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Trockenfutter von bunny?! auf Kaninchen Forum

 
 
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Ninchen
 
Registriert seit: 26.01.2009
Beiträge: 11
hunnybunyy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 03.03.2009, 16:28

Hallo Atze!

Hat ein bischen gedauert mit meiner Antwort -
dafür fällt die jetzt aber auch ein bischen länger aus. Ich habe mir gedacht, dass das vielleicht auch für andere Leser interessant sein könnte...

Zitat:
Die Deklarationspflicht für Heimtierfutter ist wieder was anderes - die gibt es nämlich gar nicht und ist somit freiwillig.
Die Angaben von Inhaltsstoffen sind bei Futtermitteln, die ausschließlich für Heimtiere bestimmt sind in der Tat freiwillig - ABER wenn Angaben zu den Inhaltsstoffen gemacht werden, dann MÜSSEN alle Einzelfuttermittel aufgeführt werden und zwar entweder mit Prozentangaben oder in absteigender Reihenfolge nach den enthaltenen Gewichtsanteilen (so wie man das auch von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr her kennt).
Dies ist im [URL="http://www.gesetze-im-internet.de/futtmv_1981/__14.html"]§14[/URL] der [URL="http://www.gesetze-im-internet.de/futtmv_1981/index.html"]Futtermittelverordnung[/URL] geregelt bzw. läßt sich bei
Kamphues, J. et al. (2009): Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung. 11. überarb. Aufl. - M. & H. Schaper. (S. 60)
nachlesen. Das heißt, dass wenn Inhaltsangaben gemacht werden, dann darf der Hersteller nicht nur die Inhaltsstoffe aufführen, die sich besonders vorteilhaft anhören, sondern muss eben alles angeben (eventuell dann eben auch Dinge, die für die Ernährung weniger geeignet sind).
Wenn einzelne Inhaltsstoffe besonders ausgelobt werden (z.B. bei einer Produktbezeichnung wie etwa "Karotten-Snack", dann MÜSSEN die solcherart ausgelobten Inhaltsstoffe auf der Verpackung mit Prozentangaben angeführt werden - wenn dann bei einem "Karotten-Snack" 5% Karotte enthalten ist, dann kann man sich seinen Teil dazu ja denken...).
Es ist übrigens auch nicht erlaubt, mit einer (angeblichen) gesundheitlichen Wirkung eines Futtermittels zu werben.
Es gibt da allerdings ein paar Formulierungen, die nicht so toll sind, wie z.B. "pflanzliche Nebenerzeugnisse", aber vom Gesetzgeber toleriert werden.
Der Verbraucher hat damit zumindestens die Möglichkeit, solche Futtermittel im Regal stehen zu lassen, die entweder keinerlei Inhaltsangaben machen oder bei denen irgendwelche nichtssagenden Bezeichnungen angeführt werden.

Zitat:
...die [natürliche Nahrung der Kaninchen] hat einen Wassergehalt von 80-90% und einen Rohfasergehalt von 3-6%
Hmm, diese Angaben halte ich dann doch für etwas zu allgemein gehalten. Der Wassergehalt einer Pflanze kann zum Beispiel in Abhängigkeit der Pflanzenart, des Alters der Pflanze, des Wuchstandortes, der Sonnenexposition, des Bodentyps, der Wasserverfügbarkeit, der Temperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit etc. sehr stark schwanken. Die von Dir angegebenen 80-90% treffen wohl eher auf Früchte und vielleicht einige Blattgemüse zu, sicherlich aber nicht auf die meisten Gräser.
Ebenso schwank der Rohfaseranteil einer Pflanze, bei Gräsern vor allem in Abhängigkeit des Alters der Pflanze. So hat z.B. ein Gras auf einer Mähweide beim Austrieb im Frühjahr einen Rohfasergehalt von etwa 19% bezogen auf die Trockenmasse (in der Regel werden Angaben zu Inhaltsstoffen wie Rohfaser, Energie o.ä. auf die Trockenmasse bezogen, um einen Vergleichswert zu haben, der unabhängig vom Frischgewicht ist, da der Wassergehalt eben stark schwanken kann). Im ausgeblühten Zustand hat ein Gras auf einer Mähweide dagegen im Schnitt einen Rohfasergehalt von etwa 35% bezogen auf die Trockenmasse. Bei vom Menschen unbeeinflußten Gräsern (keine Düngung, keine Mahd) dürfte der Rohfasergehalt eher noch höher liegen, als bei den Gräsern einer Mähweide. Mit dem Rohprotein und auch dem Energiegehalt sieht es ähnlich aus, mit dem Unterschied, dass diese mit steigendem Alter des Grases abnehmen (der Energiegehalt stärker als der Rohproteingehalt).
Die von Dir gemachten Angaben von 3-6% Rfa bezieht sich sicherlich auf das Frischgewicht (und sind damit schwer vergleichbar), aber selbst dann sollten die Werte eigentlich einen viel größeren Bereich abdecken (zumal der Wassergehalt vor allem bei Gräsern mit zunehmendem Alter der Pflanze deutlich absinkt).
Unter anderem ist dies bei Kamphues et al. (2009) auf S. 65 nachzulesen (vollständige Literaturangabe s.o.).

Zitat:
...die Rohfaser ist logischerweise völlig intakt, wenn sie in den Magen/Darmtrakt gelangt.
So logisch finde ich das gar nicht; schließlich kauen die Tiere ihr Futter ja, bevor sie es herunterschlucken. ;-) Es wäre mal interessant zu wissen, wie fein die Nahrung (z.B. Heu) überhaupt von den Tieren beim Kauen zermahlen wird.

Zitat:
...je nach Zusammensetzung der Rohfaser (Verdaulich/Unverdaulich) passiert sie den Verdauungstrakt relativ schnell.
Die Geschwindigkeit der Darmpassage wird neben der Verdaulichkeit der Rohfaser (hier spielt meines Wissens nach der Anteil des unverdaulichen Lignins, welches mikrobiell nicht zersetzt werden kann, eine größere Rolle) zu einem entscheidenden Maße durch die Partikelgröße des Nahrunsgbreis beeinflußt. Die Verdauung der Rohfaser findet hauptsächlich im Blinddarm durch die Hilfe von Bakterien statt. Dabei gelangen kaum Bestandteile, die Größer als 0,3mm (!) sind in den Blinddarm, sondern diese werden fast ungenutzt mit dem Hartkot wieder ausgeschieden. Je höher der Anteil an groben Partikeln, desto schneller ist die Darmpassage. Je feiner die Partikel sind, die in den Blinddarm gelangen, desto intensiever können diese von den Blinddarmsymbionten aufgeschlossen werden und desto höher ist die Verweildauer im Blinddarm. Das ist als solches gesehen ersteinmal nicht unbedingt schlecht, da die Tiere ja einen Großteil ihrer Nährstoffe und ihrer Energie aus dem mikrobiellen Verdau der Rohfaser erhalten (über die Aufnahme des Blinddarmkotes). Siehe hierzu beispielsweise
García, J.; Carabano, R. & de Blas, J.C. (1999): Effect of fiber source on cell wall digestibility and rate of passage in rabbits. - Journal of Animal Science 77: 898-905.
Weiterhin wird die Geschwindigkeit der Darmpassage auch noch durch den Anteil der Rohfaser (und der Zusammensetzung der Rfa) im Futter beeinflußt - je höher der Rohfaseranteil, desto schneller die Darmpassage. Siehe hierzu beispielsweise
Fraga, M.J.; Pérez de Ayala, P.; Carabano, R. & de Blas, J.C. (1991): Effect of type of fiber on the rate of passage and on the contribution of soft feces to nutrient intake of finishing rabbits. - Journal of Animal Science 69: 1566-1574.
Dabei sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, das Futter so schnell wie möglich durch das Kaninchen zu bekommen.

Zitat:
...wegen des hohen Wasseranteils muss eine relativ große Menge aufgenommen werden.
Wenn Du Dich hier auf die Verhältnisse im Freiland und den von Dir angegebenen Wasseranteil des Futters von 80-90% beziehst, dann kann ich dem in dieser Form nicht zustimmen. Die Höhe der Nahrungsaufnahme von Kaninchen im Freiland wird wohl in erster Linie davon bestimmt sein, dass die Tiere ihren Nahrungs- und Energiehaushalt decken müssen. Da die natürliche Nahrung von Wildkaninchen in der Regel relativ energiearm ist (z.B. durch den hohen Rohfaseranteil von Gräsern zu bestimmten Jahreszeiten), müssen die Tiere eben eine relativ große Menge davon zu sich nehmen. Das hat mit dem Wassergehalt des Futters in erster Linie wenig zu tun.

[quot]
Das Tier nimmt in relativ kurzer Zeit eine große Menge hoch verdaulicher Nährstoffe auf, deren Trägerstoffe im Verdauungstrakt zerfallen.
[/quot]
Die Verdaulichkeit des Futters hängt natürlich auch von dessen Inhaltsstoffen ab und nicht allein von der Darreichungsform. Wenn der Hersteller beispielsweise auf den Einsatz von hochverdaulicher Getreidestärke und Melasse verzichtet, dann ist das doch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
Ein Problem könnte der Vermahlungsgrad bzw. der Anteil an Feinpartikeln (< 0,3mm) bei pelletiertem Futter sein. Interessant wäre hier, wie die Verteilung der Partikel in einem solchen Pellet eigentlich aussieht. Aber auch hier wird es zwischen den einzelnen Herstellern sicherlich große Unterschiede geben. Im Allgemeinen ist der Vermahlungsgrad um so höher, je kleiner die Pellets sind und je glatter deren Oberfläche aussieht (die Glätte der Oberfläche hat übrigens nichts damit zu tun, dass die Pellets mit irgendwelchen Vitaminpräparaten eingesprüht worden sind).
Was mir nicht ganz klar ist, ist was Du mit den "Trägerstoffen", die im Darm "zerfallen" meinst.

Zitat:
Wenn zu wenig [Nahrungsbrei] nachkommt, nutzen die Bakterien diesen hochenergetischen Brei als Nahrungsgrundlage.
Also, wie schon gesagt, nur weil es sich um Pellets handelt, müssen die nicht zwangsläufig einen extrem hohen Energiegehalt aufweisen. Wenn in den Pellets aber beispielsweise Getreidestärke und/oder Melasse oder ähnliches verarbeitet wurde, dann kann dies zu einer Fehlgärung führen. Dabei werden "unerwünschte" Bakterien gefördert, die sich von solchen relativ leicht aufschließbaren Kohlenhydraten ernähren und Stoffwechselprodukte abgeben, die für den Wirt (in diesem Fall das Kaninchen) giftig sind.

Zitat:
...die Gärprozesse (neben Bakterien auch von Hefen ausgelöst, die ja eigentlich für die nützliche Fermentierung der Cellulose dienen) nehmen zu...
Der erwünschte Abbau der Zellulose durch die erwünschten Mikroorganismen im Blinddarm ist ebenfalls ein Gärprozess (das Wort Fermentierung ist lediglich ein Synonym für Gärung). Was zunimmt ist die unerwünschte Vergärung von Stärke und Melasse (falls diese denn in größeren Mengen im Futter enthalten sind) durch unerwünschte Mikroorganismen. Das am Abbau der Zellulose im Blinddarm auch Hefen beteiligt sein sollen, ist mir neu. Ich dachte immer das im Blinddarm Bakterien, Ciliaten ud Flagellaten (beides eukaryotische Einzeller) enthalten sind, wobei die beiden letztgenannten eigentlich weniger mit dem Zelluloseabbau zu tun haben und sich eher von den Bakterien ernähren.
Ein gewisser Anteil der "unerwünschten" Bakterien befindet sich übrigens immer im Magen-Darm-Trakt der Tiere - diese vermeheren sich allerdings nur übermäßig, wenn ihnen ein zu großer Anteil an leicht verdaulichen Kohlenhydraten zur Verfügung steht.

Zitat:
...der pH-Wert steigt...
Durch den Verdau (bzw. die Fehlgärung) von Stärke und Melasse sinkt der pH-Wert (das kann z.B. auch bei Rindern passieren und man spricht dann von einer Pansen-Acidose). Im Gegensatz zum Magen herrscht im Blinddarm ein nur noch leicht saures bzw. neutrales Milieu vor (pH 5,8 - 6,1 siehe z.B. Fraga et al (1991) (vollständige Quellenangabe weiter oben).

Zitat:
Diesem, denkbar schlimmsten, Szenario versucht man durch die hohe Menge an Rohfaser in den Pellets auszugleichen - deshalb 15% statt max. 6%.
Wie schon gesagt, durch den Anteil an Rohfaser kann die Geschwindigkeit der Darmpassage beeinflußt werden. Dabei haben sich Rfa-Werte zwischen 15 und 20% bezogen auf die Trockenmasse als für die Kaninchen vorteilhaft herausgestellt. Wie schon oben angedeutet vermute ich, dass Du diese von Dir angegebenen 6% Rfa auf das Frischgewicht des Futters beziehen.
Ein zu geringer Rfa-Gehalt des Futters kann außerdem noch dazu führen, dass zu wenig Weichkot abgegeben wird, was wiederum ebenfalls zu Verdauungsproblemen führen kann.
Ein zu hoher Rfa-Gehalt (also deutlich über 20%) kann dagegen dazu führen, das die Tiere mit Rohprotein unterversorgt werden (dies wirkt sich negativ auf die erwünschte Mikroorganismen im Blinddarm aus, weil denen dann eine zum Wachstum benötigte Proteinquelle fehlt).

Zitat:
...Es nutzen sich die Zähne zu wenig ab...
Diese Gefahr ist wohl dann gegeben, wenn ausschließlich Pellets gefüttert werden. Ich denke mal, dass aber halbwegs verantwortungsvolle Hersteller auf ihren Verpackungen vermerken, dass zusätzlich immer Heu angeboten werden soll/muss (unter anderem ist dieser Hinweis z.B. auch auf den Verpackungen des Herstellers zu finden, um den es ursprünglich in diesem Thread mal ging). ;-)

Zitat:
Das Heu, dass ja für den fehlenden Nachschub sorgen soll, ist so etwas wie ein Vabanque-Spiel. Ist es von schlechter Qualität, frisst das Tier zu wenig - Teufelskreis...
Na ja, das ist ja eher ein generelles Problem bei der Heufütterung. Auch wenn ich nur Frischfutter füttere bekomme ich massive Probleme, wenn die Tiere kein Heu fressen. Das ist ja kein spezielles Problem im Zusammenhang mit den Pellets.

Zitat:
...die Hersteller haben das natürlich auch erkannt - und setzen jetzt alles daran, die Erkenntnisse umzusetzen.
Ja, so sehe ich das auch. Und ich finde, dass man hier auch als Verbraucher die Möglichkeit hat, diese Entwicklung zu fördern, indem ich eben genau hinschaue, welches Trockenfutter ich kaufe.

Die oftmals negative Bewertung von Trockenfutter und die Aussage, dass pelletiertes Trockenfutter nahezu zwangsläufig zu Verdauungsproblemen führt, halte ich nicht für haltbar.
Ich könnte mir folgende Erklärung für die scheinbare Häufung von Verdauungsproblemen in Zusammenhang mit pelletiertem Trockenfutter vorstellen: Ein nicht unerheblicher Teil der Halter füttert die Tiere wohl in erster Linie mit Trockenfutter und Heu (die klassische "Kinderzimmerhaltung"). Dann gibt es ab und zu - vielleicht weil dies gerade auch auf dem menschlichen Speiseplan steht - mit einem mal eine große Menge an Frischfutter (etwa Kohlrabiblätter, vielleicht schon nicht mehr ganz so frisch), ohne dass die Tiere daran gewöhnt sind (also genau das, was man nicht tun sollte). Am nächsten Tag steht dann schon wieder Trockenfutter auf dem Plan. Das Tier bekommt Verdauungsprobleme und der Tierarzt wird aufgesucht. Der fragt natürlich, was denn hauptsächlich gefüttert wird und die Leute antworten natürlich "Trockenfutter" (die Kohlrabiblätter sind, da eine Ausnahme, schon wieder vergessen). - Tja, und schon ist das Trockenfutter an den Verdauungsproblemen Schuld...

Wie schon gesagt, letztendlich muss jeder selber eintscheiden, wie er seine Tiere ernährt.
Als Fazit könnte man aber vielleicht festhalten, dass wenn Trockenfutter gefüttert wird, dann solches ohne Getreidestärke und Melasse. Zusätzlich sollte bzw. muss immer Heu und auch Wasser zur freien Verfügung stehen (also rund um die Uhr), wobei das Heu in erster Linie dem erforderlichen Zahnabrieb dient und die Tiere darüber hinaus auch noch beschäftigt.

Gruß an alle.



 



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