Kaninchenforum - Das Kaninchen Forum Online

Kaninchenforum - Das Kaninchen Forum Online (https://www.kaninchenforum.de/)
-   Unsere Kaninchen, User-Vorstellung & Fotos (https://www.kaninchenforum.de/unsere-kaninchen-user-vorstellung-fotos/)
-   -   Das Jamora-Experiment (https://www.kaninchenforum.de/unsere-kaninchen-user-vorstellung-fotos/42402-das-jamora-experiment.html)

Terry 06.06.2017 14:52

Es sind "nur" Jamora-Mixe, vielleicht kannst Du ja mehr erkennen. Auf jeden Fall ist das Fell wohl nicht in den Griff zu bekommen. http://www.kaninchenschutzforum.de/showthread.php?t=121501&page=25&p=4259609&viewfull =1#post4259609

http://www.kaninchenschutzforum.de/showthread.php?t=121501&page=24&p=4126069&viewfull =1#post4126069


Mist, für eine richtige Verlinkung bin ich zu doof. :(

Angora-Angy 06.06.2017 15:25

Ich kann nur wenige Bilder dort sehen, bin ja nicht angemeldet.
Mixe sind halt immer so ne Sache... das ist nicht mit einem reinrassigen Tier zu vergleichen, bei dessen Entstehung über viele Generationen darauf geachtet wurde, wie das Fell beschaffen ist. Und genau deshalb finde ich zielgerichtete, planvolle Zucht wichtig. Das Argument, dass man gar nicht mehr züchten sollte, solange es Tiere im Tierschutz gibt, wird genau durch solche Fälle widerlegt. Solche unüberlegten Mixe leiden deutlich mehr als ein Rassetier mit gefestigten Merkmalen.

Wie scheren die denn? Es muss bis auf die Haut runter geschoren werden, nicht nur bissl rumschnibbeln!

Terry 06.06.2017 15:35

Sie scheren wohl schon bis auf die Haut wenn es richtig gelesen habe. Zu Anfang wohl nur "geschnippelt" um die Haare etwas kürzer zu bekommen aber danach immer "richtig" runter.

Angora-Angy 17.08.2017 21:40

Sooooo, jetzt wirds langsam ernst! Heute hat mein Verein die Ausstellung vorbereitet. Wir haben zwei große Festzelte aufgebaut und darin die Käfige gestellt und sehr gründlich desinfiziert. Eine Züchterin hat das richtig heftige Zeug aus dem Krankenhaus mitgebracht, das auch gegen multiresistente Keime eingesetzt wird. Es möge nützen... Es dürfen nur nachweislich geimpfte Tiere eingesetzt werden, ich hoffe alle waren ehrlich. Natürlich müssen die 4 Jungs, die teilnehmen "dürfen", nach ihrer Rückkehr in Quarantäne!
http://img4web.com/i/5MYFJ.jpg
Ja, das ist schon ein leicht gruseliger Anblick. Aber so schlimm dürfte es nicht werden, die Tiere werden morgen ab 13 Uhr dort eingesetzt und übermorgen ab 16 Uhr wieder ausgesetzt (also wieder mit nach Hause genommen, nicht laufen gelassen ;) ) Eine Nacht überstehen sie schon da, es ist auch ständig jemand dort, auch zur Nachtwache. Für Futter und Wasser sorgt jeder selbst bei seinen Tieren. Sie bekommen also kein unbekanntes Futter. Ich werde auch nicht die üblichen Hobelspäne als Einstreu nehmen - die wären der GAU für Langhaarkaninchen, sondern mein eigenes Stroh mitbringen - und ganz wenig einstreuen, damit sie auf dem Holzboden liegen können. Das ist nicht ganz so warm. Morgen ab 16 Uhr beginnt die Bewertung, auch da werde ich dabei sein und Tiere zutragen (nicht nur meine eigenen - ich weiß gar nicht ob man seine eigenen Tiere zutragen darf). Auf jeden Fall werde ich dem Richter über die Schulter schauen und kann das eine oder andere lernen, was so bei Rassezucht nach Standard verlangt wird.
Morgen früh ist auf jeden Fall kämmen, Krallen schneiden und Geschlechtsecken säubern angesagt. Zwei der Buben haben schon fast komplett durchgehaart, die anderen beiden noch nicht. Mal sehen was der Richter dazu sagt... Durch den Regen in den letzten Tagen gab es öfter mal Heu, das hat sich leider schon etwas ins Fell eingezogen. Hoffentlich bekomme ich das rausgekämmt, ohne große Löcher zu reißen...
Definitiv werde ich nach der Bewertung die Käfige mit Kabelbindern verschließen, damit am Samstag bei der öffentlichen Ausstellung keiner ungefragt reingrabschen oder gar ein Tier klauen kann! Außerdem werde ich mich mit dem Spinnrad daneben setzen, ein bisschen Werbung für meine Spinngruppe machen, ein paar (noch zu bastelnde) Visitenkarten für meine Satinangorazucht nehme ich mit - und auch Kaninchenwieseflyer. Bei unserer letzten Spinngruppenveranstaltung auf dem Schäfertag in Hohenfelden haben ein paar Leute Flyer mitgenommen. Vielleicht hilfts ja dem einen oder anderen Tier. Auch wenns paradox anmuten wird auf so einer Ausstellung...
Und wenns zu warm wird, bin ich böse, nehme meine Tiere aus den Käfigen und bringe sie heim! Selbst wenn mich das evtl. Preise kostet, mir wurscht. Groß was zu gewinnen gibts ja eh nicht ;)

Angora-Angy 23.08.2017 16:41

So, jetzt komme ich endlich mal zum Showbericht.
Als erstes und wichtigstes: Den vier Jungs geht es gut. Sie haben die zwei Tage überstanden ohne sich groß aufzuregen - auch als die fürchterlich grässliche Livemusik eingesetzt hat. Ein paar andere Kaninchen sind in dem Moment die wild in ihren kleinen Käfigen rumgesprungen.
http://img4web.com/i/C5PRH.jpg
Die Reihen sehen krumm und schief aus, das liegt am unebenen Boden. Besser haben wir es nicht hingekriegt. Wenigstens haben die Käfige nach etwas Basteln dann nicht mehr gewackelt.
Die Marburger Fehkaninchen neben meinen Jamora haben recht neidisch auf das Frischgrün geguckt und einer hat empört am Gitter gerüttelt, als ich gefüttert habe ^^ Aber fremde Kaninchen füttern geht nicht, das macht man nicht. Leider, denn am zweiten Tag waren etliche Tiere ohne Futter. Die Züchter kamen von weiter weg, haben die Tiere eingeliefert, ohne weiteres Futter zu hinterlassen außer dem, was sie sofort in die Käfige getan haben, oder wenigstens Ansagen, was sie fressen dürfen. Jeder war für seine eigenen Tiere zuständig, daher hatte jeder auch nur genug für seine eigenen Tiere dabei. Es war kein Heu übrig, das man denen hätte geben können, und Grünes hat sich keiner getraut zu geben. Man wusste nicht, ob sie es kennen. Wir wissen ja alle, was passiert wenn Kaninchen Grünes kriegen, ohne es zu kennen...

Der Preisrichter hat keine Beanstandungen in Sachen Verletzungen oder durch Verletzungen hervorgerufene weiße Büschel gehabt. Das ist das Argument, das ich am häufigsten höre, warum Gruppenhaltung und Ausstellungen nicht zusammen gehen.
http://img4web.com/i/GMKWH.jpg
Am Ende hatten sie keine Lust mehr zu posieren. Das Bild hab ich aufgenommen, als es heimwärts ging. Es war auch ziemlich windig, darum ducken sie sich so.

Zuhause mussten sie erstmal in Quarantäne, um sicherzugehen, dass wir uns keine Souvenirs mitgebracht haben.
http://img4web.com/i/8K9U6.jpg
Auch in der kleinen Quarantänebox haben sie sich prima verstanden. :thumbsup: Mittlerweile wohnen sie wieder in der Gruppe mit Howard zusammen. Auch das ging problemlos und es herrscht kein Streit. Schauen wir mal wie lange das so hält bei den Jungs. Sie sind jetzt 5 Monate alt.

Mein kleiner Spinnstand war vielleicht etwas ungünstig positioniert so in der Ecke...
http://img4web.com/i/ZL8IR.jpg
Ich bin später auch der Sonne hinterher weiter vor gerückt, aber viel hat das nicht gebracht. Es haben aber etliche Leute zumindest eine Weile zugeguckt, manche auch ein Gespräch angefangen. Ein paar Kaninchenwiese-Flyer sind mitgenommen worden, auch ein paar Visitenkarten der Spinngruppe und der Langohrschafe. Eine Frau hat ein bisschen treten und Faden einlaufenlassen geübt, denn sie hat sich im Urlaub ein Spinnrad ertrödelt und möchte spinnen lernen. Bin gespannt ob sie zum nächsten Spinntreffen auftaucht.
Mein Vereinsvorsitzender hat Interesse bekundet, ein Jamora für seine Tochter zu erwerben. Vielleicht ist das ein guter Rentenplatz für Leonard. Gut versorgt wird er auf jeden Fall, auch wenn der gute Mann kein Partnertier geplant hat... Leonard kennt das, meine Jungtiere nicht. Und vielleicht überlegt er es sich ja auch nochmal...

Schaufertigmachen, für mich und auch die Jungs eine Premiere.
http://img4web.com/i/V2YJ9.jpg
Beim Kämmen stellte sich heraus, dass zwei der geplanten Teilnehmer verfilzt sind. Zwei haben ohne Hilfe ihr Fell gewechselt und hatten höchstens in den Leisten, da wo die Hinterbeine Reibung erzeugen, kleine Filznestchen. Aber die anderen beiden waren völlig unvorzeigbar. Alle aus einem Wurf. Da sieht man, dass Züchten immer einen Teil Zufall und Glück beinhaltet. Die beiden, die ohne Kämmen durchhaaren konnten, werden in der Zucht bleiben, die Verfilzten fliegen raus. Wenn sie im Erwachsenenfell pflegeleicht sind, können sie prima Haustiere werden. Bleibt das Fell so anfällig, gebe ich sie nicht ab. Das ist dann die berühmte Selektion, mit der man auf pflegeleichte, nicht filzige Felle hinzüchtet. In einer zielgerichteten Zucht ist eben nicht jedes Nachzuchttier auch geeignet. Das fehlt bei vielen "liebevollen Hobbyzüchtern", die ihre Lieblingstiere oder die flauschigsten oder die mit der subjektiv schönsten Farbe zur Weiterzucht auswählen und objektive Qualitäten wie Fellqualität oder Gesundheit außer Acht lassen. Oder gar immer wieder dieselbe Verpaarung setzen und sämtliche Nachkommen sofort noch im Babyalter abgeben. Das ist Quatsch und keine ordentliche Zucht.
Aber ich gerate ins Labern, wie immer...

Angora-Angy 23.08.2017 16:42

Also zu den Bewertungen.
http://img4web.com/i/CDNGQ.jpg
T11 478 und seine Bewertungskarte
http://img4web.com/i/ASJO4.jpg
Preisrichter stehen Ärzten kaum nach, was die Handschrift angeht...
478 hat leicht schiefe Vorderzähne, meinte er. Bei einem anderen Kaninchen (ich hab zugetragen und der Richter hat mir Neuling ziemlich viel erklärt) sah es für meine Begriffe ganz genauso aus, da hat er gesagt der eine Zahn wäre etwas abgebrochen und keine Punkte abgezogen. Da meine Jungs die blöde Angewohnheit haben, am Putz rumzunagen, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass er sich da auch was abgebrochen hat. Wir werden sehen, wie sich das auswächst. Ich werde das beobachten. Ist und bleibt der Zahn schief, muss der Kerl natürlich auf Nachkommen verzichten.

T11 479
http://img4web.com/i/QWS87.jpg
http://img4web.com/i/2ZIK1.jpg
Er soll hinten etwas eckig sein. Ok... Fell, Zeichnung und Farbe haben überzeugt. Seine Zähne sind in Ordnung.

T11 471 und 472 kamen als Ersatz für 4710 und 4711 mit, die verfilzt waren. Eigentlich wollte ich die beiden Buben aus dem älteren Wurf nicht mitnehmen, weil ich sie mit 8 Wochen geschoren hatte und ihr Fell entsprechend komisch aussieht. Die Unterwolle guckt raus, weil ja Grannen- und Unterhaar auf die gleiche Länge geschnitten wurden. Normal überragt das Grannenhaar mit der Farbe das eher farblose Wollhaar. So sehen die beiden Jungs insgesamt blass aus und die Farbfelder kommen nicht richtig raus. Ich habe das auch so erklärt und dass ich ansonsten zwei verfilzte und durch Kämmversuche schlecht gelaunte, beißende Tiere oder aber gar keine hätte zeigen können...
http://img4web.com/i/S5B4K.jpg
http://img4web.com/i/0XJB4.jpg
Bei T11 472 ist die Kopfzeichnung nicht so dolle. Sie ist geteilt gewünscht, möglichst hälftig.
http://img4web.com/i/PECQ7.jpg
http://img4web.com/i/DNP1F.jpg
Beide haben wie gesagt Abzüge in der Farbe bekommen, weil sie blass wirken. Ich bin geneigt sie nochmal als Alttier vorzustellen (das hier war ja eine Jungtierschau, deshalb gabs keine Bewertung beim Gewicht), wenn sie umgehaart haben und die Spuren der Schur weg sind. Mal sehen ob dann in der Nähe was ist, wo man melden kann.
Hier die Gesamtbewertung der Jungs.
http://img4web.com/i/2BFYR.jpg
4 Tiere eines Wurfes oder je 2 Tiere aus 2 Würfen bilden eine Zuchtgruppe II. Die Gesamtbewertung der Zuchtgruppen in den verschiedenen Klassen (ich glaube das geht nach Gewichtsklassen) wird dann verglichen und an die Besten gehen dann Preise. Leider gab es keine richtige Preisverleihung, nur ein lapidares "Da stehen die Pokale, sind beschriftet, nimm dir deinen weg", so dass ich keine Einordnung habe, was der Pokal nun eigentlich bedeutet. Ganz dumm gesprochen könnte ich die besten Langhaartiere gestellt haben - was nichts weiter wert ist, wenn meine die einzigen Langhaartiere waren... :rolleyes:

Betsy69 23.08.2017 17:08

Danke für den tollen Bericht.
Sehr interessant und informativ!

Terry 23.08.2017 17:42

Zitat:

Zitat von Angora-Angy (Beitrag 1049987)
Mein Vereinsvorsitzender hat Interesse bekundet, ein Jamora für seine Tochter zu erwerben. Vielleicht ist das ein guter Rentenplatz für Leonard. Gut versorgt wird er auf jeden Fall, auch wenn der gute Mann kein Partnertier geplant hat... Leonard kennt das, meine Jungtiere nicht. Und vielleicht überlegt er es sich ja auch noch mal

Würdest Du tatsächlich ein Tier in geplante Einzelhaltung abgeben? :confused:

Angora-Angy 23.08.2017 18:41

Zitat:

Zitat von Terry (Beitrag 1050021)
Würdest Du tatsächlich ein Tier in geplante Einzelhaltung abgeben? :confused:

Jain. Ich habe durchaus schon Satinangora an andere Züchter abgegeben, und da die Buchtenhaltung nunmal den Großteil der Haltungen ausmacht, bleibt da kaum eine andere Wahl. Alternativ würde ich nicht zum Erhalt und zur Verbreitung der Rasse, die ich so liebe, beitragen, sondern das eher behindern. Mit dem Erfolg, dass die Leute dennoch Tiere kaufen und in Buchten halten, und der Inzuchtfaktor durch die kleine Population immer höher wird, wenn meine nicht in Umlauf kommen. Ich erzähle aber jedem der es nicht wissen will, wie ich meine Tiere halte und dass ich Buchtenhaltung blöd finde und warum. Etliche Züchter experimentieren mit der ihnen unbekannten Laufstall- und Gehegehaltung, haben aber teilweise Ängste und Vorurteile, keine Erfahrung und brechen Vergesellschaftungen vorschnell ab.
Wer kein Rassezüchter ist und eine mir nicht zusagende Haltung betreibt, bekommt von mir kein Tier.
Was nun den lieben Herrn Vorsitzenden angeht, so habe ich auch ihm gesagt, was ich von Einzelhaltung halte und dass ich wirklich ungern eines meiner Jungtiere, die seit ihrer Geburt niemals einzeln waren, in Einzelhaft geben möchte. Nun muss man sich natürlich vor Augen halten, warum ich überhaupt in einen Verein eingetreten bin, eine zweite Rasse angeschafft habe (obwohl ich den Platz eigentlich lieber für meine Angora hernehmen würde) und meinen Tieren den Ausstellungsstress zumute. Bestimmt nicht wegen irgendwelcher billigen Plastepokale. Ich möchte mein Teil dazu beitragen, die in den Köpfen verankerten Vorstellungen von den Gründen der Buchtenhaltung zu lösen. Einer der Gründe ist nunmal, dass Tiere aus Gruppenhaltung der allgemeinen Meinung nach nicht ausstellungsfähig sind. Um Spielregeln zu ändern, muss man das Spiel erstmal spielen und zeigen, dass es auch anders geht. Als Einzelperson und ganz neu im Ring habe ich natürlich null Chance und auch nicht die Illusion, das Zucht- und Ausstellungswesen in seinen Grundfesten erschüttern zu können. Einen langjährigen Züchter und Vereinsvorsitzenden aber auf meine Seite zu ziehen, könnte schon ein bisschen was bewirken. Deshalb habe ich ihn nicht rundheraus in die Wüste geschickt. Er meinte auch zu mir, dass er später, wenn er mal nicht mehr züchtet, ein großes Gehege bauen und einfach nur so eine Gruppe Kaninchen halten will. Und er möchte mich mit seiner Frau zusammen besuchen kommen und sich alles ansehen. Die Frau wird nämlich mit der Fellpflege betraut werden und möchte entsprechend geschult werden. Da werde ich natürlich nach Kräften Werbung für Gruppen- bzw. Paarhaltung machen. Wenns sein muss, schenke ich ihm einen meiner Kastraten mit dazu. Er scheut sicherlich auch die Kosten der Kastration, das kam schon rüber. Immerhin lehnt er die Praktiken einiger Züchter ab, die mittels Rasierklinge selbst Hand anlegen... Eine Häsin (oder zwei) will er nicht wegen der Zickigkeit während der Hitze. (Dass Rammler mit Urin spritzen, scheint er gekonnt zu ignorieren, obgleich er sich für einen seiner Zuchtrammler einen Pipischild gebaut hat, den er als erstes vor sich hält, wenn er zu den Ställen geht...) Den Stall, den das Kaninchen seiner Tochter dann bewohnen soll, hat er mir beschrieben, das klingt recht vernünftig. Über die Tochter und die Frau kann ich evtl. ein bisschen weiterkommen. Die Frau kenne ich allerdings noch nicht. Der Papa sieht schon durchaus, dass Kaninchen alleine nicht so glücklich sind, jetzt aber rundheraus zuzugeben dass Einzelhaltung scheiße ist, geht natürlich nicht so einfach. Dann müsste er ja zugeben, dass er es mit seinen Zuchttieren "falsch" macht oder seine Zuchttiere schlechter behandelt als das "Kuscheltier" seiner Tochter. Das ist schwierig, Menschen überwinden sich selbst und ihre Überzeugungen nicht so leicht, auch wenn sie im Grunde einsichtig sind. Man muss da langsam vorgehen. Deshalb hab ich ihn ja versucht auf ein Tier umzulenken, das aus Einzelhaltung kommt. Das weitere Gespräch hab ich dann mehr oder weniger abgebrochen mit "Wir reden einfach mal in Ruhe drüber" (denn mitten auf der Ausstellung ist ja für grundlegende Diskussionen keine Zeit).

Immerhin ist er der strikten Überzeugung, dass Kaninchen keine Spieltiere sind. War regelrecht empört, als ich den Begriff "Spielrasse" für die Jamora verwendete. Dieser Begriff wird in dem Text über die Rasseentstehung verwendet, um sie von sogenannten Wirtschaftsrassen (z.B. Neuseeländer und Wiener als originäre Fleischrassen, Angora zur Wollerzeugung, Rexe als Felllieferanten) abzugrenzen. Jamora waren nie als solche geplant, bei ihrer Entstehung spielten wirtschaftliche Gesichtspunkte keinerlei Rolle. Es sollte von Anfang an ein handliches, aber nicht zu kleines, plüschiges aber pflegeleichtes, buntes Gesellschaftstier mit freundlichem Charakter werden. Ich kann auch sicher sein, dass das Tier, das die Tochter zum 9. Geburtstag bekommt, auch dann noch ordnungsgemäß versorgt wird, wenn sie zum Pubertier wird und andere Interessen entwickeln sollte. Der Vater wird nicht dulden, dass das Tier ohne Futter und Wasser vor sich hin vegetiert, wie es anderen "Kinderzimmerkaninchen" ergeht. Da kann ich mir sicher sein.

Lupine 23.08.2017 18:51

Ich finde solche Überlegungen nicht grundsätzlich falsch, gerade der Vorsitzende ist natürlich ein Multiplikator den man nicht unterschätzen darf. Und das Mädchen ist sicher noch recht formbar in ihren Ansichten - wenn man da vorsichtig und geschickt vorgeht, kann man das eine oder andere an Nachdenkprozessen auslösen die dann auch Papa zum nachdenken bewegen können. Und er hat sich ja schon bewegt, indem er das Interesse bekundet hat sich die Haltung mal anzuschauen, und auch für seinen Züchterruhestand ja offensichtlich schon ein paar ganz gute Gedanken hat. Also keiner von den ganz verbohrten - manchmal muss man eine Zeit lang mit faulen Kompromissen leben, wenn man die Leute erreichen will.

Denn der Vorsitzende wird seiner Tochter ein Jamora schenken, wenn er das will. Das kommt dann eben - falls es nicht von Angy kommt - woanders her. Und die Möglichkeit auf die Familie einzuwirken wäre vertan.

Terry 23.08.2017 19:19

Zitat:

Zitat von Lupine (Beitrag 1050043)
Ich finde solche Überlegungen nicht grundsätzlich falsch,

Ich schon. :blush5:

Das mag aber daran liegen, dass ich durch und durch Tierschützer bin, egal ob Federn oder vier Beine, und Zucht von, sagen wir mal "artfremden" Ausprägungen per se ablehne.
In Bezug auf Kaninchen heißt das für mich, alles was nicht stehohrig und kurzfellig ist, ist für mich unnatürlich und nicht weiter zu verfolgen.

Und dann noch eigene Tiere ggf. einzeln in Buchtenhaltung abzugeben um diese "Art" zu erhalten, ist für mich persönlich ein NoGo.

Wie gesagt, meine persönliche Meinung und mein Ziel auch wenn ich weiß, dass es sehr viele, auch hier im Forum, nicht werden nachvollziehen oder gutheißen werden.

Ist auch nicht gegen Angora-Angy persönlich gemeint, ist eine grundsätzliche Eistellung von mir und das seit über vier Jahrzehnten, von denen ich bestimmt schon Wochen auf Demos, hinter Tiertransporten oder in Mahnwachen verbracht habe..

Lupine 23.08.2017 20:10

Nachvollziehen kann ich das schon, aber mit der Brechstange kommt man nicht immer so schnell voran, dass es sinnvoll ist sie einzusetzen. Man kann mit allzu harter Haltung auch provozieren, dass sich eine abgeschottete Parallelgesellschaft bildet an die man nicht mehr heran kommt - was dann wiederum der guten Sache nicht dienlich wäre.

Wenn du Angoras beispielsweise abschaffen möchtest, musst du konsequenterweise sämtliche Nutztiere abschaffen die nicht so wie sie sind auch in freier Wildbahn überleben können. Da bleibt nicht viel übrig zur Ernährung der Weltbevölkerung, weil du gleichzeitig auch sämtliche Monokulturen beseitigen müsstest, sie schaden der Artenvielfalt nämlich immens. Es ist ein Fass ohne Boden, eine echte Herkulesaufgabe. Wir müssen uns bewusst sein, dass es Generationen dauern wird all die Fehler der Generationen vor uns und unserer Generation halbwegs zu korrigieren. Übrigens hat auch der Mensch ein Recht auf "artgerechte Haltung" - und dazu gehört, dass man nicht von jedem verlangen darf, Vegetarier zu werden. Der Mensch ist von Natur aus ein Mischköstler.

Gut, bei den Jamora könnte man natürlich darüber diskutieren ob es richtig oder falsch ist, einem Tier das der persönlichen Erbauung dient ein langes Fell anzuzüchten. Dann muss man aber auch neben den Langhaar und den Widdern die Zwerge und die Riesen ablehnen und so weiter. Ich finde, bei den Jamora geht der Weg eigentlich ganz gut in die richtige Richtung - der Rassestandard sieht ausdrücklich vor dass das Fell pflegeleicht sein soll. Da gibt es deutlich schlimmere Auswüchse, wie viele Teddys beispielsweise, oder auch Löwenköpfchen - denn bei den Jamora ist das Fell am Kopf kurz, beeinträchtigt also nicht das Sehen und muss auch nicht gekürzt werden, was definitiv auf Kosten der Tasthaare ginge. Beim Thema Tasthaare wären wir dann bei den Rexen - das finde ich viel schlimmer als lange Haare oder Schlappohren, denn ihnen wird ein kompletter Sinn geraubt wenn sie verkrüppelte Tasthaare haben.

Ein weites Feld also, und ich bin Realist - den Idealismus habe ich durch Pragmatismus ersetzt, ohne meine Wünsche und Ziele dabei aus den Augen zu verlieren. Nur weiß ich aus Erfahrung, dass der Weg lang und steinig ist und ich auch damit leben muss, dass die Hau-Ruck-Lösung nicht funktioniert oder sehr viel schlechter funktioniert als andere.

Zaknafein 23.08.2017 21:02

Schön mal einen anderen Einblick in eine Ausstellung zu bekommen.
Wir waren jetzt schon als Besucher auf zweien, beide haben nicht zu einem Wunsch nach Wiederholung beigetragen. So wie man da teils angesehen wird scheinen sie Besucher nicht gewohnt zu sein. Sehr sympathisch waren die Leute auch nicht wirklich. Da so viel von Mitglieder/Züchtermagel geredet wird hat mich das doch gewundert.

Was das Tierschutzthema betrifft: Ich finde das sich einige Tierschützer ins eigene Bein schießen mit ihrem Extrem-Meinungen. Die meisten Leute, selbst wenn sie drüber nachdenken würden oder es eigentlich anders machen wollen, werden doch eher abgeschreckt wenn man mit der Haudrauf-Methode kommt, frei nach dem Motto entweder so oder gar nicht. Es ist schade da da nicht ein wenig mehr Weitsicht vorhanden ist, das man mit weniger bzw. kleineren Schritten mehr erreichen könnte.

Terry 23.08.2017 21:08

Ich habe ganz bewusst nur meine persönliche Meinung geschrieben und auch ganz bewusst niemanden persönlich kritisiert oder angegriffen.

Und was das "Ganze" angeht.... klar wäre mir eine andere Welt lieber aber ich "kämpfe" lieber in kleinen Schritten, u.a. vor meiner Haustür.

Das fängt mit Pflanzenschutz an und endet damit, dass ich zum Beispiel nur Fleisch esse, dessen Geburt, Aufzucht und Haltung des Tieres ich kenne und persönlich verfolgen konnte.
Nur Eier dessen Hühner ich "persönlich kenne" usw.

Lupine 23.08.2017 21:11

Geduld fällt halt wirklich schwer, wenn es um Lebewesen geht. Natürlich wäre es klasse, übermorgen eine perfekte Welt zu haben, am liebsten hätte ich das auch so... aber man muss es schaffen, dass die Menschen das selbst wollen - weil sie verstehen, warum die Anstrengung und möglicherweise auch der Verzicht wichtig sind. Und deshalb muss man, um bestimmte fest umrissene und auch ein Stück weit abgeschottete Gruppen (wie eben Zuchtvereine) möglichst effektiv zu erreichen, sich die erfolgversprechendsten Multiplikatoren suchen und die überzeugen. Das geht nur, wenn man ihnen nicht von oben herab die Entscheidung vorgibt - solche Leute sind überzeugt davon, ein gewisses Maß an Wissen zu haben und wollen deshalb nicht bevormundet werden. Argumente und Beweise dass es anders und trotzdem gut geht, sind gefragt.

Und deshalb finde ich Angora-Angys Ansatzpunkt wirklich vielversprechend. Sie ändert vielleicht nicht heute etwas, vielleicht nicht morgen. Aber wenn sie den Vorsitzenden "in der Tasche hat", hat sie auf diesem Weg großen Einfluss auf die Ausrichtung des Vereins, und damit auf die Meinungsbildung der Vereinsmitglieder. Einen überzeugt, ein Dutzend (oder wie viele Mitglieder der Verein auch hat) gleich mit im Sack. Die Unbelehrbaren wird es natürlich nach wie vor geben, aber ich würde vermuten dass die Mehrheit dem Wort ihres Vereinsvorsitzenden eine Menge Gewicht beimessen würde.

Dori87 24.08.2017 10:03

Darf ich einmal kurz unqualifiziert in den Raum werfen, dass T11 479 ein ausnehmend hübsches Gesicht hat. Sehr schönes Tier. :D

Angora-Angy 12.11.2017 09:59

Am Freitag lag T11 474 tot im Stall. :nonod: SELBSTVERSTÄNDLICH die Junghäsin, die ich zur Weiterzucht behalten wollte... Keine Anzeichen für RHD, sie lag auf dem Bauch, die Beine nach hinten in Froschhaltung. Ich dachte als erstes an eine Lähmung, aber es fand sich kein Schaden an der Wirbelsäule, den ich mit meinen Mitteln hätte entdecken können. Der Magen sah merkwürdig aus, möglich dass da was blockiert war. Ich bin nicht sicher ob ich ihn beim herausholen beschädigt habe oder ob er vorher schon ein Loch hatte. Reichlich Bandwurmfinnen waren wieder im Bauchraum, aber normalerweise tun die dem Zwischenwirt ja nix. Leider war ich etwas in Eile, daher hab ich sie nur recht oberflächlich untersucht. Ich hab's jetzt eingefroren und werde mir das nochmal in Ruhe angucken. Weitere Todesfälle gab es bis jetzt nicht *aufHolzklopf*
Ich hab das jetzt endlich mal zum Anlass genommen, mich an der Bearbeitung des Felles zu versuchen. Tut mir immer so leid, die wertvollen Felle wegzuwerfen oder zu verfüttern...

Minerva 12.11.2017 10:16

Das tut mir sehr leid, Angy. :(

gerti 12.11.2017 12:14

Ach Mann:mad:, so ein doofer Mist! Kann es evtl. doch sein, dass die Bandwurmfinnen den Körper schwächen und es dann zu Folgen kommt? So wie z.B. dass die Verdauung zum Erliegen kommt?
....natürlich wird sowas nie beschrieben...ist ja vll auch fehlendes Interesse
https://books.google.de/books?id=7-FcyIOHJZIC&pg=PA568&lpg=PA568&dq=bandwurmfinnen+be im+kaninchen&source=bl&ots=6NMtsMbctv&sig=GHJdQ-jDK3BUTy1NoEz7zJ_tXt4&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwil2r72 5bjXAhUMuhoKHVHtD8MQ6AEIPjAD#v=onepage&q=bandwurmf innen%20beim%20kaninchen&f=false
Diese Bandwurmfinnen müssen ja auch irgendwelche Gifte freisetzen...kann mir nicht vorstellen, dass es so gar keine "Nebenwirkungen" gibt.

Angora-Angy 19.11.2017 20:00

Keine Ahnung. Ich hab noch nichts weiter drüber gefunden und das verlinkte Buch zu 150€ möchte ich nicht wegen eines kurzen Absatzes kaufen, wenn da schon drinsteht, dass die Behandlung in der Praxis ohne Bedeutung ist. Bei Wirtschafts- oder Zuchtbeständen wird ja eh immer gleich geschlachtet/gekeult... Kaninchen werden auch natürlicherweise nicht alt genug, um Schaden zu nehmen, hat mir der Tierarzt im Patholabor ja damals erzählt. Parasitologie kommt im THP Studium auch noch dran, vielleicht erfahre ich da mehr.

Heute ist keiner gestorben, nachdem jetzt übers Wochenende insgesamt 7 Tiere dran glauben mussten. Alle wiesen keine RHD-Symptome auf, auch der Sterbeprozess, den ich bei zwei Tieren miterleben "durfte", unterschied sich stark vom RHD-Tod letztes Jahr. Da wurde geschrien und gekrampft, diesmal war es ein ganz stilles, leises Schwächerwerden und Vergehen, ganz sacht, beinahe friedliches Einschlafen. Ich habe alle Tiere aufgemacht, Lebern und Lungen sahen bei allen unauffällig aus. Nur bei Sheldon war die Lunge etwas grau, aber den habe ich auch schon kalt und steif vorgefunden, keine Ahnung wie lange er schon lag. Bei RHD(2) weist die Lunge und auch die Leber punktförmige rote Einblutungen auf, das war bei keinem der Tiere der Fall. Finnen waren da, aber nicht übermäßig viele. Bei einem habe ich eindeutig einen Bezoar vorgefunden, einige andere hatten auch einen vollen, jedoch nicht prallen Magen, aber leeren, teils mit etwas Luft/Schaum gefüllten Dünndarm. Regelrecht aufgegast im Sinne einer Trommelsucht war aber auch keiner. Bei zweien war eine Art Sediment in der Blase, aber kein fester Grieß oder Schlamm, sah mehr aus wie wenn sich in einem Wassergefäß Algen gebildet haben. Kann ich im Moment nicht einordnen...
Gefressen haben sie aber, einer hatte sogar noch Heu im Maul, als ich ihn fand. Es betraf fast ausschließlich die Jungrammler, nur eine Häsin ist noch gestorben, ansonsten echt nur die Rammlergruppe. Auch die anderen Rammler in den anderen Boxen im selben Stall sind nicht betroffen. Ebensowenig die Tiere, jung wie "alt", draußen in den Gehegen. Heute abend sind von der Gruppe noch drei Tiere übrig, aus jedem Wurf ein Rammler und Vatertier Howard.
http://img4web.com/i/MOX87.jpg
Es gab auch keinen Zoff in der Gruppe. Wohl haben sie sich etwas aufgeteilt, sie hatten ja zwei Boxen zur Verfügung und es hatten sich zwei unterschiedlich große Grüppchen gebildet, die aber nicht unveränderlich und reviertreu innerhalb des Stalles waren. Gejage und Gebeiße gab es nicht. Zum Füttern kamen immer alle zusammen und haben auch alle zusammen gefressen.
Bei den Mädels ist es nicht ganz so friedlich, die zicken schon mehr rum, aber da ist ja quasi nichts passiert.
http://img4web.com/i/EQG4S.jpg
Es mochten sich nicht alle fürs Foto aufstellen...
Ich hab jetzt einige Zeit keinen Leinkuchen gefüttert, keine Ahnung warum... Es gab nur Heu und Rüben und das schon länger. Grünes konnte ich schon seit Mitte Oktober nicht mehr holen, entweder hat es geregnet (und den Herrschaften steht regennasses Futter nunmal nicht an und ich bin auch nicht ganz so maso, dass ich im Starkregen sensen gehe...) oder ich war nach dem langen Arbeitstag im neuen Job einfach nur platt und auch erst im Dunklen wieder daheim. An gespritztem Futter oder so kann es also auch nicht gelegen haben, zumal ja alle das gleiche kriegen und sonst keine Gruppe betroffen ist.
Auch die Tränke ist für alle gleich, sie hängen alle am selben Tränkensystem. Die Rammler haben ja sogar zwei Zapfstellen zur Verfügung, so dass auch rangtiefe Tiere eigentlich genug Wasser bekommen sollten.
Ich hab nach wie vor keine Ahnung, was da los ist/war, aber an RHD glaube ich erstmal nicht so sehr... Sollte noch einer sterben (dreimalaufHolzklopf) bringe ich ihn in die Pathologie. Da muss ich halt Überstunden in Anspruch nehmen, um gleich früh hinzufahren...


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 08:07 Uhr.



Search Engine Friendly URLs by vBSEO 3.6.0 PL2 ©2011, Crawlability, Inc.