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LouisAbby 08.04.2019 23:12

Hodentumor bei älterem Tier
 
Guten Tag,

danke, dass du dir Zeit für mein Problem nimmst.
Heute war ich mit meinem 9-jährigen Kaninchen Bilbo (unkastriert) bei meiner neuen Tierärztin, die bei ihm einen Hodentumor festgestellt hat.

Kurze Vorgeschichte:
(Sorry, für den langen Text...)
Vor etwa einem halben Jahr habe ich ihn aus dem Tierheim geholt. Er ist unkastriert, was nichts ausmacht, da seine Partnerin kastriert ist. Schon von Anfang an hatte er schuppige Haut und dünnes Fell, aber es schien ihn nicht zu stören. Er kratzte sich nicht übermäßig, fraß und trank normal. Die Schuppen zogen sich hauptsächlich über den hinteren Rücken, den Po, die Hoden und teilweise bis in die Ohren.
Ich bin mit ihm zu unserem Tierarzt des Vertrauens, wo er ein Mittel gegen Parasiten auf die Haut bekam und als das Wochen später keine Veränderung brachte, wurde eine Pilzkultur angelegt (Ergebnis= kein Befund).
Da ich dachte es könnte eine Allergie sein, habe ich über einen längeren Zeitraum ein anderes Futter (andere Pelletsorte), andere Einstreu und einen anderen Gehegestandort ausprobiert. Er lebt bei mir in der Wohnung.
Das hat alles nichts verändert, weshalb ich zu einer anderen Ärztin gegangen bin, um mir eine zweite Meinung zu holen. Sie hat einen Pilzbefall per Augendiagnose ausgeschlossen und ein paar Schuppen unter dem Mikroskop auf Parasiten untersucht (Ergebnis=kein Befund). Sie gab mir ein Mittel zum auf die Haut tropfen, dass die Haut wieder ins Gleichgewicht bringen sollte. Bilbo verhielt sich immer noch normal. Er war fit, neugierig,verfressen und trank. Das Mittel hat nichts bewirkt.
Da es ihn nicht sonderlich zu stören schien und die Untersuchungen kein eindeutiges Ergebnis gebracht hatten, habe ich die Sache ein paar Monate ruhen lassen.

Vor kurzem ist mir aufgefallen, dass er sich jetzt öfter und länger kratzt und schüttelt. Seine Haut ist gerötet und schimmert unter dem Fell hervor. Außerdem trinkt er im Vergleich zu meinen anderen Kaninchen ziemlich viel, finde ich. Er frisst immer noch normal und ist aktiv. Vor ein paar Wochen ist mir auch aufgefallen, dass einer seiner Hoden größer ist, als der andere. Also bin ich heute wieder zu einer neuen Tierärztin, da ich mittlerweile umgezogen war. Anhand der Symptome fiel ihr Verdacht auf einen Hodentumor. Da wäre ich niemals drauf gekommen, aber sie hat mir die Symptome sehr einleuchtend erklärt. Sie hat auch zur Sicherheit Proben für eine Pilzkultur, eine Untersuchung auf Parasiten und eine Untersuchung für Parasiten unter der Haut (an der Haarwurzel) genommen. Die Untersuchungen auf Parasiten waren negativ. Das bestätigt den Verdacht auf einen Hodentumor. Das Ergebnis zur Pilzkultur dauert noch zwei Wochen.

Zur Behandlung:
Die Ärztin meinte, man könnte ihn kastrieren und dabei versuchen das komplette Tumorgewebe zu entfernen. Aufgrund seines Alters, seiner Größe (Bilbo ist sehr kleinwüchsig) und der generellen Gefahr einer Vollnarkose, könnte er aber bei der OP sterben. Sollte er die OP überleben, kann es sein, dass er trotzdem nicht mehr lange lebt, wenn der Tumor bereits in die Lunge oder andere Organe gestreut hat. Das kann sie aber leider nicht feststellen.

Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir einen Rat geben?
(Ich dreh nämlich grad innerlich ein bisschen durch!:willy_nilly:)

Vielen lieben Dank!

LG
LouisAbby

gerti 09.04.2019 06:07

Ich würde dir raten dein Kaninchen röntgen zu lassen um den "inneren Zustand" zu beurteilen. Womöglich hat dein Kaninchen ein Thymom, das zeigt sich auch mit entzündeten Talgdrüsen und schrecklicher Haut....darauf kam wahrscheinlich noch niemand....

Hier ist es beschrieben, musst du nur durch den z.B. Google Übersetzer schicken

http://www.medirabbit.com/EN/Cancer/Thym/Thymoma_rab.htm

marinahexe 09.04.2019 21:20

Ich schließe mich Gerti an. Sehr kurzfristig röntgen und zügig kastrieren lassen.


Ich drück dem Kerlchen die Daumen!:thumbsup:

LouisAbby 15.04.2019 10:53

Hallo nochmal,

heute habe ich ihn röntgen lassen. Wie es aussieht ist der Tumor nur auf den Hoden begrenzt und hat noch nicht gestreut. Es könnte aber auch ein frühes Stadium der Streuung sein, das man auf dem Bild einfach noch nicht sieht. Eine OP wäre möglich, aber riskant wegen den oben genannten Gründen. Es handelt sich dabei ja nicht um eine normale Kastration, sondern um eine schwierige OP, da man hauptsächlich versucht das Tumorgewebe zu entfernen. Außerdem besteht die Möglichkeit einer Neubildung des Tumors auch nach der OP. Bilbo verhält sich auch weiterhin normal, bis auf die oben genannten Ausnahmen. Der Zustand seiner Haut ist unverändert.

marinahexe 15.04.2019 16:46

Das hört sich doch gut an. Ich würde es versuchen.

Lauri 16.04.2019 09:25

Ich denke, ich würde es auch versuchen, möglichst bald. Dann besteht wenigstens noch die Chance, dass der Tumor nicht gestreut hat, falls er denn bösartig ist.

LouisAbby 17.04.2019 17:18

Gestern wurde Bilbo operiert. Am Morgen habe ich ihn hingebracht und abends konnte ich ihn wieder abholen. Laut Ärztin hat die OP problemlos funktioniert. Sie hat aber nur den einen geschwollenen Hoden entfernt, da der andere noch gesund ist. Ihre Begründung: Wenn ein Hoden dranbleibt hat er noch genug Hormone, die den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen und somit auch seine Hauptprobleme endlich weggehen. Ich habe Bilder von dem entfernten Tumor gesehen und die Ärztin meinte, dass ihr erstmal sehr viel Eiter entgegen kam, als sie geschnitten hat. Der kranke Hoden war dreimal bis viermal so groß wie er hätte sein dürfen. Nach der OP hatte Bilbo Kreislaufprobleme, die die Ärztin aber in den Griff bekommen hat.
Bilbo ist wie gesagt seit gestern wieder zu Hause und ich lege ihm eine Wärmflasche unter den Käfig, weil ich ihn warm halten soll. Er frisst und trinkt von selber und geht aufs "Klo", wobei er gerade keine richtige Kloecke hat, da ich ihn die nächsten 10 Tage auf Handtüchern als Unterlage halte. Er bekommt jeden Tag eine Dosis Baytril. Er ist ziemlich kaputt und schläft viel, aber wenn er herum läuft ist er aufmerksam. In 10 Tagen soll ich zur Kontrolle und zum Fäden ziehen kommen, wenn er sich diese bis dahin nicht selbst gezogen hat. Bisher hat seine Wunde aber zum Glück in Ruhe gelassen.

marinahexe 17.04.2019 20:59

Erstmal finde ich es super, dass Du sofort gehandelt und ihn hast operieren lassen. Schön, dass es ihm schon wieder ganz gut geht.


Was ich nicht verstehe, ist diese Aussage Deiner TÄ:

Zitat:

Wenn ein Hoden dranbleibt hat er noch genug Hormone, die den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen und somit auch seine Hauptprobleme endlich weggehen

Die Hautprobleme wären auch bei vollständiger Kastra verschwunden, das hat nix mit den Hormonen zu tun. Schade, Chance verpasst, dass er nochmal eine Freudin bekommen könnte. Du solltest Dir dringend einen anderen TA suchen. Wenn sie schon selbst sagt, dass die Narkose aufgrund seiner Größe ein Risiko ist, dann würde ich doch in dieser einen Narkose so viel wie möglich (vollständige Kastra) machen. Oder spekuliert sie auf eine weitere OP, da die Kasse dann nochmal klingelt?

Terry 17.04.2019 21:36

Zitat:

Zitat von marinahexe (Beitrag 1145302)
Chance verpasst, dass er nochmal eine Freudin bekommen könnte.

Warum? Er hat doch eine
Zitat:

Er ist unkastriert, was nichts ausmacht, da seine Partnerin kastriert ist.
Ansonsten muss ich Dir zustimmen was die TÄ angeht.

gerti 18.04.2019 09:38

Schade, dass die TÄ nicht gleich den anderen Hoden mit entfernt hat. Wenn die Begründung tatsächlich nur darin lag, weil er ja gesund war...finde ich es auch richtig dämlich und auch unmöglich. Schließlich sollte jeder TA wissen, dass ein Rammler in Gruppen/Paarhaltung grundsätzlich kastriert sein muss. Schließlich kann es ja auch sein, dass er auch einmal den Partner wechseln muss.
Wenn es allerdings daran lag, dass sie aufgrund der womöglich schon langen OP Dauer nicht riskieren wollte, dass er nicht mehr aufwacht ist es natürlich etwas anderes.
Ansonsten drück ich euch die Daumen, dass er sich schnell erholt und noch ein schönes Kaninchenleben vor sich hat.

LouisAbby 19.07.2019 13:38

Das Ende der Geschichte:
Nach der OP erholte sich Bilbo sehr schnell und es war eine deutliche positive Verhaltensänderung zu erkennen. Er war viel agiler, aufmerksamer und beweglicher. Die Fäden mussten nicht gezogen werden, da er dies schon selbst getan hatte. Die Tierärztin schaute aber trotzdem noch mal drauf, dass er sich dabei nicht verletzt hatte. Leider begann der übrig gebliebene Hoden etwa drei Wochen nach der OP anzuschwellen und war innerhalb einer Woche größer als der entfernte Hoden. Sein Verhalten blieb trotzdem weiterhin positiv und auch die Hauptprobleme kehrten nicht zurück. Ich beschloss deshalb ihn noch so lange sein Leben genießen zu lassen, bis seine Lebensqualität abnehmen wird. Eine weitere OP wäre die einzige andere Option gewesen, doch das wollte ich ihm nicht mehr zumuten. Er hatte ja seine Chance bekommen. Etwa einen Monat nach der OP bemerkte ich, dass er weniger fraß und ihn der geschwollene Hoden beim Laufen behinderte. Überhaupt sah er nicht gut aus: verklebte Augen, struppiges Fell, eingefallene Flanken... Deshalb entschied ich mich dazu ihn einschläfern zu lassen, bevor er sich zu sehr quälen muss.
Ich bin trotzdem davon überzeugt, dass die OP die richtige Entscheidung war. Bilbo hatte nach der OP die beste Zeit seines Lebens was die Lebensqualität angeht. Ich hatte nur gehofft, dass der Tumor nicht wieder kommen würde und wenn doch, dann nicht so schnell. Außerdem denke ich, dass es besser gewesen wäre beide Hoden abnehmen zu lassen. Das ist natürlich keine Garantie den Tumor fernzuhalten, denn er könnte auch in der Lunge oder sonst wo wachsen. Aber vielleicht hätte man es dadurch etwas verzögern können. Leider habe ich der Ärztin freie Hand gelassen und nicht festgelegt, dass in jedem Fall beide Hoden entfernt werden sollen. Bei der nächsten OP werde ich mit der Tierärztin genauer besprechen, was ich von der OP und von ihr erwarte.
Ich hoffe, dass Bilbos Geschichte andere Menschen ermutigt, dass Risiko einer OP auch bei älteren Tieren einzugehen und nicht die selben Fehler zu machen wie ich.


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