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Was macht einen seriösen Züchter aus? - Materialsammlung auf Kaninchen Forum

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Benutzerbild von Kreusa
Kaninchen
 
Registriert seit: 29.08.2010
Beiträge: 5.830
Kreusa befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 27.10.2014, 20:00

Was macht einen seriösen Züchter aus? - Materialsammlung


Hallo ihr Lieben,

mir ist (offensichtlich ) mal wieder eine Idee für einen Thread gekommen. Oft wird gerade in Vorstellungsthreads, Woher-hole-ich-meine-Kaninchen-Threads oder bei Vermehrerversuchen von "seriösen Züchtern" geschrieben, bei denen man, im Gegensatz zu ihren vermehrenden Pendants, besseren Gewissens Tiere kaufen kann. Aber bisher habe ich noch nirgends hier im Forum eine allgemeine Aufstellung mit Kriterien gefunden, was einen solchen "seriösen Züchter" überhaupt ausmacht und wollte mal versuchen etwas zusammenzustellen. Eventuell zum Verlinken, Anpinnen oder für die FAQs.

Ich hoffe auf eure Mithilfe und Ideen, besonders auch die der Züchter, die hier vertreten sind. Ihr Blickwinkel auf das Ganze ist sicher bereichernd und sie können auch kommentieren, was aus Züchtersicht leistbar und was utopisch ist.

Hier mal ein paar Ideen für Kriterien von mir (ohne Anspruch auf Vollständigkeit usw.):

Allgemeines:

- ein seriöser Züchter sucht seine Zuchttiere sorgfältig aus und achtet genau auf deren Herkunft, Gesundheitszustand, Stammbaum, Wesen usw.

- er hält seine Tiere artgerecht in Paar- oder Gruppenhaltung in ausreichend großen, gut eingerichteten, sicheren Gehegen (schließlich fungiert er auch als Vorbild für künftige Halter, die sich bei ihm vielleicht Anregungen für den Gehegebau und die Haltung zu Hause holen)
Eine Ausnahme bilden hier potente Zuchtrammler, wobei auch da nach Lösungen gesucht werden kann, sie nicht lange ganz allein halten zu müssen (z.B. durch eine Vergesellschaftung mit Frühkastraten oder eine begrenzte Einsatzdauer, nach der sie kastriert werden)

- er ernährt seine Tiere nicht ausschließlich mit Pelletfutter, Wasser und Heu, sondern bietet Frischfutter (am besten Wiese) an

- seine Tiere werden bei Bedarf tierärztlich versorgt und werden täglich in Augenschein genommen um Krankheiten und Probleme früh erkennen zu können

- er hat genügend Geld, Platz und Zeit für sein "Hobby", schließlich trägt er eine große Verantwortung

- er kennt den Charakter und die Eigenschaften seiner Tiere und kann auch Interessenten darüber aufklären und sie hinsichtlich eines passenden Tieres beraten

Vermittlung

- er steht Interessenten und Käufern mit Rat und Tat zur Seite und berät sie kompetent

- er klärt Interessenten über mögliche Probleme bei der Haltung verschiedener Kaninchenkombis auf (Jungtiere kommen in die Pubertät, zwei Mädels können Ärger geben, zwei unkastrierte Rammler funktionieren nicht, eingespielte Pärchen sind für Anfänger die beste Lösung...)

- er verkauft weder kranke, nich tragende Tiere und auch keine unkastrierten Pärchen an Anfänger oder ungeeignete Interessenten

- er lernt Interessenten kennen und gibt seine Tiere nicht wahllos an jeden ab

- Interessenten dürfen sich die Haltungsbedingungen der Elterntiere usw. ansehen

- er informiert sich ob die Tiere Zucht- oder Liebhabertiere sein sollen und berät dementsprechend

- er verkauft "fehlgefärbte" Tiere und solche auf denen er "sitzen bleibt" nicht an Zoohandlungen

Wissen

- er verfügt über fundiertes Wissen zu Kaninchen allgemein, Krankheiten, Genetik, Erbkrankheiten, Geburt und Aufzucht und könnte Jungtiere im Notfall auch mit der Flasche aufziehen

- er könnte auf Nachfrage angeben, warum genau er welche Zuchtmethode gewählt hat und mit welchem Ziel er welche Tiere verpaart hat

- er selektiert kranke, schwache, erblich vorbelastete etc. Tiere aus der Zucht aus

- er hat sich auf eine (oder zumindest wenige) Rassen spezialisiert und verpaart nicht wild durcheinander um "mal süße Babys" zu erzeugen

- er führt Buch über Zu- und Abgänge, Krankheiten, Würfe, Gewichte, Entwicklung der Würfe etc.

- Er gönnt seinen Zuchtweibchen regelmäßige Trächtigkeitspausen, lässt sie im entsprechendem Alter das erste und letzte Mal decken

- Er gibt seinen Nachwuchs erst ab, wenn dieser körperlich und psychisch weit genug entwickelt und sozialisiert ist



So... was meint ihr?



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It takes very special qualities to devote one's life to problems with no attainable solutions and to poking around in dead people's garbage: Words like 'masochistic', 'nosy,' and 'completely batty' spring to mind.

Paul Bahn. 1989. Bluff Your Way in Archaeology.

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Kaninchen
 
Registriert seit: 13.02.2012
Beiträge: 3.102
Clagiostro befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 27.10.2014, 21:13

Liest sich gut - ABER:

ein professioneller Züchter, einer der seine Tiere ausstellt, will im besten Fall die Rasse erhalten/verbessern und Siege erringen mit den Tieren.

Für den sind lebend verkaufte Tiere eigentlich nur ein Zubrot. Meist werden ungeeignete Tiere doch geschlachtet und dafür kriegen sie oft mehr als für ein lebendes Tier.

So ein Züchter steckt auch viel Geld in die Zucht, achtet doch eigentlich im eigenen Interesse auf gesunde Tiere.
Weil er sie doch sonst nicht ausstellen kann.

Die Tiere artgerecht zu halten,dafür haben doch die wenigsten den Platz. Denn sie müssen ja viele Junge erzeugen um eine Auswahl zu haben und die Chance, einen wirklichen "Sieger" großzuziehen.

So gesehen, ist doch die Zucht von Kaninchen eigentlich bei den meisten Züchtern ein "Hobby". Weil verdienen werden die kaum was daran. Das tun nur die wirklich großen Vermehrer.

Und die die sich Hobbyzüchter nennen, die züchten/vermehren weil sie sich davon einen Gewinn versprechen.
Ergo wollen die garnicht in die vernünftige Haltung der Tiere investieren. Jedenfalls die Allermeisten.
Denen geht es nur ums schnelle Geld (ich habe eine solche Hobbyzüchterin von Meerschweinchen in Berlin kennengelernt. die hatte den ganzen Balkon voll mit handelsüblichen Käfigen.Da saßen in jedem Meterteil mindestens fünf Meeris!
Außerdem hat sie drei verschiedene Katzenrassen gezüchtet und Chihuahuas!
Alles in einer Dreizimmerwohnung in der noch ihre drei Kleinkinder lebten!

Sie "liebte alle ihre Tiere selbstverständlich abgöttisch und gab sie schweren Herzens nur ab, weil die Wohnung so klein ist und ihre Kinder ja auch was essen müssen - O-Ton von ihr).

Als Käufer kann ich vieles von dem was du aufführst garnicht sehen/kontrollieren. Und wenn ich zu massiv nachfrage, reagiert der Züchter/Verkäufer eventuell angesäuert. Und ich erreiche nichts - nichts für alle seine Tiere und kriege vielleicht auch nicht das gewünschte Tier.

Ich denke auch nicht, dass ein professioneller Züchter mir Einblick in seine Zuchtbücher gewährt nur weil ich ein Tier von ihm kaufen will.

Selbstverständlich sollte man kein Tier von Jemandem erwerben, wo offensichtliche Mißstände herrschen.

Ich mein das jetzt nicht böse oder als Kritik an dir, aber so sehe ich das.




Benutzerbild von Kreusa
Kaninchen
 
Registriert seit: 29.08.2010
Beiträge: 5.830
Kreusa befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 10:15

Ich nehme es auch nicht böse Eine Diskussion, was davon ein Züchter leisten kann, und was eben Tierschützerutopie ist, soll ja auch angeregt werden.

Ein paar Kommentare:

ein professioneller Züchter, einer der seine Tiere ausstellt, will im besten Fall die Rasse erhalten/verbessern und Siege erringen mit den Tieren.

Das finde ich per se völlig in Ordnung und sehe nicht, wo das einer vernünftigen Haltung und Zucht der Tiere entgegenpricht? Gerade Züchter, die sich auf eine Rasse und Ausstellungserfolge spezialisiert haben müssen sich doch besonders genetisch auskennen und die Ergebnisse der Zucht genau dokumentieren. Alles andere ist doch unwirtschaftlich, da durch "Rumprobieren" viel zu viele Jungtiere produziert werden, die nicht die gewünschten Merkmale haben.

Für den sind lebend verkaufte Tiere eigentlich nur ein Zubrot. Meist werden ungeeignete Tiere doch geschlachtet und dafür kriegen sie oft mehr als für ein lebendes Tier.

Finde ich ebenfalls völig okay, so lange bei Haltung und Schlachtung eben alles möglichst ohne Tierquälerei abläuft. Ist mir ganz ehrlich sogar lieber, als wenn der Züchter die Tiere in Käfig-Kinderzimmerhaltung, zu Hobbyvermehrern oder an Zooläden abgibt. Lieber ein schnelles Ende, als 10 Jahre im 1 Meter Käfig vor sich hinvegetieren und als Wurfmaschine und Kuscheltier benutzt werden.

Und die die sich Hobbyzüchter nennen, die züchten/vermehren weil sie sich davon einen Gewinn versprechen.
Ergo wollen die garnicht in die vernünftige Haltung der Tiere investieren.


Wieso dann da nicht schlichtweg nicht kaufen statt ihre Haltungsbedingungen zu ignorieren und ihnen trotzdem einen Verkaufserfolg zu verschaffen? Wenn sie merken, dass sie mit diesem Geschäftsmodell nur Miese machen, werden sie sich früher oder später entweder überlegen aufzuhören... oder etwas zu ändern. Klar ist es utopisch, dass solche Leute mal flächendeckend boykottiert werden. Aber alles fängt mal klein an und jeder, den wir hier daran hindern können da ein Tier zu kaufen, ist immerhin einer, der das System nicht unterstützt.

Als Käufer kann ich vieles von dem was du aufführst garnicht sehen/kontrollieren. Und wenn ich zu massiv nachfrage, reagiert der Züchter/Verkäufer eventuell angesäuert. Ich denke auch nicht, dass ein professioneller Züchter mir Einblick in seine Zuchtbücher gewährt nur weil ich ein Tier von ihm kaufen will.

Mir geht es auch nicht darum nach bester Polizeimanier mit einem strengen "Zuchtbuch und Papiere! Und dann kontrollieren wir mal den Stall! " bei einem Züchter aufzuschlagen . Da kommt es doch auf die Art und Weise an. Ich denke doch, wenn man aus Interesse mal nett fragt, wie der Züchter eigentlich entscheidet welches Tier mal mit wem darf, sollte das doch keiner allzu übel nehmen und zumindest theoretisch eine Antwort auf Lager haben (A la "Meine Häsin Hoppeline hat Farbmerkmal XY und mein Rammler Brutus hat Merkmal Z, durch die Verpaarung wollte ich erreichen, dass sie Jungtiere ABC sind" und eben nicht "Ich wollte halt mal süße Babys haben und sehen was da rauskommt"). Das gehört für mich wieder zum Thema Genetikkenntnisse, vernünftiges Zuchtziel etc.



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Benutzerbild von iLulu
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Registriert seit: 12.07.2012
Beiträge: 4.098
iLulu befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 10:36

Sehr gute Idee!

Wir haben damals unsere Hamsterdame aus einer "Hobbyzucht" gekauft.

Da gab es mehrere Faktoren, die diese Zucht gut erscheinen ließ.

1. Jeder Interessent muss die zukünftige Behausung, versehen mit einem Schild/Zettel mit dem Namen der Zucht, fotografieren. Erst dann und wenn die Behausung artgerecht (auch die Einrichtung) war konnte man sich auf ein Tier "bewerben".

2. Auf der Internetseite der Zucht wurde jeder Wurf dokumentiert, mit kurzer Beschreibung (auch genetisch).

3. Es wurden nicht wahllos Würfe produziert, sondern absolut geplant und vorrausschaubar. Auch wurden nur Würfe angesetzt, wenn ausreichend Interessenten vorhanden waren.

4. Auf der Homepage wurde außerdem die eigene Haltung vorgestellt. Mit Fotos der Ställe, "Menge" der Tiere...

5. Die Hamsterdamen haben max. 2-3 Würfe. Danach werden sie vermittelt oder als Liebhabertier behalten.

6. Jeder Käufer hat Futter mitbekommen, mit der genauen Zusammensetzung und Erklärung, warum das Futter gut ist. Außerdem gab es für jeden noch Infos zur Hamsterhaltung.

7. Als wir dort waren, um unsere Dame abzuholen, sah es genauso aus, wie auf den Fotos. Und, trotz bestimmt 10 - 15 Ställen, roch es nicht nach Hamster. Die Ställe waren alle liebevoll und artgerecht eingerichtet.

Natürlich weiß ich, dass eine Hamster- und eine Kaninchenzucht nicht 1 zu 1 zu vergleichen sind. Allein schon, weil Hamster eben einzeln gehalten werden müssen. Trotzdem wollte ich meine Erfahrung mal schildern, weil einige Punkte sicher auch für Kaninchenzüchter anwendbar sind.



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Registriert seit: 17.12.2012
Beiträge: 7.295
Angora-Angy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 13:27

Hmm, da fühle ich mich ja fast gezwungen meinen Senf dazuzugeben. Vor wenigen Tagen wurde ich auf FB massiv angegriffen, weil ich ja so ein böser Züchter bin, der seine Tiere ausbeutet und die ihm scheißegal sind... Ich stehe auch hier zu meinem Standpunkt, dass ich nicht in einer 100% Polyester-Welt ohne Naturprodukte (einschließlich tierischer Erzeugnisse) leben will und es für das Tier, namentlich meine Kaninchen, wesentlich angemessener finde, nach einem halben Jahr im Gruppen-Laufstall mit Wiesenfütterung geschlachtet zu werden, als 10 Jahre oder länger in einem Zooladenkäfig dahinzuvegetieren.
Fakt ist, dass ich schon mehr als einmal erlebt habe, dass Interessenten plötzlich nicht mehr antworten, wenn ich nachfrage, wie sie das Tier zu halten gedenken, das sie von mir erwerben wollen. An solche Leute gebe ich meine Tiere nicht ab. Der nette Herr, mit dem ich neulich im Dorf ins Gespräch gekommen bin, guckte mich auch etwas irritiert an, als ich seinen Vorschlag, meine Jungtiere an einen ihm bekannten Zooladen zu verkaufen, entrüstet abgelehnt habe. Auch Kollegen, denen ich von meinen Jungen erzählt habe, waren verwundert, dass ich nicht freudig angenommen habe, als sie anboten mir welche abzunehmen. Die eine wollte "aber nur eins, macht ja sonst Arbeit und die Kinder sollen ja auch nur damit spielen".

Ich selbst möchte gern als Hobbyzüchter bezeichnet werden, denn meine Tiere sind meine Leidenschaft, mein Hobby, kein "Tiermaterial" und keine "süßen Wuschelhäschen". Ich verdiene nicht daran selbst wenn ich Tiere verkaufe. Was nicht so leicht ist wie man denken sollte, weil ich den Preis nicht verhandele und meine Tiere nicht an jeden abgebe. Ich versuche den Leuten klarzumachen, dass es sich um Tiere mit hohen Ansprüchen handelt, umso mehr, als es ein Nutztier ist, das spezielle Kenntnisse erfordert. Ich lade die Leute ausdrücklich zu mir ein, sich die Ställe und die Tiere anzuschauen und versuche nachher mit den Käufern in Kontakt zu bleiben. Manche haben den Kontakt trotzdem abgebrochen und zwingen kann ich ja keinen. Ich kann mich dann nur nach den Beschreibungen des künftigen Heims richten und hoffen, dass die Leute nichts schönreden oder gar lügen. Es gibt immer einen Vertrag in dem alle Details zum Tier inkl. etwaiger Fehler festgehalten sind, genauso wie das lebenslange Beratungs- und Rücknahmeangebot. Wer angibt, züchten zu wollen, bekommt einen Stammbaum mit, soweit ich die Daten selbst habe. Dafür habe ich mir eine Software zugelegt, mit der ich das verwalten und dokumentieren kann. Futter für die ersten Tage ist eine Selbstverständlichkeit, genau wie die Erklärung artgerechter Ernährung inkl. Hinweis auf Kaninchenwiese.

Und was das Schlachten angeht, so habe ich eher ein schlechtes Gewissen, wenn ich Fleisch im Supermarkt kaufe. Ich weiß, dass es meinen Tieren vor der Schlachtung gut ging und dass der Akt des Schlachtens von jemandem ausgeführt wird, der das kann und sorgfältig macht. Meine Tiere werden nicht nach einer Mast in Rekordzeit unter schlimmsten KZ-Bedingungen tagelang quer durchs Land gekarrt und von unterbezahlten Akkordarbeitern gemetzelt. Kreusa hat ja den Punkt aufgenommen, dass Tiere ausselektiert werden müssen, um einen gesunden Tierstamm aufzubauen. Doch einen anderen Ausweg als die Schlachtung gibt es da eigentlich nicht. Ein Tier mit körperlichen Fehlern wird doch unter selbigen ein Leben lang zu leiden haben. Wissentlich jemanden mit immensen Kosten zu belasten, weil ich ein Tier mit Zahnfehlstellung nicht schlachten will, würde ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können. In meinem Fall muss auch die Wolle betrachtet werden, denn ein Tier, das zu Filz neigt, wird unter diesem leiden und gehört nur in wirklich fachkundige Hände. Die wiederum wollen aber ein Tier, das brauchbare Wolle produziert. Folglich bleibt bei Angorakaninchen mit schlechter Wolle auch nur ein Ausweg. Und selbst wenn ein Tier nur Schönheitsfehler aufweist, sich aber kein passender Käufer findet, wird irgendwann die Entscheidung anstehen, weil schlichtweg der Platz nicht mehr reicht. Wie oben schon erwähnt, ist mir das lieber als ein Leben im Gitterknast. Würde ich für mich selbst auch so wählen.



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Benutzerbild von Kreusa
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Registriert seit: 29.08.2010
Beiträge: 5.830
Kreusa befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 19:58

Zitat:
Zitat von Angora-Angy Beitrag anzeigen
Hmm, da fühle ich mich ja fast gezwungen meinen Senf dazuzugeben.
So soll es sein . Danke für deinen Erfahrungsbericht, ich bin da in so ziemlich allen Punkten mit dir einer Meinung.
Danach braucht man ja beinahe ein zweites Thema mit "Was erwartet ein seriöser Züchter von Interessenten/Käufern?". Ich kann mir schon vorstellen, dass da eine Menge Leute mit seltsamen Vorstellungen kommen...

Ist dir sonst irgendwas eingefallen, das oben noch fehlt? Ich meine aus Züchtersicht gesehen ist es ja auch ein anderer Blickwinkel und bringt vielleicht etwas, das mir vielleicht gar nicht so ins Auge fällt



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Benutzerbild von DWFreundin
Kaninchen
 
Registriert seit: 25.06.2010
Beiträge: 1.886
DWFreundin befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 20:31

hey,

ich würde mich selber als Hobbyzüchter bezeichnen, weil ich aus verschiedensten Gründen meine Tiere nicht ausstelle und auch nicht in der Hinsicht züchte.

Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, sind Halter die bei Menschen Tiere kaufen, die Vermehren, ohne Ziel, ohne Konzept und ohne Sachverstand.

Leider kommt das auch in diesem Forum vor und das verstehe ich persönlich nicht.

Unter Rassezüchtern ist das was ich tue nicht anerkannt. Meine Tiere werden in deren Augen zu lasch gehalten, die Farben sind nicht anerkannt und sie bezeichnen meine Tiere als "Spielhasen". Sprich... ein Vereinszüchter bin ich somit nicht.

Ich habe von meinem Hobby aber defintiv keinen Profit, im Gegenteil. Hochgerechnet gebe ich im Jahr sicher mehr als 1000 € aus... dem Gegenüber stehen Einnahmen von vllt. 300 €. Ein reines Verlust"geschäft" und wer dieses Ziel verfolgt, KANN nicht artgerecht halten und züchten.

Und nein... für mich ist es nicht retten, wenn man Tiere vor der Schlachtung freikauft. Es ermöglichst dem Vermehrer nur, seine Tiere weiterhin schlecht zu halten, zu füttern, zu pflegen und für Schleuderpreise zu verscherbeln. Dann kommen halt drei Andre in den Topf...

Ein seriöser Züchter pflegt seine Tiere bestmöglich. Mir geht hier eines ab, was ich gerne noch anmerken würde.

Ich führe z.B. kein Zuchtbuch, das würde auch nichts aussagen. Aber ich kümmere mich um meine Tiere mit viel viel Zeit und Liebe. Für mich sind Kaninchenjunge wie Hundewelpen, die ich versuche gut zu sozialisieren und auf das neue Leben vorzubereiten.

Meine Alttiere werden jährlich mehrfach geimpft, sind medizinisch bestens betreut, ich widme ihnen viel Zeit UM dann wiederum Jungtiere zu haben, die gesund sind, munter sind und ein ausgeglichenes Wesen besitzen.

Für mich sind Jungtiere ein Vollzeitjob, deswegen habe ich auch nur ein paar Würfe im Jahr... manchmal auch nur zwei. Sie brauchen mindestens acht Wochen lang jeden Tag für mehrere Stunden Betreuung und Zuwendung, müssen entwurmt, Kokzidiengekurt, vllt geimpft und beschäftigt werden.
Die Ernährung ist speziell bei DW kompliziert und kostspielig. Diese Investitionen zahlen sich aus und bisher waren die meisten neuen Halter sehr zufrieden mit ihren Tieren.

Ganz zum Schluss kommt der Punkt "Farbe und Statur", denn natürlich ist das ein sehr großes Ziel, aber eben nur das Tüpfelchen auf dem i.

IM Züchterleben ist nicht immer alles super und toll, man durchlebt viele Rückschläge, weint viele Tränen und schlägt sich oft mit unmöglichen Menschen rum.

Aber es ist die Freude die man hat, wenn man sein 7 Monate altes Tier anschaut, das farblich einfach nur der hammer ist um vom Wesen her jedes Herz im Sturm erobert. An kleinen optischen Mängeln kann man arbeiten, aber das ändert nichts daran, dass es ein wunderbares Tier ist.

Wenn ich persönlich wohin komme und da sitzen die Jungen 8 Wochen lang im Käfig und werden dann verkauft, ohne je etwas andres kennengelernt zu haben als diese 4 Wände, dann weiß ich schon, dass ich da nichts kaufen werde. Die Tiere sind schlecht sozialisiert und werden IMMER unter diesen Umständen leiden. Für diese Tiere ist es sogar gut, wenn sie früher da weg kommen, denn dann haben sie noch eine Chance den Menschen als etwas positives kennenzulernen. Vor allem Riesen sind da sehr anfällig. Die sind wirklich und wahrhaftig wie Hunde, auch in ihrer Prägungsphase.


Ein guter Käufer macht einen guten Züchter!

Lg, DWFreundin



Angora-Angy and Kanarienvogel like this.

Geändert von DWFreundin (28.10.2014 um 20:40 Uhr).

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Angora-Angy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 20:36

Super geschrieben!
Warum führst du kein Zuchtbuch? Ich kann mir im Moment noch merken, wer mit wem wie verwandt ist, aber früher oder später verliert man da doch den Faden? Wie machst du das? Außerdem kann ich mit meinem Zuchtprogramm (Kaninchenscout) ganz simpel einen Stammbaum ausdrucken, wenn der Käufer das wünscht.




Benutzerbild von DWFreundin
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DWFreundin befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 20:42

Ich habe kaum Würfe, da kann ich mir noch alles merken Und da ich ein bestimmtes Ziel verfolge, das ich ohne entsprechende Ausgangstiere "basteln" muss, hab ich ständig wieder Fremdblut drinn.

Noch merk ichs mir ... hab ja auch nur 6 Tiere

Stammbäume für Käufer schreibe ich jedes Mal neu. Ich hab also einen Überblick, ich führe nur nicht Buch über einzelne Junge.




Kaninchen
 
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Beiträge: 7.295
Angora-Angy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 20:42

Zitat:
Zitat von Kreusa Beitrag anzeigen
So soll es sein . Danke für deinen Erfahrungsbericht, ich bin da in so ziemlich allen Punkten mit dir einer Meinung.
Danach braucht man ja beinahe ein zweites Thema mit "Was erwartet ein seriöser Züchter von Interessenten/Käufern?". Ich kann mir schon vorstellen, dass da eine Menge Leute mit seltsamen Vorstellungen kommen...

Ist dir sonst irgendwas eingefallen, das oben noch fehlt? Ich meine aus Züchtersicht gesehen ist es ja auch ein anderer Blickwinkel und bringt vielleicht etwas, das mir vielleicht gar nicht so ins Auge fällt
Was ich noch hinzufügen könnte, wären meine selbstgesteckten Zuchtziele: Gesundheit ist ja selbstverständlich, die Wollleistung versteht sich auch von selbst, dazu kommt aber auch noch Charakter und Sozialverhalten, bei den Damen noch das Aufzuchtvermögen. Dem schönsten Jungrammler nützt sein Aussehen nichts, wenn er ein beißendes Mistvieh ist (übertrieben gesagt). Einer Häsin nützt kiloweise Wolle nichts, wenn sie sich nicht in die Gruppe eingliedert und eine schlechte Mutter ist. Ein Dreifach Hoch auf Abby, so soll es sein: 1. Wurf, 9 Junge, alle hervorragend aufgezogen. Ich stehe allerdings ja noch am Anfang, mit Abbys Kindern hoppelt erst die zweite Langohrschafgeneration durch die Welt.
Irgendwelche Äußerlichkeiten stehen bei mir eher hinten an. Höchstens dass ich Emmas "edles" Profil am Kopf sehr hübsch finde und diesen eher länglichen Kopf bei der Auswahl bevorzuge. Ich finde diese pummeligen "Kindchenschemakarnickel" einfach nicht schön. Das Thema Zähne hängt da natürlich auch wieder mit dran. Ich mag auch große Ohren, die ausdrucksvoll aufrecht-V-förmig getragen werden. Und ich möchte sie langfristig etwas größer werden lassen, so an die 4kg-Grenze will ich mich rantasten.




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Geschrieben am 28.10.2014, 20:51

Da hast du Recht, zumal sich Charaktereigenschaften vererben... und das sehr dominant.

Was mir persönlich in meiner Zucht noch wichtig ist, dass die Tiere in der Gruppe aufwachsen und die Häsinnen in der Gruppe gehalten werden. Ich hab letztens mal ein Video einer VG bei uns gemacht.... man merkt nicht wirklich, wer die Neue ist

Jungkaninchen werden aufgenommen, als wären sie nie weg gewesen. Das ist sehr entspannend und überaus erleichternd. Bis dato haben sich übrigens auch noch ALLE abgegebenen DW super in Gruppen eingefügt, auch in schwierige. Es macht wirklich viel aus, wie sie aufwachsen

Lg, DWFreundin



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Geschrieben am 28.10.2014, 20:57

Da hast du Recht, das Aufwachsen ist wirklcih wichtigst. Deshalb kommen die Jungrammler bei mir immer zu einem erwachsenen Kastraten (wobei Leo sich in letzter Zeit als totaler Stinkstiefel erweist und Beißereien anzettelt, der ist wahrscheinlich als Boss einer Mädelstruppe besser aufgehoben). Nur so sieht man ja außerdem, wer das Zuchtziel erfüllt. Ich habe die Jungs vom Juni einfach zu den Jungs vom März dazugesetzt, man hat sich beschnuppert - das wars mit VG. Eine Garantie hat man trotzdem nie, siehe Waldi, der seinen Bruder (beide kastriert!) nach einem knappen Jahr friedlichem Zusammenleben plötzlich zerlegt hat und deshalb zu mir zurück kam.




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Geschrieben am 28.10.2014, 21:07

Ich hab nur einen Rammler, da erübrigt sich das




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Geschrieben am 28.10.2014, 21:21

Ich hab zwei Zuchtrammler und wieviele Jungs pro Wurf fallen, kannst du vorher nie wissen. Ich entscheide, welchen ich zur Weiterzucht behalte, wenn sie alt genug sind. Frühestens nach der zweiten Wollernte (die gerade läuft. Lupo junior hat mickrige 13g brauchbare Wolle abgeliefert, der Rest waren Rastalocken.... seine Schwester hat heute stolze 41g abgeliefert! Beide gepflückt, mit nackigscheren wäre es natürlich mehr gewesen!) Bisher hab ich noch keinen Rammler behalten, vor allem weil ich keine passende HÄsin habe. Könnte sie nur mit Mutter oder Schwester verpaaren, das will ich aber nicht. Brauche dringend noch blutsfremde Mädels...




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DWFreundin befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 21:27

Da ist das natürlich was andres

Im kommenden Zuchtjahr hoffe ich auf einen Nachwuchsrammler.... mal sehen. Linienzucht betreibe ich schon, sonst käme ich aber auch nie zum Zuchtziel

Im Grunde habe ich zwei Parteien: die eine Farbe, eher mäßig im Typ. Die andre toller Typ, aber unscheinbare Farben. Das Versuche ich zu kombinieren... dauert, aber wird langsam...

Lg, DWFreundin




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Angora-Angy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 21:36

Tja, an Linienzucht trau ich mich halt noch nicht ran, dafür weiß ich zu wenig über meine Ausgangstiere. Hab von der Züchterin, von der Emma stammt, über drei Ecken erfahren, dass sie sich das Glaukom in den Stamm reingezüchtet hat und deshalb derzeit keine Tiere abgibt (was wieder ein Punkt für diese Sammlung wäre, sowas finde ich verantwortungsvoll!). Nun muss ich beobachten, ob Emma dieses Glaukom mitgebracht hat.




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DWFreundin befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 21:43

Ja, das ist halt das Problem. Linienzucht bringt Dinge hervor die man will.... aber leider eben auch Dinge, die man vllt nicht will.

Bei mir z.B. bringt die Linienzucht tolle Farben, aber die Ohren in Pollys Linie sind zu kurz. Das kriegen auch die Jungen ab, wenn ich sie mit ihrem Sohn verpaare. Ich lebe damit, dass Tami nun farblich der Burner ist, aber als Häsin eigentlich zu klein und die Ohren zu kurz. Das Versuche ich mit einer andren Linie auszugleichen. Mal sehen, wie weit ich das schaffe




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DWFreundin befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Geschrieben am 28.10.2014, 21:54

Hier als Vergleich:

Bilder wurden am selben Tag aufgenommen. Häsin links ist 5 Monate alt und farblich nix besondres, aber die Ohren sind ein himmelweiter Unterschied zu Häsin rechts, die 7 Monate alt ist.

Gleicher Vater, unterschiedliche Mütter. Häsin rechts Stammt aus Linienzucht Mutter+Sohn




Hier sieht mans noch besser:



Aussehen soll es bestensfalls so, aber bitte in isabelle WO Otter BA



PS: Das sind alles Junghäsinnen, die sich noch entwickeln




Geändert von DWFreundin (28.10.2014 um 21:57 Uhr).
 
 
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