Hallo ihr Kaninchenliebhaber da draußen,
ich bin noch neu und weiß noch nicht so genau, wie das alles hier funktioniert!;-)
Ich möchte euch heute gerne Einsteins Geschichte erzählen. Es könnte etwas länger werden.
Ich nehme mal gleich vorweg, dass diese Geschichte kein schönes Ende hat. Wir mussten den kleinen Kerl am 02.05.2015 nach langer Krankheit und Behandlung gehen lassen... :-(
Unsere Geschichte beginnt Mai 2014. Zu dieser Zeit hatte ich 2 Weibchen und einen kastrierten Rammler. Unter den Weibern herrschte ständig Streit und wir mussten sie trennen. Wie es der Zufall wollte ( oder war es eher das Schicksal?!) suchte eine bekannte für ihr verbliebenes Kaninchen ein neues Zuhause. Ich suchte nicht wirklich nach einem neuen Kaninchen, aber als ich nun diese Anzeige las, war klar, dass ich ihn nehmen wollte.
So zog dann Einstein, ein siebenjähriges Lohkaninchen, bei uns ein. Heute bin ich mir sicher, dass das Schicksal ihn zu uns gebracht hat und ich bin mehr als froh, dieses Kaninchen kennengelernt zu haben.
Wir vergesellschafteten die vier Nins und es wurde eine harmonische Gruppe.
Bereits am Anfang war uns aber aufgefallen, dass Einstein anders hoppelte als die Anderen. Er hoppelte hinten sehr schief und hatte auch wunde Hinterläufe.
Zurückgeben kam für uns natürlich nicht mehr infrage. Ich hoffte, es würde sich mit der Zeit bessern.
Einsteins ( nennen wir ihn lieber `Steini´, so haben wir ihn auch immer liebevoll gerufen) Gesundheitszustand verschlechterte sich schleichend bis in den Winter hinein. Er war ständig unten herum nass und das schiefe Hoppeln verbesserte sich nicht.
Bei mir gingen alle Alarmglocken an. Ich rief bei unserer Tierärztin an und bekam gleich abends einen Termin. Jedoch hatten wir dieses Mal nicht unsere übliche Tierärztin. Sie schickte uns mit dem Befund " Blasenentzündung und an den Gelenken kann man nichts machen" mit Medizin nach Hause.
Beruhigt war ich nicht, behandelte Steini aber. Eine Besserung stellte sich nicht ein.
Einige Tage später, es war bereits Anfang Dezember 2014, konnte Steini von einem Tag auf den anderen nicht mehr aufstehen oder stehen. Er schien wie gelähmt.
Direkt am selben Tag zu unserer üblichen Tierärztin. Sie war geschockt,als sie ihn sah und fragte, ob wir ihn nicht lieber einschläfern lassen wollen. Und er war da wirklich mehr tot als lebendig...
Doch wir entschieden uns dagegen. Er bekam Schmerzmittel und alles erdenkliche an Medizin, was sie auf Lager hatte. Ich vermutete EC, unsere Tierärztin schloss dies aus und dachte an neurologische Ausfälle. Kot und Urin wurden untersucht und man fand nichts.
3 Tage haben wir um Steini gekämpft und dann endlich, am dritten Tag der Behandlung, an dem wir auch zur Kontrolle kommen sollten, saß er wieder. Ich war natürlich überglücklich.
Auch die Tierärztin bestätigte uns, er habe sich ins Leben zurück gekämpft und es habe sich gelohnt, ihn nicht einzuschläfern.
Da wir also auf neurologische Ausfälle tippten bekam er alle 4 Wochen von der Tierärztin seine Aufbauspritze mit Vitaminen und so Zeug. Bitte fragt mich nicht, was alles drin war. Am Anfang war glaube ich auch noch Cortison dabei, aber nagelt mich nicht darauf fest. Zu Hause bekam er jeden Morgen eine viertel Vitamin B Tablette in einer Banane mit ein wenig Teufelskralle ( die habe ich aus Eigenregie gefüttert, genau wie Ingwer. An den sind sie allerdings nicht dran gegangen oder nur relativ selten) und Metacam als Schmerzmittel.
Das Schmerzmittel brauchte er, da seine Knochen verformt waren und er hochgradig Athrose hatte, was dann auch das schiefe Hoppeln erklärte.
Zusätzlich bekam er die ersten Tage danach noch warme Kamillensitzbäder, damit er nicht mehr so streng roch. Das Einpinkeln kam durch Inkontinenz, die wohl durch die Athrose plus die neurologischen Ausfälle hervorgerufen wurde.
Im Januar war er wie ein junges Kaninchen. Er vertrug die Medizin und die Behandlung super und wir mussten keine Kamillensitzbäder mehr machen.
Er war ein so tolles Kaninchen und man merkte richtig, wie er bei uns aufblüht und beginnt, sein Leben zu genießen. Die Wunden an den Hinterläufen schlossen sich langsam, obwohl er natürlich weiterhin schief lief. Die Wunden hatten wohl bei dem Vorbesitzer etwas mit dem falschen Untergrund zu tun.
Wir nahmen ihn währenddessen hinein, weil die Tierärztin uns dazu geraten hatte und er uns draußen wahrscheinlich erfroren wäre. Das war auch gut so, denn die Weibchen konnten sich erneut nicht riechen.
So zog Steini mit Baby in unseren Keller, wo ich ihnen ein Gehege baute. Dort vebrachten sie zwei Monate, bis Ende Februar meine Baby starb. Ich kann bis heute nur vermuten, wieso, weshalb, warum, aber es ging sehr schnell. Ein Telefonat mit dem Notdienst hatte mir ebenfalls nichts gebracht... :-(
Steini saß nun also alleine und ich weiß noch, dass ich die halbe Nacht bei ihm verbracht habe, weil er so traurig aussah. Ich bin mir auch sicher, dass er trauerte. Eine Lösung musste her.
Die erste Idee war, ihn wieder rauszusetzen, doch die anderen beiden akzeptierten ihn nicht. Die Jagerei war schlecht für seine Athrose, also Steini schnell zurück in seinen Stall bringen und da kam mir die Idee. Wir setzen die anderen einfach zu ihm. Und zum Glück klappte dies. Sie wurden gute Freunde.
Im März begann Steinis Zustand wieder schlechter zu werden. Er hielt die 4 Wochen bis zur nächsten Spritze nicht aus und wurde ab der dritten Woche schlechter. Er pinkelte sich wieder ein, er sass schief, konnte manchmal nicht aufstehen, fiel um, ... .
Wir verringerten den Zeitraum zwischen den Aufbauspritzen, Steini nahm sogar zu und ich gab weiterhin Medizin.
Doch Ende März waren wir wieder an einem Tiefpunkt angelangt. Steini trocknete aus, obwohl er nur Grünzeug zu fressen bekam, er pinkelte sich weiterhin ein und die Abstände zwischen seinen Ausfällen wurden geringer. Er lag oft und viel aber an seinem Verhalten änderte sich nicht wirklich etwas. Auch wenn er die Kamillensitzbäder und das Föhnen nicht immer toll fand, ließ er es doch bereitwillig über sich ergehen. Er war aufgeschlossen und an seiner Umwelt interessiert.
Um den Grund zu finden, wieso er austrocknet, ließen wir einen Bluttest machen. Der Bluttest ergab nicht wirklich etwas. Alle Werte waren in Ordnung und die Organe funktionieren einwandfrei.
Auch ein erneuter Urintest brachte nichts. Nur diese eine Erkenntnis zogen wir daraus: Der Urin hat eine zu geringe Dichte. Die Ursache fanden wir nicht.
Es war nun bereits Ende April und trotz zwei Aufbauspritzen innerhalb einer Woche und weiterer regelmäßiger Medikamentengabe ging es bergab. Die Tierärztin wusste keinen Rat mehr... und wir ebenfalls nicht.
Es gab Tage, an denen konnte er nicht mehr aufstehen, an manchen wiederum hüpfte er, wenn man das bei ihm so sagen kann, fröhlich herum. Steini kämpfte jeden Tag ums Überleben und er ist für mich das tapferste Kämpferherz, das es gibt. Er hat nie aufgegeben! Nie!!
Die Ergebnisse des Bluttests bekamen wir am 30. April und da bekam er auch seine Aufbauspritze. Wie ich bereits erwähnte, erfolglos.
am 01. Mai lag er nur wieder und konnte nicht aufstehen. Er war nass und sah schlecht aus. Da ich ihm erneut ein Kamillensitzbad machte, kontrollierte ich ihn. Und da entdeckte ich sie...Maden...
Mir lief es kalt und heiß den Rücken herunter. Nicht das noch, bitte nicht. Ich flehte und betete, aber natürlich blieben die Dinger. Ich puhlte sie ab.
Verzweifelt rief ich trotz Feiertag bei unserer Tierärztin an und durch Schicksal ( ja, Schicksal spielte bei uns oft eine große Rolle) ging sie ran. Sie sagte, ich solle sofort vorbeikommen.
Als wir dort ankamen, hatte Steini keine Maden mehr. Jedoch gefiel er unserer Tierärztin ganz und gar nicht. Sie maß Fieber und untersuchte ihn, aber sie fand nichts.
Am selben Tag puhlte ich gefühlte Tausend Maden heraus. Am Ende des Tages war ich am Ende meiner Kräfte. Ich war seelisch und emotional am Boden. Ich konnte einfach nicht mehr. Auch Steini signalisierte mir an diesem Tag:" Ich will nicht mehr. Ich habe Schmerzen. Frauchen, mach, dass es aufhört."
An diesem Abend, dem 01. Mai, traf ich die schwierigste Entscheidung meines Lebens: Er darf gehen.
Doch am 02. Mai kam alles anders. Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und wenn ich schlief, träumte ich von Maden. Schlimme Bilder von einem aufgefressenen Steini setzten sich in meinem Gehirn fest. Doch als ich morgens bereits ganz früh nach unten ging, saß der kleine Mann aufrecht auf seinen Beinen, seit etlichen Tagen und wartete nur auf sein Futter. Er schlug auch gut zu. Als er gefressen hatte, schaute ich nochmals nach Maden und erneut waren welche da. Ich befreite ihn davon und zur Belohnung gab es Cranberries. Dabei kletterte er mir auf den Schoß.
Ich glaube, er wusste instinktiv, dass es zu Ende geht. Er konnte es spüren, da bin ich mir sicher. Er wollte sich bedanken.
Erneut fuhr ich zum Tierarzt, zur "Kontrolle". Doch das schlimme Urteil kam:" Es geht bergab. Er hat immer gekämpft, aber ich glaube er will nicht mehr, seine Augen sind matt, er sieht nicht gut aus." Dabei streichelte sie ihm unablässig durch das Fell. Meine Augen hatten sich bereits mit Tränen gefüllt. Der Abschied war gekommen...
Da ich mir bereits am Vortag Gedanken darum gemacht hatte, wie ich es wollte, nahm ich Steini wieder mit nach Hause. Vorher bekam er eine Beruhigungsspritze. In seiner Transportbox, in der er so viel Zeit verbracht hatte, nahm ich ihn mit hinein und blieb die ganze Zeit bei ihm. Sogar gegen die Beruhigungsspritze kämpfte er noch. Er wollte nicht gehen, uns nicht verlassen, uns zeigen, dass er es schafft, dass er alles schaffen kann.
" Steini, du hast genug gekämpft. Es wird alles gut. Gleich ist alles vorbei und dann gehst du ins Regenbogenland. Keine Schmerzen mehr, ich verspreche es dir. Frauchen bleibt bei dir. Ich liebe dich!"
Als die Tierärztin nach der Sprechstunde kam, hätte ich am liebsten geschrien:" Nein! Nehmen Sie ihn mir nicht weg. Ich will, dass er da bleibt!"
Doch es gab kein Zurück. Es war meine Pflicht ihn von seinen unerträglichen Schmerzen zu erlösen. Ich konnte nicht mein eigenes Empfinden in den Vordergrund rücken. Hier ging es um ihn.
Innerhalb weniger Sekunden schlief er ein... und in diesem Moment, in dem ich dies schreibe, weine ich erneut. Ich habe meinen besten Freund, das größte Kämpferherz und ein großartiges Kaninchen verloren.
An dieser Stelle möchte ich gerne meiner Tierärztin danken. Ich bin ihr so unendlich dankbar, dass sie Steini noch diese Monate geschenkt hat und dass sie ihn so sanft hat einschlafen lassen. Weiterhin bin ich dankbar, dass sie sich selbst an freien Tagen und nach Feierabend so aufopferungsvoll um ihn gekümmert hat. Danke!
Danke auch an alle, die mir in der ganzen Zeit und gerade jetzt zur Seite stehen und gestanden haben.
4 Tage nach Steinis Tod ist es hier so unfassbar leer. Ich sehe ihn überall und denke mir in jedem Moment:" Was würde ER gerade machen?"
Durch dieses Kaninchen hat sich mein Leben um 180° gedreht. Er brauchte so viel Aufmerksamkeit und mein erster Gang war immer zuerst zu ihm ( und natürlich zu den anderen). Mein Tag richtete sich danach, wann er Medikamente bekam und wann er mich eben brauchte.
Er hat mir gezeigt, dass es sich lohnt jeden Tag aufs Neue zu kämpfen, auch wenn es aussichtslos scheint!
Danke für alles! Ich liebe dich! :-*
Und dir, der du das gerade gelesen hast, danke ich ebenfalls dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, Steinis Geschichte zu lesen.
Allen Betroffenen, die tagtäglich, um das Leben kämpfen möchte ich mit unserer Geschichte Mut und Ausdauer schenken. Es lohnt sich. Kämpft um eure Vierbeiner!
Wer hat vielleicht etwas ähnliches erlebt, hat Erfahrung mit Athrose/ neurologischen Ausfällen, trauert um seine Vierbeiner? Austausch wäre schön! :-)
Einstein
Rest in Peace
*14.02.2007
† 02.05.2015
