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| Grundsätzlich sind Kaninchen Beobachtungs- und keine Kuscheltiere. Daraus folgt, dass es viele Kaninchen gibt die nie "zahm" werden. Ein Grund für ihre Angst vor dem Menschen kann ihre vorherige "Haltung" sein, wenn sie bspw. aus einem Zoogeschäft/Baumarkt kommen, sind sie meist unter bittersten, dreckigsten und brutalsten Bedingungen bei einem osteuropäischen Vermehrer aufgewachsen und verbinden Menschenhände nur mit Angst und Panik. Auch viele "Hobbyzüchter" vermehren die Tiere lediglich in dreckigen Buchten und geben ihnen keine liebevolle Zuwendung (nur für die bunten Bildchen im Internet). Auch hier ist dann die "Prägung" auf Menschen unterblieben. Was Du machen kannst, ist Dich stundenlang zu den Tieren zu setzen (mit Buch o.ä.) und sie selber freiwillig Kontakt aufnehmen zu lassen. So lange, dass sie sich auch entspannen können, denn selbst wenn sie mittlerweile aus der Hand fressen sind sie dann doch auch angespannt und fluchtbereit. Mein Rammler zum Beispiel ist jetzt knapp zwei Jahre alt, kommt auch aus bittersten Verhältnissen und findet Menschenhände immer noch ganz fürchterlich, außer es ist ein Apfelchip o.ä. drin. Ich weiß, dass ich ihn nie werde streicheln können, während die Häsin es nach gut einem Jahr immer mal "zulässt". Genießen tut sie es aber auch immer noch nicht und wird es auch nie.
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| Jedes Kaninchen hat seinen eigenen Charakter und bringt auch seine ganz persönliche Vergangenheit mit. Meine ersten beiden Kaninchen waren sehr unterschiedlich, was das Streicheln anging. Während Emil, ein schon recht tüddliger gemütlicher Zwergwidder-Opa, sehr gern gestreichelt wurde und dabei regelmäßig eingeschlafen ist (er war übrigens ein Findelkind und ich wusste daher nichts über seine Vergangenheit), war Steh- und Einohrhase Hugo anfangs total panisch beim bloßen Anblick von Mensch und Hund und tauchte sofort ins Heu ab, wenn er einen nur erblickte. Hugo kam aus einem schlimmen Animal Hoarding Fall und hatte mit Sicherheit nie Zuwendung erfahren durch den Menschen. Aber: durch Emil taute Hugo immer mehr auf, und er wurde so viel mutiger und zutraulicher. Hugo wurde zwar kein Streichelkaninchen, aber er liebte es z.B., auf mir herumzuklettern, ab und an putzte er einem auch die Hände, kam gern her um mich mit dem Kinn zu markieren oder an mir zu schnüffeln. Vielleicht möchten dir deine Damen ihre Zuneigung lieber auf diesem Weg zeigen? Aktuell habe ich drei Kaninchen, einen Zwergwidder aus Einzel- und Käfighaltung, eine Löwenkopfdame, ebenfalls aus Einzel- und Käfighaltung und ein weibliches Findelkaninchen. Der Zwergwidder ist seinem Vorgänger nicht nur optisch sehr ähnlich, sondern genauso tolllpatschig, ahnhänglich und mindestens genauso verschmust. Die Löwenkopfdame war anfangs total aggressiv als sie zu uns kam, nach der gesundheitlich dringend erforderlichen Kastration war sie aber wie ausgewechselt und hat sich seitdem auch immer mehr zum Kuschelkaninchen verändert. Heute braucht man nur die Hand ins Gehege strecken und vielleicht noch rufen, dann kommen sie und der Zwergwidder schon anhehoppelt und wollen beide gekrault werden. Beide putzen uns Zweibeiner auch gerne mal, wobei mein Freund da aber irgendwie deutlich höher im Kurs steht als ich. Hochnehmen finden sie beide doof und müssen es daher nur in Ausnahmefällen über sich ergehen lassen. Die dritte im Bunde ist eine noch recht schüchterne Stehohrdame, die aber auch immer mehr auftaut und sich von den anderen beiden abguckt dass Menschen interessant sind und es sich lohnt mutiger zu werden. Inzwischen schnuppert sie schon an mir wenn ich im Gehege sitze oder guckt was ich so in meiner Hand halte. Leckerchen aus der Hand nehmen mag sie noch nicht, aber das wird hoffentlich noch. Mein Freund kann sie schon ab und zu am Kopf streicheln und da bleibt sie entspannt liegen. Insgesamt glaube ich aber eher nicht, dass sie ein Schmusekaninchen wird... Ich will dich jetzt sicher nicht zu einem dritten Kaninchen überreden, so eine Entscheidung will mehr als gut überlegt sein. Aber nachdem die Kombination von zwei Mädels ohne Kastrat sowieso auf Dauer eher kompliziert ist und du ja anscheinend viel Platz für deine Süßen hast, wäre es doch vielleicht mal eine Überlegung wert, einen ruhigen, ausgeglichenen Kastraten dazuzusetzen der gruppentauglich und auch Menschen gegegnüber aufgeschlossen ist. Vielleicht ein netter Zwergwidder oder auch ein etwas größerer, gemütlicher Stalli-Mix? Zwerge gelten ja oft als eher schreckhaft und ängstlich, während die größeren Nins von vielen wegen ihrem ausgeglichenen Gemüt geschätzt werden. Klar, Ausnahmen gibt es immer. Aber du könntest ja in aller Ruhe nach einem passenden Kandidaten suchen. Im Tierschutz gibt es soooo viele süße Kaninchen die ein gutes Zuhause suchen, und die Pflegestellen oder Tierheime können den Charakter der Kaninchen meist gut einschätzen. War jetzt nur mal eine Überlegung von mir. Natürlich kannst du auch bei deinen beiden Mädels bleiben und ihnen einfach noch etwas Zeit lassen. Sie haben ja schon tolle Fortschritte gemacht und du wirst sehen, sie werden sich auch noch positiv weiter entwickeln. Was mich noch interessiert, wie bzw. wo streichelst du sie denn?
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| Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das wirklich seine Zeit braucht. Auch ich habe seit etwas über einem halben Jahr Kaninchen, der Kastrat war von der ersten Sekunde an ein aufdringliches Kaninchen, das mir das ganze Gesicht abschleckte (ist weniger geworden) und auf mich draufsprang (in der Hocke), das Weibchen dagegen war wirklich total schreckhaft und anfassen ging gar nicht. Am Anfang lief sie panisch weg, sobald ich mich zu "hektisch" bewegte, wenn ich nur die Hand hochnahm, war sie weg. Sie wirkte die ganze Zeit wie auf der Flucht, hatte oft vor Angst aufgerissene Augen, sie tat mir echt leid. Das wurde dann weniger und weniger und inzwischen reckt sie mir genauso gierig den Kopf entgegen wie die anderen, wenn ich mit Futter ankomme. Sie ist nicht mehr nervös und wirkt wirklich viel glücklicher und selbstbewusster als vorher (sie kam aus einem Zoogeschäft, ich wusste es damals noch nicht besser). Aber obwohl sie große Fortschritte gemacht hat, durfte ich sie bis gestern nicht streicheln. Das mag sie einfach nicht so gerne und ob sie es jetzt mag oder es Zufall war, muss sich noch herausstellen. Ich glaube, die Kleinen brauchen einfach ihre Zeit. Die müssen erst einmal das Vertrauen, das ihnen vorher wahrscheinlich zerstört worden ist, wieder aufbauen. Sowas dauert echt länger, als man denkt. Vielleicht kannst du noch versuchen, mit ihnen zu spielen - heißt: ihnen zB "Rutschen" (aus Brettern) bauen, während du im Gehege bist und sie die erkunden lassen, oder generell die Sachen im Gehege mal umbauen und abwarten, wie sie die erkunden. Ich hab auch mal einen Tipp gelesen, dass man ihnen absichtlich Dinge in den Weg stellen soll und sie etwas "ärgern" - sich etwas "necken". Und, wie gesagt: ihnen Zeit lassen. Die entscheiden das selbst, wann sie soweit sind.
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| Stichworte |
| streicheln, vertrauen, zutraulich, zähmen |
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