| Rollstuhl für gelähmtes Zwergkaninchen Hallo zusammen,
ich habe gerade ein sehr trauriges Problem mit einem meiner Zwergkaninchenweibchen.
Als ich am vergangenen Montag morgen in das Zimmer kam, in dem meine zwei Damen "überwintern", lag Ruda seitlich in der Kaninchentoilette und hat heftig mit den Zähnen geknirscht.
Als ich sie hoch hob sah ich das Elend: die Hinterläufe hingen vollkommen schlaff herunter.
Natürlich bin ich sofort zu unserem TA. Als erstes wurde sie geröntgt, um einen eventuellen Wirbelsäulenbruch auszuschließen.
Tja, dabei hat sich herausgestellt, dass die Kleene höchstwahrscheinlich eine kleine tumorartige Wucherung hat (auf dem Röntgenbild als heller Kreis sichtbar) und diese drückt nun auf die Nervenstränge in der Wirbelsäule, was wiederum ihre Lähmung verursacht.
Sie bekommt jetzt Spritzen mit Medikamenten, die die Regeneration und Leitfähigkeit der Nervenstränge fördern sollen, doch viel hat sich bisher nicht getan. Das rechte Hinterbein zuckt jetzt zwar manchmal wenn man es berührt, doch laufen bzw. hoppeln kann sie trotzdem nicht. Sie liegt die ganze Zeit ausgestreckt da, da die Vorderbeinchen das Gewicht des gesamten Hinterteils nicht halten können.
Sie frisst aber ganz normal (ich glaube sogar sie hat durch den Mangel an Bewegung schon etwas zugelegt), die Verdauung zeigt keinerlei Auffälligkeiten (sie kann die Blase nur nicht mehr kontrollieren), sie hat nach dem ersten Besuch beim TA auch aufgehört mit den Zähnen zu knirschen, die Ohren sind aufgestellt, der kleine Käfig, in dem ich sie jetzt erst mal untergebracht habe und den ich mit einem Handtuch ausgelegt habe, wird so gut es eben im Liegen geht aufgeräumt, sobald das Handtuch nur eine Falte wirft, an ihrem Verhalten hat sich also nichts ausschlaggebend geändert... naja bis auf das, das sie jetzt noch zutraulicher ist.
Und jetzt stehe ich vor der Frage, die jeder Tierhalter fürchtet: Soll ich mein Tier wirklich einschläfern lassen, wenn sich an dem Zustand nichts ändert?
Einerseits möchte ich Ruda auf keinen Fall quälen, andererseits möchte ich ihr Leben nicht vorzeitig beenden, da sie noch so viel Lebenswillen zeigt.
Um die Entscheidung nicht voreilig und unüberlegt zu treffen (ohne alle Optionen abzuwägen) und später zu bereuen, habe ich mich im Internet auf die Suche nach gehbehinderten Kaninchen und ihren Leidenswegen (wie sich später herausgestellt hat sollte man in den meisten Fällen vielmehr von Lebenswegen sprechen) gemacht.
Nachdem ich mich durch zahlreiche Foren und teilweise vollkommen unnötige und ärgerliche Beiträge gewühlt habe, kam mir schließlich die Idee für eine eventuelle Alternative: KANINCHENROLLTUHL.
Ich hatte schon früher von Rollstühlen für Hunde und Katzen gelesen, doch konnte ich mir erst überhaupt nicht vorstellen, dass ein Kaninchen mit einem Rollstuhl zurecht kommt. Doch nach ein bisschen „googeln“ wurde ich schnell eines Besseren belehrt.
Es hat sich herausgestellt, dass es Kaninchenrollstühle in den wildesten Ausführungen gibt und dass die Tiere gut mit ihren neuen Hinterbeinen umgehen können.
In einem Zeitungsartikel habe ich gelesen, wie sich die Besitzer vor ihrer Rollstuhlanschaffung beholfen haben. Sie haben ihr gelähmtes Kaninchen an einem Schal, der unter seinen Bauch geschlungen war, etwas angehoben so dass die Vorderläufe entlastet wurden und es nicht mehr das ganze Gewicht des Hinterteils hinter sich herziehen musste. Das machte die ganze Bewegung etwas weniger mühsam.
Ich habe das mit dem Schal gleich ganz vorsichtig mit Ruda ausprobiert und zu meinem Erstaunen ist die Kleene, die vorher kaum aufrecht sitzen konnte, losgeschossen wie ein Torpedo. Die Vorderbeinchen gingen so schnell, dass ich fast nicht hinterhergekommen bin und sie ab und zu hochheben musste um sie zu bremsen. Die Pausen, die ich eingelegt habe um den Kreislauf nicht zu sehr zu belasten, hat sie fürs Putzen genutzt (was sie ja sonst im Liegen nur schwer machen kann). Als ich sie schließlich nach etwa fünf Minuten Üben vorsichtig abgelegt habe, hat sie verzweifelt versucht wieder von der Stelle zu kommen.
Da stand für mich fest, dass ich das mit dem Rollstuhl unbedingt ausprobieren möchte.
Natürlich weiß ich noch nicht ob das überhaupt klappt und man darf sich nicht vorstellen, dass man das Tier festschnallt und den ganzen Tag ohne Aufsicht im Rollstuhl rumflitzen lässt. Ich habe gelesen, dass es vor allem am Anfang ziemlich anstrengend für das Tier ist sich auf diese Weise fortzubewegen und dass man es nicht aus den Augen lassen darf falls es in Panik gerät oder sich irgendwo verhakt.
Aber der Rollstuhl bietet viele Vorteile. Das Herz-Kreislauf-System wird angekurbelt, Lungenentzündungen wird vorgebeugt, feuchte Stellen vom Wasser lassen können besser trocknen, so dass sich weniger Wunden bilden, an den Vorderläufen kommt es nicht zum Muskelschwund, etc.
Also ich werde mich mit meinem Mann morgen gleich in aller Frühe ins Bauhaus begeben und die Materialen für den Bau des Rollstuhls besorgen. Heute werden wir nach dem Besuch beim TA und den Spritzen auch noch ein bisschen mit dem Schal üben.
Ich hoffe inständig, dass sich herausstellt, dass Ruda rollstuhltauglich ist. Ich werde auf jeden Fall auch die Bauanleitung (wenn alle Details ausgefeilt sind) im Internet veröffentlichen, so dass auch andere etwas davon haben.
Vielleicht hat aber auch jemand Tipps für mich bezüglich des Baus eines solchen Rollstuhls? Ich bin für alle konstruktiven Beiträge, die mir und vielleicht auch anderen die Arbeit erleichtern und meiner gelähmten Zwergkaninchendame helfen könnten sehr dankbar.
lg
Niunka |