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MicEi 28.09.2021 13:10

Vergesellschaftung mit Handicap
 
Hallo zusammen!
Ich bin neu hier und brauche dringend professionellen Rat, muss dafür aber etwas weiter ausholen.
Seit ca. 7-8 Jahren habe ich ein Zwergkaninchen-Päarchen. Sie kam dieses Frühjahr neu hinzu, nachdem die Partnerin von meinem Rammler verstorben ist. Er war knapp 7-8, sie ein Jahr und die Vergesellschaftung war problemlos. Er hat sie berammelt (aber nie gebissen!) und sie hat sich sofort untergeordnet. Nach ca. 3 Tagen waren sie ein Herz und eine Seele.
Wir mussten sie dann kastrieren lassen, er hat sie aber sofort danach „gepflegt“ und alles war prima, bis er sich vor knapp drei Wochen den rechten Hinterlauf so blöd gebrochen hatte, dass er amputiert wurde. (Einschläfern war für uns keine Option, da er ansonsten topfit war und zur Familie gehört.) Wir haben ihn nach 4 Tagen aus der Klinik geholt und sie war sofort aggressiv und ging auf ihn los, sodass wir sofort getrennt haben, seine Wunde musste ja erst einmal verheilen.
Wir haben dann letzen Mittwoch von der Klinik das Okay zur Vergesellschaftung bekommen, haben ihm aber noch zwei Tage gelassen, um sich selbst mit der neuen Situation zurechtzufinden. Trotz drei Beinchen war er flott und munter unterwegs!

Die Zusammenführung auf neutralem Boden (ca. 10 qm) war furchtbar! Sie hat ihm richtig Fell ausgerissen (mit Haut) und irgendwann lief er nur noch panisch und „grunzend“ weg. Er hatte einfach auch noch nicht die Kraft sich ihr zu stellen, obwohl er fast das doppelte wiegt. Wir haben viel beobachtet und die ganze Nacht ist sie richtig auf ihn los. Wenn mein Mann nicht gewesen wäre, hätte ich sofort getrennt, weil mir mein Rammler so Leid tat…
Samstag wurde etwas weniger gejagt und am Sonntag lag sie auch ab und zu bei ihm zum Putzen. Wir haben eine Kamera zur Beobachtung aufgestellt und festgestellt, dass er nun auch etwas im Zimmer herumlaufen darf, ohne dass sie ihn jagt. Trotzdem macht sie das immer noch, heute Morgen wieder etwas heftiger. Sobald sie von hinten kommt, auch nur zum Beschnuppern, rennt er weg und sie (meist) hinterher. Allerdings nicht mehr so aggressiv. Sie will ihn berammeln, aber er lässt das nicht zu und ich weiß nicht, ob das an seiner OP-Wunde liegt oder daran, dass er sich bisher nie unterordnen musste?
Die zwei-drei Wunden am Rücken durch das Fellrupfen sind verkrustet, aber nicht weiter „schlimm“ (obwohl mein Herz da echt blutet!!). Es gibt Ruhepausen (der alte Herr braucht sie auch dringend), er frisst und liegt nicht apathisch in einer Ecke und trotzdem mache ich mir wirklich Sorgen, wie lange ich das Laufen lassen soll/muss. Ich weiß, eine VG kann sehr lange gehen, aber meine Angst ist, dass sie ihn aufgrund seines Handicaps immer „mobben“ wird. Denn wenn er zum Beispiel etwas bestimmtes frisst, was sie gerne hätte oder irgendwo liegt, wo sie hin möchte, dann jagt sie ihn (mal mehr mal weniger rabiat) weg.
Hat die VG eine Chance?

Vielen Dank für eure Antworten!

4Chaoten 28.09.2021 19:30

Hallo und willkommen,


wenn es sich jetzt schon gebessert hat, würde ich auf keinen Fall trennen und dem ganzen Zeit lassen. Er frisst und darf sich bewegen, dass ist schon viel Wert


Es hört sich für mich so an, als wenn sie die Rangordnung neu klären möchte, deswegen auch das berammeln. Ich kann mir vorstellen, dass es dir leid tut, aber deinem kleinen Mann geht es gut, er hat zwar ein Bein weniger, aber damit wird er gut leben können und letztlich möchtet ihr ja auch, dass sie wieder zusammenfinden. Das kann genauso mit einer anderen, fremden Häsin passieren und alleine ist keine Option. Da werdet ihr die Nerven aufbringen müssen;)

Wie alt ist die Häsin, ist sie jünger?

MicEi 28.09.2021 20:38

Hallo,
vielen Dank für die aufmunternden Worte!
Ja, sie ist erst 1 1/2 Jahre und noch sehr aktiv. Schon vor seiner OP lag er mehr rum als sie, wobei er immer wieder gerne seine 5 Minuten hatte und durch das Wohnzimmer gedüst ist 😊 Deswegen wollten wir auf keinen Fall einschläfern.
Bisher war sie immer eher die Schüchterne, wenn auch zutraulich, deshalb war ich total geschockt über so viel Aggression… Aber ja, er ist jetzt einfach schwächer und sie möchte Chefin sein.
Vorhin habe ich das VG- Gehege mal etwas gereinigt und da hat sie komischerweise bei ihm Schutz gesucht, da sie immer Angst vorm Staubsauger hat, während er da total entspannt ist 😊 Ich werte das mal als gutes Zeichen, auch weil sie sich den Löwenzahn geteilt haben, obwohl wir extra wieder mehrere Haufen gemacht haben.

Rakete 29.09.2021 21:56

Wieviel man ihm zumuten kann, wirst Du selbst am besten wissen.

Wer war denn der Chef zuvor?

Jedes Tier hat einen anderen Charakter und reagiert auf Situationen anders. Ich habe z.B. eine früher immer lammfromme Häsin, da weiss ich inzwischen nach mehreren Vorfällen, dass es nicht gut kommt, wenn sie die Oberhand hat ( z.B. mit sehr alten Senioren oder mit Handicap Kaninchen..).
Mit ranghöheren Kastraten versteht sie sich bestens. Dafür jagt ihr Partner sie, wenn ich sie jeweils kurz für Behandlung raus nehme. Letztmals nahm ich extra Beide zum TA, als ihre Zähne gekürzt werden mussten. Wieder zu Hause wurde sie trotzdem gejagt…

Bei meinem anderen Paar war meine Seniorin auch mehrfach in stationärer Behandlung. Ihr jüngerer Partner ist generell sehr entspannt. Trotzdem hat er sie auch schon zu heftig gejagt, als ihr schlecht ging, so dass ich trennen musste. Allerdings bloss mittels einem Gitter. Meist hat er sich dann nach 2-3 Tagen wieder beruhigt, so dass ich das Gitter problemlos entfernen konnte. Sie war erst gerade wieder länger in der Klinik, und diesmal war die VG kein Problem.

Es mag zwar nicht bei allen zu treffen, aber es mag durchaus helfen, wenn man ein Gitter dazwischen aufstellt, bis sich die Gemüter etwas beruhigt haben und man sich an den Geruch des anderen gewöhnt hat.

MicEi 30.09.2021 16:25

Bisher war er der entspannte Chef und so ganz will er den Posten auch nicht aufgeben. Wenn sie von hinten beschnüffelt, geht er dem Konflikt lieber gleich aus dem Weg und hoppelt weg. Kommt sie von vorne, macht er sich groß und „verlangt“ dann, geputzt zu werden.
Seit 1,5 Tagen ist es jetzt recht ruhig, sie liegen mal nebeneinander und mal getrennt und putzen sich immer wieder. Ab und zu scheucht sie ihn von bestimmten Stellen weg, aber keine Hetzjagden mehr und er ist wie gesagt recht entspannt und sucht auch keinen Konflikt.
Ich denke, wir werden die beiden am Sonntag (wenn alles so weiter läuft) wieder in ihr eigentliches Zimmer umsiedeln und beobachten. Momentan bin ich auf jeden Fall schon einmal froh, dass sie ihn offensichtlich nicht komplett aufgrund seines Handicaps „aussortiert“ hat.
Vor der Sache mit dem Gitter hatten wir extrem Angst, dass sie dann noch mehr Aggressionen entwickelt, da wir hierzu nur Negatives gelesen hatten… Aber evtl. wäre das eine Überlegung, wenn die Hetze nach der Umsiedelung von vorne losgehen sollte!
Ansonsten würden wir eher sie wieder abgeben (natürlich in ein gutes Zuhause!!!), denn an ihm hängt mein Herz nach 8 Jahren einfach stärker! Müssten dann überlegen, wem man ihm als Partnertier dazu holt.

Rakete 30.09.2021 16:52

Wenn die sich schon lange kennen, dann wird's am Gitter kaum aufgestaute Agressionen geben. Es ist ja keine neue VG, wo sich kaum verträgliche Kaninchen gegenseitig aufhetzen. Sondern lediglich das Zusammenführen von Partnern, die sich am veränderten Geruch gewöhnen müssen.



Man kann den kompletten Jage-Stress so ausweichen, falls es dem Patienten derart schlecht geht, dass man ihm das nicht zumuten will. Das ist immer noch die bessere Variante, als auf lange Sicht zu trennen, da Einzelhaltung die Genesung garantiert schadet. Insofern hat es meinen Kaninchen sehr gut getan, da sie durchaus dann Gitter an Gitter beeinander lagen und doch ein bisschen Trost spenden konnten. Und Fressverhalten und Kotabsatz kann so auch kontrolliert werden. Gerade wenn man zufüttern (Päppeln oder gar Zwangsfütterung) muss, will man sicher sein, wenn wieder freiwillig gefressen wird.



Oft hat man bei sehr schlechten Zustand gar keine andere Wahl als zu Trennen.

Danach kann man das Gitter ohne jeglichen Gejage wieder entfernen.



Es gibt übrigens auch 'neue' VG, die beim 1.maligen, normalen Versuch gescheitert sind und dann beim späteren 2. Versuch mit langem Gitterkontakt doch noch gelangen. Dazu kann ich zwar nicht selbst sagen, da ich die Umständen des 1.Versuches nicht näher kenne.

MicEi 04.10.2021 13:34

Update…
 
Hallo,

hier mal ein Update zur aktuellen Situation mit Bitte um Einschätzung:
Die beiden sind nun seit 11 Tagen in ihrem VG-Zimmer. Sie jagt ihn nicht mehr und die beiden fressen manchmal zusammen und liegen häufiger nebeneinander, wobei sie sich gegenseitig putzen.
Allerdings hat sie deutlich die Oberhand und bestimmt sozusagen, was er wann darf. Häufig rennt sie auf ihn zu und schickt ihn von „ihrem“ Futter oder „ihrem“ Platz weg. Er rennt dann weg, sie hinterher und er dreht ihr schnell das Gesicht zu. Er legt sich dann auch ab und sie meist auch. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass er einen Unterschied macht, von welcher Seite sie kommt: Von rechts rennt er sofort los, da wurde sein Beinchen hinten amputiert, aber vielleicht liegt es auch nur an ihrer Körperhaltung in den Moment…
Nun meine Frage: Ist das jetzt die Situation, wie sie künftig sein wird? Ist das noch normales Dominanzverhalten oder „Mobbing“? 🙈 Als er noch der Chef war (vor der OP), hat er sie nie so durch die Gegend geschickt, wobei ich sie da nie 24 Std. unter Beobachtung hatte und sicher nicht alles mitbekommen habe.
Wie schätzt ihr die Situation ein?
Danke für die Rückmeldungen!

Rakete 04.10.2021 18:51

Keine Ahnung… ich würde mal abwarten. Wenn es grundsätzlich schon besser geworden ist, dann ist es ja vorerst positiv.

4Chaoten 04.10.2021 19:34

Für mich hört es sich soweit auch positiv an und ich würde ihnen einfach noch mehr Zeit geben
Vielleicht ist er auch noch nicht bereit den "Chefposten" einfach aufzugeben;) es ist schwer die Feinheiten im Verhalten zu deuten.

Meiner Beobachtung nach, sind die Weibchen oft kämpferischer um die Revierherrschaft, die Kastraten machen das suptiler.
Meine letzte VG war so ähnlich, die Häsin immer den Kastraten verscheucht und dann lag sie z. B. auf dem Sofa und er sprang auf einmal hoch und jagte sie
Aber auch das ist natürlich eine Charakterfrage
Ich würde noch ein paar Wochen abwarten, solange da keine richtigen Kämpfe stattfinden ist alles gut

MicEi 04.10.2021 19:52

Vielen Dank für die schnellen Antworten! Das macht Mut und ich werde ihnen noch Zeit geben!

MicEi 12.10.2021 01:11

Hallo zusammen,
so langsam bin ich wirklich ratlos. Meine zwei sind jetzt seit 17 Tagen im VG-Zimmer und seit Donnerstag jagt sie ihn wieder vermehr und ziemlich aggressiv. Sie hat ihm an dem Tag ständig an seiner Wunde geleckt bis es ihm zu viel wurde und er sie weggedrückt hat statt sich nur wegzudrehen. Sie sah das wohl als Herausforderung… Zwischenzeitlich liegen sie beisammen, wobei die Kontaktsuche dann von ihr ausgeht. Er putzt sie ab und an, sie geht - wie gesagt - meist an seine Wunde, dann dreht er ihr immer schnell das Gesicht zu. Seit heute Mittag läuft er eigentlich nur noch weg, sobald sie in seine Richtung kommt. Gerade hat sie ihn beim Füttern wieder heftig gejagt und er traut sich jetzt kaum in die Mitte des Zimmers. Jetzt war ich so optimistisch, aber gerade habe ich echt das Gefühl, sie genießt das dominante Dasein, weil sie merkt, dass er ihr körperlich unterlegen ist. Würdet ihr noch länger warten?
Danke für eure Antworten!!!

FrodoundJuli 12.10.2021 08:02

Ich habe hier auch einen kleinen alten Rammler mit handicap, eine jüngere Dame dabei, die häufiger schickt. Yuki ist jedoch auch schon sechs, benimmt sich aber weniger wie ältere Dame, sondern wie kleiner Wachhund. Menschen gegenüber ist sie freundlich und neugierig, anfassen findet sie jedoch nicht so toll. Die beiden sitzen seit Januar zusammen, seitdem seine vorige Partnerin nicht mehr ist. Seit ein paar Wochen sitzen sie dichterbeieinander und dösen oder fressen mit Abstand von zehn Zentimetern. Ich habe sie noch nicht kuscheln sehen, aber er frisst, wirkt fröhlich und weicht nun nur noch ein, zwei Hopser, wenn sie ihn schickt und das ist nun für sie o.k.und kein Gejage wert. Ich glaube, die verstehen sich inzwischen sogar ganz gut...als es ihm schlecht ging, schaute sie immer nach ihm, hielt aber Anstand und ließ ihn weiter schlafen. Ich habe hier nun eine freundliche Zweck-Wg, wenn auch keine große Liebe. Das scheint für beide ok, beide liegen entspannt in der Gegend rum. Der jetzige Zustand ändert sich zum Glück nach seinen Besuchen beim TA nicht, aber das ist im anderen Gruppen anders. Der aktuelle Zustand hat aber mehr als ein halbes Jahr gedauert, da die Rangordnung auch nicht so richtig sich klärte, Madam aber gerne die Hosen an haben möchte- und er ihr aber dringend irgendwann Einhalt geboten hat. ( Allerdings reagier sie schon auf klopfen, um sich zurückziehen). Hier gab es anfangs Fellflug, wenig Verletzung, aber immer wieder Fell...
Gib den beiden Zeit. Er frisst, mitunter fressen alle beide zusammen, sie kuscheln sogar zeitweise.Das klingt doch ganz gut. Ich denke wie die übrigen, dass sie nun gern Oberhand hätte und er da noch nicht einverstanden ist.


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