Hallo bauer0815, da bist du ja an einen tollen "Kumpel" geraten. Der Typ hat dich allen Ernstes zum Züchten ermuntert, und dir nicht vorher das notwendige Grundwissen vermittelt? Na prost Mahlzeit, das ist absolut verantwortungslos von ihm
Ich schreib es mal ganz deutlich, dein "Kumpel" ist kein Züchter. Sonst hätte er dir erst einmal beigebracht, was man so alles über Genetik wissen muss, über Wurfboxen, über die Pflege trächtiger Häsinnen und ihres Nachwuchses und so weiter und so fort. Er ist wahrscheinlich einer von den vielen "Möchtegern-Züchtern", von den Vermehrern. Die sich von echten Züchtern aussortierte Rassetiere kaufen weil es billiger ist, und meinen wenn sie Kleinsilber und Kleinsilber zusammenschmeißen ist das Zucht. NEIN, ist es nicht!
Ich habe hier einen Fall eines Farbenzwerges Weißgrannen in Schwarz sitzen. So jemand wie dein Kumpel ist schuld daran, dass er alle paar Wochen in Vollnarkose gelegt werden muss um die Zähne zu richten weil er sonst verhungern müsste. Und warum? Weil mit - auf Klartext geschrieben, auch wenn es sich übel anhört - minderwertigem Zuchtmaterial einfach vermehrt wurde! Mit Elterntieren, die von einem guten Züchter aufgrund ihrer Disposition für Zahnprobleme aus der Zucht genommen wurden! Und die dementsprechend billig abgegeben wurden...
So, das vorausgeschickt, nun zu deinem Problem.
Deine Häsin kann aus vielen Gründen ihren Nachwuchs töten. Dazu gehören unter anderem:
- Überforderung (Zuchtreife bereits erreicht?)
- Platzmangel
- keine Wurfbox vorhanden
- zu unruhige Umgebung
- Beunruhigung durch Raubtiere in nächster Nähe
- fehlerhafte Fütterung der Häsin (Mangelernährung aufgrund falscher Futterzusammensetzung!)
- Gendefekte beim Nachwuchs (hast du wirklich Top-Klasse-Zuchttiere vom Verbandszüchter eingesetzt?)
- Erkrankungen beim Nachwuchs
- Veränderung des Nestes bzw. der Lage des Nestes während der Nestkontrolle
Genauso gut kann es sein, dass die Häsin den Nachwuchs gar nicht selbst getötet hat, sondern dieser nicht lebensfähig war. Mögliche Gründe liegen hier entweder in einer Infektion - oder wiederum in der genetischen Ausstattung der Elterntiere.
So, nun noch einmal zurück zu deinem "Kumpel" - all diese Gründe hätte er dir genauso aufzählen können müssen wie ich auch. Sowas gehört zum Standardwissen.
Was du nun tun musst:
- Häsin in Ruhe lassen und möglichst wenig stören
- Störfaktoren (Hofhund?) möglichst beseitigen
- keinesfalls abrupte Futterumstellung, aber falls sie es gewöhnt ist, biete ihr bitte etwas vermehrt frischen Fenchel an, sowie Wurzelgemüsesorten.
- bitte umgehend aufhören zu "züchten"! Die scheinbare Unterstützung die du hast ist genauso ungeeignet wie dein Zuchtmaterial.
- Vorhandene Rammler jetzt schon kastrieren lassen, damit nach dem abgeben der Jungtiere mit 10 Wochen Alter (oder wenn Jungtiere bleiben, mit 12 Wochen Alter) die Vergesellschaftung vorgenommen werden kann
- bis dahin ein ausreichend großes und mardersicheres Gehege bauen, mindestens 2 qm Fläche pro Fellnase müssen es sein, und ein Außengehege darf keinesfalls unter 6 qm haben, um es sinnvoll einrichten zu können
- und ganz wichtig: erst dann wieder züchten, wenn du dir das notwendige Wissen bezüglich der Vererbungslehre angeeignet hast und das notwendige Kleingeld hast um dir wirklich hochklassiges Zuchtmaterial zu beschaffen! Und das ist pro Tier ab 100 Euro aufwärts zu haben denke ich, nach oben ohne Preisgrenze...
Ich hoffe du nimmst mir meine deutlichen Worte nicht allzu übel. Du bist noch sehr jung, und kannst im Grunde nicht wirklich was dafür was hier passiert ist. Du hast einem Erwachsenen vertraut, und konntest nicht wissen dass er selbst nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügte.
Wenn du später einmal wirklich in die Kaninchenzucht einsteigen willst, dann wende dich bitte an einen richtig guten Verbandszüchter und frag dort nach, wie du an die notwendigen Kenntnisse kommst. Es gibt sicher vom Zentralverband der Kaninchenzüchter Buchempfehlungen und Lehrgänge, die dir weiterhelfen. Das ausprobieren ist jedenfalls der falsche Weg, wie du leidvoll erfahren musstest.