Hallo Lienchen,
diese Entscheidung gut zu überlegen ist auf jeden Fall richtig. Ich habe diese Entscheidung im Mai diesen Jahres treffen müssen, und habe dabei die folgenden Punkte berücksichtigt:
- Wie oft und wie heftig treten Scheinschwangerschaften auf?
- Leidet die Häsin und/oder Partnertier(e) sichtbar darunter?
- Wie alt ist die Häsin?
- Wie ist der Gesundheitszustand?
- Falls es die erste Scheinschwangerschaft war, ist ein Ultraschall der Gebärmutter gemacht worden?
- Ist mein Tierarzt erfahren in einer solchen Operation? Was kann er mir über Risiken und deren Minimierung erzählen?
Die Kastration einer Häsin ist verglichen mit der eines Rammlers eine deutlich kompliziertere OP. Es muss ein Bauchschnitt gemacht werden, der zwischen 3 und 5 cm Länge ungefähr sein wird. Eine Gasnarkose reicht wegen der OP-Dauer und der Schwere des Eingriffs meist nicht aus, es wird eine Kombinationsnarkose notwendig sein, die tiefer ist.
Alles in allem also ein Risiko, aber:
Bei heftigen oder fortgesetzt auftretenden Scheinschwangerschaften besteht immer der Verdacht, dass sich Veränderungen an Gebärmutter und/oder Eierstöcken gebildet haben können. Diese Veränderungen sind von außen oft schlecht sicht- bzw. tastbar. Sie können gefährlich werden, wenn z. B. die Gebärmutter vereitert oder sich mit Flüssigkeit füllt. Sie kann dann sogar reißen, eine Notkastration mit sehr ungewissem Ausgang wäre die Folge. Diese würde dann bei einem bereits sehr geschwächten Tier durchgeführt, ein ungleich größeres Risiko gegenüber der geplanten OP bei einem sonst gesunden und fitten Tier.
Wichtig ist also abzuklären, ob eine Veränderung der Geschlechtsorgane die Ursache sein könnte. In diesem Fall würde ich umgehend kastrieren lassen, lässt sich aber nichts feststellen und war es die erste Scheinschwangerschaft und ist die Häsin noch jung, kannst du auch noch abwarten ob es noch einmal vorkommt.
Bei meiner Jule kamen die Scheinschwangerschaften mehrfach vor, und ich habe sie direkt kastrieren lassen. Der erschreckende Befund: mein Bauchgefühl hatte mich nicht getrogen, ihre Gebärmutter war bereits 6 mal so groß wie es normal gewesen wäre. Jule hat alles gut überstanden, und hoppelt fröhlich und inzwischen ausgeglichener durchs Gehege. Auch bei einer weiteren mir bekannten Häsin verlief die OP zufriedenstellend, auch sie war erstaunlich (für die Schwere des Eingriffs) schnell wieder fit. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass es durchaus auch andere Fälle gibt, wo es nicht gut gegangen ist. Passieren kann immer etwas.