufgabe, die nur mir galt.
Durch ihren Tod sind all die Jahre und all die gewohnten Ereignisse als geliebte Erinnerung verewigt worden.
Und ich erwachte aus jenem persönlichen, zarten "Traum", in welchem ein Engel die Protagonistenrolle verkörpert hat.

Durch ihren chronischen Schnupfen und ihre Zahnfehlstellung war sie mein kleines Baby geworden, welches stets beschützt und umsorgt werden musste.
Als sie damals, im Herbst 2006, den Kampf um ihr Leben gewonnen hatte, bewies sie einmal mehr, wie sehr sie das Leben liebte.
Mein kleines Seelchen fehlt mir noch immer so sehr - die abendlichen Schmusestunden auf der Couch, die sorglosen Sommertage im Garten, ja, sogar die langen Fahrten zu meinen Großeltern, auf welchen stets ein graues Bündel in meinen Armen friedlich schlummerte oder aber interessiert aus dem Fenster herausschaute.
Der kleine Engel war nahezu während des gesamten Tages bei mir - kurz bevor der Tod sie aus meinem Leben gerissen hat, folgte sie mir unentwegt - sogar das Bad konnte ich nicht alleine betreten.
Dann kratzte ein vertrautes Bündel zaghaft an meinem Bein, machte Männchen und tat dies so lange, bis ich es auf meinen Arm nahm und Blümchen somit ihr "Ziel" erreicht hatte - sie wollte nur noch in den Armen getragen werden und um Gottes Willen immer dabei sein.
Jene letzten Tage offenbarten schließlich das tiefe Vertrauen, sie offenbarten, wie auseprägt das Leben meines Seelchens zu dem meinen gehörte - diese letzten Tage waren schon der Abschied jener Zeit - dieser Abschied begann in Vollkommenheit, endete jedoch schließlich in Entsetzen und endloser Trauer.

Doch ich habe mein kleines Engelchen nicht vollkommen verloren - sie lebt weiter;
sie lebt in meinen Erinnerungen, sie lebt in meinem Herzen und manchmal folgt sie mir bestimmt auch unentwegt, sie erscheint, wenn die Traurigkeit mir die Kehle zuzuschnüren droht- in eben diesen Momenten ist sie lebendiger als je zuvor...
Das Gras, die Blumen und Bäume, welche sie einst berührte, tragen noch immer ihren Duft- das Rascheln der Blätter verrät ihr Stimmchen, in den Wolken verbirgt sich ihr Antlitz und nur in mir lebt sie für alle Zeiten vollkommen weiter...
bis ich selbst ihre Welt betreten darf...

Ich habe durch Blümchens jähen Tod vieles gelernt:
Ich habe gelernt, dass der Spalt zwischen Leben und Tod minimal begrenzt ist und leicht beschritten werden kann...
Ich habe gelernt, dass sogar Träume und engelsgleiche Gestalten, welche unendlich erscheinen, von der Macht der Zeit regiert werden - auch wenn dem uns gewohnten Zeitempfinden in jenen Träumen keinerlei Macht überlassen wird, gehört nichts der Ewigkeit an – alles findet irgendwann, zu unbestimmter Zeit, sein Ende.

Ich habe außerdem gelernt, dass Hoffnung manchmal den intensivsten Wünschen Einzug in die Realität gewährt und dass Vertrauen und Dankbarkeit als Schöpfer eines "Traumes" agieren können.
Ich habe gelernt, dass jeder einzelne Tag des Lebens ein Wunder figuriert, sodass dies gewürdigt und geschätzt werden sollte – ich habe gelernt, dass zunächst nichtig erscheinende Pfade Verborgenes enthüllen können, welches das Leben bereichern und diesem nachhaltig eine Signifikanz verleiht, nach welcher es zu streben gilt.
All die kleinen Wunder und Entdeckungen fügen sich schließlich zu einer Vollkommenheit zusammen, durch welche Träume geboren werden.

Und ich habe gelernt, wie rasch ein Leben sein jähes Ende finden kann und dass sogar engelsgleiche Wesen von der Macht der Zeit beherrscht werden, sodass sogar für jene wundersamen Geschöpfe gilt, irgendwann, zu einem unbekannten Zeitpunkt, Abschied zu nehmen - und dieser soll für die Ewgkeit bestimmt sein.
41 20.02.2010 20:35

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