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TanjaZ 19.01.2015 08:45

Myxomatose: Ein globales Problem?
 
Hallo ihr Lieben,

heute habe ich eine Bitte an euch, ich schreibe hier im Namen meiner Tochter. Sie hat sich als Hausarbeit (Abschlussprüfung) das obige Thema ausgesucht. Nun möchte sie gerne dazu auch die Meinung der Kaninchenhalter hören.
Wäre daher super wenn ihr alle mit macht und vielleicht noch eure Meinung begründen würdet :thumbsup:

Schon mal vielen lieben Dank

Tanja

marinahexe 19.01.2015 08:50

Wir hatten in 2014 etliche Myxomatose-Fälle hier im Forum. Benutz mal die Suchfunktion, dann werden Dir die Themen angezeigt.

TanjaZ 19.01.2015 08:52

Ja ich weiß, wir waren davon auch betroffen. Aber ich glaube die Suchfunktion beantwortet meiner Tochter leider nicht die Frage..

Lupine 19.01.2015 10:40

Wir können deiner Tochter die Frage genauso wenig beantworten, fürchte ich. Ich nehme jetzt einmal mich als Beispiel, gehe aber davon aus dass es anderen wohl ähnlich gehen wird.

Ich als Kaninchenhalterin und Kaninchenfan beschäftige mich natürlich auch mit ansteckenden Erkrankungen und deren Gefahren und möglichen Vorbeugungsmaßnahmen. Allerdings höre bzw. sehe ich lediglich, was in meinem unmittelbaren Umfeld in dieser Hinsicht los ist, allenfalls bin ich durch die Seuchenkarten deutschlandweit informiert, falls man hier eine Vollständigkeit voraussetzen könnte - was man aufgrund der Freiwilligkeit der Meldungen nicht kann.

Ich höre bzw. lese gelegentlich auch Nachrichten aus dem angrenzenden Ausland, jedoch sind Informationen von anderen Kontinenten Mangelware. Lediglich eine Sendung über den Kampf Australiens gegen die Wildkaninchenplage habe ich einmal gesehen, weiß aber nicht mehr ob man dort versuchsweise nun RHD oder Myxomatose freigesetzt hat.

Ich kann also mangels Informationen gar keine Einschätzung abgeben, weil ich nicht weiß in welchen Gegenden der Welt Myxomatose überhaupt auftritt, wo sie großflächig auftritt, und wo sie zum echten Problem wird.

Ich könnte lediglich sagen: nein, es ist kein globales Problem, und zwar weil es einerseits z. B. in Bergregionen (Schweiz, Österreich) Gebiete gibt in denen zwar Kaninchen leben, die jedoch als myxomatosefrei gelten und andererseits weil es Gegenden in der Welt gibt, wo gar keine Kaninchen leben und wo folglich auch Myxomatose deshalb keine Rolle spielen kann, weil dem Erreger der Wirt fehlt.

Jinro 19.01.2015 11:28

Zitat:

Zitat von Lupine (Beitrag 708016)
Lediglich eine Sendung über den Kampf Australiens gegen die Wildkaninchenplage habe ich einmal gesehen, weiß aber nicht mehr ob man dort versuchsweise nun RHD oder Myxomatose freigesetzt hat.

Beides. Ab 1950 wurde Myxomatose als Populationskontrolle eingeführt, mit großem Erfolg. Allerdings haben die überlebenden Kaninchen Resistenzen entwickelt und verteidigen sich nun besser gegen das Virus. Daher wurde 1996 auch RHD ausgebracht. Impfungen gegen beides sind aus diesen Gründen in Australien verboten, um weitere Resistenzbildung zu verhindern.

Sinnvoller als diese Umfrage wäre es aber ein Buch in die Hand zu nehmen und mal nachzulesen woher Myxo stammt. Oder warum RHD auch Chinaseuche heißt. Da wird schnell klar, dass das ein globales Problem ist.;)

e:
Zitat:

Zitat von Lupine (Beitrag 708016)
Ich könnte lediglich sagen: nein, es ist kein globales Problem, und zwar weil es einerseits z. B. in Bergregionen (Schweiz, Österreich) Gebiete gibt in denen zwar Kaninchen leben, die jedoch als myxomatosefrei gelten und andererseits weil es Gegenden in der Welt gibt, wo gar keine Kaninchen leben und wo folglich auch Myxomatose deshalb keine Rolle spielen kann, weil dem Erreger der Wirt fehlt.

Es gibt auch Gegenden in denen es Kaninchen und den Virus gibt, mangels ausreichender Zahl an Überträgern (Mücken) aber keine großflächigen Ausbrüche. Neuseeland zB. Das heißt aber nicht, dass das Virus nicht weit gereist ist und damit global vorkommen kann. ;)

Lupine 19.01.2015 11:38

Danke für die Infos, Jinro. :thumbsup:

Der Begriff "Problem" ist aber nicht ausreichend klar definiert finde ich. Fehlen die Überträger, kann sich beispielsweise die Erkrankung nicht großflächig ausbreiten. Sind einzelne Erkrankungsfälle schon ein Problem? Oder spricht man von Problem erst, wenn sich die Krankheit seuchenartig verbreitet?

Dass es das Virus weltweit geben kann ist klar - man braucht bloß ein paar Mücken oder Kaninchenflöhe mitsamt dem Erreger in die Antarktis einzuschleppen, schon gibt es ihn kurzfristig auch dort. Ob er dort aber längere Zeit überlebt, ist dann die andere Frage.

Keks3006 19.01.2015 12:45

Zu der Frage kann ich auch nicht vernünftig antworten, aber interessant finde ich den Ansatz, dass die Verbreitung von Myxomatose auch mit der Erderwärmung zusammenhängen könnte. Letztes Jahr gab es ja sehr viele Myxomatosefälle in Deutschland, weil der Winter so mild war; der Erreger überdauert in überwinternden Mücken, und wenn diese aufgrund der hohen Temperaturen in größerer Zahl überleben, bricht im Folgejahr die Krankheit natürlich entsprechend stärker wieder aus.

Ich wohne im Sauerland, das bisher eigentlich myxofrei war, weil es hier im Winter in der Regel einige sehr kalte Tage hat. Letztes Jahr gab es hier allerdings Myxofälle wegen des milden Winters. Es kann also sein, dass sich mit den steigenden Temperaturen auf Dauer neue Myxogebiete neben den bisherigen entwickeln, in denen die Krankheit jedes Jahr grassiert.

maximus 19.01.2015 13:21

Zitat:

Zitat von Keks3006 (Beitrag 708032)
Zu der Frage kann ich auch nicht vernünftig antworten, aber interessant finde ich den Ansatz, dass die Verbreitung von Myxomatose auch mit der Erderwärmung zusammenhängen könnte. Letztes Jahr gab es ja sehr viele Myxomatosefälle in Deutschland, weil der Winter so mild war; der Erreger überdauert in überwinternden Mücken, und wenn diese aufgrund der hohen Temperaturen in größerer Zahl überleben, bricht im Folgejahr die Krankheit natürlich entsprechend stärker wieder aus.

Ich wohne im Sauerland, das bisher eigentlich myxofrei war, weil es hier im Winter in der Regel einige sehr kalte Tage hat. Letztes Jahr gab es hier allerdings Myxofälle wegen des milden Winters. Es kann also sein, dass sich mit den steigenden Temperaturen auf Dauer neue Myxogebiete neben den bisherigen entwickeln, in denen die Krankheit jedes Jahr grassiert.

Das kann meines Erachtens nichts mit der Erderwärmung zu tun haben, da der Virus Wärme und nicht Kälte empfindlich ist.
Außerdem überlebt er in seinem Wirt bis zu 6 Monaten sprich in jedem toten Kadaver der irgendwo rumliegt und auch auf den von dem infizierten Tier kontaminiertem Boden etc.
Mücken würden vielleicht im kalten Winter sterben. Aber sie sind ja nicht der alleinige Überträger.

Jinro 19.01.2015 16:28

Zitat:

Zitat von maximus (Beitrag 708041)
Mücken würden vielleicht im kalten Winter sterben. Aber sie sind ja nicht der alleinige Überträger.

Blutsaugende Insekten sind natürlich nicht der einzige Übertragungsweg, aber im Gegenzug hauptverantwortlich für die Ausbreitungsgeschwindigkeit. Befällt eine Krankheit eine isolierte Population, dann stirbt die Krankheit mit der Population. Erst der Austausch zwischen unterschiedlichen, lokal verschiedenen Populationen macht aus einer Krankheit eine Epidemie, die immer weiter zirkuliert.

maximus 19.01.2015 16:58

Hallo TanjaZ,
meine Tochter schreibt auch gerade eine Facharbeit über Myxomatose.
Leider haben wir über globale Ausbreitung gar nichts gefunden.
Sie ist heute mit ihrem Bruder in der RWTH Aachen in der Bibliothek und kopiert sich dort Seiten über Myxo, falls dort etwas zu dem Thema steht gebe ich euch Bescheid.

maximus 19.01.2015 17:30

Google mal Wildkaninchen Verbreitungsgebiet, da findest du Angaben wo es die überhaupt gibt. Dort gibt es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Myxo.
Sobald meine Tochter die Fachliteratur durchgelesen hat geb ich weitere Infos.

Mmh jedoch in Südamerika wo der Virus erstmals bei den Kaninchen entdeckt und isoliert wurde sind die Kaninchen dem Ursprünglichem Virus gegenüber resistent....

Les mal hier zur Verbreitunghttp://www.kaninchen-wuerden-wiese-kaufen.de/wildkaninchen_verbreitung.htm

TanjaZ 19.01.2015 17:36

Vielen Dank Maximus. Und auch allen anderen. Es ist eine schwierige Fage, die nicht so leicht zu beantworten ist, wenn sie denn überhaupt zu beantworten ist! Leider ist aber genau diese Fragestellung ihr Thema das sie ..ähm..sagen wir mal "aufgebrummt" bekommen hat. nun versucht sie eben überall zu rechechieren. Eben auch hier. Natürlich wälzt sie das I-Net und sämtliche Bücher durch, auch TÄ sollen ihr noch Rede und Antwort stehen. Immer mit der Hoffnung, irgendwo wenigstens mal so ansatzweise eine Antwort darauf zu finden.

maximus 19.01.2015 17:55

Les mal, hier sind betroffene Länder aufgeführt:
https://books.google.de/books?id=qg2U6efl9WoC&pg=PT170&lpg=PT170&ots=xVPyR 5olle&focus=viewport&dq=myxomatose+virusstämme&hl= de&output=html_text

Jinro 19.01.2015 19:14

Nur als Tipp am Rande, wenn ihr via http://scholar.google.de sucht, dann bekommt ihr direkt wissenschaftlich gefilterte Ergebnisse und müsst euch nicht durch den typischen google Werbespam kämpfen. Gerade für kleine Recherchen wie eine Facharbeit bekommt man so mehr und aktuellere Ergebnisse.;)

Keks3006 20.01.2015 12:03

Zitat:

Zitat von maximus (Beitrag 708041)
Das kann meines Erachtens nichts mit der Erderwärmung zu tun haben, da der Virus Wärme und nicht Kälte empfindlich ist.
Außerdem überlebt er in seinem Wirt bis zu 6 Monaten sprich in jedem toten Kadaver der irgendwo rumliegt und auch auf den von dem infizierten Tier kontaminiertem Boden etc.
Mücken würden vielleicht im kalten Winter sterben. Aber sie sind ja nicht der alleinige Überträger.

Es geht nicht darum, ob das Virus an sich bei Kälte oder Wärme besser zurechtkommt, sondern es geht darum, inwiefern es überdauern kann. Und Fakt ist, dass Myxomatose - im Unterschied zu RHD - nicht in der Umgebung überdauert, sondern eben in den Mücken, die ein infiziertes Kaninchen gestochen haben.

Inwiefern das Virus überhaupt von Kaninchen auf Kaninchen übertragbar ist, ist tatsächlich umstritten. Auch die These, dass überlebende Kaninchen bis zu 6 Monate Erreger ausscheiden, ist inzwischen umstritten.

Der Hauptübertragungsweg sind die Mücken - und von denen gibt es nach einem milden Winter a) mehr - d.h., die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus weit/schnell verbreitet, ist größer; und b) bricht das Virus im Frühjahr massiver wieder aus, wenn viele Mücken, die den Erreger in sich tragen, den Winter überlebt haben.

Wenn Myxomatose nicht in dieser Weise von Mücken abhängig wäre, würde das Ausbrechen der Krankheit nicht über den Winter so stark zurückgehen und ab Frühjahr wieder beginnen.


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