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Schuldgefühle nach Einschläferung auf Kaninchen Forum

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Benutzerbild von CelinaxX
Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 22.08.2014
Beiträge: 110
CelinaxX befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 13:19

Schuldgefühle nach Einschläferung


Hallo liebe Forianer,

ich weiß, dass mir hier keiner mehr bei dem Thema helfen kann, da es nicht rückgängig gemacht werden kann. Dennoch muss ich meine Gedanken mal niederschreiben.

Gestern wurde meine geliebte Luna eingeschläfert. Es ging ihr schon lange nicht mehr gut.

Angefangen hat es vor ein paar Wochen. Ihre Zähne mussten regelmäßig gemacht werden, da sie ab und an Zahnspitzen hatte. Bei dem Termin habe ich eine Kotprobe mit abgegeben, weil sie danach eigentlich geimpft werden sollten. Dabei kam dann leider raus, dass meine drei Kokzidien hatten.

Also wurde mit Baycox behandelt und alles grundgereinigt. Schon während der Behandlung fiel mir auf, dass es Luna nicht so gut ging, schob das aber auf das Baycox, da dieses ja auch schwer verdaulich sein soll.
Sie hat auch weiter gefressen. Am Ende der Behandlung fiel mir auf, dass sie sehr viel abgenommen hatte. Sie wog zu dem Zeitpunkt nur noch 1 kg. Sie hatte innerhalb weniger Tage mehrere 100 g abgenommen.
Also bin ich zum Tierarzt und habe alles erklärt. Der stellte erstmal per RöBi eine Aufgasung fest und machte mir keine großen Hoffnungen. Auf dem RöBi waren ebenfalls Schatten auf der Leber zu sehen. Der Ta meinte aber, dass das auch von den Kokis sein könnte.

Ich hab Luna mit nach Hause genommen und gepflegt. Sie hatte schon öfters Aufgasungen gehabt und ich wusste, was zu tun war. Sab Simplex, Novalgin, Emeprid, warmhalten und päppeln. Anschließend ging es ihr auch besser.

Jedoch war immer noch das einzige, was sie selbstständig fraß ein paar Haferflocken und eingeweichte Cunis am Tag. Dazu ganz wenig Brei. Also habe ich weiter gepäppelt und wieder ab zum Tierarzt. Sie hat auch weiterhin Novalgin bekommen.

Es wurde dann ein Blutbild und ein Röntgen der Zähne gemacht. Das Blutbild sag soweit erstmal ganz okay aus, aber sowohl die Erythrozyten, als auch der Harnstoffwert waren ziemlich weit unten. Der Tierarzt erklärte mir, dass das auch an der momentanen Verfassung liegen könnte.

Auf dem Röntgenbild war zu sehen, dass die unteren Schneidezähne total vereitert waren. Wegen der körperlichen Verfassung wollte er ihr aber keine Narkose zumuten. Einen bekam er so raus, den anderen zwei Tage später. Sie bekam ein Antibiotikum. Bei einer weiteren Kotprobe kam raus, dass die Kokis weg waren.

Ich dachte dann endlich geht es wieder bergauf und sie kann wieder selbst fressen. Leider löste sich meine Hoffnung aber in Luft auf. Sie fraß weiterhin nicht, wurde nur gepäppelt, wogegen sie sich mittlerweile auch nach Kräften wehrte. Am Tag danach ging es ihr schlechter, sie fraß nichts, bis auf wenige Haferflocken, musste konstant warm gehalten werden, da sie sonst auskühlte. Sie zeigte kein Interesse mehr an Artgenossen und die auch nicht an ihr. Auch sonst lag sie nur rum.

Am Abend dachte ich noch, dass sie die Nacht nicht überleben wird. Ich erwog zum Nottierarzt zu fahren, war mir aber fast sicher, dass sie die Nacht nicht überstehen wird und wollte nicht, dass sie in Angst in der Transportbox im Auto sterben muss. Also blieb ich bei ihr, hielt sie warm und stellte mich darauf ein sie zu begleiten.

Für mich wie durch ein Wunder überlebte sie die Nacht. Aber es änderte sich nichts. Obwohl ich jeden Tag auch mehr päppelte als 50 ml nahm sie nicht zu. Ihr eines Auge war mittlerweile verklebt. Sie fraß nicht und lag nur rum. Wenn sie nicht warm gehalten wurde kühlte sie aus. Sie rutschte mittlerweile auch mit den Vorderpfoten immer wieder weg.

Sie hatte schon die Tage immer etwas Gleichgewichtsstörungen gehabt. Der Tierarzt meinte, dass das jetzt vermutlich auch vom Untergewicht und der Schwäche kam.

Ich fuhr an dem Tag wieder zum Tierarzt und erzählte ihm alles. Er stellte trotz Päppeln und Sab simplex eine leichte Aufgasung fest und leichte Untertemperatur trotz Wärmekissen. Er sagte mir, dass er keine große Hoffnung mehr für sie sah und dass einfach sehr viel zusammenkam und er glaubte, dass sie sehr leiden würde. Er verwies auch nochmal auf die Schatten auf der Leber und dass es vermutlich eine organische Ursache war.

In dem Moment war ich überzeugt das es das Richtige war sie gehen zu lassen. Sie schlief ganz ruhig in meinem Arm ein. Der ta ließ mir währenddessen Zeit mit ihr alleine.
Jetzt liegt sie im Garten meiner Eltern begraben.

Ich weiß, dass ich es nicht rückgängig machen kann und das es ihr auch wirklich nicht gut ging und es vermutlich eine Erlösung für sie war. Und trotzdem kommen mir Zweifel.

Hätte man die Aufgasung noch abwarten sollen, oder wäre die gar nicht mehr weggegangen und sie wäre am Ende wirklich qualvoll dran gestorben. Hätte man vielleicht noch ein MRT machen können, oder hätte sie dafür sediert werden müssen, was in ihrem Zustand vermutlich eh zum Tod geführt hätte.

Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf und es macht mich unheimlich fertig. Es war das erste Mal, dass ein Tier von mir eingeschläfert wurde und ich es habe sterben sehen. Vermutlich macht man sich auch immer Gedanken, wenn ein Tier stirbt, ob es einen anderen Weg gegeben hätte. Ich kenne das auch von meinen anderen Tieren, die bereits gestorben sind auch, aber bei Luna empfinde ich es als besonders schlimm, da ich mich bewusst für ihren Tod entschieden habe.

Luna hatte immer so einen umbändigen Lebenswillen, dass ich einfach Angst habe, nicht in ihrem Sinne entschieden zu haben.

Vielleicht ging es dem einen oder anderen hier ja auch mal so und hat Tipps, wie ich damit besser umgehen kann.

Ansonsten musste ich mir das einfach mal von der Seele schreiben und wusste einfach keinen besseren Ort dafür. Ich denke, dass es hier vielleicht Menschen gibt, die genau nachvollziehen können, wie ich mich fühle.

Traurige Grüße von Celina

Edit: Der lange Text tut mir leid. Vielleicht hat ja trotzdem jemand zeit und Lust, es durchzulesen



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Gesperrt
 
Registriert seit: 03.07.2015
Beiträge: 5.334
Terry ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Geschrieben am 31.05.2020, 13:40

Ich hab’s mir durchgelesen, mein aufrichtiges Beileid zu Deinem Verlust.
Lasse die Trauer zu, sie gehört zum Abschiednehmen.

Es war für Luna sicher die richtige Entscheidung, allerdings stellen sich mir bei dem Vorgehen des Tierarztes die Nackenhaare auf.

Da Du noch zwei weitere Tiere hast, solltest Du @marinahexe mal um die Adresse eines kompetenten Tierarztes bitten, damit sich so ein Drama nicht wiederholen kann.

Und ich bitte Dich mir zu glauben, dass dieses null Kritik an Dir ist, wem hättest Du sonst vertrauen sollen wenn nicht Deinem Tierarzt!

Wir hier gucken von „außen“ (und sind daher nicht emotional eingebunden wie Du in Deiner Trauer) und kennen eben die Not vieler bis sie endlich einen kompetenten Tierarzt gefunden haben.




Benutzerbild von Betsy69
Kaninchen
 
Registriert seit: 26.11.2016
Beiträge: 1.429
Betsy69 befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 13:43

Mein herzliches Beileid. Es ist sehr traurig, dass du deine Luna gestern gehen lassen musstest.


Viele User hier (auch ich) können deine Gefühle nachvollziehen, weil sie selber schon in dieser Situation waren. Es ist nie leicht, die Entscheidung über Leben oder Tod zu treffen.
Du hast dein Tier intensiv gepflegt und als es ihr immer schlechter ging, genau überlegt, ob dieser Schritt der Richtige ist. Zweifel darf man immer haben, aber verzweifel nicht daran, du hast alles versucht und sie dann, als es ihr sehr schlecht ging, von ihrem Leid befreit.
Auch das gehört zur Tierhaltung dazu und wir sind es unseren Tieren schuldig, sie nicht unnötig leiden zu lassen.

Ich denke auch schon mal daran, ob ich etwas hätte anders machen können, aber wenn ich ehrlich mit mir bin, komme ich immer wieder zu dem Schluss, das meine Entscheidung richtig war.


Versuche an die schönen Zeiten mit ihr zu denken und irgendwann wirst du Frieden mit deiner Entscheidung machen. Momentan ist deine Trauer einfach noch zu groß, da sind diese Gefühle völlig normal.



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Benutzerbild von CelinaxX
Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 22.08.2014
Beiträge: 110
CelinaxX befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 13:57

Vielen lieben Dank euch Beiden für eure Antworten!

Terry das ist es leider, woran ich auch ein bisschen verzweifle. Ich war bei Dr. Thomas Göbel in Berlin. Dieser ist sogar auch auf Kaninchenwiese ausgeschrieben als spezialisiert auf Kaninchen. Eigentlich hatte ich auch einen recht kompetenten Eindruck. Aber dieses was wäre wenn.... verursacht bei mir Kopfschmerzen.

Normalerweise bin ich bei Dr. Ewringmann. Diese hatten in der Zeit leider keine Termine zu meiner arbeitsfreien Zeit. Da habe ich ein bisschen rumgegoogelt und den anderen Tierarzt gefunden. Wie gesagt kamen mir die Leute eigentlich auch kompetent vor. Bei Verdacht auf Aufgasung gleich von selbst ein Röbi gemacht und so, ohne das ich darum erst bitten musste.

Ich denke auch, dass meine Gefühle vermutlich erstmal normal sind ich habe mir bei meinem Frodo damals auch Vorwürfe gemacht. Der ist vor Diagnosestellung zu Hause allein gestorben und hat sich vermutlich noch gequält. da habe ich mir auch gesagt, hätte ich doch auf dieses bestanden beim Tierarzt, wäre ich doch nur zu dem Tierarzt gefahren, wäre ich nur nicht arbeiten gewesen..

Letztlich kann einem keiner die Fragen beantworten. Es tut einfach nur sehr weh, dass sie nicht mehr da ist. Ich habe hier noch zwei chronisch kranke Kaninchen zu sitzen (Zähne und Blase) und hätte nie gedacht, dass Luna zuerst geht




Benutzerbild von PollyBrow
Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 14.06.2019
Beiträge: 203
PollyBrow befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 14:10

Dein Verlust tut mir sehr leid. In meinen Augen hast du alles richtig gemacht. Du brauchst dir keine Vorwürfe machen.
Ein guter Tierhalter lässt seinen Tieren die bestmöglichste Behandlung zukommen, lässt es jedoch nicht unnötig leiden und Schmerzen ertragen.
Deine Hoppels können sich glücklich schätzen, dass sie dich haben!



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Gesperrt
 
Registriert seit: 03.07.2015
Beiträge: 5.334
Terry ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Geschrieben am 31.05.2020, 14:17

Zitat:
Zitat von CelinaxX Beitrag anzeigen
Ich denke auch, dass meine Gefühle vermutlich erstmal normal sind
Ja, das sind sie!

Ich hab vor drei Tagen einen Pflege-Rammler nach Not-OP (Bezoar) verloren und mach mir auch noch Vorwürfe, dass ich vielleicht die ersten Anzeichen übersehen haben könnte.




Benutzerbild von CelinaxX
Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 22.08.2014
Beiträge: 110
CelinaxX befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 15:34

Vielen Dank für euren Zuspruch!

Terry, dass du auch erst ein Pflegetier verloren hast tut mir leid.

Ich habe mittlerweile leider das Gefühl, dass man keinem Tierarzt so 100%ig vertrauen kann. Ganz egal bei wem ich war, kaninchenerfahren oder nicht. Alle haben irgendwann etwas gemacht, was ich aus dem Internet und auch aus diesem Forum als falsch deklariert hätte oder habe. Ob es nun die Empfehlung einer Heudiät (habe ich nie durchgeführt), das Knipsen von Zähnen oder sonst was war.

Trotzdem denkt man immer, das die ja spezialisiert sind und schon wissen, was sie tun. Nun hat man ja auch nicht schon jede Krankheit miterlebt und ist nicht unbedingt erfahren darin. Da fällt es dann auch schwer auf alles bei der Untersuchung zu achten. Und der Tierarzt sollte ja eigentlich selbst wissen, was gemacht werden muss und was nicht. Das ist aber leider nicht die Realität.


Viele Grüße von Celina



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Kaninchenfreund
 
Registriert seit: 19.05.2020
Beiträge: 629
Tintenherz befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 18:38

Ich hab den Text gelesen und mir tut dein Verlust unglaublich leid. Ich war auch in Situationen wie deiner und lass dir sagen, deine Gefühle sind vollkommen normal. Ich wünsche dir viel Kraft für deine Trauerbewältigung.



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Benutzerbild von LouisAbby
Kaninchen
 
Registriert seit: 26.02.2019
Beiträge: 1.213
LouisAbby befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.05.2020, 19:07

Zitat:
Zitat von CelinaxX Beitrag anzeigen
Vielen Dank für euren Zuspruch!

Terry, dass du auch erst ein Pflegetier verloren hast tut mir leid.

Ich habe mittlerweile leider das Gefühl, dass man keinem Tierarzt so 100%ig vertrauen kann. Ganz egal bei wem ich war, kaninchenerfahren oder nicht. Alle haben irgendwann etwas gemacht, was ich aus dem Internet und auch aus diesem Forum als falsch deklariert hätte oder habe. Ob es nun die Empfehlung einer Heudiät (habe ich nie durchgeführt), das Knipsen von Zähnen oder sonst was war.

Trotzdem denkt man immer, das die ja spezialisiert sind und schon wissen, was sie tun. Nun hat man ja auch nicht schon jede Krankheit miterlebt und ist nicht unbedingt erfahren darin. Da fällt es dann auch schwer auf alles bei der Untersuchung zu achten. Und der Tierarzt sollte ja eigentlich selbst wissen, was gemacht werden muss und was nicht. Das ist aber leider nicht die Realität.


Viele Grüße von Celina
Ich habe deinen ersten Beitrag gelesen. Ein Text zu diesem Thema kann niemals zu lang sein und ich kenne das Gefühl so ein Erlebnis mit jemandem teilen zu wollen. Es tut mir Leid um deine Luna. Ich wünsche dir viel Kraft, damit du weiterhin für deine anderen Nasen da sein kannst.
Zum Thema Tierarzt bin ich ganz deiner Meinung. Leider habe auch ich durch verschiedene negative Erfahrungen mein Urvertrauen gegenüber (Tier)Ärzten verloren. Ich denke, es ist nicht verkehrt sich als Laie zu informieren. Doch egal wie viel wir recherchieren, wir können nicht jeden Handgriff richtig einschätzen. So wie ich das lese, hast du dein Möglichstes getan und mehr erwartet auch niemand von dir. Ich finde, du hast dir nichts vorzuwerfen.



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Behandle dein Haustier so, dass du im nächsten Leben mit vertauschten Rollen klar kommst.
Pascal Lachenmeier



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Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 22.08.2014
Beiträge: 110
CelinaxX befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 01.06.2020, 22:42

Vielen Dank für die Beiträge!

Es geht mir auch schon etwas besser. Trotzdem fehlt mir die kleine Maus natürlich unheimlich

Das mit den Tierärzten ist schwierig. Ich denke man kann nur versuchen sich bestmöglich über alles zu informieren.

Viele Grüße von Celina



 
 
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