Natürlich sind Alkoholkonsum und Ähnliches für manche empfindliche Themen, die mit dessen Folgen schon negative Erfahrungen gemacht haben. Alkoholsucht (oder eine andere Drogensucht) als Außenstehender bei einem bekannten oder geliebten Menschen miterleben zu müssen, ist etwas ganz Schreckliches. Es ist völlig verständlich, dass man dann sensibler und besorgter auf Äußerungen zu dem Thema reagiert.
Ich finde es trotzdem (oder gerade deshalb) falsch, das Thema komplett zu tabuisieren. Nicht jeder, der abends im Biergarten mal ein paar Bier mit Freunden oder zur Happy Hour ein paar Cocktails trinkt, hat ein Alkoholproblem. Nicht jeder, der einmal alkoholmäßig über die Stränge schlägt hat ein Alkoholproblem.
Zum Thema Jugendliche: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unter meinen Klassenkameraden damals gerade die am schlimmsten abgestürzt sind, deren Eltern beim Thema Alkohol am strengsten waren. Reiz des Verbotenen und so.
Meine Eltern waren da recht locker. Sie haben mir nie verboten zu Trinken, zu Rauchen oder sonstwas. Es war ihnen wichtig, zu wissen, wo ich bin. Und sie haben immer betont, dass ich sie zu jeder Uhrzeit anrufen kann, wenn etwas ist und ich nach Hause möchte und dass es keinen Ärger gibt (gab es auch nie). Natürlich haben wir Party gemacht. Wir waren auch mal ordentlich betrunken, genauso wie es Feiern gab, bei denen gar kein Alkohol geflossen. Aber unsere Eltern haben uns zugetraut, unsere eigenen Erfahrungen zu machen und erwachsen genug zu sein, daraus zu lernen, für einander Verantwortung zu übernehmen und auf einander aufzupassen (zum Beispiel selbst dafür zu sorgen, dass angetrunkene Freunde nicht mehr Autofahren, Leuten, denen es nicht gut geht geholfen wird, und alle heil nach Hause kommen). Das gehört für mich zum Erwachsenwerden dazu.
Und - oh Wunder- trotz aller Partys hat keiner von uns heute ein Alkoholproblem und wir sind alle beruflich und privat gut dabei. |