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Vergesellschaftung Erfahrungsbericht auf Kaninchen Forum

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  • 1 Post By Diabi

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Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 10.11.2018
Beiträge: 48
nosadfountains befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 10.11.2018, 01:59

Vergesellschaftung Erfahrungsbericht


Hallöchen liebe Kaninchenforum-Mitglieder und Leser,

ich bin so gut wie durch mit meiner ersten (soweit wie es aussieht, erfolgreichen VG)

Da ich während meiner VG trotz intensiver Vorbereitungen viele emotionale Auf- und Abs, sowie Sorgen im Allgemeine hatte, poste ich diesen Erfahrungsbericht hier. Er ist sehr detailliert, weil ich das Verhalten meiner Nins genau zeigen wollte. Ob alles normal und richtig abgelaufen ist... Mehr oder weniger würde ich sagen, aber alles in Allem ja.

Erfahrungsbericht: Kaninchenvergesellschaftung

Ich habe mich nach den einschlägigen (und auch in anderen Quellen zu findenden) Hinweisen von www.kaninchenwiese.de und http://www.diebrain.de/k-index.html gerichtet. Dies war meine erste und hoffentlich einzige Vergesellschaftung. Alle Anmerkungen ohne Gewähr. Ich bin kein Experte, ich möchte nur meine Erlebnisse und Gefühle schildern.

Vergesellschaftet wurden:
• Elinor (w. nicht kastriert, Alter unbekannt - ca. 8 Monate, 1.8kg schwer, vermutlich irgendetwas zwischen einem Zwergwidder und einem Holland Lop, im Park von einer Freundin vor Katze gerettet, zum Zeitpunkt der Vergesellschaftung bereits 3 Monate bei mir zuhause)
• Edward (m. kastriert, aus dem Tierheim nach der Kastration zu uns, Vorbesitzer hat ihn nach einem Beinbruch abgegeben, Alter unbekannt, vermutlich 5 Monate, Hermelinkaninchen, 1.6 kg, 6 Wochen bei uns zuhause)

Vor der Vergesellschaftung:

• 6 Wochen Sperre des Kastraten
• Vorbereiten eines neutralen Raums (Keller mit zunächst 3qm leerem! Gehege, nach 2 Tagen auf 4 qm erweitert)
• Austausch von Tüchern mit dem Geruch des Anderen (der ‚Tipp’ wurde uns vom Tierheim gegeben - im Nachhinein konnte ich keinen positiven Effekt merken, vielleicht sogar zum Nachteil, die empfohlene kein Sicht/Hör/Riechkontakt ist schon sinnvoll...)
• nach der erste Stunden hinzugegeben: neutrale Näpfe, Toiletten, Heu, Grünzeug, Leckerlis, Wasser etc. großer Karton mit 3 großen Öffnungen, kleine Stöckchen die keine Verletzungsgefahr bedeuten, leere Rollen von Klopapier / Küchenrolle zur Beschäftigung)
• Handtücher, Transportboxen, bissfeste Handschuhe!!! (falls alles leider schief läuft und sich die Kaninchen mehrmals verbeißen muss man trennen, passiert dies erneut müssen Utensilien zur Trennung sofort bereitliegen)
• Genügend Zeit (min. die ersten 3 Stunden durchgehend, danach sehr regelmäßig, alle halbe Stunde, später jede Stunde und nachts ab und zu wenn möglich)
• Youtube-Videos mit Vergesellschaftungen ansehen, sich PSYCHISCH darauf vorbereiten, dass es sehr stressig für die Kaninchen und den Halter wird... Am besten robuste Freundinnen, Eltern, Freunde, Kinder, Geschwister als Beistand haben (auch zum Trennen wichtig)

Ich werde zunächst den Ablauf der Vergesellschaftung schildern, danach werde ich auf den Effekt, den diese Abläufe auf mich hatten, eingehen. Zu guter Letzt werde ich anmerken, was ich anders gemacht hätte im Nachhinein.

Am Montag, den 09.11.18

12:00 Zusammensetzen E & E im 3 qm großen Gehege. Zur großen Überraschung meiner Mutter und mir hat Edward sofort das Ruder in die Hand genommen und Elinor berammelt. Diese hatte keinerlei Intentionen Edward zu dominieren und hat selbst keine Rammelversuche unternommen. Mama & ich waren uns sicher, dass Elinor die Dominante wird.... Dann ging das Gejage los. Edward jagte und rammelte Elinor.
12:25 Erste Ruhepause
12:35 Jagen und Rammeln ausgehend von Edward
12:45 Erste Beschnupperungsversuche, die immer in Jagdszenen enden, Elinor lässt ordentlich Fell, Bisse sind nicht zu sehen
13:15 Futter, Wasser, Heu, Kartonhaus, Toiletten werden ins Gehege gestellt, Wichtig: keine Sackgassen aus Gegenständen um Jagdszenen nicht übel enden zu lassen
13:40 Beide Kaninchen ruhen sich aus, gelegentliche Jagerei ausgehend von Edward
14:22 Gemeinsames Knabbern am Papphaus und an Heu, Jagdszenen und Pausen
15:00 Überraschung, die Beiden liegen das erste Mal nebeneinander
17:39 Elinor startet einen Rammelversuch, große Jagd- und Zwickszene, keine Bisswunden aber viel Fell, Edward übernimmt sofort das Ruder, Jagdszenen sehr wild, Näpfe, Klos und Häuser werden überrannt (vermutlich dort auch kleinere Kratzer an Elinors Ohr)
17:49 Elinor ist verstört und nervös, ergreift sofort die Flucht wenn Edward sich nähert, er brummt stark, regelmäßige Pausen von 2-3 min bis hin zu 10min zwischen dem Jagen
18:18 Edward frisst Leckerlis ohne Zögern, Elinor steht stark unter Stress und frisst nur wenn sie Edward weit weg wähnt
19:27 Jagd und Pause, Elinor versucht Edward zu jagen, wird ihr direkt ausgetrieben. Elinor verängstigt, aber auch Edward stark verunsichert, klopft andauernd mit den Hinterläufen
20:00 Längere Pause mit Fressen (nicht aus dem selben Napf) Elinor isst weniger als sonst, Kaninchen sind nur ganz bedingt stubenrein
21:00 Gelegentliche Jagdszenen, Abendruhe kehrt ein, beide Kaninchen erschöpft, stelle viel mehr Futter als sonst an verschiedenen Stellen im Gehege zur Verfügung, versuche aber ansonsten keine Interaktionen mit den Kaninchen
22:00 Nachtruhe für mich und die Kaninchen (schlafe mit Matratze im Keller, ob das so sinnvoll ist weiß ich nicht, ich war mir nicht sicher ob die schlimmsten Auseinandersetzungen schon vorbei waren und wollte im Notfall dabei sein)

Am Dienstag, den 06.11. 2018

01:00 Wache wieder auf durch Jagdgeräusche
02:00 Große Überraschung: Die Kaninchen liegen nebeneinander und dösen
05:00 Nach dem Aufwachen ein wenig zwicken und Jagen
06:00 Beide Kaninchen fressen, Elinor etwas hastig um fertig zu werden bevor Edward sie jagt (?)
07:00 aktive Jagdphase
08:00 Testweise keine Beobachtung
09:00 alles scheint soweit in Ordnung zu sein
10:00 Kaninchen beschnüffeln sich, Elinor legt ihren Kopf unter Edwards Kinn, Edward leckt ihren Kopf
11:00 wilde Jagdszenen, aber auch Ruhepausen, beide Kaninchen fressen, Elinor – 13:00 aber weniger als sonst, zeigt leichte Matschköttel (Nervosität?)
15:00 längere Ruhepause, Kaninchen in der jeweils anderen Ecke des Geheges,
- 17:00 Fronten wirken verhärtet
19:00 Edward rammelt sehr viel, brummt, Elinor ergreift die Flucht und fiept jämmerlich
22:00 Gleiches Spiel wie zuvor, ich lege mich mit Abstand vor das Gehege zum Schlafen

Am Mittwoch, den 07.11. 2018
02:00 Ich werde durch Geräusche geweckt, Kaninchen an den anderen Enden des Geheges, mache mir Sorgen, keine positiven Interaktionen seit fast 12 Stunden, ist das normal? Ist Edward zu wild? Wie sehr leidet Elinor?
05:00 Elinor wirkt aktiv und zerreißt Pappe, Edward schaut aus einiger Distanz beeindruckt zu
06:00 Frühstück
07:00 Die Jagdszenen wirken ruhiger, manchmal hoppelt Elinor auch nur weg, das Rammeln scheint abzunehmen
08:00 Ich überlasse die Kaninchen für den Morgen sich selbst
11:00 Die beiden liegen zusammen und kuscheln
13:00 Jagdszenen, weniger heftig, weniger Rammeln
15:00 Elinor rennt vor Edward weg, obwohl dieser nur Schnüffeln will, Brummen verängstigt sie? Fiept wenn er sich nähert
16:00 Gehege sieht aus wie ein Schweinestall, Toiletten meist nur fürs Pinkeln benutzt (immerhin) viel Heu wird geknabbert, teilweise auch zusammen
17:00 sobald sie sich etwas nähern brummt, schnuppert am Hinterteil von Elinor, oder umspringt Edward sie, dadurch gehäufte Weghoppel-Szenen, weniger wild
19:00 The same old story, Hoppeln, Rammeln (vereinzelt), Ruhe, aber auch mal neugieriges Kopf an Kopf beschnüffeln, Elinor fiept weniger
Nacht verläuft ähnlich wie Dienstag


Am Donnerstag, den 08.11. 2018
07:00 Frühstück
08:00 Kaninchen wirken entspannter, Hoppel- und Jagdszenen leider dennoch, unterbricht oft Elinor beim Futtern, vereinzelte Rammelversuche, aber Edward geht die Puste aus, brummt weniger
09:00 - Hoppeln, Rammeln, Jagen, leises Fiepen, Brummen, Fressen and again
13:00
15:00 Beide Kuscheln miteinander
16:00 Erweitere das Gehege auf 4qm, Effekt sehr positiv, nimmt etwas Druck
17:00 Let’s get ready to ruuuumble! (Hoppeln, Rammeln, Jagen, leises Fiepen, Brummen, Fressen and again)
Lasse die Kaninchen für eine Stunden oder zwei besonders wenn sie Schlafen aus den Augen, bin ca. 35 % des Tages im Keller, schlafe diese Nacht nicht unten

Am Freitag, den 09.11.2019
07:00 Morgentlicher Check, Edward hoppelt zu Elinor, sie hoppelt schnell weg, nachts scheint sich am Verhältnis wenig gebessert zu haben... oder doch?
08:00 Kaninchen wirken entspannter, viele positive Interaktionen, kein Hoppeln, Jagen, Rammeln, Fressen mehr, auch zusammen, erkunden zusammen das Gehege
bis 16:00 Nur positive Interaktionen, es wird zusammen gefressen, gekuschelt und gespielt
16:00 Umsetzen in Elinors altes Gehege bei mir auf dem Dachboden (das ‚finale’ Gehege) augenscheinlich zu früh, leichtes Jagen geht wieder los
20:00 weitgehend friedlich, erkunden des Geheges (3qm) + Auslauf in einer Zimmerhälfte (10qm)
21:00 kleine Jagdszenen, aber viel futtern, auch zusammen
22:00 Schlafen nur wenige Centimeter voneinander entfernt
23:52 Alles friedlich

Emotionaler Zustand der Halterin während der Vergesellschaftung

Ich liebe meine beiden Kaninchen, besonders Elinor sehr. Sie über Tage gestresst zu sehen hat mir das Herz gebrochen. Dennoch wusste ich, die Vergesellschaftung ist über kurz und lang das Beste für Sie.
Meine Nerven gingen ab Dienstag morgen mit mir durch. Montag Abend wirkte alles noch neu, und die Hoffnung eine kurze Vergesellschaftung zu haben war groß. Dienstag morgen sah alles dramatisch aus, ich suchte Rat bei Vergesellschaftungsexperten, diese versicherten mir, alles ganz normal, sogar eine der ‚harmloseren’ VGs! Etwas beruhigt saß ich im Keller. Wurde dann wieder mit jedem Jagdversuch Edwards nervöser. Sah meine Babies leiden. Wusste nicht, ob sie beide eine mehrwöchige VG durchstehen (Panikmache! Beide Fressen, haben Ruhepausen, lenken sich auch mit anderen Aktivitäten ab...) Wollte mich ablenken, hatte aber auch Angst, sie alleine zu lassen. Besonders Dienstag Abend, nachdem die Fronten sehr verhärtet schienen, war ich hoffnungslos und deprimiert. Dazu das Fiepen Elinors und das persistente Brummen Edwards...

Meiner Mutter konnte ich meine Sorgen wenig anvertrauen, natürlich wollte sie das Verhalten erklärt haben, aber vor ihr musste ich alles ein stückweit positiver darstellen. Sie war von VGs und Partnerhaltung nicht restlos überzeugt. Wenn die Kaninchen sowieso zusammen lebten, ok, aber extra so ein Stress für die Kleinen – möchte man das den süßen Fellnasen zumuten? Zu ihrer Verteidigung, sie hatte früher zwei Kaninchen (einmal als Jugendliche und dann kurz vor meiner Geburt) und das Wissen um das Sozialverhalten und artgerechtes Halten war einfach noch nicht da.

Ab Mittwoch Morgen war ich psychisch so ausgelaugt, dass ich automatisch als Selbstschutz mit Ausreden aus dem Keller geflüchtet bin (Zimmer oben kaninchensicher machen, Müll rausbringen, wichtigen Anruf tätigen, Nachbarin unterhalten, etc.).
Im Nachhinein hätte ich damit schon viel eher anfangen sollen. Die schlimmsten ‚Kämpfe’ waren ohnehin schon Montag Abend ausgetragen und mein Stress hat sich bestimmt auf Elinor übertragen.
Regelmäßige Check-Ups bei den Kleinen sind natürlich Pflicht, die Untersuchung auf Bisswunden natürlich auch! Sind diese Vorhanden, Größe und Intensität abklären. Blutet es nicht sondern man sieht nur einen Kratzer reicht eigene Behandlung. Danach Tiere intensiv (ohne Unterbrechung) für die nächsten paar Kämpfe und / oder Stunden beobachten – notorische Beißer? Gibt es mehr/schlimmere Wunden? Im Zweifelsfall Kaninchenhilfe-Experten konsultieren bevor abgebrochen wird (außer sie verbeißen sich heftig ineinander, dann trennen).

Alle Youtube Videos zu VGs, alle Texte und alle Beschreibungen konnten mich kaum darauf vorbereiten, wie eine VG wirklich ist. Die wichtigste Botschaft aus dem zuvor studierten Infomaterial war jedoch eins: NUR IM ÄUßERSTEN NOTFALL TRENNEN.

Natürlich sind die Kaninchen gestresst, natürlich ändert sich das Fressverhalten, natürlich hält das Jagen ein stückweit vom Fressen, Toilettengängen und Putzen ab. Solange wie die Kaninchen keine Apathie oder extreme Stresssymptome wie Anfälle oder sonstiges zeigen, NICHT TRENNEN. Selbst kleinere Kratzer können im Eifer des Gefechts passieren. Solange wie sie nicht an empfindlichen Stellen sitzen und/ oder behandelt werden müssen.

Ist dennoch eine Verletzung aufgetreten, die aber nicht aus purer Aggressivität des Partnertiers zugefügt wurde, sondern (vielleicht auch schon vor einigen Stunden) im Eifer des Gefechts, und jetzt ist das Verhalten im normalen VG Rahmen, nicht zu aggressiv? Dennoch muss der TA aufgesucht werden? Die VG aber ungern abgebrochen werden? Packt beide Tiere zusammen in eine Transportbox und auf zum Arzt. Die Angst vor der Autofahrt & der Box hält die Kaninchen vom Kämpfen ab (wie auch ohne Platz) und wird von allen VG-Experten, die ich kenne, empfohlen. Vorteil: VG wird nicht abgebrochen und ein Angstereignis kann durchaus zusammenschweißen. TA-Besuch sollte bei einer VG trotzdem genau abgewogen werden, schließlich bedeutet das viel zusätzlichen Stress für die Kleinen.

Wird alles dies beherzigt, kann man nur noch abwarten und Tee trinken (was übrigens hilft bei Nervosität). Mir ging es so schlecht, ich musste mir nachts Lavendelkissen ans Kopfkissen legen und Baldriantropfen nehmen. Geschlafen habe ich kaum. Falls es geht, sucht euch einen Freund oder Familienmitglied, das hilft. Aber nicht zu viele und nicht in wechselnder Besetzung im VG-Raum/Gehege, das kann die Tiere zusätzlich verunsichern.

Abschließende Kommentare

• Der Tipp vom Tierheim: Den VG-Raum/Gehege nicht zu groß! War echt ... mies... Der Wechsel von 3 zu 4qm (Stecksysteme von Songmics sei Dank!) hat viel Druck von den Kaninchen genommen. Die Brain empfiehlt sogar 6 qm. Natürlich darf der Raum auch nicht zu groß sein, die Tiere müssen sich ja begegnen. Wenn sie (besonders am Anfang) sich stundenlang nicht mal sehen, dann kann es zu verzögerten, heftigen Kämpfen kommen. Etwas zwischen 4-7 qm ist wohl ideal für 2 Kaninchen. Dabei kommt es auch auf die Vorhaltung an. Beide kommen aus großen Gehegen und/oder freihoppelnd in einem Kaninchenzimmer? Dann vielleicht doch lieber 6-8qm. Beide kommen aus Käfigen (ich hoffe nicht...) oder kleinen Zimmern? 4-6 qm.

• Nicht zu früh ablenkende Gegenstände wie Spielzeug in den VG-Raum bringen. Nach den ersten Begegnungen können Futter, Wasser, Toilette und Kartons mit mehreren Ausgängen (GANZ WICHTIG!) bereitgestellt werden. Am Anfang wird eh nur gejagt und gekäbbelt, da stören Gegenstände nur.

• Mehr Zeit außerhalb des VG-Raums verbringen, besonders wenn man sehr nervös ist. Kaninchen spüren das. Regelmäßige Check-Ups besonders der Ohren und Augen auf Verletzungen ist wichtig, ohne begründeten Verdacht aber am besten nicht ins VG – Gehege steigen. Jeder Eingriff verunsichert die Kaninchen. Vielleicht hilft, wenn möglich, eine Webcam mit der man alles sieht? Abwechselnd mit einem gut informierten Freund zu beobachten kann auch helfen. Hatten die Kaninchen in den ersten 12 Std. genug Interaktionen und man merkt, wie sich die Auseinandersetzungen verändern, kann man die Anwesenheit langsam herunterfahren. Ich hätte dies viel eher tun sollen.

• Akzeptieren, das jedes Kaninchen individuell ist und somit auch jede VG. Dauer und Verlauf können nicht vorherbestimmt werden. Bis auf ein paar Ausnahmen wie verbeißen sind auch rabiate Umgangsformen Standard. Die finale Aussöhnung kommt oft überraschend bzw. wird erst durch das Ausbleiben von Jagdsituationen über Tage deutlich.

• Zum Schluss noch ein Fehler von mir. Nachdem Freitag morgen Friede eingekehrt war, habe ich beide zu früh in das finale Gehege gesetzt (solltet ihr die Kaninchen sowieso hinterher in ein neutrales Gehege setzen, macht die VG falls die Umstände passen sowieso am besten da, wobei VORSICHT! nicht stubenrein). Meiner Ungeduld geschuldet hätte ich anstatt 8 Stunden eher 24 abwarten sollen. Es gibt wieder Gejage, die Kaninchen kuscheln und Fressen dennoch miteinander, der Umgang ist entspannter. Ich denke, noch 1-2 Tage und wir sind durch. Gelegentliche Meinungsverschiedenheiten, gerade zwischen nicht-kastrierten hitzigen Weibchen und Kastraten können dennoch auch später auftreten, falls das Weibchen also mal knurrt obwohl Friede-Freude-Eierkuchen herrscht... Hormone Solange wie der Rest der Zeit gekuschelt wird und der Partner eine Bereicherung ist, alles gut!

• 4-7 Tage ist eine mittlere Zeitspanne für eine VG, aber auch wochenlange VGs sind nicht unüblich. Entsprechend muss der VG-Raum vorbereitet werden. Das längere VGs in der Praxis sogar häufig vorkommen, wird auf die Brain und Kaninchenwiese zwar hingewiesen, aber auch mit der Aussicht auf VGs, die nur Stunden dauern, relativiert. Letzteres ist jedoch sehr selten und sollte mit Vorsicht genossen werden. In einem anderen Territorium nach der evtl. zu kurzen VG können Konflikte erneut hervorkommen.

Das sind meine Erfahrungen, ich hoffe sie helfen. Weniger auf fachlicher Ebene, schaut dafür bitte auf die Brain und Kaninchenwiese, sondern auf emotionaler Ebene.



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Moderatorin
 
Registriert seit: 13.07.2014
Beiträge: 1.925
Diabi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 11.11.2018, 09:40

Es freut mich, dass es bei Euch trotz aller emotionaler Höhen und Tiefen doch noch mit der VG geklappt hat!

Hättest Du mich gefragt, hätte ich ohnehin ganz andere Tipps zur VG gegeben...

Meiner Meinung nach braucht es nur

- das gewohnte Gehege (warum soll ich bei den Alttieren durch einen Revierwechsel für zusätzlichen Stress sorgen, den sie dann umso mehr an den Neulingen ausleben? Zudem macht man mit neutralem Gehege doch zwei VGs: eine, in der es um den Chefposten im neutralen Revier geht, und dann noch mal eine, in der die Rangordnung im alten Gehege erneut geklärt werden muss...)

- viel Platz, je mehr, desto besser (Ich vergesellschafte im gewohnten 25 qm-Gehege. Weshalb man die Viechlis auf engem Raum zusammen sperren soll, hat sich mir noch nie erschlossen, das sorgt nur für zusätzlichen Stress, und ich finde es auch nicht schlimm, wenn sich Streithähne mal stundenlang aus dem Weg gehen können und dadurch zur Ruhe kommen, auch konnte ich nicht beobachten, dass dadurch die Kämpfe heftiger wären, eher im Gegenteil. Mag sein, dass es bis zur endgültigen Harmonie in einem großen Gehege ein paar Tage länger dauert, aber lieber so, als Kämpfe ohne Unterlass und Dauerstress für alle Beteiligten)

- viel Essen an vielen Stellen (mit Futter im Maul lassen sich andere Nins schlecht beißen, Futter im Bauch macht träge und damit weniger Lust, die nächste Jagerei zu starten, umgekehrt sorgt ein leerer Magen zusammen mit dem VG-Stress gerne für gesundheitliche Probleme)

- Sichtschutz (wenn man den nervigen Nebenbuhler nicht immer vor Augen hat, kann man auch mal entspannen...)

- Rotwein, Baldriantee, zweibeinige Gesprächspartner und sonstige Ablenkung für den Futterspender (ein hippeliger Halter sorgt für noch mehr Unruhe und damit für noch mehr Streit während der VG, zudem neigt er dazu, überzureagieren und VGs abzubrechen, aus denen vielleicht ein paar Tage später eine harmonische Gruppe entstanden wäre...)

Und zu guter Letzt: die Verabschiedung von der Idee, dass Kaninchen den lieben langen Tag kuschelnd aneinander kleben müssen. Wir Menschen sind doch auch nicht rund um die Uhr damit beschäftigt, unsere Familienmitglieder zu hätscheln, sondern streiten ab und zu mal, wollen mal unsere Ruhe oder zicken jemanden an. Warum sollen Kaninchen das nicht dürfen? So lange nicht eines dauerhaft gemobbt wird und von der Gruppe ausgeschlossen ist, macht es gar nichts, wenn sich auch später mal zwei anzicken, oder nicht jeder immer mit jedem kuschelt...




Zwergkaninchen
 
Registriert seit: 10.11.2018
Beiträge: 48
nosadfountains befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 11.11.2018, 09:55

Vielen Dank für dein Feedback! Mittlerweile haben Elinor und Edward ganze 25 qm für sich und ich merke wie sehr es den beiden noch einmal gut getan hat, so viel Platz zu haben. Beide sind zuckersüß zusammen, aber auch Individualisten, die deutlich zeigen, wenn sie mal die Stupsnase voll haben voneinander. Aber alles friedlich

Wäre ich schon eher auf dieses Forum gestoßen, hätte ich wohl eine entspanntere VG gehabt, aber alles in allem habe ich wohl hoffentlich keine großen Fehler gemacht.

Außer der fehlende Rotwein für mich. DEFINITIV HÄTTE DAS GEHOLFEN



__________________
Psalm 36, 6-7

HERR, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie eine große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tier.



Moderatorin
 
Registriert seit: 13.07.2014
Beiträge: 1.925
Diabi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 11.11.2018, 10:04

Zitat:
Zitat von nosadfountains Beitrag anzeigen
Außer der fehlende Rotwein für mich. DEFINITIV HÄTTE DAS GEHOLFEN
Deswegen schreibe ich das auch immer, wenn ich VG-Tipps gebe, anstandshalber/aus Jugendschutzgründen noch mit dem Hinweis auf Baldriantee...

Wahrscheinlich erkennt der Müllmann mittlerweile schon an unserer Altglasbox, ob wir gerade eine VG haben oder nicht...



nosadfountains likes this.

Ninchen
 
Registriert seit: 28.11.2018
Beiträge: 1
Corioke befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.12.2020, 13:14

Eine Kaninchen Geschichte


Hallo, wir sind eine durchschnittliche vierköpfige Familie, Vater Mutter Sohn (11) und Tochter (9). Seit März 2019 haben wir zwei Kaninchen. Begonnen haben wir mit Sunny und Vidar von einer Notfellchen Stelle. Leider war Vidar sehr aggressiv, uns gegenüber und Sunny. Wir waren heillos überfordert und haben uns nach mehreren Bissatacken schweren Herzens entschieden, dass wir mit Vidar nicht glücklich werden können. Wir haben nach mehrfacher Unterstützung durch die Notfellchen Stelle gemeinsam mit dieser entschieden einen anderen Partner zu Sunny zu holen. So kam dann Dennis. Da Sunny durch Vidar noch völlig verstört war, hat sie Dennis als neuen Partner sofort in "ihrem" Revier akzeptiert. Ein paar Stunden jagen und beißen und Sunny war die erklärte Chefin im Ring.
Die beiden lebten in einem ca 20m2 außen Gehege mit einem Nachtquartier auf mehreren Stockwerken von ca 5-6 m2.
Nachdem unser Garten ohnehin fast ganz umschlossen ist, haben wir uns entschieden die restlichen Lücken zu schließen und unseren beiden Ninis ein Freigänger Dasein zu ermöglichen. Das war dieses Frühjahr. Bald haben wir auch den Zaun vom ursprünglichen Gehege entfernt, da das abendliche Reintreiben prima funktioniert hat.
Nach den Sommerferien kamen unsere Nachbarn mit einer jungen Katze aus dem Urlaub. Die hatte die größte Freude, unsere Sunny durch den Garten zu hetzen. Ob das am Ende mit ausschlaggebend war oder nicht wissen wir nicht. Auf alle Fälle lag unsere liebe Sunny eines Nachmittags Mitte Oktober tot im Garten.
Da nicht klar war woran unsere Sunny gestorben war, ob es womöglich RHD war (das ist eine andere Geschichte... Wir haben nun einen neuen TA) konnten wir für Dennis nicht sofort einen neuen Partner haben. Wir mussten zunächst den Befund abwarten. Es kam heraus, dass die Arme eine Lungenentzündung hatte. So sind wir, da wir ja nun durften, sofort zur Notfellchen Stelle und haben uns dort für einen zweiten kastrierten Rammler entschieden. Ja ich weiß, ein Mädel wäre besser gewesen, aber da unsere Nachbarn auch zwei Kaninchen in Buchten haben, eine Dame die sie gelegentlich von ihrem Rammler decken lassen, hatten wir furchtbar Angst, dass dieser Rammler mal in unsren Garten entwischen kann und unsere Kaninchen Dame deckt (wir Zwerge, die Nachbarn Riesen, oder mindestens Mischlinge). Und mangels neutralem Grund haben wir den lieben Knuff einfach zu Dennis ins Nachtgehege gesetzt. Ich würde sagen, es hat wie eine normale VG gestartet. Das war Ende Oktober. Und nun, zwei Monate später haben die beiden immer noch nicht zusammen gefunden. Der mehrstöckige Stall hat dazu geführt dass jeder seinen Bereich "abgesteckt" hat. Dennis jagt Knuff weg, wenn der ihn stört, Knuff läuft davon, wenn Dennis nur zuckt. Einmal haben die beiden vom gleichen Haufen gefressen, und vor 1 Woche hat Knuff Dennis gejagt, gerammelt und Dennis hat sich sogar unterworfen (Kopf unter Knuffs gesteckt). Da war die Freude groß. Aber am nächsten Tag war davon nichts mehr zu sehen. Achja, nach zwei Wochen und einem sehr depressiven Dennis haben wir die beiden wieder täglich in den Garten gelassen. Und jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Manchmal sitzen sie mit wenig Abstand (<1m),dann wieder ist Dennis völlig genervt wenn Knuff zu nahe kommt. Es gibt einfach keinen erkennbaren Fortschritt mehr. ... Ich möchte halt unbedingt vermeiden, dass am Ende 2 Einzelkaninchen bei uns leben. 2 Mädels dazu kommt leider nicht in Frage, da macht mein Mann nicht mit. Also sind wir gerade auf der Suche nach einem Platz, an dem wir ein kaninchen für ein paar Wochen ausquartieren, und nach einem Platz wo wir neu VG können... Falls es jemand in der Nähe von 7453x gibt, der VG für andere durchführt, darf er/sie sich gerne melden. Ich hab nun ein erschwingliches Gehege gefunden, aber eigentlich ist es zu klein. Nur gute 2m2...und das für unsere Freigänger 😢 aber ich kann's mir halt nicht leisten mehrere hundert Euro für ein Marder sicheres Gehege auszugeben.
Ich hätte gerne noch Bilder von unseren Fellnasen angefügt, aber ich check das irgendwie nicht 🙈




Benutzerbild von Talula
Kaninchenfreund
 
Registriert seit: 30.03.2016
Beiträge: 655
Talula befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 31.12.2020, 18:36

Hey Corioke


dies hier ist ein alter Thread, mach doch bitte für dein Thema einen eigenen Thread auf, der Übersicht halber.
Ausserdem wären ein paar mehr Absätze in deinem Text gut, so ein Fließtext ist schwer zu lesen bzw schreckt vom Lesen ab.



__________________
LG von Nougie und Ebby
https://www.kaninchenforum.de/image.php?type=sigpic&userid=22405&dateline=164025  8412<i>
....und Menschin Möhrja


 
 
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