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| @ innocent_devil: Das stimmt so einfach nicht. Tiere können durchaus eine Art Trauer empfinden, das ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Es gibt Studien zu Elefanten, die immer wieder zu den Überresten von verstorbenen Gruppenmitgliedern zurückkehren, diese dann beschnuppern, anstoßen, etc., auch reagieren die Elefanten völlig anders, wenn sie auf Knochen von Artgenossen stoßen, als bei den Überresten anderer Spezies. Die Studien haben sogar gezeigt, dass die Elefanten länger bei den Knochen eines Gruppenmitglieds verweilen und dann auch mehr "Aufregung" in der Gruppe herrscht, als bei den Überresten fremder Elefanten. Auch bei Affen scheint es eine Art Trauer zu geben, wenn man bedenkt, dass Affenmütter verstorbene Jungtiere oft wochenlang mit sich rumtragen, bevor sie endgültig Abschied nehmen, auch zeigen Studien, dass Affen sich um kranke/sterbende Gruppenmitglieder besonders kümmern, und nach dem Tod sogar eine Art Totenwache halten. Hier stellt sich auch nicht die Frage der Vermenschlichung, nachdem letztlich wir Menschen auch nur eine Art Tier sind, sondern man muss berücksichtigen, wo das Gefühl der Trauer seinen Ursprung hat. Eine wie auch immer geartete "Trauer" kann es im Tierreich nur geben, wenn soziale Strukturen vorhanden sind, die eine Bindung zwischen Individuen ermöglichen - sei es zwischen Eltern und dem Nachwuchs, den Fortpflanzungspartnern oder Familien- und Gruppenmitgliedern. Dazu kommen müssen Hirnstrukturen, in denen Gefühle verarbeitet werden, insbesondere das limbische System, und das besitzen nicht nur Säugetiere, sondern alle Wirbeltiere. Ein weiterer Faktor ist der Hormonhaushalt. Trauer führt bei Menschen zu einem Anstieg der Stresshormone im Blut. Entsprechend reagieren auch Tiere, die durch den Verlust eines vertrauten Artgenossen gestresst sind, wie zum Beispiel die Forschung an Meerschweinchen gezeigt hat. Es mag auch sein, dass verwandtschaftliche Beziehungen für keine Art erkennbar sind (wobei ich da Tieren mit deutlich besseren Sinnen noch mehr zutrauen würde, als den Menschen), aber sowohl bei Menschen als auch Tieren gibt es soziale Strukturen, und die jeweiligen Mitglieder, egal, ob blutsverwandte "Familie" oder sonstige Gruppe reagieren mit Stress auf den Verlust einzelner Mitglieder. Daran ändert auch eine starke Bejagung nichts: unsere Vorfahren, die Australopithecinen wurden auch stark bejagt, trotzdem gibt es schon hier Anhaltspunkte für Grabbeigaben, was auf Trauer, Verlustgefühle o.ä. schließen lässt.. Eine andere Frage ist, WIE die Trauer dann ausgelebt wird: es ist natürlich für eine Species, die durch Jäger o.ä. einem ständigen Überlebenskampf ausgesetzt ist, völlig unpraktisch, sich dann trauernd aufs Feld zu setzen und zu warten, bis der Fuchs vorbei kommt. Andererseits dürften auch wir Menschen nicht immer Gelegenheit haben, in eine passive Trauerphase abzurutschen: wer anno 44 im Schützengraben laut heulend über seinem getöteten Kameraden zusammenbrach, hatte wohl ebenso keine Gelegenheit mehr, sich fortzupflanzen... Dem entsprechend dürfte sowohl bei Menschen, als auch bei höher entwickelten Tieren mit sozialen Strukturen trauerähnliche Gefühle durchaus vorhanden sein, wie diese dann ausgelebt werden, hängt dann aber auch von den äußeren Umständen ab. Ein Schäferhund, der sein Herrchen verloren hat, kann sich Trauer eher erlauben, als ein Wolf in Alaska, der trotz Verlusts seiner Partnerin weiterhin jagen gehen muss, um zu überleben. Im übrigen: auch wenn wir akzeptieren, dass Kaninchen trauern können, ändert dass nichts daran, dass ein neuer Partner meist die beste Therapie ist. Darin unterscheiden wir uns aber auch nicht so sehr von den Kaninchen: auch wir brauchen, gerade in Zeiten des Verlusts eines Menschen, soziale Strukturen, die uns auffangen, und oftmals ist die Zeit der Trauer erst dann wirklich vorbei, wenn ein neuer Partner gefunden ist.
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