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Vergesellschaftung abbrechen? auf Kaninchen Forum

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Ninchen
 
Registriert seit: 15.11.2017
Beiträge: 5
Arriey befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 15.11.2017, 18:20

Vergesellschaftung abbrechen?


Hallo liebe Kaninchenfreunde

ich bin neu hier im Forum und suche einige Tipps, weil ich echt ratlos und verunsichert bin. Mein Freund und ich haben im August zwei Kaninchen adoptiert, die beide zwar weiblich sind, sich jedoch super miteinander verstehen. Die Vergesellschaftung lief problemlos und seither sind sie ein Herz und eine Seele
Nun wollten wir gerne noch zwei Männchen dazusetzen. Beide haben wir aus privaten Haushalten adoptiert. Der eine (Hugo, 1,8 Jahre alt) stammt aus sehr schlechten Verhältnissen, wurde nicht kastriert und lebte ein Jahr lang alleine in einem winzigen Käfig, bekam nur Trockenfutter und wie ich das sehe, kennt er nicht viel mehr als seinen Käfig. Auslauf hat er offenbar nie oder ziemlich selten bekommen. Als er bei uns eingezogen ist, hat er erst einmal Luftsprünge gemacht, weil er so viel Platz hatte (und das nur in einer vorübergehenden Unterkunft).

Über den anderen, Felix (8 Monate), wissen wir leider nicht so viel, er schien seinen Vorbesitzern aber weitestgehend egal zu sein. Er ist sehr zutraulich und macht einen schüchternen Eindruck.

Vergangene Woche waren wir beim Tierarzt, um Hugo kastrieren zu lassen, damit er nicht mehr so leidet. Dort riet uns die Tierärztin, erst einmal die beiden Jungs zu vergesellschaften und sie erst mit den Mädels zusammenzubringen, wenn sie sich verstehen. Das hat natürlich den Vorteil, dass Hugo nicht noch länger alleine bleiben muss. Außerdem meinte die Tierärztin, dass wir Hugo bereits nach drei Tagen mit Felix vergesellschaften könnten. Wir haben nun eine Woche gewartet und dachten, heute wäre ein guter Tag, um die beiden zusammenzubringen.
Gesagt, getan, wir haben die zwei in einen für sie neutralen Raum gebracht (ca 16 qm) und abgewartet. Sie haben sich heftig angegangen, gerammelt, Fell ausgerissen, gejagt und das ganze Zeug. Laut Ratschlägen aus dem Internet und der Tierärztin haben wir abgewartet, wie sich alles entwickelt. Anfangs wirkte es, als wäre Felix der unterlegene, das Blatt hat sich inzwischen allerdings stark gewendet.
Nun hab ich etwas besorgniserregendes beobachtet und wüsste gerne, ob das normal ist oder ob ich die Vergesellschaftung lieber abbrechen soll?
Nach einer heftigen Rangelei sitzt Hugo nun nur noch in der Ecke, guckt traurig drein und frisst nicht. Ich habe ihn mir noch einmal genauer angesehen und festgestellt, dass er eine leichte Bisswunde über dem Auge und eine Bisswunde an der Nase hat, die offenbar auch leicht geblutet hat. Beide Wunden sehen nicht bedrohlich oder gefährlich aus, doch offenbar scheiden sich zu dem Thema die Geister. Außerdem hab ich beobachtet, dass Hugo von Felix gebissen wurde, ohne dass er sich gewehrt hätte. Allerdings hat Felix meiner Ansicht nach nicht besonders kräftig, sondern eher "sanft" zugebissen und es sofort gelassen, als er merkte, dass Hugo sich nicht wehrt. Momentan sitzen beide sehr nah aneinander, Felix knuspert fröhlich im Stroh herum und Hugo sitzt wie beschrieben in einer Ecke und macht einen sehr leidenden und traurigen Eindruck. Zwischendurch geht Felix hin und schnuppert und Hugo nimmt sofort Reißaus.

Ich weiß, ich brauche eine ganze Menge Geduld und die Vergesellschaftung ist noch nicht lange im Gange (etwa seit heute Vormittag gegen 11 Uhr). Ich habe jedoch nicht viel Erfahrung damit und möchte lieber zu früh als zu spät handeln. Soll ich die Aktion lieber abbrechen oder einfach mal abwarten, was weiterhin passiert? Ich habe hier im Forum von der Gittermethode gelesen, denkt ihr, die wäre in dieser Situation angebracht?

Ganz schön viel zu lesen aber vielleicht hat ja jemand einen Rat, damit es allen beteiligten Langohren bald gut geht.

Liebe Grüße
Arriey


ps: Wer sich über das unterschiedliche Alter der beiden wundert: Das liegt daran, dass wir gerne passende Partner für die Mädels haben wollten. Die eine ist ca 2 Jahre alt und die andere 6 Monate.



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Kaninchen
 
Registriert seit: 05.06.2012
Beiträge: 2.923
Rakete befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 15.11.2017, 19:26

Hallo

Ich würde sicherlich noch abwarten, wie es sich weiter entwickelt die nächsten Stunden oder in der Nacht...

Trennungsgrund wäre:
Wenn sie sich mehrfach heftig ineinander verbeißen
Wenn einer in der Ecke die Wand anstarrt, zittert und auch nicht mehr reagiert, wenn der Andere beißt.
Wenn schwere Bisswunden entstehen oder über mehrere Tage hinweg immer wieder regelmäßig kleinerer Wunden entstehen.
Wenn einer länger nichts frisst und es langsam kritisch wird deswegen.

Wichtig ist: mind. 1x täglich genau auf Wunden untersuchen. Schnell wird auch mal was übersehen, das dringend tierärztlicher Behandlung bedarf... ist mir trotz Wissen auch schon passiert!

Bereits entstandene Kratzer oder kleinere Wunden sollten selbst behandelt werden und nachträglich kontrolliert werden. Gerade bei Augen, Ohren, Nase kann natürlich auch eine kleine Wunde rasch böse bluten und viel schlimmer aussehen, als wenn sie anderswo entstanden sind.

Zudem können Verletzungen Nähe Auge sehr gefährlich sein, weil eben auch das Auge selbst was abkriegen kann, was man ohne Spezialuntersuchung (Untersuchung der Hornhaut) nicht sieht. Also bei Augenverletzungen lieber einmal zu viel zum Tierarzt!!! Das kann rasch gefährlich werden! Und beim Ohr ist die Haut sehr dünn, so dass rasch ein Stück heraus gebissen werden kann, dazu braucht es gar nicht so viel.

So schlecht tönt die Situation nicht, wenn es nicht wieder eskaliert. Zumindest ist einer fröhlich und entspannt gerade... Hugo scheint wohl leicht geschockt zu sein, hoffentlich frisst er bald wieder und akzeptiert, dass Felix der Boss ist und fordert ihn nicht noch seriös heraus.

Du hast natürlich etwas erschwerte Situation für eine VG. Denn es dauert doch ein paar Wochen, bis die Hormone abgebaut sind. Das kann ein großes Hindernis sein, obwohl ich auch schon mal so vergesellschaftet habe und keinerlei Probleme dabei hatte. Das heißt aber nicht, dass das immer so ist... Zudem steckt Felix noch inmitten der Pubertät, das kann im Normalfall selbst ohne VG für längere Zeit viel Unruhe in einer Gruppe geben.

Man kann darüber streiten, ob man 2x vergesellschaftet. Das hätte ich wohl auch versucht trotz Mehraufwand. Zwar ist VG mit mehreren Tieren öfters einfacher als bloß eine 2-er VG. Aber sollten die gleichen Geschlechter bereits erfolgreich vergesellschaftet sein (was schwieriger ist), dann wird wird die VG der Gegengeschlechtlichen sicherlich wesentlich einfacher werden.

Gitter-zu- Gitter würde ich erst anwenden, wenn es jetzt gar nicht gehen würde. Du hast ja jetzt schon 'normal' begonnen. Kämpfe oder heftiges Gejage kann es die ersten paar Tage einfach geben. Wichtig ist einfach, dass man irgendwann sieht, dass sich die Situation langsam beruhigt. Und keiner in der Zeit richtig verletzt wird...




Ninchen
 
Registriert seit: 15.11.2017
Beiträge: 5
Arriey befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 16.11.2017, 16:07

Hallo Rakete,

vielen Dank für die ausführliche und sehr hilfreiche Antwort! Da ich nicht so viel Erfahrung mit Vergesellschaftungen habe, wird mir dann doch wohl schneller mulmig als anderen. Du hast mich jedenfalls etwa beruhigt

Die Situation hat sich insgesamt auch deutlich gebessert im Vergleich zu gestern Abend. Hugo hat, nachdem ich ihm das Futter direkt unter die Nase gesetzt habe, wieder angefangen zu futtern und hat auch heute schon wieder kräftig reingehauen, zu meiner Erleichterung. Bisswunden gibt es keine neuen und Hugo hat sich ein für sich sicheres Plätzchen gesucht, von dem aus der heute auch schon wieder ein wenig erkundet hat.

Ich habe von außen betrachtet das Gefühl, dass sich Felix und Hugo immer weiter annähern, obwohl Hugo trotzdem noch schnell wegrennt, wenn Felix sich ihm zu schnell nähert. Aber das ist ja ganz normal und nicht weiter beunruhigend, da wird wohl nur etwas Zeit und Geduld helfen

Vielen Dank auf jeden Fall nochmal und einen schönen Abend!
Beste Grüße
Arriey




Kaninchen
 
Registriert seit: 05.06.2012
Beiträge: 2.923
Rakete befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 16.11.2017, 16:24

Hallo Arriey

das tönt ja schon super!
Bei den leichteren Vergesellschaftungen (ohne die letzten 2 Jahren hinzu genommen, weil da ging es noch einfacher), war es bei mir normal, dass sie sich die ersten 2 Tage so richtig fetzten. Also wenn es bei Dir schon jetzt ruhig ist, ist dann schon mal toll!

Gejage kann es auch ein paar Wochen geben. Alles, was sich unter 2 Wochen legt, ist auch schon sehr positiv!

Die Beiden brauchen jetzt einfach ihre Zeit. Und wenn die Rangordnung schon mehr oder weniger geklärt ist, wird der weitere Verlauf auch wesentlich schneller von sich gehen.

Und bis die Angst vergeht, dauert es schon ein bisschen. Wegrennen ist also normal...

Liebe Grüsse
Moni




Ninchen
 
Registriert seit: 15.11.2017
Beiträge: 5
Arriey befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 09.12.2017, 21:36

Hallo nochmal

ich dachte, ich schreibe nochmal, nachdem jetzt wieder etwas Zeit vergangen ist und vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen.
Die beiden Jungs sind mittlerweile ein Herz und eine Seele und vertragen sich super. Sie gehen zusammen auf Erkundungstour und flüchten sich zum jeweils anderen, wenn sie Angst haben oder ihnen etwas komisch vorkommt. Es hat sich also alles super entwickelt
Es hat sich gelohnt, durchzuhalten, auch wenn es schwer war da zuzugucken. Danke nochmal für die Aufmunterung
Jetzt steht uns nur noch die Vergesellschaftung mit den beiden Mädels bevor, aber das stehen wir sicher auch noch durch.

Liebe Grüße
Arriey



 
 
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