Sooo, nachdem ich jetzt zu einigen Diskussionen schon meinen Senf dazugegeben hab, traue ich mich jetzt auch mal, ein eigenes Thema aufzumachen

Es geht um meine Lotte, die mir Sorgen bereitet.
Ich habe sie und Leo damals aus dem Tierheim geholt, in dem ich ehrenamtlich arbeite und die zwei vorher lange Zeit beobachtet. Sie waren da mit zwei sehr jungen Tieren in einem riesigen Gehege untergebracht (mindestens 30qm) und trotzdem hat Lotte die zwei jungen Tiere öfters mal gezwickt und so. Seitdem ich Leo und Lotte hier hatte, hatte sie immer richtig Angst vor ihm, hat sogar gequiekt wenn er nur mit ihr kuscheln wollte. Leo ist, glaube ich, gefressen worden. Denn nach einer stürmigen Nacht, in der ein Gehegeelement sich ein wenig aus der Verankerung gelöst hatte, war er weg. Mitbewohner hatten in der Nacht Tierschreie gehört. Ich habe mehrere Tage und Nächte nur mit Suchen verbracht und mir nur Vorwürfe gemacht (selbstverständlich das Gehege jetzt abgesichert und so... in 15 Jahren Kaninchenhaltung ist mir so etwas noch nie passiert). Lotte hat ab dann nicht mehr gefressen und war nur noch ein Häufchen Elend. Ich bin sämtliche Tierheime in der Umgebung abgefahren, um einen neuen Partner zu finden. Überall gab es nur Weibchen.
Also habe ich irgendwann notgedrungen, trotz besseren Wissens ein Weibchen geholt, weil Lotte ja endlich wieder fressen musste. Stella zog ein, und Lotte war wie ausgewechselt: Hat wieder gefressen ohne Ende und war plötzlich gar nicht mehr so unterwürfig wie bei Leo (selbstverständlich war die VG weit weg von ihrem Gehege, im Keller). Nach einer Woche musste ich Stella mit harmlosen Bisswunden zurückbringen, längere "Ausprobierfrist" hat das Tierheim nicht genehmigt und es sah nach einer Woche noch nicht so aus, als könnte es was werden.
Der nächste Versuch, dieses Mal eine Privatvermittlung, fand bei der Anbieterin statt. Lotte hatte so eine Angst vor dem Böckchen, dass sie über mehrere Gartenzäune gesprungen ist (fast einem Jack Russel in die Arme). Also auch nix. Beim nächsten Mal habe ich endlich ein Tierheim gefunden, was sich bereit erklärt hatte, dass ich die Vergesellschaftung selber, vorort im Tierheim beginnen darf, sodass Lotte sich ihren neuen selbst aussuchen konnte. Und das hat geklappt! Alles war super, die zwei haben von Anfang an gekuschelt, zusammen gefressen usw. Leider wird in Tierheimen ja überall TroFu gefüttert. Nach 1 1/2 Monaten ist der neue, trotz Zahn-OPs in der Tierklinik gestorben. Er hatte nur Eiter im Maul und hat sich total aufgegeben. Lotte war also schon wieder alleine.
Der nächste war ein Stallhase mit 7kg Kampfgewicht, der sich allerdings 3 Tage lang nicht aus der Transportbox bewegt hat. Kein einziges Mal. Ich habe es auch nur einmal mit aller Kraft geschaft ihn rauszuholen, aber er ist direkt wieder rein. Lotte hat sich nicht für ihn interessiert und er hat sich ja wie gesagt 3 Tage nicht bewegt und vor allem auch nicht gefressen und geköttelt. Habe ihn dann also auch zurückgebracht, weil ich Angst hatte, dass ihm sonst noch was passiert.
Der letzte Versuch war der allerschlimmste: Aus einer Notfallstation habe ich Lotte wieder selber einen aussuchen lassen (wie zuvor in dem Tierheim). Aber den hat sie dann hier nicht mehr akzeptiert. Trotz vorheriger Absprache, wollte die Notstation ihn nicht zurücknehmen, weil sie Kaninchen, die einen Kratzer haben (durch die VG) nicht mehr annehmen, erst wenn die Wunden geheilt wären!! Als ich dann gesagt habe, dass ich vermute, dass der kleine Zahnprobleme hat und dass ich, wenn ich ihn noch ein paar Tage behalten soll, daher auch mit ihm zum TA gehen würde, wurde mir unterstellt, ich wolle ihn sicher nur deswegen zurückbringen. Der TA-Besuch wurde mir fast untersagt, es könne schließlich nicht sein, dass ein Kaninchen aus ihrer Station was an den Zähnen hätte. Geht natürlich gar nicht. Ich habe also meinen Karnevalsdonnerstag in der Tierklinik verbracht, denn natürlich waren seine Zähne zu lang und hatten schon die Zunge aufgerissen, da auch in Notfallstationen, die nur für Kaninchen sind, mit Vorliebe TroFu gefüttert wird (grrr). Danach war mir klar, dass ich den kleinen auch gar nicht mehr dahin zurückbringen wollte. Ich habe hier mein Studentenwohnheimszimmer für die VG geopfert, damit ich sie immer im Blick hatte. Gaaaanz langsam wurde es besser. Nach ca 3 Wochen sah alles wunderbar aus, ich war mit dem kleinen nochmal bei meiner Haus-TÄ, habe ihn impfen lassen (weil diese tolle Notfallstation natürlich auch iiiirgendwie keinen Impfpass von ihm da hatte, obwohl er natürlich ganz sicher geimpft war - klar), Zähne nochmal kontrollieren lassen, Wunden waren alle gut verheilt. Eine Woche später stand ich wieder bei der TÄ. Dieses Mal leichenblass. Beim Krallenschneiden hatte ich festgestellt, dass zwischen seinen Beinchen alles voller Eiter war. Ich dachte an eine ganz schlimme Blasenentzündung. Aber nein. Das war Lottes Werk gewesen. Es sah sooo schlimm aus, als die TÄ den Eiter endlich abgewischt hatte! Alles nur voller Blut! Der kleine hat keine Anzeichen gemacht, Schmerzen zu haben, auch nicht bei der TÄ. Nachdem wir uns 15 Minuten beraten haben (die TÄ kennt mich gut) sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der kleine nie mehr schmerzfrei werden würde, nicht mehr pinkeln kann und wahrscheinlich, egal wie viel Antibiotika und Katheter und sonstige Therapien man versuchen würde, einen sehr qualvollen Tod sterben müsste. Sehr schweren Herzens haben wir ihn also eingeschläfert. Es war ganz schlimm. Lotte saß daneben, in ihrer Transportbox und ist dermaßen ausgerastet. Ich weiß nicht ob sie wirklich verstanden hat, was passiert ist, aber immer wenn meine TÄ mit der Spritze kam, um ihm mehr Narkose zu geben (denn wir wollten nicht, dass er noch irgendwas mitbekommt), hat Lotte gebrummt und die Transportbox nur so hüpfen lassen. Danach haben wir sie noch abgecheckt (ich hatte sie mitgenommen, weil ich ja nur Eiter gesehen hatte und das ja auch mal was ansteckendes sein kann). Dabei hat sie versucht TÄ, Arzthelferin und mich zu fressen. Organische Ursachen für ihr Verhalten haben wir keine gefunden.
Das ist jetzt fast 2 Monate her. Bislang habe ich mich nicht getraut, wieder etwas in Richtung VG zu unternehmen, bin damit aber nicht zufrieden. Lotte geht es sehr gut, sie läuft Haken schlagend durch den Garten, frisst wie gewohnt, ist ziemlich zutraulich geworden (klar, sie hat ja auch sonst keinen Freund

). Alles in allem also ein aufgewecktes Kaninchen, dem man gerne zuguckt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es ihr wirklich gut geht, so alleine. Die Wildkaninchen in meinem Garten haben Babys bekommen und Lotte versucht immer durch ihr Gitter mit denen Kontakt aufzunehmen. Wenn ich sie ganz laufen lasse, versucht sie sogar mit den Enten im Teich zu spielen.
Findet ihr, ich vermenschliche das zu sehr, wenn ich denke, dass sie einsam sein müsste? Ich finde halt immer, da es das eine Mal mit dem krankchen Böckchen geklappt hat, hat sie noch eine Chance verdient. Habe aber auch so eine Angst, dass noch mal so etwas wie letztes Mal passiert.
Hat jemand irgendeinen Tipp, wie man so Häsinnen die Aggressivität ein bisschen nehmen kann? Wie ein VG-Gehege aussehen muss und so weiß ich ja alles.
Sorry, dass das jetzt so lang war, wollt lieber direkt alle Details aufzählen, damit ihr ein richtiges Bild bekommt. Würde mich sehr freuen, wenn sich trotzdem jemand die Zeit nehmen könnte, das zu lesen. Schon mal danke :-)