Trockenfutter ist nicht gleich Trockenfutter.
Zunächst sollte man einmal klären, was unter Trockenfutter zu verstehen ist. Erst dann kann man eine Entscheidung treffen ob Trockenfutter schädlich ist oder nicht.
Generell ist alles Futter trockenes Futter was sehr wenig Wasser enthält. Dazu gehört Heu ebenso wie Trockenkräuter, aber auch das industriell hergestellte Futter.
Was davon ist nun gut, was in Ordnung und was schädlich?
Ein guter Anhaltspunkt um das zu beurteilen: Wie sehr ist ein Futter verarbeitet?
Industrielle Trockenfutter sind stark verarbeitet. Sie sind gemahlen, zusammengepappt, evtl. gebacken, mit künstlichen Zusatzstoffen versetzt. Das alles ist für Nins ungesund. Für Menschen übrigens auch, auch uns tun all diese künstlichen Stoffe nicht wirklich gut.
Trockenkräuter und Heu dagegen sind weniger verarbeitet. Sie werden nach der Ernte "nur" getrocknet und sind daher in ihrer Struktur weitgehend noch erhalten.
Wichtig ist aber, dass die fehlende Flüssigkeit ersetzt wird! Jeder der trockenes Futter anbietet muss besonderen Wert auf eine gute Flüssigkeitsversorgung legen. Wasser muss im Napf angeboten werden, und dieser muss penibel saubergehalten werden und das Wasser 2 x täglich frisch angeboten werden. Abgestandenes Wasser schmeckt auch Kaninchen nicht
Also gilt:
Je stärker ein Futter verarbeitet wurde, desto schädlicher ist es! Pellets und Extrudate (aufgebackene Futterbrocken) können auch im Magen aufquellen und zu einer tödlich verlaufenden Magenüberladung führen, oder Pellets können beim Verschlucken die Luftröhre blockieren und das Nin erstickt!
Die zweite wichtige Frage bei der Beurteilung trockener Futtersorten ist die nach den Inhaltsstoffen und ob Kaninchen diese natürlicherweise fressen würden bzw. zur Verfügung haben.
So steht Getreide nur einen sehr kurzen Teil des Jahres auf dem Speiseplan von Kaninchen, und bevorzugt werden lieber die Fruchtstände verschiedener Gräser gefressen. Weizen und andere Zuchtgetreide enthalten Inhaltsstoffe die für Kaninchen schädlich sind - ähnlich wie einige Menschen haben viele Kaninchen eine Unverträglichkeit auf Klebereiweiße die den Zuchtgetreiden angezüchtet wurden damit man besser damit backen kann. Weizen ist aber oft in minderwertiger Qualität billig auf dem Weltmarkt zu haben, und daher für die Hersteller ein "gefundenes Fressen" um die Kosten für die Futterproduktion niedrig zu halten.
Dinge wie Johannisbrot und massenhaft Obst etc. sind ebenso mit Vorsicht zu genießen. Mal - selten - als Leckerchen darf es auch ein Stückchen Trockenobst sein. Es stellt sich aber die Frage: Warum eigentlich? Ein Stück Apfel kann man auch frisch geben... den Rest isst dann der Mensch und tut so seiner eigenen Gesundheit auch gleich noch etwas gutes. Als Futter ist aber Obst nicht einzustufen und hat deshalb in einer Trockenfuttermischung nichts zu suchen.
Ist das trockene Futter aber - wie ein gutes Heu oder eine abwechslungsreiche Trockenfuttermischung - das typische Futter eines gesunden Kaninchens, spricht nichts dagegen gerade im Winter wenn frische Sachen nicht in ausreichender Abwechslung zu finden sind in der Natur, diese zum Teil durch den getrockneten Vorrat zu ersetzen.
Bitte lasst also die Finger von Pellets, Körner-Mischfutter aus dem normalen Zoohandel und den aufgebackenen Dingen, und gebt lieber als Ergänzung zum Frischfutter gutes Heu, eine Trockenkräutermischung und ab und an ein paar Saaten die den Wildgräsern entsprechen auf die Kaninchen eingestellt sind.