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Hygiene bei Kokzidien? auf Kaninchen Forum

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Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 23.07.2019
Beiträge: 70
Jusi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 14.10.2019, 20:52

Hygiene bei Kokzidien?


Hallo,


die Kastration meines Weibchens ist erfolgreich verlaufen, aber durch den Stress (?) hat sie vermehrte Kokzidien. Wir behandeln seit gestern nach 3-3-3 mit Baycox 5%.



Heute ist sie schlapp, frisst aber immerhin nach Zureden etwas und wird ein bisschen gepäppelt, weil sie nach der OP auch schon kaum gefressen hat und nicht mehr geköttelt hat. Köttel sehen mittlerweile ganz okay aus, abgesehen vom matschigen Blinddarmkot.



Beide Tiere werden behandelt.


Meine Frage betrifft die Hygiene. Ich habe heute den gesamten Tag geputzt, aber zunächst nur mit Spüli, Sagrotan und heißem Wasser. Da wir aber Teppich haben und die Tiere frei herumlaufen und das Weibchen nicht stubenrein ist, kommen wir wohl um das Dampfreinigen nicht herum. Gerät ist angeschafft und steht bereit.


Die TÄ meinte, wir sollten es jeden Tag machen. Ich frag mich nur, wie das praktisch funktioniert, weil ich nicht ständig hinter jedem Tier hinterherwischen kann.



Ich war heute kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Ich meine, ich bekomme die Wohnung doch eh nicht steril, setze mich z. B. mit der Hose ins Gehege und geb die dann nicht gleich in die Kochwäsche. Die Köttel sammle ich zügig auf (hab eh gerade Urlaub), aber ich kann nicht alle Köttelstellen sofort desinfizieren.



Nun hab ich auch gelesen, dass man die Hygiene entspannter handhaben kann, weil die Kokzidien ja sowieso irgendwie "da" sind. Dass die Tiere nicht im Dreck liegen, ist ja klar. Ich hoffe auch, dass in der großen Wohnung die Infektionslast nicht so groß ist, als wenn man die Tiere auf engerem Raum hält.



Beide essen nicht vom Teller oder vom Napf, sondern schmeißen es raus und setzen sich rein usw. Also liegt das Essen auf dem Boden.



Wenn ich die Wohnung steril machen soll, drehe ich vollkommen durch. Handfeger usw. koche ich täglich ab, die Käfigwannen auch, das Badelaken, auf dem ihr Essen liegt und sie essen und gelegentlich pieseln und kötteln, auch, aber der Boden selbst ist nun mal da. Und mit dem Dampfen komme ich auch nur 1x am Tag rüber, und die restlichen 23h können dort Bakterien "abgelegt" werden.




Hat jemand pragmatische Tipps?



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Gesperrt
 
Registriert seit: 03.07.2015
Beiträge: 5.334
Terry ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Geschrieben am 14.10.2019, 21:26

Beruhige Dich erstmal.

Ich habe auch ein Kaninchenzimmer und auch dort schon Kokis gehabt. Nie (!) bin ich in einen Putzwahn verfallen.

Einzig die Klos wurden täglich geleert und geschrubbt, die ersten Tage auch mal desinfiziert, ansonsten nur normale Hygiene.
Klar, Böbbels werden möglichst alle entfernt, aber ansonsten.... mit jedem Kohlkopf kannst Du Dir neue Kokis einfangen.

Also bloß keinen unnötigen Stress, auch wenn es viele TÄ und Inet-Seiten als notwendig betrachten.


Zum Hintergrund, ich halte seit über 30 Jahren Kaninchen, meist aus Notfällen, viele davon kamen mit hochgradigen Kokis und bei keinem hab ich anders gehandelt als wie beschrieben.



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Benutzerbild von Sir.Hoppselot
Kaninchenfreund
 
Registriert seit: 10.06.2019
Beiträge: 623
Sir.Hoppselot befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 14.10.2019, 21:38

Erst mal vorweg: es tut mir mega leid, dass dich das so fertig macht. Diese Mischung aus Sorge und Putzverzweiflung ist sicher total belastend. Lass dich nicht unterkriegen, was du da schreibst klingt schon nach sehr gutem Vorgehen. Als unsere damals ihren ersten schlimmen Kokzidienbefall hatten, habe ich das ähnlich gemacht: mit kochendem Wasser gewischt, Kloschalen täglich ausgekocht und geschrubbt, Teppiche heiß gewaschen etc. einen Dampfreiniger für den großen Wohnzimmerteppich habe ich allerdings nicht verwendet. Bei den nächsten Untersuchungen waren die Kotuntersuchungen immer sauber, denn ja, es ist wie du schreibst, die Kokzidien werden sie ja ohnehin nie ganz los, sie dürfen nur nicht überhand nehmen. Was das Futter betrifft habe ich vieles an Wäscheklammern gehängt, damit sie nicht draufsitzen oder es irgendwo angebunden (Vorsicht, keine Leinen spannen, Verhedderungsgefahr). Das Heu welches ich sonst im und ums Klo herum angeboten habe, kam einfach in die Raufe. Ich habe dann noch eine zweite Raufe für Wiese angeschafft und das zuppeln sie immer noch gerne da draus. Äste und Unkräuter kannst du ansonsten auch gut in einen Lochziegel stecken, falls du einen hast. Parallel habe ich viel Oregano angeboten, sowohl frischen aus dem Topf als auch fast meine ganze getrocknete Ernte vom Balkon. Erst waren sie skeptisch und später verrückt danach. Viel Erfolg und alles Gute für deine kleine Patientin!



Jusi likes this.

Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 23.07.2019
Beiträge: 70
Jusi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 14.10.2019, 21:49

Vielen Dank euch beiden!


Unsere Tiere - das hat sich irgendwie so eingebürgert - haben ein Tag- und ein Nachtzimmer, wo sie sich jeweils am meisten aufhalten. Das Tagzimmer hab ich gerade gereinigt; das Nachtzimmer kommt morgen früh, wenn sie wieder "umgezogen" sind. Sonst wäre der Boden ja überall noch nass, und ins Gehege einsperren mag ich sie nicht (selbst wenn wir das ursprünglich für die Nacht so geplant hatten, aber die Tiere haben eigene Vorstellungen von ihrem Leben ).



Aber das Problem ist vor allem, dass die Tiere sich ja so dünn machen können und in die hintersten Ecken krabbeln, und um das zu putzen, müsste ich täglich (!) die halbe Wohnung umräumen, und irgendwie streike ich da - vor allem nervlich. Ist ja nicht nur der Fußboden, sondern auch sämtliche Betten, Sessel usw.



Eigentlich ist das erkrankte Tier bisher sonst total fit, sodass ich hoffe, dass sie mit dem Rest "Dreck" in unserer Bude künftig umgehen kann wie bisher. Nur im Moment hängt sie wirklich durch und döst viel, aber laut TÄ ist das nicht ungewöhnlich für Tiere unter Baycox, und ich solle mir keine Sorgen machen.




Benutzerbild von Sir.Hoppselot
Kaninchenfreund
 
Registriert seit: 10.06.2019
Beiträge: 623
Sir.Hoppselot befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 14.10.2019, 21:54

Zitat:
Zitat von Jusi Beitrag anzeigen
Aber das Problem ist vor allem, dass die Tiere sich ja so dünn machen können und in die hintersten Ecken krabbeln, und um das zu putzen, müsste ich täglich (!) die halbe Wohnung umräumen, und irgendwie streike ich da - vor allem nervlich. Ist ja nicht nur der Fußboden, sondern auch sämtliche Betten, Sessel usw.
Wenn da Köttel drunter liegen würde ich sie wegsaugen, ansonsten hab ich einfach die Stellen gereinigt an denen sie sich viel aufhalten, nicht die, an denen sie auch mal lang huschen. Übertrieben habe ich es mit dem Wischen ohnehin nicht gerade und eigentlich nur das Schlafgehege gründlich ausgewischt. Trotzdem ging der Befall zurück. Mach dich nicht verrückt, das wird schon gut ausreichen.



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Gesperrt
 
Registriert seit: 03.07.2015
Beiträge: 5.334
Terry ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Geschrieben am 14.10.2019, 21:57

Unter Baycox, gerade bei 3-3-3 kommt es häufig zu (starken) Inappetenzen und Schlappheit. Da solltest Du Päppelbrei und zwingend Sab Simplex, Lefax oder Dimeticon zuhause haben.

Bei nicht gerade hochgradigem Befall mit Kokis behandel ich seit Jahren mit 2-5-2 um gerade diese Inappetenzen zu vermeiden.

Wie gesagt, mach eine vernünftige Hygiene aber keinen täglichen Bohei. Das nächste Löwenzahnblatt könnte Kokis haben und die Blätter werden ja auch nicht gekocht oder mit einem Dampfstrahler bearbeitet.



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Kaninchen
 
Registriert seit: 05.06.2012
Beiträge: 2.923
Rakete befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 15.10.2019, 07:06

Ich verstehe nicht, wieso so lang mit Baycox behandelt wird. Das killt die Darmflora sehr gut, mit dem Resultat, dass die Kaninchen wenig oder gar nichts mehr fressen. Also nicht ganz ungefährlich!

Selbst 1 Tag Behandlung mit Wiedeholung nach entsprechender Pause reicht völlig aus um die Kokzidien abzutöten, da Baycox so aggressiv ist. Meine TÄ verschreibt das inzwischen nur noch so (im Gegensatz zu viel früher). Seitdem hatte ich nie mehr Probleme mit Inappetenz!

Und übertriebene Hygiene ist unnötig. Einmal alles gründlich reinigen und danach täglich die Klokisten reinigen. Das hat bei mir immer funktioniert. Kokzidien sind bei Kaninchen eh latent vorhanden und Ein gutes Immunsystem verhindert, dass sie sich vermehren können.



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Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 23.07.2019
Beiträge: 70
Jusi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 15.10.2019, 09:48

Es geht dem Weibchen seit gestern nacht besser, es hoppelt rum und köttelt und ist nur insgesamt etwas ruhiger und isst wenig, aber es isst.



Wegen der Dosierung: Gerade bei AB kann ich da als Patient ja keine Alleingänge machen. Ich habe so viel Vertrauen, dass ich die Anleitung befolgen kann, selbst wenn ich schon häufig gelesen habe, dass man es auch anders machen könnte. Heute haben wir es eh schon gegeben.



Wegen der Reinigung: Da das Weibchen nicht stubenrein ist, sind die Klowannen vermutlich das Sauberste in der ganzen Wohnung...




Kaninchen
 
Registriert seit: 05.06.2012
Beiträge: 2.923
Rakete befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 15.10.2019, 17:31

Ich befolge die Anleitung meiner TÄ (inklusive dem Tierarztbüchern) genau so mit Behandlung 1-Pause-1.



Natürlich gibt es in der Literatur diverse Angaben für Tierärzte. Nur wissen die TÄ meistens nicht, wie sich das auf die diversen Tieren auswirkt. Da fehlen bei Einigen die Erfahrung und es wird dann immer nach gleichem Schema behandelt und sich auch nicht weiter gebildet oder weiter nachgelesen...


Übrigens ist Baycox kein Antibiotikum, sondern richtet sich gegen Parasiten. Die normalen, gängigen AB für Kaninchen sind normalerweise niemals so aggressiv wie Baycox.




Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 23.07.2019
Beiträge: 70
Jusi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 15.10.2019, 21:47

Zitat:
Übrigens ist Baycox kein Antibiotikum, sondern richtet sich gegen Parasiten.
Ich dachte, Kokzidien seien Bakterien, aber danke für die Korrektur.


Zitat:
Da fehlen bei Einigen die Erfahrung und es wird dann immer nach gleichem Schema behandelt und sich auch nicht weiter gebildet oder weiter nachgelesen...
Ich weiß, dass meine TÄ eine erfahrene und engagierte TÄ ist; es kommt sonst eher nicht vor, dass ich so was sage, aber hier vertraue ich wirklich.


Ich weiß allerdings auch, dass es keinen TA gibt, der alles so macht, wie man es selbst ergoogelt hat. Diese Übereinstimmung gibt es vielleicht für viele Fälle, aber sicher nicht für alle.



Deshalb mache ich das so, wie verordnet.



Ich hoffe, dass es das dann war, aber sollte es noch mal nötig sein, werde ich fragen, ob wir es anders dosieren können. Ich finde das Internet ja gut und hilfreich, aber irgendwo muss man sich wohl auch als Patient am Arzt des Vertrauens orientieren, sonst ist es schwer, eine dauerhaft vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, und davon profitiert ja auch das Tier.



Ich bin alles andere als leichtgläubig und kenne genügend Human- und Tiermediziner, die keine Ahnung haben - hier ist es aber anders.




Kaninchen
 
Registriert seit: 05.06.2012
Beiträge: 2.923
Rakete befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 16.10.2019, 01:42

Das darfst Du natürlich so machen. Man kann immer alles länger therapieren, das tötet die Parasiten dann zu 200% ab . Aber Du musst Dich dann nicht wundern, sollten die Kaninchen schlecht fressen oder gar nicht und apathisch oder inaktiv herum liegen. Wenn Du das so in Kauf nimmst, dann ist ja gut für Dich.

Das ist eine typische Folge vom Baycox, was häufig passiert.




Geändert von Rakete (16.10.2019 um 01:45 Uhr).

Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 23.07.2019
Beiträge: 70
Jusi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 16.10.2019, 09:12

Ich denke, es ist ein typisches Problem bei Internetforen, dass der Betroffene dannn abwägen muss: Einerseits halte ich persönlich die Ratschläge und Infos anderer Betroffener für enorm wichtig; andererseits ersetzen sie keine Beratung durch den Arzt. Selbst wenn die Forennnutzer Tierärzte wären, wäre es nicht ganz unproblematisch, auf sie zu hören, weil sie den Fall ja nicht kennen.


Deshalb habe ich es mir auch in der Humanmedizin angewöhnt, selbst zu entscheiden, wo ich mitgehen kann und wo nicht. Ich muss Dinge nachvollziehen können; ich möchte sie erklärt bekommen; ich möchte das Gefühl oder das Wissen haben, dass mein Arzt Fachmensch auf seinem Gebiet ist und Erfahrung hat.


Wenn ich das Gefühl habe - und das habe ich oft -, dass der Arzt selbst nicht genau weiß, was er tut, dann wechsle ich den Arzt.



Wenn ich aber mit zwei Tieren wegen mehrerer Probleme beim Arzt bin und ansonsten immer 100%ig weiß, dass die Behandlung auf dem neuesten Stand ist, und wenn ich aus Erfahrung weiß, dass es nur wenige Ärzte gibt, die so kompetent sind, dann wechsle ich nicht den Arzt, weil ein Internetnutzer mir sagt, dass sein Arzt es aber anders behandelt.


Es gibt zu Baycox unterschiedliche Empfehlungen, und es ist ja nicht so, dass man sagt: "Heute soll man nicht mehr 3-3-3- machen", sondern man sagt: "Heute gibt es viele Ärzte, die 2-5-2 empfehlen, weil sich gezeigt hat, dass das häufig (!) ausreicht".



 
 
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