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| Hmm, irgendwie frage ich mich schon, was in den letzten 30 Jahren in die Kaninchen hinein gezüchtet wurde, dass Gebärmutterveränderungen bei weiblichen Kaninchen nunmehr die Regel sein sollen? Meine erste Kaninchengruppe hatte ich in den 80er Jahren, damals war eine Weibchen-Kastra überhaupt kein Thema. Ronnie und Carry waren bis ins hohe Alter stets die Liebenswürdigkeit in Person, allenfalls Raja hätte man eine "Grundgereiztheit" unterstellen können, wenn man ihre Vorliebe, lieber einen Ast durchzubeißen, als außen rum zu gehen, als Aggressivität werten wollte. Komischerweise wurden diese Mädels alle 11 Jahre und noch älter, kein einziges starb an Gebärmutterveränderungen, und auch in der Nachbarschaft, in der mehrere Kaninchengruppen lebten, war weder eine besondere Aggressivität der Weibchen, noch die Gefahr von Gebärmutterveränderungen je ein Thema. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass immer mehr Verhaltensweisen pathologisiert werden, die eigentlich zum völlig normalen Verhaltensrepertoire eines Kaninchens gehören? Es liegt nun mal in der Natur eines Kaninchens, Tunnel zu graben, mit Rammeleien die Rangordnung auszutragen bzw. den Geschlechtstrieb auszuleben, mit Urin und co das Revier zu markieren. Warum muss ich das unterbinden? Damit sich das Kaninchen mehr meiner aufgeräumten und frisch geputzten Wohnung anpasst bzw. ich mich an Kaninchen erfreuen kann, die immer nur miteinander kuscheln und mir die Illusion einer Friede-Freude-Eierkuchen-Welt geben? Vielleicht kann ich mich mit meiner Außenhaltung ja etwas entspannter zurücklehnen, aber auch mich nervt es zuweilen, wenn ich im Garten einen halben Meter tief einsacke, weil das letzte Tunnelprojekt meiner Langohren doch etwas größer ausfiel, als gedacht. Und auch ich wurde schon angeknurrt, wenn ich Löcher zuschaufelte, komischerweise aber nicht nur von den Mädels, sondern auch von den Kastraten, die sich, ganz im Widerspruch zu den landläufigen Meinungen, trotz Kastra und obwohl sie Männchen sind, immer eifrigst an den Bauprojekten beteiligen und beim Wegschaffen meiner Bretter und sonstiger Sicherungsmaßnahmen noch eifriger sind, als die Damen... Ich weiß auch nicht, warum ich es so problematisch finden sollte, wenn Luna oder eine der anderen Mädels alle paar Monate mal hitzig wird und dann die Kaninchengruppe aufmischt - erstens haben sie genug Platz, um sich auszuweichen, und zweitens erledigt sich das ganze doch innerhalb weniger Tage von selbst, spätestens wenn Rufus der jeweiligen Dame vor Augen hält, dass ER der Rammler ist. Lange Rede, kurzer Sinn: wenn eine medizinische Indikation besteht, sollte man natürlich handeln und ggfs kastrieren, aber nur weil einem das Verhalten missfällt, meiner Meinung nach sicherlich nicht. Und wenn wir uns alle mal an der eigenen Nase packen, können wir auch mal darüber nachdenken, dass viele Verhaltensweisen von uns eigentlich auch nur hormongesteuert sind, von Zickereien unter weiblichen Mitarbeitern angefangen über übersteigerte Putzwut (Nestbautrieb?) bis zu aufgemotzten Autos (der Pfau lässt grüßen...) und illegalen Straßenrennen.... Und was die tierärztlichen Ansichten zu dieser Thematik betrifft, so sollte man sich auch immer vor Augen halten, dass ein Tierarzt naturgemäß immer nur die kranken Tiere sieht, nicht aber diejenigen, die ein hohes Alter ganz ohne gesundheitliche Beschwerden erreichen. Zudem dürfte es auch nirgendwo hinreichende Untersuchungen dazu geben, welch´Folgen eine frühe Weibchenkastration auf andere Organe/Gesundheitsbereiche hat. Bei Menschen wurde z.B. schon festgestellt, dass mit Hormongaben zwar manche Krebsarten weniger oft zu beobachten waren, dafür traten dann aber andere gehäufter auf. Auch birgt jede Operation im Bauchraum die Gefahr, dass sich dort Verwachsungen bilden mit entsprechend negativen Auswirkungen auf andere Organe, wie z.B. den Magen-Darm- oder den Harntrakt. Womöglich bekommt mein Kaninchen dann zwar keinen Gebärmutterkrebs mehr, hat aber dann stattdessen Verdauungsprobleme oder ständig Blasensteine?
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| Zitat:
Alles richtig. Nur kann ich ohne weiteres nachvollziehen, dass ein Tierarzt, der mit statistischer Häufung weibliche Kaninchen mit zerwucherter und entzündeter Gebärmutter auf dem Behandlungstisch hat und sozusagen „rückrechnet“, wie lange das Tier bei diesem Krankheitsbild bereits chronische Schmerzen leidet, entsprechende Überlegungen anstellt. Und daraufhin prophylaktische Maßnahmen in den Blick nimmt. Der hier in Rede stehende Tierarzt scheint seine Abwägungen sorgfältig und gerade nicht erkennbar interessengeleitet anzustellen. Ist ja schon mal was. Aus Haltersicht bleibt das Thema schwierig - Du beschreibst das Für und Wider, wie ich finde, sehr triftig - und ist von den Raumverhältnissen, in denen sich die Tiere und die Halter mit dem "Problem" auseinandersetzen müssen, mE nicht zu trennen. Insofern würde ich Dir zustimmen: ja, ich glaube, da kann man sich mit Kaninchen in Außenhaltung „entspannter zurücklehnen“. Grüße, Aen Geändert von Aen (04.11.2017 um 12:01 Uhr).
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| @Diabi Weitestgehend stimme ich Dir zu. Ich kann mich ebenfalls nicht daran erinnern, daß irgendein Kaninchenweibchen von mir jemals Probleme mit der Gebärmutter gehabt hätte, und ich denke auch ganz allgemein, daß wir, unabsichtlich weil eigentlich gutmeinend, mit immer mehr Wissen, was wir über Kaninchen erlangen, diese dann doch oftmals kränker reden als sie eigentlich wären. Nur, zumindest für meinen Fall möchte ich da doch etwas klarstellen. Würden sich die Hormone bei Mäusle einzig so äußern, wie Du geschildert hast, würde ich sie niemals kastrieren lassen. Von mir aus darf sie buddeln, wie sie will; sie könnte auch mit Urin markieren, ohne, daß ich deswegen Panik bekommen würde (hatt ich alles schon, ist zwar nicht schön, aber meine Wohnung stinkt deswegen trotzdem nicht nach Urin, man kann alles wegputzen). Auch würde es mich nicht weiter stören, wenn sie Faxe berammeln würde oder es ab und an mal richtig kracht. Alles kein Problem, alles kein Grund, solch eine OP durchführen zu lassen. Aber wenn sie offensichtlich selbst unter ihren Hormonschüben leidet, was sich an allgemeinem Unwohlsein etc zeigt, und wenn sie im Wechsel von Minuten mal schmust, dann wieder völlig aggressiv auf Faxe losgeht, ist das keine Lösung mehr. Bei mir haben beide bekanntermaßen auch genügend Platz zur Verfügung, aber wenn sie anfängt, ihn überall hin zu verfolgen, ihm keine Verschnaufpause gibt, ihn nur noch verkratzt - bis es ihm irgendwann reicht und es dann wieder Verletzungen gibt, die gleich tierärztlich behandelt werden müßen - und das alles vor dem Hintergrund, daß es chronische Schnupfer sind, wo dieser Streß absolut kontraproduktiv ist, dann sehe ich mich dazu gezwungen, daß ich an diesem Zustand etwas ändern muß, weil sonst beide nur immer weitere Krankheiten anschleppen, da ihr Immunsystem einerseits mit dem Schupfen schon genug belastet ist und dann dieser Dauerstreß aufgrund ihrer permanent vorhandenen Hormonschübe die Krönung des Ganzen ist. Man sollte also immer auch die Gesamtumstände betrachten, welche zu einer Kastration bei Weibchen führen, wenn es keine direkte medizinische Indikation bzgl der Gebärmutter gibt. Ich stimm jedoch zu, daß man sicherlich nicht operieren lassen sollte, nur, weil man selbst die Verhaltensweise des Weibchens als nicht angenehm empfindet. Wobei ich trotzdem nicht denke, daß ein Vergleich zum Menschen hier hilfreich ist. Karnickel sind schließlich immens aufs Fortpflanzen gepolt, sicherlich sehr viel mehr als es ein Mensch ist, weshalb ich mir vorstellen kann, daß Kaninchen unter ihren Hormonschüben selbst auch sehr viel mehr leiden als wir. Ein paar Mal im Jahr wäre das hinnehmbar, aber wenn es einfach nicht mehr aufhört, leidet das Weibchen doch selbst darunter.
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| @Cindy: es mag durchaus auch mal in Ausnahmefällen Gründe für eine Kastration ohne medizinische Indikationen geben, aber der zitierte Tierarzt rät ja generell zur prophylaktischen Weibchen-Kastration, und das verursacht bei mir einfach ein Unwohlsein... Die Situation Deiner Kaninchen kannst letztlich nur Du beurteilen, andererseits denke ich, dass auch der von Dir beschriebene Wechsel zwischen Schmusen und Aggressivität bei pubertierenden Kaninchen noch normal ist, das beobachtete ich bei meinen Langohren auch des öfteren, so lange sie noch in der Pubertät waren, aber bislang wurden noch alle ruhiger, und es gab auch bei allen genügend Phasen, in denen Harmonie herrschte... Wahrscheinlich ist es auch immer problematischer, wenn man nur ein Pärchen hält, weil sich die Aggressivität dann immer nur auf ein Kaninchen richten kann, das damit nicht immer zurecht kommt. Als z.B. Luna pubertierte, ging sie als "Chefin" reihum auf alle anderen los, jedes hatte aber auch mal Ruhe, weil sie gerade mit einem anderen beschäftigt war, und Rufus ist halt, dank seinem Hasenkaninchenblut, auch ein Rammler, der sie dann wieder in die Schranken weisen konnte, ein anderer wäre vielleicht zitternd in der Ecke gesessen. Was ich aber definitiv nicht glaube, ist, dass Kaninchen unter ihren Hormonschüben leiden - wieso denn, wo der Fortpflanzungstrieb doch völlig natürlich ist? Unglücklich wirkten bei mir in solchen Situationen allenfalls die Kaninchen, die gejagt wurden, nicht aber dasjenige, das gerade hitzig war. Genauso wenig würde ich unterschreiben, dass wir Menschen weniger auf Fortpflanzung gepolt sind, als Kaninchen, dazu gibt es zum einen schon viel zu viele wissenschaftliche Erkenntnisse, die z.B. belegen, dass eine Frau in ihrer fruchtbaren Phase, überspitzt formuliert, eher mit dem typischen Macho-Mann den Kontakt sucht (bessere Gene), und in den anderen Phasen den fürsorglichen Softie bevorzugt (Versorger des Nachwuchses), dass wir Menschen "schön" und sympatisch finden, die gewisse körperliche Idealproportionen haben, usw. usf., zum anderen zeigt auch die aktuelle Sexismus-Debatte schon sehr deutlich, wie sehr auch uns Menschen jegliche Vernunft abhanden kommen kann....
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| Natürlich spielt die Fortpflanzung auch bei uns eine große Rolle, wie bei jedem Lebewesen, aber es ist meiner Ansicht nach doch ein Unterschied. ZB ein unkastrierter Rammler, der hat fast 24 Stunden am Tag nichts anderes im Sinn als eben zu rammeln, was auch immer ihm vor die Füße kommt, wenn kein Karnickelweib in der Nähe ist. Daß das bei uns nun auch so dermaßen stark ausgeprägt ist, konnte ich bisher noch nicht feststellen..und die aktuelle Sexismusdebatte hat auch wenig mit Trieben etc zu tun, sondern vielmehr mit der politischen Lage, was aber ein ganz anderes Thema ist. Ob ein Kaninchen unter seinem Trieb leidet oder nicht, ist davon abhängig, ob es ihn ausleben kann. Im Normalfall können sie dies bei uns ja nicht - also enormer Streß durch unbefriedigte starke Triebe - und ich seh es an meiner Maus, definitiv fühlt sie sich selbst auch nicht wohl damit, von Faxe ganz zu schweigen. Ich bin relativ gespalten, was eine grundsätzlich prophylaktische Kastration angeht. Gespalten hauptsächlich deshalb, weil ich mir auch Gedanken darüber gemacht habe, was die OP vielleicht für Spätfolgen zeitigen könnte. Andererseits erscheint es mir doch auch irgendwo sinnvoll, denn seit ich Kaninchen habe, habe ich von Tierärzten immer wieder gehört, daß es massig Problemfälle aufgrund der Gebärmutter geben solle, auch, wenn ich selbst bis dato noch keine derartigen Fälle hatte. Bis vor ein paar Jahren allerdings waren sehr viele von uns auch noch gar nicht im Weltnetz unterwegs, um dort ihre Geschichte bzw die Geschichte ihrer Karnickel zu erzählen; vielleicht wirkt es deshalb auch nur so, als ob die Weibchenkastras dermaßen zugenommen hätten, weil es früher eben keine Plattform gab, wo jeder aus allen Teilen Deutschlands und darüber hinaus davon erzählen konnte.
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| Das Problem ist, glaube ich, die extreme Zucht, die dann eben auch durch gewollte Inzucht zu vermehrten Problem in allen Organen führen kann. Hauptsache das Tier entspricht dem „Kindchenschema“, hat Hängeohren wo es aufgrund der Größe drauftreten kann, oder ein langhaariges Fell womit es sich selber nie vernünftig pflegen kann. In meine Augen alles sog. Qualzuchten. Dazu die Vermehrungen in osteuropäischen Ländern die hier in Zoogeschäften und Baumärkten verramscht werden. Alles das führt dazu, dass die Kaninchen heute für alles anfälliger werden. Ich hab meine erste Häsin am GB-Tumor mit Streuung in der Lunge verloren, sie war allerdings „schon“ acht Jahre alt. Eine weitere hab ich mit dreizehn Monaten aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten kastrieren lassen, sie hatte schon bösartige Veränderungen an der GB. Eine Pflegie-Häsin hatte dieses mit knapp acht Monaten usw. seitdem wird bei mir jede Häsin bei den kleinsten Auffälligkeiten kastriert, allerdings nicht grundsätzlich prophylaktisch.
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