| Eine meiner liebsten Erinnerungen an Jule... ... ist dieser Text, den mir meine Mutter geschrieben hat als sie meine drei Nins Jule, Wuschel und Leo mal wieder in Urlaubspflege hatte.
Zunächst einmal eine Bitte: meine Mutter hat mir erlaubt, den Text hier einzustellen. Ich möchte aber darum bitten, das Urheberrecht in diesem Fall ganz besonders zu respektieren da dieser Text nicht "auf meinem eigenen Mist gewachsen" ist. Danke!
Nun kurz für alle, die meine Haltung und meine Nins nicht gut kennen ein paar Hintergrundinformationen.
Ich hatte eine Dreiergruppe bestehend aus zwei Mädels
- Jule, sehr dominant, unternehmungslustig, springfreudig, Kuschelzicke und immer darauf bedacht dass Wuschel nicht auf die Idee kommt ihr ihre Rangordnungsstelle streitig zu machen
- Wuschel, Flusenmonster, mein Angsthäschen vom Dienst, konnte es jedoch manchmal trotzdem nicht lassen Jule ein wenig zu ärgern
und meinem Kastraten
- Leo, Zahnkaninchen, trotzdem immer lebenslustig, sehr sozial und friedlich.
Untergebracht waren die drei in einem mardersicheren Außengehege. Fuhren wir längere Zeit in den Urlaub, war die Bande manchmal bei meiner Mutter untergebracht. Dort bewohnten sie ein Gehege aus den üblichen Gehegeelementen in einem großen, möblierten Gartenhaus. Da ich Jule kannte, habe ich dieses Gehege schon mit einer Netzabdeckung versehen gehabt, aber lest selbst was meine Mutter erlebte: Zitat: Aufgabe:
Wie schafft man es, Oma als „Urlaubs-Karnickel-Sitter“ ohne größere physische und psychische Schäden (an der Oma!) durch die Zeit der Kaninchen-Pflege zu bringen? Lösungsvorschlag:
1. Erfreue Dich an dem Anblick der fröhlichen 3 Kaninchen in ihrem Urlaubs-Domizil in Eurer Hütte. Es ist schön zu sehen wie sie sich dort wohl fühlen. Genieße diese Augenblicke sehr, denn es kann noch ganz anders werden! Noch sind sie ein wenig schüchtern.
2. Gehe morgens sehr vorsichtig vor. Schaue zuerst durch das Fenster der Hütten-Tür, ob Du alle Karnickel innerhalb des für sie vorgesehenen Geheges sehen kannst. Solltest Du das Glück haben, auch Jule sofort zu entdecken, kannst Du unbesorgt die Tür öffnen und zur „Futter-Tagesordnung“ übergehen.
3. Wenn Du aber nur Leo und Wuschel sehen kannst, musst Du sehr, sehr, sehr vorsichtig vorgehen.
4. Schließe die Tür auf und öffne sie ca. 1 cm breit – nicht ohne mit einem Auge diesen Spalt zu beobachten und mit dem anderen Auge die Hütte nach Jule abzusuchen. Solltest Du dann Jule immer noch nicht in Deinem Blickfeld haben, kannst Du in gebückter Haltung mit einer Hand in Fangbereitschaft die Tür gaaaanz vorsichtig weiter öffnen – nicht ohne Deinen Blick auch nur den Bruchteil einer Sekunde von diesem Spalt zu lassen. Wenn die Türöffnung groß genug ist schlüpfe in Windeseile herein und schließe die Tür sofort wieder hinter Dir – sicherheitshalber schließe sie von innen ab. Man kennt ja Jule.
5. Suche Jule.
6. Wenn Du sie siehst, überlege wie Du sie ins Gehege zurückbringst bzw. wie Du sie fangen kannst.
7. Als leichteste Übung kannst Du eines der Türchen des Geheges öffnen und hoffen, dass Jule hinein hüpft ohne dass Leo und Wuschel heraus hüpfen. (Manchmal sollen innige Gebete in Erfüllung gehen!) Sollte dies also – wider Erwarten – geglückt sein, freue Dich ganz doll – sieh aber sofort nach, wo Jule ausgebrochen ist.
8. Bevor Du den Fluchtweg entdeckt hast, lass Dir von Jule vorführen, wie sie das gemacht hat. (Sie hat ein Loch in das Abdeck-Netz über dem Eckhäuschen geknabbert.) Beobachte sie so gelassen wie möglich, wie sie auf der Kommode herumhüpft. Weil Du sie daran hindern willst, alle Gegenstände dort umzuwerfen, klemmst Du Dich in den Spalt zwischen Gehege und Tisch und erwischt Jule, als sie die Tempo-Taschentücher-Box zerpflücken will.
9. Oma, Du hast Dir zwar nun ein paar dicke blaue Flecken eingefangen, aber auch Karnickel Jule. Gut gemacht!
10. Befördere die protestierende Jule zurück in das Gehege und versuche in Windeseile das Loch, das Jule geknabbert hat, mit Klammern zu verschließen.
11. Nachdem Du Dir die Schweißperlen von der Stirn gewischt hast, versorge die 3 (nun vollzähligen) Kaninchen mit Frühstück.
12. Erfreue Dich an diesem Bild – Du wirst diese Glücksmomente brauchen.
13. Gehe gegen Mittag mit ungutem Gefühl zur Hütte. Es wäre zu schön, wenn alle 3 Karnickel in ihrem Gehege wären.
14. Es ist nicht zu schön.
15. siehe 2 + 3 + 4 + 5 + 6
16. Sollte Jule die (wieder unter schwierigsten Bedingungen < Leo und Wuschel > ) geöffnete Tür nicht akzeptieren, schließe diese Tür wieder und versuche Jule zu fangen.
17. Rücke den Kühlschrank vor, um zu sehen, ob Du sie aus dieser Ecke herausbekommen kannst. Ich schöre Dir, es wird Dir nicht gelingen!
18. Versuche, sie zu locken.
19. Versuche, Geduld zu haben.
20. Versuche, sie zu fangen. Gelingt Dir das, befördere sie zurück in das Gehege.
21. Trockne Dir Deine Tränen ab, damit Du sehen kannst, wo sie dieses Mal ausgebrochen ist. Du kannst es nicht entdecken – das Loch von den vor 3 Stunden stattgefundenen Ausbrüchen ist noch zu. Versuche Deinen Verstand nicht zu verlieren.
22. Hole alle Wäscheklammern die Du hast und verschließe den Rand des Geheges in 2-cm-Abständen.
23. Lege auf den geflickten Teil des Netzes die Klappbox und hoffe, dass dies hilft, alle 3 Karnickel im Gehege zu halten – dort machen sie ja sehr viel Freude.
24. Versuche nachts nicht davon zu träumen, dass Jule am Fenster auf der Fensterbank sitzt, Dir schon aus der Ferne mit dem Pfötchen zuwinkt und Dir anschließend grinsend einen Vogel zeigt. Du kannst ganz beruhigt sein – das kann nicht passieren! Die Fenster in der Hütte haben doch keine Fensterbank.
25. Gehe in die Apotheke und kaufe Dir Heparinsalbe. Versorge Deine blauen Flecken damit und vermeide den Blick auf Deine Oberschenkel – außer Dir will die ja sowieso niemand sehen. Ziehe in den nächsten Tagen unbedingt lange Hosen an, damit niemand Deinen unschuldigen Ehemann wegen Misshandlung seiner Frau anzeigt.
26. Sei beim Betreten der Hütte auf der Hut, auch wenn Dich Jule einen ganzen Tag verwöhnt und nicht ausbricht.
27. siehe 2 + 3 + 4 + 5
28. Wenn Du Jule nicht entdecken kannst, sperre nicht nur Deine Augen, sondern auch Deine Ohren auf. Versuche die Geräusche zu orten. Stelle fest, dass sie wieder aus der Ecke hinter dem Kühlschrank kommen, obwohl Du gemeint hast, dass Du den Zugang hierfür durch die Transportboxen verschlossen hattest. Irre Dich nicht – Du hast keine Ahnung, wie dünn sich ein ängstliches oder neugieriges Kaninchen machen kann.
29. Atme ganz tief durch und habe Geduld, auch wenn Deine Nerven gespannt wie ein Flitzebogen sind.
30. Unterdrücke Deine Bereitschaft, furchtbare Flüche auszustoßen.
31. Sobald sich Jule aus der Küchenecke entfernt hat, schnappe Dir in Windeseile die Liegenauflage und versuche, damit und mit den Transportboxen diese Ecke kaninchendicht zu machen.
32. Beobachte ohne Panik, wie sich Jule zwischen Folie, Kommode und Gehege versteckt. Bringe das Kunststück fertig, Dich dünner zu machen als der Spalt zwischen Tisch, Gehege und Bank ist und versuche, das Karnickel zu fangen. Beobachte – ohne bedrohlichen Bluthochdruck zu bekommen – wie sich Jule im letzten Moment im Rückwärtsgang Deinen Fangversuchen entzieht. Puhle Dich ganz langsam (Du könntest es ja sowieso nicht schnell machen) aus dem Spalt und gebe a) Deiner Verzweiflung keine Chance zu siegen und b) die Hoffnung nicht auf, Jule am anderen Ende ihres Fluchtweges zu erwischen. Sieh zu, wie Jule dies aber als den Anfang des Weges betracht und spiele das Spiel wieder mit. Vermeide einen Nervenzusammenbruch. Solltest Du Glück haben und Jule ändert ihre Pläne und hoppelt in die Küchenzeile, verlasse unter heftigen Schmerzen an den Oberschenkeln schnellstens den Spalt am Tisch, in den Du Dich geklemmt hast und folge ihr. Da Du dort eine (für sie bestimmt nicht unüberwindbare) Barriere errichtet hat, sollte es Dir als inzwischen geübte Karnickel-Fängerin nicht unmöglich sein, den Überraschungs-Effekt für Jule auszunützen und sie zu erwischen.
33. Stecke das stinkbeleidigte Kaninchen zurück in das Gehege und beobachte mit aufgestellten Nackenhaaren (Du – nicht Jule!), wie sie sich sofort wieder nach einem neuen Schlupfloch umsieht.
34. Entdecke ihr letztes „Ausbruchs-Loch“, was sie knapp neben dem ersten geknabbert hat. Schließe es so schnell wie es Dir nur möglich ist mit Deinen letzten Wäscheklammern.
35. Frage Opa, ob er noch irgendwelche Zwangsjacken, elektrische Zäune, Selbstschussanlagen o.ä. hat.
36. Nimm das Stück Karnickeldraht, was er Dir anbietet, dankbar an und „nähe“ es mit Bindedraht in mühevoller Kleinarbeit auf die Löcher, die Jule geknabbert hat.
37. Verbringe mehrere Stunden damit, potentielle Ausbruchs-Ecken mit Bindedraht ausbruchshemmend zu machen.
38. Nimm am nächsten Morgen mit großer Erleichterung zur Kenntnis, dass noch immer alle 3 Kaninchen innerhalb des Geheges sind. Schaue glücklich zu, wie sich 3 Fellnasen (nach ganz wenig Jagerei) in einem Napf versammeln. Genieße den Frieden.
39. Versteife Deine schlotternden Knie mit Bandagen, bevor Du morgens zur Hütte gehst.
40. Betrete die Hütte ohne ausgeprägte Vorsichtsmaßnahmen nachdem Du durch das Fenster alle 3 Kaninchen innerhalb des Geheges sehen konntest. Bekomme keinen Nervenzusammenbruch, weil sich diesmal ein furchtbares Gejage darstellt und Jule ihrer Freundin Wuschel ins Hinterteil beißt. Stelle mit Erleichterung fest, dass alle 3 Kaninchen beim Frühstück herzhaft zulangen.
41. Ärgere Dich nicht zu sehr über die dumme Wuschel, die schon abhaut bevor Jule sie überhaupt anfängt zu jagen und damit das allgemeine Durcheinander von 3 verschiedenfarbigen Fellen auf jeweils 4 Beinen auslöst. Freue Dich anschließend über den guten Appetit dieser rasenden Rasselbande.
42. Nimm Dein Herz in beide Hände, als Du morgens bei Deinem Blick durch das Hüttenfenster keines der Kaninchen durch das Gehege sausen siehst. Dieser Frieden ist Dir unheimlich – Du kennst ihn noch aus den Anfangstagen, wenn Jule nicht im Gehege war. Atme erleichtert ganz tief durch, als Du Jule trotzdem innen entdeckst – sie war wohl nur noch nicht richtig wach. Alle 3 Karnickel haben einen guten Appetit und Du kannst frohgemut zum Haus zurückkehren und nun auch für die Menschen Frühstück vorbereiten.
43. Sei dieses Mal sehr froh und glücklich, wenn Du alle 3 Karnickel gesund und wohlbehalten zurück geben kannst.
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